Jonathan Ferrucci ist nach eigener Aussage „süchtig“ nach Bach. Für den in Florenz geborenen Pianisten mit australisch-italienischen Wurzeln sind dessen Werke ein unerschöpfliches Universum: „Wenn ich einen kompletten Zyklus erarbeite, gelange ich zu einem tieferen Verständnis der Musik.“ Nach seiner audite-Einspielung der Bach-Toccaten widmet sich Ferrucci nun den sechs "Englischen Suiten".
Für deren Interpretation setzt er bewusst auf einen modernen Konzertflügel, einen Yamaha CFX. Ferrucci verbindet dessen klangliche Möglichkeiten mit differenzierter Anschlagskultur, persönlichen Verzierungen, weit gespannten dramatischen Bögen und flexibler Tempogestaltung. So entsteht eine ebenso individuelle wie zeitgemäße Sicht auf Bach.
Die "Englischen Suiten", um deren (später hinzugefügten) Titel es einiges Rätselraten gibt, entstanden während Bachs Köthener Jahre und spiegeln die damalige Musikmode der Zeit. Französische Tanzsätze treffen auf Préludes, in denen Bach die hochmoderne italienische Konzertform reflektiert. Zugleich zeigen die Werke jene Vielschichtigkeit, die Ferrucci an Bach besonders fasziniert: Virtuosität, Ausdruckskraft und kompositorische Raffinesse verbinden sich zu einem der bedeutendsten Zyklen der Klavierliteratur.