Rezension Fono Forum 3/2003 | Anselm Cybinski | 1. März 2003 Nathan Milstein, der in München das Tschaikowsky-Konzert spielen sollte, musste...
Nathan Milstein, der in München das Tschaikowsky-Konzert spielen sollte, musste erkrankt absagen. Columbia Artists schickte einen 21-jährigen Wunderknaben Pinchas Zukerman. Die Kritiker überschlugen sich. Joachim Kaiser scheute nicht den Vergleich mit Szeryng und Oistrach. Und noch Harald Eggebrecht spricht in seinem Buch „Große Geiger“ von einem „der sensationellsten Debüts in Deutschland nach dem Krieg“. Welche Untertreibung! Der auch klangtechnisch ausgezeichnete Mitschnitt des Bayerischen Rundfunks aus dem Herkulessaal ist eine Droge. Eine Droge, die ein bisschen traurig macht. Was ist bloß passiert in den vergangenen 33 Jahren? Warum wirken diese natürliche Kraft, die geradezu existentielle Unbedingtheit des Musizierens heute als ein solches Naturereignis? Wann hört man noch eine so riskante Hingabe an die Emotionalität der Musik?
Zukerman „macht“ gar nichts Spezielles, es stimmt nur einfach alles. Die Mehrstimmigkeit zu Beginn der Durchführung des 1. Satzes kommt mustergültig heraus. Die Übergänge sind schlüssig, die Kantilenen entfalten sich ohne Schmalz und falsche Süße. So sehr die Geige leuchtet, reibt und brummt, immer spürt man: Diese überirdische Schönheit ist einer fast vulkanischen Energie abgerungen: Vor allem in den Spiccato-Passagen dringt sie ungebärdig an die Oberfläche. Geigen-Aficionados werden sich an sensationellen Flageoletts erfreuen, an superintensiven Höhen und wuchtigen Akkorden. Übrigens: Rafael Kubelik und das – abgesehen von einer arg quäkenden Solo-Klarinette – fantastische Orchester begleiten genau und voller Verve – und liefern dann noch eine großartige Vierte.
Zukerman „macht“ gar nichts Spezielles, es stimmt nur einfach alles. Die Mehrstimmigkeit zu Beginn der Durchführung des 1. Satzes kommt mustergültig heraus. Die Übergänge sind schlüssig, die Kantilenen entfalten sich ohne Schmalz und falsche Süße. So sehr die Geige leuchtet, reibt und brummt, immer spürt man: Diese überirdische Schönheit ist einer fast vulkanischen Energie abgerungen: Vor allem in den Spiccato-Passagen dringt sie ungebärdig an die Oberfläche. Geigen-Aficionados werden sich an sensationellen Flageoletts erfreuen, an superintensiven Höhen und wuchtigen Akkorden. Übrigens: Rafael Kubelik und das – abgesehen von einer arg quäkenden Solo-Klarinette – fantastische Orchester begleiten genau und voller Verve – und liefern dann noch eine großartige Vierte.