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Rezension Fono Forum Januar 2011 | Arnd Richter | 15. Dezember 2010 Der Alte aus Elberfeld

„Meine Herren, Sie kennen das Stück, ich kenne das Stück! Wir sehen uns heute Abend.“ Mit solchen Worten soll Hans Knappertsbusch mehr als einmal eine Probe vorzeitig beendet haben, um sich während des Konzerts ganz seiner Suggestionskraft und der Inspiration des Augenblicks hingeben zu können. Sieht man ihn dirigieren – dazu hat man dank weniger Filmdokumente auch heute noch Gelegenheit –, dann wundert man sich, wie viel Wirkung bei ihm aus winzigen Gesten entstehen konnte. Die rechte Hand braucht keinen großen Radius, und die linke ruht bisweilen auf dem Rand des Notenpultes, um im nächsten Moment dramatische, präzise Akzente sprichwörtlich aus dem Handgelenk zu schleudern.

Geringer Probenaufwand und sparsames Dirigat führten bei Knappertsbusch dennoch zu hochgradig differenzierten Interpretationen, die wiederzuhören gerade heutzutage besonders lohnt, denn der knarzige Alte aus Elberfeld ist ein durch und durch moderner Dirigent, wenn man die Sichtweise beispielsweise eines Nikolaus Harnoncourt gleichsetzt mit Modernität auf dem Felde klassischer und romantischer Orchestermusik. Diese Behauptung mag kühn erscheinen angesichts eines Dirigenten, der wie kaum ein anderer als „Old School“ abgestempelt wird.

Die Auseinandersetzung mit dem relativ breiten Repertoire der vorliegenden Box entlarvt jede Pauschalisierung hinsichtlich des Interpretationsstils von Hans Knappertsbusch als Vorurteil. Etwa bei Fragen des Tempos. Selbstverständlich kommt einem manches zunächst deutlich langsamer vor als gewohnt. Das heißt aber keineswegs, dass es so bleibt. Für Knappertsbusch ist auch das Tempo ein flexibler Parameter, der sich anpassen lässt an ein sehr individuelles dramaturgisches Konzept. Es ist somit gerne mal Bestandteil einer groß angelegten musikalischen Steigerung, und was scheinbar gemächlich begann, endet in einem gewaltigen Furioso (siehe Kopfsatz der Achten Beethovens).

Der Orchesterklang ist in seiner Vibrato-Armut oft spröde, die Sforzati bei Beethoven und in Schuberts „Unvollendeter“ mehr als dramatisch, und bei Klangfarben und Konturen setzt Knappertsbusch auf den feinen Pinsel statt auf den breiten Quast. Wen wundert es also, dass „Kann“ bei den Berliner Philharmonikern nicht mehr gern gesehen war, nachdem der Schönklang-Fetischist Karajan dort das Ruder übernommen hatte? Gut also, dass man die Ergebnisse der Zusammenarbeit aus den Jahren davor jetzt in klanglich optimal restaurierter Form hören kann. Die „Unvollendete“ und Bruckners Neunte gibt's sowohl als Studioproduktion wie auch als Live-Mitschnitt, ein Umstand, der vor dem oben geschilderten Hintergrund zum Vergleichen einlädt.
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Rezension Fono Forum Januar 2011 | Ingo Harden | 15. Dezember 2010 Klassisch konzentriert

Bei Audites neuem Doppelalbum mit „historischen“ RIAS-Produktionen handelt es sich nicht um CD-Premieren: Die Berliner Studioaufnahmen Solomons, 1956 kurz vor dessen vorzeitigem Verstummen entstanden, liegen auf dem britischen Label APR schon seit Jahren vor. Allerdings erscheinen sie hier erstmals als Digital-Transfer des originalen Bandmaterials, und dies sichert der Neuveröffentlichung einen unüberhörbaren klanglichen Vorsprung.

Walter Rathert hat im Begleitheft Solomons Kunst mit dem Hölderlin-Wort „heilignüchtern“ zu fassen versucht. Er trifft damit Wesentliches, sofern man den Ausdruck nicht als schönfärberisches Synonym für Blässe oder sklavisches Buchstabieren missversteht. Im Gegenteil gehörte Solomon ja zu den kraftvollsten und zugleich formvollendetsten Pianisten der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, die wie etwa Backhaus, Rubinstein, Gieseking, Gilels, dann auch Michelangeli und Anda konsequent dem damals jungen Ideal entschiedener Werktreue folgten. So sind sein Bach, Beethoven und Schumann Muster geradliniger, kernig und überlegen disponierter Gestaltung, sein Chopin öffnet, um ein Wort Schumanns zu variieren, den Blick auf die „unter Blumen verborgenen Kanonen“ dieser Musik. Mag manchem darüber ein träumerisch-romantischer Ton auch etwas kurz gekommen sein: In der Verbindung von kompakter Konzentriertheit mit musikalisch perfekter Nachzeichnung aller Melodie- und Formbögen ist Solomons Spiel nach wie vor modellhaft.

Sehr leise, tonbandbedingte Vorechos, vereinzelt minimale grifftechnische Flüchtigkeiten.
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Rezension Fono Forum Januar 2011 | Marcus Stäbler | 15. Dezember 2010 Liebesinstrument

Im Herbst seines Lebens brach für Leos Janácek noch einmal ein neuer Frühling an: Die Begegnung mit der fast 40 Jahre jüngeren Kamilla Stösslova – wie er selbst anderweitig verheiratet – wirkte wie ein Jungbrunnen und weckte neue schöpferische Kräfte: Von seinen frischen, in rund 800 Briefen dokumentierten Gefühlen inspiriert, schuf der mährische Komponist in den letzten acht Lebensjahren eine ganze Reihe großer Werke, die wir seiner wohl (körperlich) unerfüllten Liebe verdanken. Dazu gehören neben der Oper„Katja Kabanowa“ auch die beiden Streichquartette.

Das zweite, mit dem unmissverständlichen Titel „Intime Briefe“, hätte ursprünglich nicht nur – noch deutlicher – „Liebesbriefe“ heißen, sondern außerdem die übliche Bratsche durch eine Viola d'Amore ersetzen sollen: ein ausdrückliches Liebesinstrument also.

Der Bratschist Gunter Teuffel hat nun, mit Hilfe des Janácek-Kenners Milan Skampa, eine mögliche Urfassung dieses zweiten Quartetts rekonstruiert und sie gemeinsam mit dem Mandelring-Quartett aufgenommen – für eine SACD, die auch die etablierte Fassung und das erste Quartett enthält. Die reizvolle Gegenüberstellung ermöglicht einen spannenden Vergleich und lässt uns erahnen, wie der Komponist das Stück gemeint haben könnte. Die siebensaitige Viola d'Amore gibt dem Gesamtklang eine etwas weichere, silbrige Farbe und lässt die leisen Flüsterstellen noch intimer wirken. Auch sonst ist die Aufnahme sehr ausdrucksvoll und intensiv: Das Mandelring-Quartett betont den eruptiven, mitunter fast collagenhaften Charakter der Musik, indem es die schroffen Kontraste schonungslos scharf aufeinanderprallen lässt. Hier spricht die hitzige Emotionalität eines jugendlichen Liebenden von 74 Jahren.
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Rezension Columns - Sound and Music - Novità discografiche Novembre 2010 | - | 1. November 2010 Hans Knappertsbusch dirige I Berliner Philharmoniker

All'inizio degli anni Cinquanta Hans Knappertsbusch diresse più volte i mitici Berliner Philharmoniker. Il periodo più significativo di questa collaborazione è documentato da una serie di incisioni di alto livello sia live sia in studio realizzate dalla RIAS di Berlino. Questo cofanetto della Audite ripropone tutte queste registrazioni facendo ricorso ai nastri originali conservati negli archivi della RIAS, un fatto che consente all'etichetta tedesca di raggiungere una qualità sonora di altissimo livello. Il programma abbina con notevole ecletticità alcune opere del grande repertorio sinfonico e diversi brani dal carattere più leggero, due punti focali del repertorio di Knappertsbusch. Il confronto tra le registrazioni live e in studio della Nona Sinfonia di Bruckner e dell'Incompiuta di Schubert consentono di rendersi conto di quanto l'ambiente della sala d'incisione abbia influito sull'estetica interpretativa del grande direttore tedesco. Più in particolare, le opere presentate in questo cofanetto consentono di sfatare il pregiudizio secondo cui Knappertsbusch era il "maestro dei tempi lenti". Per fare solo due esempi, nell'Ottava Sinfonia di Beethoven adotta tempi decisamente mossi, mentre nelle sinfonie di Bruckner stacca tempi addirittura più veloci di quelli che si possono ascoltare nelle incisioni dei più grandi specialisti bruckneriani, primo tra tutti Günter Wand. Una scoperta davvero strepitosa, che contribuirà senza dubbio a spalancare nuove prospettive agli appassionati dei grandi interpreti del passato.
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Rezension Columns - Sound and Music - Novità discografiche Novembre 2010 | - | 1. November 2010 Fin dai primi anni della sua lunga carriera Wilhelm Backhaus si accostò a ogni...

Fin dai primi anni della sua lunga carriera Wilhelm Backhaus si accostò a ogni opera con la massima obiettività possibile. Sotto questo aspetto Backhaus esercitò una grandissima influenza sui pianisti della generazione successiva e il suo stile esecutivo rappresentò il degno contraltare a quello di Wilhelm Kempff. Il repertorio di Backhaus spaziava dai grandi capolavori del Classicismo e del Romanticismo, partendo da Bach per arrivare a Brahms, con le opere di Beethoven al centro. Durante gli oltre 70 anni della sua camera concertistica Backhaus eseguì un gran numero di volte le sonate di Beethoven, dimostrando ogni volta di possedere mia tecnica assolutamente irreprensibile e una straordinaria capacità di esaltare anche le più piccole nuances espressive. Questo disco della Audite propone un concerto live tenuto da Backhaus a Berlino nel 1969, ultimo anno della sua vita lunga e ricca di soddisfazioni. Le quattro sonate proposte consentono di apprezzare il fraseggio chiaro e trasparente e l'approccio classico di Backhaus, che seppe mettere in evidenza come pochi altri pianisti la raffinata architettura delle sonate di Beethoven senza sacrificare nessun dettaglio e senza scendere mai a compromessi.
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Rezension Columns - Sound and Music - Novità discografiche Novembre 2010 | - | 1. November 2010 La Audite celebra l'85° compleanno di Dietrich Fischer-Dieskau con un'edizione...

La Audite celebra l'85° compleanno di Dietrich Fischer-Dieskau con un'edizione speciale comprendente quattro volumi contenenti registrazioni effetuate tra il 1951 e il 1989, che si vanno ad aggiungere ai nove dischi della Audite Fischer-Dieskau Edition. Queste incisioni provenienti dagli archivi della RIAS e della Sender Freies di Berlino documentano in maniera molto eloquente il vastissimo repertorio e lo straordinario livello interpretativo che il baritono tedesco raggiunse nel corso della sua lunghissima carriera, durata ben mezzo secolo. Questi dischi – i cui programmi spaziano dai Lieder sacri op. 48 composti da Beethoven nel 1806 agli espressivi salmi di Heinrich Sutermeister pubblicati nel 1948, passando dalle opere più famose di Schumann, Brahms, Mahler e Reger – mettono in evidenza la personalità artistica e la profonda capacità di entrare nella musica che costituirono due degli elementi più significativi dell'arte di Fischer-Dieskau. Tra i musicisti che accompagnano il baritono tedesco in questi quattro dischi meritano di essere citati non solo pianisti del calibro di Hertha Klust, Daniel Barenboim, Cord Garben, Aribert Reimann e Tomás Vásáry, ma anche l'organista, Ulrich Bremsteller e – soprattutto – il soprano Julia Varady che, oltre a esserne la moglie, di Fischer-Dieskau è stata la compagna fedele in un gran numero di produzioni destinate a passare alla storia.
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Rezension Columns - Sound and Music - Novità discografiche Novembre 2010 | - | 1. November 2010 La Audite celebra l'85° compleanno di Dietrich Fischer-Dieskau con un'edizione...

La Audite celebra l'85° compleanno di Dietrich Fischer-Dieskau con un'edizione speciale comprendente quattro volumi contenenti registrazioni effetuate tra il 1951 e il 1989, che si vanno ad aggiungere ai nove dischi della Audite Fischer-Dieskau Edition. Queste incisioni provenienti dagli archivi della RIAS e della Sender Freies di Berlino documentano in maniera molto eloquente il vastissimo repertorio e lo straordinario livello interpretativo che il baritono tedesco raggiunse nel corso della sua lunghissima carriera, durata ben mezzo secolo. Questi dischi – i cui programmi spaziano dai Lieder sacri op. 48 composti da Beethoven nel 1806 agli espressivi salmi di Heinrich Sutermeister pubblicati nel 1948, passando dalle opere più famose di Schumann, Brahms, Mahler e Reger – mettono in evidenza la personalità artistica e la profonda capacità di entrare nella musica che costituirono due degli elementi più significativi dell'arte di Fischer-Dieskau. Tra i musicisti che accompagnano il baritono tedesco in questi quattro dischi meritano di essere citati non solo pianisti del calibro di Hertha Klust, Daniel Barenboim, Cord Garben, Aribert Reimann e Tomás Vásáry, ma anche l'organista, Ulrich Bremsteller e – soprattutto – il soprano Julia Varady che, oltre a esserne la moglie, di Fischer-Dieskau è stata la compagna fedele in un gran numero di produzioni destinate a passare alla storia.
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Rezension Columns - Sound and Music - Novità discografiche Novembre 2010 | - | 1. November 2010 In occasione del secondo centenario della nascita di Robert Schumann la Audite...

In occasione del secondo centenario della nascita di Robert Schumann la Audite presenta l’edizione integrale delle opere scritte dal grande compositore di Zwickau per il pianoforte e pedali. Nel diariodi Clara si legge: «Il 24 aprile [1845] abbiamo ricevuto un pianoforte a pedali che ci ha dato grandi soddisfazioni. La decisione di prenderlo ci era stata dettata più che altro dal desiderio di familiarizzarci con la tecnica organistica, tuttavia nel giro di poco tempo Robert ha maturato un crescente interesse per questo strumento e ha scritto una serie di schizzi e di studi per pianoforte a pedali che saranno sicuramente salutati con grande entusiasmo per il loro spirito innovativo». Nel maggio del 1845, subito dopo aver portato a termine il primo gruppo di opere per pianoforte a pedali, Robert scrisse: «A voler essere sinceri, nutro una grande fiducia nelle possibilità di questo strumento e sono convinto che – a tempo debito – potrà dare nuovi impulsi al repertorio pianistico. Mi attendo risultati meravigliosi». Sebbene per un certo periodo sia stato adottato dal Conservatorio di Lipsia per consentire agli studenti di organo di fare pratica, questo interessante ibrido non riuscì mai a trovare una collocazione stabile in ambito concertistico. Schumann compose tutte le opere per pianoforte a pedali nel 1845, nel corso di quello che lui stesso definì "periodo contrappuntistico". Queste opere sono accomunate da uno stile ieratico e molto austero, che rivela la profonda venerazione che Schumann provava per Johann Sebastian Bach. Queste opere vengono eseguite in questo disco da Andreas Rothkopf sull'organo storico Walcker di Hoffenheim.

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