Ihre Suchergebnisse

deropernfreund.de

Rezension deropernfreund.de 24.8.2017 | Egon Bezold | 24. August 2017 Edle kammermusikalische Kost

Welches Quartett kann es sich schon leisten am Mikrokosmos der Beethoven-Streichquartette vorüberzugehen? Die komplette Edition hat das Cremona Team jetzt auf 8 CDs auf dem audite Label vorgelegt. Das Spiel der Cremona Truppe ist von respektgebietender Einheitlichkeit, angefangen von der Wahl der Tempi und Phrasierung bis hin zur akkurat dosierten Behandlung und Nutzung des Bogens. Was die formale Beherrschung und Klarheit der Durchzeichnung betrifft, verdient die Spielkultur des Quartetto di Cremona großes Lob. Seit zehn Jahren spielt man in konstanter Besetzung. Der Kopf des Teams Cristiano Gualco zieht wie ein Feinzeichner die Linien, während Paolo Andreoli als Sekundgeiger mit Harmonie seine korrespondierenden Einwürfe beisteuert.

Simone Gramaglia meldet sich in den Mittelstimmen zu Wort. Mit Klang und Kraft bedient Giovanni Scaglione den Cello-Part. Was die Vierertruppe auszeichnet ist die artikulationskräftig erfrischende Art wie der Quartett-Text verdeutlicht wird, ohne dass jemand auf den Gedanken käme allzu deutlich mit dem didaktischen Zeigefinger aufzuzeigen.

Voller Überraschungen steckt die Wiedergabe der frühen sechs Quartette aus op. 18, die aufgrund der stilistischen Problematik mit zu den vertracktesten des Quartett-Zyklus zählen. So flitzen die schnellen Sätze als Kabinettstücke in spieltechnischer Präzision vorüber. Flexibel reagiert die Viererformation auf die Stimmungsumschwünge. Schlüssige Tempi markieren den Pulsschlag einer glutvollen Wiedergabe. Da wird nicht nur der Geist Haydns und Mozarts geweckt, sondern auch der mittlere und späte Beethoven vorausgedacht. Den klingenden Beweis liefern die kurzangerissenen Akkorde aus dem c-Moll op. 18,4. Auch das heikle Quartett op.18,5 gerät zum spannungsgeladenen Akt für fein ziselierte, nervig rhythmisierte Quartettkunst.

Hohe interpretatorische Intelligenz charakterisiert die Wiedergabe der mittleren Werkgruppe op. 59. Als eminent schweres Prüfstück erweist sich für die Primgeige das e-Moll Nr. 2, das Günther Pichler, der Ex-Primarius des Alban Berg Quartetts, als vertrackter als den Solopart des Beethoven-Violinkonzerts charakterisiert hat. Und es stimmt alles: die Spieltechnik, die sensibel ausgeschriebenen Übergänge, auch die vibrierenden Sechzehntelpassagen, die in der sich verflüchtenden Atmosphäre zu Tage treten. Welch fein abgetönte Stimmung prägt das ruhig genommene, breit ausgespielte „Adagio con sentimento“, das vorbildlich ausgewogen im Ausdruck fasziniert. Atem nehmend die akrobatische Fuge aus dem dritten Quartett, die selbst für ein professionelles Team eine Hürde darstellt. Dass dieser Sturmlauf wohl zum radikalsten gehört, was in der Sektion „Perpetuum mobile“ geschrieben wurde, machen die Cremona Leute klangartistisch zur Hetzjagd nach Noten.

Zur klanglichen Delikatesse gerät das Finale des ersten Satzes aus dem „Harfenquartett“ op. 74. Unwirsch springt einen das f-Moll Quartett op. 95 ins Gesicht. Da wird der musikalische Trotz buchstäblich auf die Spitze getrieben. Der große Gipfelsturm auf die Monster der späten Quartette, wo sich Spiritualität und geistiger Anspruch auf faszinierende Weise durchdringen, beginnt mit dem Es-Dur Quartett op. 127. Organisch gelingt die Darstellung, nirgends wird der natürliche Strom der Musik unterbrochen. So gewinnt das endlos fließende durch subtiles Variationenwerk angereicherte Adagio troppo, molto cantabile durch Ausspielen der harmonischen Reibungen besonders an Leuchtkraft. Dieser ausladende Satz wird mit viel Innenspannung aufgeladen. Da ist ein Auseinanderbröckeln ausgeschlossen. Mit welcher Reaktionsfähigkeit das Team die Stimmungsumschwünge realisiert, macht Staunen. Zum Quartett-Komplex zählt auch die Große Fuge B-Dur op.133 – ein nachkomponierter Bestandteil, der 6. Satz der Originalversion des Quartetts op. 130. Zu bewundern ist auch im a-Moll op. 132 der wunderbar ausgespielte „Heiliger Dankgesang eines Genesenden an die Gottheit“. Energisch durchgeformt erscheint das Alla marchia des vierten Satzes und die fulminant hoch wirbelnde Final-Stretta.

Die suitenartig aneinander gereihten Abschnitte im cis-Moll Quartett op. 131, die Beethoven ja auf das Komplizierteste nahtlos miteinander verzahnte, stiften überzeugende Einheit. Da werden die durchsichtig gespielten Details, die liberal behandelte Sonate nie aus dem Auge verloren. Im ersten Allegro kommen die Akzente konturenscharf. Innere Ruhe verströmen die schier endlos sich hin dehnenden Variationen. Es gibt keine Stimmenkorrespondenz, keine rhythmische Spannung, kein dynamischen Ansatz, über die vom Vierer Team flüchtig hinweg gespielt worden wäre. Von bohrender Kraft und beispielhaftem Standvermögen kündet der Finalsatz.

Diese exemplarische Auslegung bannt die Tontechnik auf das Format „Souround Sound – spielbar auf CD und SACD Player“. Das kammermusikalische Profil öffnet reizvolle kompositorische Perspektiven, vermittelt einen tiefen Einblick in Beethovens kammermusikalische Meisterschaft. Schulbildend für die Cremona Gruppe ist der Deutsch-Österreichische klassisch geprägte Stil (in Bezug auf Werktreue, Form und Stil) wie von Hatto Beyerle vom Alban Berg Quartett und in Fortsetzung von Piero Farulli vom Quartetto Italiano gepflegt wurde. Hier verbinden sich ein leidenschaftlich-emotionaler Ansatz mit romantisch geprägten Elementen sowie italienischer klanglicher Ästhetik. Da verschmelzen Struktur, Ausdruck und Form zur glühenden inneren Leidenschaft.
Deutschlandfunk

Rezension Deutschlandfunk Musikforum am 24.01.2014, 22.00 Uhr | Marcus Stäbler | 24. Januar 2014 BROADCAST Musikforum: Beethoven aus italienischer Sicht

Nach dem Ende des Quartetto Italiano im Jahr 1980 gab es lange Zeit kein italienisches Streichquartett von internationalem Rang. Doch das hat sich geändert: Das Quartetto di Cremona, Anfang des Jahrtausends gegründet, sorgt mit seinen Konzerten und Aufnahmen nicht nur in der Heimat für Furore. Beim deutschen CD-Label Audite entsteht derzeit eine Gesamteinspielung aller Beethoven-Quartette, deren erste Folge vom BBC Music Magazine für ihre "phänomenale Energie" gelobt und mit der Maximalpunktzahl von fünf Sternen bewertet wurde. Marcus Stäbler hat das Quartetto di Cremona getroffen und mit den beiden Gründungsmitgliedern Cristiano Gualco und Simone Gramaglia über die Aufnahme gesprochen. Im "Musikforum" denken sie über die zeitlose Größe der Beethoven’schen Quartette nach und erläutern die kulturpolitische Bedeutung des Großprojekts.
Ensemble - Magazin für Kammermusik

Rezension Ensemble - Magazin für Kammermusik 3-2013 Juni/Juli | Carsten Dürer | 1. Juni 2013 Guter Beginn

Das seit mehr als 10 lahren existierende italienische Quartetto di Cremona hat...
ensuite Kulturmagazin

Rezension ensuite Kulturmagazin Nr. 134 | Februar 2014 | Francois Lilienfeld | 1. Februar 2014 Amadeus-Quartett in Berlin

Als drei nach dem «Anschluß» 1938 aus Wien geflüchtete jüdische Geiger sich 1940 in einem Internierungslager auf der Isle of Man kennenlernten, wussten sie wohl noch nicht, dass sie bald an der Geburtsstunde eines der berühmtesten Streichquartette der Geschichte teilhaben würden. Diese Internierungslager waren von der britischen Regierung für «enemy aliens» (feindliche Ausländer) errichtet worden. Doch schon nach einigen Monaten wurden sie aufgelöst: Man sah ein, dass Flüchtlinge aus Hittler-Deutschland keine «Feinde» waren.

Die drei Geiger wurden Schüler von Max Rostal, der aIs großartiger Interpret und Pädagoge auch in Bern längere Zeit heimisch werden sollte. Durch die Rostal-Schülerin Suzanne Rozsa lernte das Trio den Cellisten Martin Lovett kennen, der später ihr Mann wurde. Schnell reifte der Entschluss, mit ihm ein Quartett zu gründen, mit Norbert Brainin (Erste Geige), Siegmund Nissel (Zweite Geige) und Peter Schidlof (Bratsche). Der erste Auftritt fand im Sommer 1947 in der Grafschaft Devon statt, der erste Triumph in der Londoner Wigmore Hall im Januar 1948. Bis zum Tode des Bratschisten im Jahre 1987 blieb das Ensemble zusammen.

Lebendigkeit, Enthusiasmus, eine Expressivität, welche die in der Musik enthaltenen Emotionen bis zur Grenze ausbrechen ließ, all dies sind Ingredienzen, die das Amadeus-Quartett weltweit berühmt machten. Unzählige Tourneen und Schallplatten prägten die Karriere dieses außergewöhnlichen Kleeblattes.

Es besteht kein Zweifel darüber, dass der Primgeiger Norbert Brainin musikalisch das Ruder führte. Die drei anderen Musiker akzeptierten dies, und so entstand eine klangliche und interpretatorische Einheit, die, verbunden mit der Spontaneität der Ausführung, zur Unterschrift des Ensembles wurde.

In der Zeit von 1950 bis 1967 war das Amadeus-Quartett häufig Gast in den Studios des RIAS in Berlin. audite ist nun dabei, die dort entstandenen Aufnahmen auf CD zu veröffentlichen, wie immer in hervorragender Qualität, direkt ab den originalen Tonbändern. Die ersten zwei Sammlungen, Beethoven und Schubert gewidmet, sind bereits im Handel. Vorgesehen sind weitere vier Publikationen (Mozart, Zeitgenössisches, Haydn, Romantik).

Nun hat das Amadeus-Quartett einen Riesenteil des Repertoires für die Deutsche Grammophon aufgenommen, teilweise in mehreren Versionen. Namentlich ihr Beethoven-Zyklus, 1959-1963 in Stereo eingespielt, hat Kultstatus. Ist also diese zusätzliche Wiederveröffentlichung nötig?

Die Antwort ist ein klares «Ja»: Für Radio-Aufnahmen stand bedeutend weniger Zeit zur Verfügung als in den Schallplattenstudios. Größere Spannung, nervöseres Spielen, ein dem Konzerterlebnis viel näheres Musizieren waren die Folgen. Wenn man sich auch oft auf dem «hohen Seil» bewegt, mit geringen Ausrutschern oder Intonationstrübungen, so werden diese Nachteile vielfach aufgehoben durch eine Intensität, die den Hörer fast vom Stuhl reißt. Vergleiche mit den Studioaufnahmen sind faszinierend, und ich möchte nicht zwischen den zwei Versionen wählen müssen!

Die Beethoven-Sammlung enthält auch das Streichquintett in C-dur, op. 29, mit Cecil Aronowitz an der zweiten Viola. Er war regelmäßiger Partner des Amadeus-Quartetts in der Quintett-Literatur.

Ein besonderer Fall ist das Es-dur Quartett, op. 127, von Beethoven. Merkwürdigerweise wurde dieses Werk, ebenso wie das in der gleichen Tonart stehende «Harfenquartett» op. 74 vom RIAS nicht aufgenommen. Der Sender besitzt aber einen Konzertmitschnitt von op. 127 (1967), der als «Ersatz» verwendet wird. Hier wird mit einer schier unglaublichen Hingabe musiziert, und der langsame Satz wird von Brainin und seinen Kollegen schon als Vorschau auf die Hochromantik gespielt.

Und gerade da ermöglichen uns die Produktionspläne von audite einen höchst interessanten Vergleich: Vor kurzem hat die Firma nämlich die zweite CD in einem geplanten Beethoven-Zyklus des Quartetto di Cremona veröffentlicht. Dieses Ensemble fasst op. 127 ganz anders auf, nicht als einen Blick in die Zukunft, sondern als einen Abschied von der Klassik. Der langsame Satz erhält hier zeitweise fast tänzerischen Charakter!

Man kann gespannt sein, auf die weiteren CDs sowohl der Amadeus- wie der Cremona-Serie.
Fanfare

Rezension Fanfare Tuesday, 01 October 2013 | Jerry Dubins | 1. Oktober 2013 Ordinarily, in our headers, we adopt Americanized spellings and abbreviations...

Ordinarily, in our headers, we adopt Americanized spellings and abbreviations for ensemble names. In normal circumstances then, I would have given the name of the Quartetto di Cremona as Cremona Qrt. But as far back as 2000, in issue 23:3, John Lambert reviewed a two-CD Musical Heritage Society set titled Julian Bream and Friends, which featured an ensemble named Cremona String Quartet. ArkivMusic lists that still available entry along with this new Audite release under the same Cremona String Quartet heading, but unless every single member of the ensemble has changed since the MHS recording, it’s very doubtful that the current Quartetto di Cremona is the same Cremona String Quartet of yore, which is why I spelled out its formal, official name.

Members of the Quartetto di Cremona ensemble are Cristiano Gualco and Paolo Andreoli, violins; Simone Gramaglia, viola; and Giovanni Scaglione, cello; and the present album is announced as Volume 1 in a new cycle of Beethoven’s complete string quartets. The reader, not to mention the reviewer, glutted with a seemingly endless supply of these works, may shrug his shoulders, yawn, and say, “ho-hum,” but this latest entry is one that compels you to sit up and take notice. Here we have performances that go beyond the now expected new normal of execution-perfect in every way, and that enter into that special domain reserved for the exceptional and the exalted among surveyors of this repertoire.

What stands out in these readings more than anything else is the rhythmic point-making; not that it exaggerates or distorts the written notes, but that it finds within them a dimension of elasticity that reveals specific passages in a new light. Here are some examples:

(1): In the scherzo movement of the B♭-Major Quartet, already rhythmically askew with syncopations and notes tied across bar-lines that undercut the 3/4 time signature, Beethoven adds a further twist in the form of a sforzando ( Sf ) to the first and second violin parts on the last beats of bars 1, 2, 3, 5, and 6. The players give this an extra zetz (Yiddish for strong blow or punch) that makes the passage sound even giddier in its destabilized derangement than usual. It’s as if the music has lost all mooring to its meter, which, I believe, is exactly what Beethoven intended.

(2): I wouldn’t want to suggest that Audite’s recording favors the viola and cello—in fact, the balance is ideal—but because it’s so open and spacious, details in the lower voices are heard more prominently than is often the case; and, as a result, one can hear just how meticulous the Cremona’s rhythmic articulation is. A case in point is the eighth-note, sixteenth-note rest, eighth note figure at bar 5 of the cello part in the third movement of the F-Minor Quartet. Instead of marveling at hearing a particular note, one marvels at hearing the rests. Because of the low frequency of the notes and the length of the cello’s vibrating strings, the sounded notes often tend to “bleed” over into the rests, but not here. Beethoven wrote the rests, and rests are what we get.

(3): The whole first movement of the F-Major Quartet, of course, is a rhythmic riot. But this time it’s the beginning of the second movement (Vivace) that receives distinctive articulation, and again, it’s the cello, with its insistent, metrically regular end-of-measure upbeats to the downbeats of the following measures, which set off the limping syncopations in the first and second violins that clarify what Beethoven is up to in a way I’ve rarely heard.

Personally, it wouldn’t have been my choice to program the quartets in this way; presenting the final quartet from each of Beethoven’s three periods is an interesting concept, but it’s not particularly a sequence in which I wish to hear them, and it raises a question as to how the quartets in subsequent volumes of this cycle are going to be ordered. But that has nothing to do with the performances or the recording, which I would predict, based on this first release, is going to end up one of the best Beethoven string quartet surveys yet. Here then is another strong Want List candidate that you should not be without.
Fono Forum

Rezension Fono Forum Juli 2013 | Marcus Stäbler | 1. Juli 2013 Am Rande des Wahnsinns

Die Mitglieder des Quartetto di Cremona sind mit feurigem Temperament gesegnet. Das flammte schon vor zwei Jahren aus der CD mit Werken von Haydn und Bartok (FF 05/11) - und es springt den Hörer auch beim Start der neuen Beethoven-Gesamtaufnahme an. Wie ein Blitzschlag kracht der Beginn des f-Moll-Quartetts op. 95 in die Stille, dessen ersten Satz die italienischen Streicher in atemberaubendem Tempo durchrasen. Die virtuose Passage kurz vor Schluss bürsten sie mit einem Furor in die Saiten, dass einem der Atem stockt. Beethoven am Rande des Wahnsinns.

Wie unter Hochdruck beginnt auch das frühe Quartett op. 18,6. Dadurch bekommt das Allegro einen energischen, auf Dauer vielleicht etwas zu zornigen Ton, der die neckischen Anteile der Musik kratzbürstig verleugnet. Absolut packend dagegen das Scherzo mit seinen vertrackten Rhythmen und einem unglaublich rasanten Trio.

Als spätes Quartett haben die Cremoneser das op. 135 für den Auftakt ihres Großprojekts ausgesucht. Und da zeigen sie neben erneuten Wutausbrüchen und zersplitternden Motiven auch die weichen Seiten der Musik. Wunderbar, wie der ganz leise Geigengesang im Lento von den anderen drei lnstrumenten liebevoll eingehüllt und beinahe versteckt wird; wie die Streicher dann, im Mittelteil, geheimnisvoll raunen, als würden sie uns Beethovens intimste Botschaften zuflüstern.

Ob diese neue Gesamteinspielung auf Dauer an das herausragende Niveau der Artemis- und der Belcea-Aufnahme heranreicht, müssen die kommenden Folgen zeigen. Mit dem Auftakt setzt das Ensemble jedenfalls schon mal ein Ausrufezeichen. Dass es bei Beethoven immer wieder Neues zu entdecken gibt, steht ohnehin außer Frage.
Gesellschaft Freunde der Künste

Rezension Gesellschaft Freunde der Künste 11.04.2013 | GFDK | 11. April 2013 Musik Klassik: Quartetto di Cremona – Italienische Streichkultur & historische Spielpraxis – Beethoven Streichquartette Vol. I

In den vergangenen zehn Jahren ist mit dem Quartetto di Cremona ein Streichquartett von internationaler Ausstrahlung herangereift, das italienische Streicherkultur mit dem Bewusstsein für historische Spielpraxis vereint. Seit vielen Jahren zu Gast in den internationalen Konzertsälen, werden die Musiker vielerorts als Nachfolge-Ensemble des Quartetto Italiano gehandelt.

Die Spielkultur des Quartetto di Cremona bewegt sich in einem besonderen Spannungsverhältnis zwischen italienischen und deutsch-österreichischen Einflüssen: Nach dem Studium setzte das Ensemble seine Ausbildung bei Piero Farulli vom Quartetto Italiano fort. Er favorisierte instinktives Musikertum und einen leidenschaftlich-emotionalen, eher romantischen und sozusagen „italienischen" Interpretationsansatz. Anschließend studierte das Quartetto di Cremona bei Hatto Beyerle vom Alban Berg Quartett, der für eine gegenteilige Herangehensweise steht. Die Konzentration auf Werktreue, Form und Struktur als Grundlage für musikalische Interpretation und Inspiration führen bei ihm zu einem klaren, klassischen und eher „Deutsch-Österreichischen" Stil.

Beide Lehrer hatten immensen Einfluss auf das Quartett und prägten seinen musikalischen Stil entscheidend. Auf natürliche Weise verbindet er beide Pole miteinander, vereint unbändige Spielfreude mit einem ausgeprägten Sinn für musikalische Architektur, kultiviert die Verschmelzung von Struktur und Ausdruck, von äußerer Form und innerer Leidenschaft.

Mit den drei Werken der ersten Folge schlägt das Quartetto di Cremona den großen Bogen über die wichtigsten Perioden der Beethovenschen Quartettkunst. Die Nr. 6 aus den sechs Quartetten op. 18 hat durch den Schlusssatz „La Malinconia" eine geheimnisvoll programmatische Dimension, während das Quartett op. 95 aus Beethovens mittlerer Schaffenszeit enorm kompakt und dramatisch zupackend erscheint. Am Schluss steht das allerletzte Quartett op. 135, das Beethoven ein Jahr vor seinem Tod in Wien vollendete und das im Vergleich zum sonstigen, eher spröde wirkenden, Spätwerk wieder eine versöhnliche Haltung einnimmt.
Hessischer Rundfunk

Rezension Hessischer Rundfunk hr2-kultur │Der CD-Tipp, Mo 22.04.13, 13.05-13.30 Uhr | Dr. Gerhard Splitt | 22. April 2013 hr2-kultur │Der CD-Tipp

Das Belcea Quartett hat seinen Beethoven-Quartett-Zyklus gerade mit einer...

Suche in...

...