Rezension Fono Forum August 2018 | Andreas Friesenhagen | 1. August 2018 Von Oktober 1889 an amtierte Richard Strauss für fünf Jahre als zweiter...
Von Oktober 1889 an amtierte Richard Strauss für fünf Jahre als zweiter Kapellmeister am Hoftheater in Weimar, eine Zeit, in der auch die drei Tondichtungen dieser CD uraufgeführt bzw. komponiert wurden. Wenn Kirill Karabits mit der Staatskapelle Weimar nun die Musik seines Quasi-Amtsvorgängers in der Stadt an der Ilm einspielt, darf er wohl auf die tätige Mithilfe des Genius loci hoffen. Und der lässt ihn nicht im Stich.
Um davon überzeugt zu sein, reicht es schon zu hören, wie mitreißend plastisch der Todeskampf des Protagonisten in "Tod und Verklärung" geschildert ist, wie greifbar etwa die sich nach oben reckenden Figuren der tiefen Streicher zu Beginn des Allegro-Teils das Aufbäumen des Sterbenden nachzeichnen. Karabits belässt es nicht beim Schönklang, er schöpft das erhebliche Konfliktpotenzial der Musik aus, lässt wilde Schmerzattacken in die Erinnerungen des Helden an schönere Tage hineinfahren. Umso erfüllter wirkt die finale Verklärung. Das ist zugegebenermaßen kein Strauss für Anhänger sublimierter Gefühle – die dem Komponisten hier aber wohl auch nicht vorschwebten.
Den etwas älteren, immer noch zu selten gespielten "Macbeth" inszeniert Karabits düster brodelnd, eruptiv, als Drama mit wenigen Lichtblicken. Was Wunder, wenn auch im "Don Juan" nicht der strahlende Verführer im Mittelpunkt steht. Karabits scheint dem Nimbus dieser Figur zu misstrauen, die Farben wirken gedeckt, die Kantilenen müssen sich gegen die Nebenstimmen behaupten. Der Ukrainer akzentuiert auch hier die dunklen Untertöne, ohne dem indes die Leidenschaft zu opfern. Sein Bekenntnis zur Heterogenität dieser Musik lässt ein komplexeres Bild des Don Juan entstehen, als man es vielleicht gewohnt ist.
Der harmlose Festmarsch in C – zwischen "Don Juan" und "Tod und Verklärung" entstanden – ist eine verzichtbare Zugabe.
Um davon überzeugt zu sein, reicht es schon zu hören, wie mitreißend plastisch der Todeskampf des Protagonisten in "Tod und Verklärung" geschildert ist, wie greifbar etwa die sich nach oben reckenden Figuren der tiefen Streicher zu Beginn des Allegro-Teils das Aufbäumen des Sterbenden nachzeichnen. Karabits belässt es nicht beim Schönklang, er schöpft das erhebliche Konfliktpotenzial der Musik aus, lässt wilde Schmerzattacken in die Erinnerungen des Helden an schönere Tage hineinfahren. Umso erfüllter wirkt die finale Verklärung. Das ist zugegebenermaßen kein Strauss für Anhänger sublimierter Gefühle – die dem Komponisten hier aber wohl auch nicht vorschwebten.
Den etwas älteren, immer noch zu selten gespielten "Macbeth" inszeniert Karabits düster brodelnd, eruptiv, als Drama mit wenigen Lichtblicken. Was Wunder, wenn auch im "Don Juan" nicht der strahlende Verführer im Mittelpunkt steht. Karabits scheint dem Nimbus dieser Figur zu misstrauen, die Farben wirken gedeckt, die Kantilenen müssen sich gegen die Nebenstimmen behaupten. Der Ukrainer akzentuiert auch hier die dunklen Untertöne, ohne dem indes die Leidenschaft zu opfern. Sein Bekenntnis zur Heterogenität dieser Musik lässt ein komplexeres Bild des Don Juan entstehen, als man es vielleicht gewohnt ist.
Der harmlose Festmarsch in C – zwischen "Don Juan" und "Tod und Verklärung" entstanden – ist eine verzichtbare Zugabe.