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Rezension http://operalounge.de März 2020 | Daniel Hauser | 30. März 2020 Gelungene diskographische Erweiterung in Sachen Liszt

Das Liszt-Jahr ist zwar vorüber, doch glücklicherweise bedeutet das nicht, dass die Fülle an teils hochkarätigen Neueinspielungen damit verebben würde. Die Staatskapelle Weimar unter ihrem damaligen, aus der Ukraine stammenden Chefdirigenten Kirill Karabits ließ bereits aufhorchen in Sachen Liszt, als audite das Opern-Fragment Sardanapalo (plus Mazeppa) auf den Markt brachte. Es ist insofern schade, dass Karabits‘ Weimarer Amtszeit 2019 nach gerade drei Spielzeiten auch schon wieder endete. Ob die nun vorgelegte Liszt-Neuaufnahme (audite 97.760) in dieser Kombination bereits die letzte war, bleibt abzuwarten. Eingespielt wurde wieder neben ziemlich bekannten Werken, der Dante-Sinfonie und der Sinfonischen Dichtung Tasso, wiederum eine absolute Rarität, der sogenannte Künstlerfestzug zur Schillerfeier, der hier sogar seine Weltersteinspielung erfährt. Aufgenommen wurden die drei Werke während Karabits‘ finaler Spielzeit im Congress Centrum Neue Weimarhalle (die Dante-Sinfonie zwischen 17. und 20. August 2018, der Rest am 14. und 15. April 2019).

Von den beiden großen Programmsinfonien, die Liszt vorgelegt hat, steht diejenige, die dem Florentiner Renaissance-Dichter Dante Alighieri und seiner Göttlichen Komödie gewidmet ist, etwas im Schatten der Faust-Sinfonie. Dies gewiss zu Unrecht, zeigt sich die musikalische Umsetzung doch schlechterdings genial. Sie besteht trotz ihrer erheblichen Länge von einer dreiviertel Stunde lediglich aus zwei Sätzen, bezeichnet mit Inferno sowie Purgatorio – Magnificat. Liszt stellte also lediglich das Jüngste Gericht und das Fegefeuer musikalisch dar; den Himmel hielt er letztlich in musikalischer Form für nicht angemessen umsetzbar. Der Schlusschor (mit Harmonium) gibt lediglich eine, allerdings im wahrsten Sinne des Wortes himmlische Vorahnung auf denselben wieder. Ad libitum, auf Anraten der Fürstin Sayn-Wittgenstein, fügte er freilich noch einen „pomphafte[n], plagialische[n] Schluß“ (Wagner) hinzu, der heutzutage fast immer weggelassen wird, so auch hier, so dass die Sinfonie mit einem „sanften, edlen Verschweben“ (ders.) ausklingt. Allzu viele Einspielungen des Werkes gibt es – anders als bei der Faust-Sinfonie – nicht. Daniel Barenboims Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern (Teldec) hat mich seinerzeit jedenfalls mehr beeindruckt als jene von Giuseppe Sinopoli mit der Staatskapelle Dresden (DG). Ausgezeichnet ein kommerziell nicht erhältlicher Rundfunkmitschnitt des Chicago Symphony Orchestra unter Riccardo Muti, der tatsächlich den alternativen Schluss anhängt. Die Neuproduktion aus Weimar kann sich dort sehr gut einreihen und wartet zumal mit einer phantastischen Klangqualität auf. Im Inferno und im Magnificat wählt Karabits mit 21:03 und 7:31 nahezu identische Spielzeiten wie Barenboim, um im Purgatorio allerdings fast drei Minuten flotter zur Sache zu gehen (18:02) – und ganze fünf Minuten schneller ist als Sinopoli. Die Damen des Opernchores des Deutschen Nationaltheaters Weimar sowie der Knabenchor der Jenaer Philharmonie unterstützen das herrlich aufspielende Orchester kongenial.

Tasso. Lamento e Trionfo ist vermutlich eine der drei am häufigsten gespielten Liszt’schen Tondichtungen (neben Les Préludes und Mazeppa). Wiederum steht ein italienischer Dichter, diesmal Torquato Tasso, im Zentrum, der am Ende wahnsinnig wurde und einen Tag vor seiner geplanten Dichterkrönung starb. Mit seiner zu Unrecht völlig im Schatten stehenden dritten Trauerode Le Triomphe funèbre du Tasse schuf der Komponist später gar eine Art Fortsetzung. Berühmtheit erlangte Tasso insbesondere wegen der ohrwurmartigen „venezianischen Melodie“, welche Tassos nagenden Schmerz widerspiegelt. Karabits wählt gemessene Tempi, kommt auf 21:25 Minuten und erreicht damit beinahe die Ausmaße, welche Herbert von Karajan 1975 in seiner Einspielung für die Deutsche Grammophon wählte, die für mich nach wie vor die Referenz darstellt. Und ohne Frage gelingt Karabits auch hier eine Interpretation, die zu den besten gerechnet werden muss, vom zaghaften Beginn bis zum triumphalen Abschluss.

Die Weltpremiere, auf der vorliegenden CD als erster Track gelistet, ist das heimliche Highlight. Sicherlich reicht der Künstlerfestzug künstlerisch schwerlich an die beiden anderen Stücke heran, doch ist die Umsetzung dieser etwa elfminütigen Triumphalmusik trotz fehlender Vergleichsoptionen wiederum tadellos und lässt diese Komposition nicht als hohlen Pomp dastehen.

Eine feine diskographische Erweiterung in Sachen Liszt also, bei der man eine Fortsetzung der audite-Reihe erhoffen würde.
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Er war einer der besten Cellisten des 20. Jahrhunderts: Paul Torteller (1914-1990), der unter anderem auch als Lehrer, Komponist und Dirigent wirkte. Was sein Cellospiel auszeichnete, vermitteln diese erstmals veröffentlichten RIAS-Aufnahmen von 1949, 1962 und 1964 (darunter drei erstmals in Torteliers Interpretation zu hörende Werke): die sensible Bogenhand, der Reichtum der Klangfarben und der natürliche Fluss der Musik. Die klanglich überzeugend aufbereiteten Aufnahmen spiegeln Torteliers Repertoire von Bach über Beethoven, Schumann, Brahms und Faure bis zu Kodály und eigenen Werken wieder. Ein reizvoller Einblick in Torteliers Berliner Karriere.
Gramophone

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Written in 1857, Liszt’s Künstlerfestzug was originally planned as a grand pièce d’occasion to accompany the unveiling in Weimar of the famous double statue of Goethe and Schiller that stands in front of the National Theatre, where Liszt (and indeed, more recently, Kirill Karabits) served as Kapellmeister. In the event, the premiere was shelved until the centenary of Schiller’s birth two years later, by which time it had become the Prelude to Friedrich Halm’s melodrama Vor hundert Jahren, for which Liszt provided incidental music to accompany the dialogue between allegorical figures representing Germany and Poetry, narrating the writer’s life and celebrating his achievement.

It was not revived, however, until last year’s Schiller anniversary, when Karabits performed the complete work, first in Weimar, then with the Bournemouth Symphony Orchestra in Poole. The critical response was guarded (regrettably, I didn’t hear it), though Karabits has now given us the premiere recording of the Künstlerfestzug on its own as the first work on his latest Liszt album. Though we’re not dealing with a lost masterpiece, it’s by no means negligible. There are echoes of the march from the first movement of the Faust Symphony in both the thematic contours and ceremonial tread of the opening statement, while a lyrical, introspective horn melody, representing Schiller himself, forms an effective point of repose at the centre. Avoiding stodgy solemnity and keeping it light on its feet, Karabits propels it forwards with graceful urgency, and brings terrific energy to the final peroration, where the playing is virtuoso and the Weimar brass, excellent throughout, sound splendidly gleaming and triumphant. With its companion pieces we are on more familiar ground, though Karabits is perhaps on a less sure footing. Darkly brooding strings, really intense and grieving, get Tasso off to a fine start, though the performance turns episodic later on – always a danger with this work – and one misses the greater coherence and drama of Masur and the Leipzig Gewandhaus (EMI, 11/81) here. Apart from a couple of moments of thin violin tone, meanwhile, A Dante Symphony is beautifully played and the unusual combination of women’s and children’s voices in the final Magnificat is particularly striking. Karabits gives us a notably baleful account of the opening ‘Inferno’ with an extremely sensuous Paolo-Francesca love scene, though the ‘Purgatorio’ again seems discursive when placed beside Noseda, altogether more intense and purposeful with the BBC Philharmonic (Chandos, 8/09), or the extraordinary emotional and spiritual refinement of Sinopoli with the Dresden Staatskapelle (DG, 11/98), still my first choice for this remarkable score. The Künstlerfestzug makes the disc essential listening for Lisztians, but for the other works you perhaps need to look elsewhere.
Crescendo Magazine

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