Rezension Badische Zeitung 12.12.1992 | J. A. | December 12, 1992 Lebendigkeit
„Barocke Orgelschätze“ präsentiert der Freiburger Orgelprofessor Klemens Schnorr auf einer CD-Novität. Aufnahmeort: die Jesuitenkirche Mindelheim im Unterallgäu. Dort hat der Augsburger Rudolf Kubak 1984/87 in Augustin Simnachers Orgelgehäuse von 1722 ein neues Werk gebaut, bei dem auch Pfeifenmaterial einer Steinmeyer-Orgel von 1896 übernommen wurde. Die Synthese gelang bestens. Zu hören ist das 27-Register-Instrument mit einer attraktiven Kollektion von norddeutscher, süddeutscher und französischer Musik. Stets zeigt Schnorr sich als souveräner, stilkundiger Gestalter. Lebendigkeit, Klarheit und Farbigkeit sind Trumpf: Man spürt’s unter anderem bei Nicolaus Bruhns’ großem e-Moll-Präludium, bei Johann Caspar Kerlls Kuckucks-Capriccio und den „Noël“-Kostproben von Corrette und Balbastre.
Die herrliche F-Dur-Toccata des Reimser Kathedralorganisten Jules Grison (1842 bis 1896) entstammt zwar nicht dem Barock, ist aber ohne barocke Vorbilder kaum denkbar. An der in der Mitte des 17. Jahrhunderts zu datierenden kleinen Mindelheimer Katharinen-Orgel spielt Schnorr hübsche Variationen aus Justin Heinrich Knechts Feder.
Die herrliche F-Dur-Toccata des Reimser Kathedralorganisten Jules Grison (1842 bis 1896) entstammt zwar nicht dem Barock, ist aber ohne barocke Vorbilder kaum denkbar. An der in der Mitte des 17. Jahrhunderts zu datierenden kleinen Mindelheimer Katharinen-Orgel spielt Schnorr hübsche Variationen aus Justin Heinrich Knechts Feder.