Rezension
Fono Forum 2/2005 | Dr. Michael Kube | February 1, 2005
Erstrangig
Hört man das Streichquartett von Friedrich Gernsheim (1839-1916), so traut man seinen Ohren nicht. Warum macht man mit einem so erstrangigen und ausdrucksstarken Werk erst jetzt Bekanntschaft? Freilich, es „brahmst“ hier kräftig – doch ist das wirklich nur Epigonentum oder nicht doch ein musikalischer Dialekt, den wir sonst nur von Brahms her kennen? Im Gegensatz zu dessen Opus 51/1 gibt sich das Werk von Gernsheim ganz kammermusikalisch und findet im Mandelring Quartett einen engagierten Anwalt. Gewöhnen muss man sich allerdings ein wenig an die Kirchenakustik; dann aber wird man am profunden Spiel und homogenen Klang des Ensembles seine Freude haben.