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Rezension Deutschlandfunk Sonntag,18.10. 2009 um 09:10 Uhr | Rainer Baumgärtner | October 18, 2009 Dem Meister auf der Spur

1605 und 1607 erschienen zwei mit 'Gradualia' überschriebene Bände mit lateinischer Kirchenmusik vom großen Komponisten William Byrd. Mehrstimmige Mariengesänge daraus hat das Vokalensemble The Cardinall's Musick neu für das Label Hyperion aufgenommen.

Heute können Sie zwei Veröffentlichungen mit Alter Musik kennen lernen, englische Vokalmusik steht dabei italienischer und deutscher Instrumentalmusik gegenüber. Am Mikrofon begrüßt Sie Rainer Baumgärtner.

Für das Label "audite" hat das Ensemble Les Cornets Noirs unter dem Titel 'Echo e risposta' auf den Emporen der Klosterkirche Muri in der Schweiz virtuose Instrumentalmusik eingespielt, die zumeist in den 20er-Jahren des 17. Jahrhunderts veröffentlicht wurde. Ein wenig früher, in den Jahren 1605 und 1607, erschienen zwei mit 'Gradualia' überschriebene Bände mit lateinischer Kirchenmusik vom großen englischen Komponisten William Byrd. Mehrstimmige Mariengesänge daraus hat das Vokalensemble The Cardinall's Musick neu für das Label Hyperion aufgenommen. Vor 20 Jahren als Studentenchor gegründet, zählt The Cardinall's Musick inzwischen zu den führenden englischen Gesangsformationen im Bereich der Alten Musik. Ihr Gründer und Leiter Andrew Carwood ist daneben auch auf dem prestigeträchtigen Posten des Musikdirektors an der Londoner St.Paul's Cathedral gelandet. Mit seiner jüngsten Veröffentlichung hat das Ensemble ein beeindruckendes Projekt abgeschlossen, die Gesamtaufnahme aller lateinischen Kirchengesänge William Byrds auf zwölf CDs.

1) William Byrd, Beata es, Virgo Maria (Offertorium / Mariae Geburt)
Dies war der Gesang zur Gabenbereitung "Beata es, Virgo Maria-Glücklich bist du, Jungfrau Maria" von William Byrd. Mit Byrd hat sich das Vokalensemble The Cardinall's Musick dem bedeutendsten englischen Komponisten der Spätrenaissance zugewandt. Zeitweilig wirkte er am englischen Königshof und schrieb Musik für den anglikanischen Gottesdienst. Doch seine lateinischen Werke aus der zweiten Hälfte seines Lebens lassen erkennen, dass er ein standhafter Katholik war, der auch in einer Zeit von Repressalien gegen Katholiken seinem Glauben treu blieb. Die meist kurzen Werke aus seinen beiden 'Gradualia'-Bänden konnten als erbauliche Gesänge für den Hausgebrauch benutzt werden (und waren von daher für die Zensur unangreifbar), man konnte sie aber auch in heimlichen katholischen Gottesdiensten einsetzen. The Cardinall's Musick hat die durch Prägnanz und rhythmische Vitalität bestechenden polyphonen Werke für die Einspielung nach Themen gegliedert. Auf der neuen CD präsentiert das Ensemble Kompositionen für drei Kirchenfeste zu Ehren der Jungfrau Maria.

2) William Byrd, Benedicta et venerabilis (Graduale / Mariae Geburt)
Dies war "Benedicta et venerabilis", ein Gesang zur Gabenbereitung aus der Messe am Fest Mariae Geburt. Englische Vokalensembles im Bereich der Alten Musik hatten früher meist den Ruf, technisch hervorragend zu sein, dabei aber oft den emotionalen Moment der Musik außer Acht zu lassen. Die vielfach preisgekrönte Cardinall's Musick überzeugt hingegen mit einem empfindsamen und variablen Stil, der die meisterhaften kleinen Kompositionen William Byrds voll zur Geltung kommen lässt. Dies hört man auch bei seiner Teilvertonung des "Ave Maria- Gegrüßet seist du, Maria", dem bekanntesten Mariengebet.

3) William Byrd, Ave Maria (Offertorium / Mariae Verkündigung)
Zu Lebzeiten William Byrds um 1600 fand der Übergang von der Renaissance zum Barock statt und eine zukunftsweisende Entwicklung im Bereich der Musik war dabei die Emanzipation der Instrumental- von der Vokalmusik. Besonders prägnant ereigneten sich diese Entwicklungen in Italien und das Ensemble Les Cornets Noirs lässt diese auf seiner neuen CD mit markanten Beispielen nachempfinden-zusätzlich verdeutlichen einige deutsche Kompositionen, wie die italienischen Impulse hierzulande aufgenommen wurden.

'Echo e risposta-Echo und Antwort' lautet der Titel der CD, der auf zwei typische Kompositionstechniken der Epoche um 1600 Bezug nimmt. Beim Versuch, effektvolle und gut strukturierte instrumentale Werke zu schaffen, orientierten sich die Musiker damals oft noch an Phänomenen der Vokalmusik wie Echos oder dem abwechselnden Einsatz verschiedener Instrumentalgruppen. Giovanni Battista Riccio hat in seiner 'Canzon a due in echo' genau die Art von Echowirkung kopiert, wie sie zu seiner Zeit in Madrigalen und Motetten beliebt war.

4) Giovanni Battista Riccio, Canzon a 2 in echo (Venedig 1614)
Seinen Höhepunkt erreichte das Dialogisieren mehrerer Instrumental-'Chöre'-in Anlehnung an ähnliche Verfahren in der Vokalmusik-bei Giovanni Gabrieli auf den Emporen von San Marco in Venedig. Die nach den (schwarzen) Zinken, den Hauptinstrumenten des 1997 von Gebhard David und Frithjof Smith gegründeten Ensembles, benannten 'Les Cornets Noirs' gingen für die Aufnahme ihrer neuen Platte ebenfalls auf die Emporen einer Kirche. Die barocke Klosterkirche Muri im Schweizer Kanton Aargau besitzt zwei Lettnerorgeln aus dem Jahr 1743, die sich für das Projekt anboten. Um es zu realisieren, wurden extra zwei Zinken-hölzerne Instrumente mit Kesselmundstück-in der Stimmtonhöhe der beiden Emporenorgeln von 425 Hertz hergestellt. Die folgende Sonate von Alessandro Stradella stellt zwei Instrumentalchöre gegenüber-einmal Violinen, einmal Zinken und hinzu gesellt sich jeweils eine Orgel.

5) Alessandro Stradella, Sonata a 4. Due violini, e due cornetti divisi in due chori
In der Klangverschmelzung der modifiziert mitteltönig gestimmten Empororgeln von Muri mit den übrigen Instrumenten ist Les Cornets Noirs eine ebenso ungewöhnliche wie faszinierende Aufnahme gelungen, an der Freunde frühbarocker Musik nicht vorbeigehen können. Klangpracht und harmonische Reizpunkte sind ebenso vorhanden wie virtuoses Spiel, hervorragender Aufnahme-Sound und eine ausführliche Dokumentation im Booklet.

6) Johann Staden, Sonata prima. 2. Cant: & I.Baß. (Nürnberg 1643)
Mit der Sonata prima des Nürnbergers Johann Staden-ein Beispiel für den Einfluss der italienischen Musik auf den Norden-ging die Sendung 'Die Neue Platte' im Deutschlandfunk zu Ende, heute mit Alter Musik aus der Zeit um 1600. Die CD 'Echo e Risposta' mit Les Cornets Noirs, erschienen bei audite, wird in Deutschland von Edel vertrieben. Und die zuvor vorgestellte CD von The Cardinall's Musick, 'Assumpta est Maria' mit Mariengesängen von William Byrd, die das Label Hyperion herausgebracht hat, ist über die Firma Codaex und im Internet erhältlich.

Am Mikrofon verabschiedet sich Rainer Baumgärtner.
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1. Niccolò Corradini: Sonata La Golferamma… in risposta [3] 4’09

CDs mit dem Repertoire der vorliegenden, nämlich instrumentale Ensemblemusik des 17. Jahrhunderts, gibt es geradezu haufenweise. Was die Interpreten an diesem Repertoire so fasziniert, ist die Freiheit im Bereich der Instrumentation und des Ausdrucks. Und der Hörer von heute ist erstaunt über den Reichtum an Klangfarben und Formen. Ausgehend von Italien wurde diese avantgardistische Kammermusik seit dem frühen 17. Jahrhundert auch in Deutschland populär und es entstand eine geradezu unüberschaubare Anzahl von Kompositionen.

2. Cesario Gussago: Sonata La Leona a 8 (2 Orgeln) [5] 3’09

Ein besonderes Segment innerhalb dieses Repertoirs funktioniert nach dem Echo-Prinzip oder ist eine Frage- und Antwortspiel im Rahmen von vielstimmigen Kompositionen, die doppelchörig organisiert sind. Solche Echo- und Risposta-Kompositionen hat das Ensemble ausgewählt. Diese Musik ist den räumlich musikalischen Gegebenheiten in der Klosterkirche von Muri geradezu auf den Leib geschneidert. Denn dort liegen zwei barocke Orgeln (1743) auf einer Galerie, die den ganzen Kirchenraum umgreift, einander genau gegenüber. Diesen Orgeln nun, auf denen in den Sonaten und Canzonen der Basso continuo ausgeführt wird, sind Instrumentalisten zugeordnet.

3. Giovanni Battista Riccio: Canzon a 2in Echo [7] 3’11

Insgesamt ergibt sich eine Fülle von räumlichen Klangwirkungen, die in hohem Maße faszinieren, besonders freilich dann, wenn man die Mehrkanal-SACD (die auch einen normalen CD-Layer besitzt) auf einer entsprechenden Anlage abhört. Die Spielkultur des Ensembles ist besonders im Hinblick auf Intonation und rhetorischer Affektgestaltung erstklassig. Eine solche wunderbare Synthese von Instrumental- und Raumklang kann man nur selten hören.

4. Lodovico Grossi da Viadana: Canzon francese in risposta [11] 3’37
American Record Guide

Rezension American Record Guide September/October 2008 | Bender | September 1, 2008 Both of these albums are devoted to the chamber music of Brahms (1833-97) and...

Both of these albums are devoted to the chamber music of Brahms (1833-97) and his contemporaries, and some readers may be surprised to see Richard Strauss (1864-1949) listed among the latter. 31 years younger, Strauss was not part of the Brahms circle, but he was a careful student of the older man's technique as new works would come forward, including Brahms's innovations in sonata form and motif development. Strauss needed them for his growth, and so, as Strauss's biographer Norman Del Mar tells us, "He swallowed them whole". Strauss went to school on Brahms, but then moved on. As the cello sonata at hand makes clear, Strauss at 19 was already Strauss. The work is thoroughly engaging, particularly in the fine performance by Johannes Moser and pianist Paul Rivinius, and seems to draw from the same well-springs as the Horn Concerto 1, the Burleske, and the early songs.

Heinrich von Herzogenberg (1843-1900) very much belonged to the Brahms circle. But he was reluctant to move on. The two works here – as with other of his music, but perhaps not the church music he devoted himself to more and more as he grew older – are instantly recognizable as Brahmsian. So history has done its best to forget them. That is too bad, because, especially if you favor idea over style, they are really lovely works. There is real expert mastery of the cello sonata and string quartet forms; they are melodically distinguished, and adroit in their avoidance of romantic excess. I am glad to add them my library.

If the film industry ever goes back to the kind of romantic drama favored before World War II, the triangle between Brahms and Herzogenberg and the latter's wife, Elisabeth, would make a fascinating movie. Matt Damon could star as Herzogenberg, Julia Roberts as Elisabeth, and Paul Giamatti as Brahms. Elisabeth was charming and musically talented and apparently a bit of a maneuverer; she regularly did her best to interest Brahms in her husband's music. Brahms, a confirmed bachelor, doted on her and did his best to comply, but seems to have been steadily growing weary of having Herzogenberg at his feet. Heinrich might have been better off for his career taking Elisabeth and moving elsewhere. He did eventually move to Berlin with her.

Meanwhile, the older composer was rolling on musically. In Germany's Mandelring Quartet he has an exciting new champion. It consists of the violist Roland Glassi and three Schmidts – Sebastian and Nanette on violins and Bernhard on cello. One has to assume the Schmidts are related; Audite is silent on the subject. The players are very good. The performance of Brahms's third and last quartet, in B-flat, Op. 67, is one of the finest to come along in years.

The Mandelring's Brahms benefits from judicious tempos, an imaginative dynamic range, clear textures, and careful blending. The performance of the Andante (II) is wonderfully expressive and secure in the way it captures the long lines of Brahms's writing. In the variations of IV the group displays a kaleidoscope of colors that they seem to use to help shape the phrasing. Their performance of the Herzogenberg quartet is filled with the kind of energy and belief that seems to say, "we delight in the discovery of this work".

Moser has won assorted prizes, and his resume lists performances with orchestras in the US, Britain, and Europe. Judging by this release, he plays excellently and with understanding. So does Rivinius, who gets one picture in the album as opposed to five dreamy poses accorded the cellist, who also offers a lofty interview rather pretentiously tided "The Sum of the Universe", Brahms apparently being the universe. Brahms's First Cello Sonata is a beautiful piece with an outstanding last movement that Moser and Rivinius set forth with flair, taste, and imagination. It is also nice to hear them plunge into that world-being-born inside Strauss's mind, and to note how they give equal attention to his small debts to Mendelssohn, Schumann, and Brahms, yet give rapt attention to Strauss's own genius, which would keep him moving on until half-way through the next century.
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