Rezension
Pizzicato N° 214 (6/2011) | RéF | June 1, 2011
Wunderlich singt Stravinsky
Das lyrische Melodram 'Perséphone' in drei Szenen stammt aus Stravinskys neoklassischer Periode und entstand 1933 auf einen Text von André Gide, der seinerseits auf Homers Hymne für Demeter zurückgriff. Perséphone ist eine Tochter des Zeus und heißt eigentlich Kore. Hades, der Gott der Unterwelt und Bruder des Zeus, der sich in Kore verliebt hat, entführt Kore, die fortan als Perséphone bezeichnet wird. Ihre verzweifelte Mutter hindert in ihrem Kummer alle Pflanzen am Wachstum. Um der Gefahr zu entgehen, die ganze Welt an Hunger zugrunde gehen zu lassen, verhandelt Zeus mit Hades und erzielt einen Kompromiss: Perséphone soll nur im Winter in der Unterwelt leben und Sommer bei ihrer Mutter sein...
Gide, war anfangs begeistert über seine Zusammenarbeit mit Stravinsky, aber später kam es zu Auseinandersetzungen und totalem Streit. 'Perséphone' konnte sich nie wirklich durchsetzen und blieb marginal im Oeuvre des Komponisten.
Die vorliegende Aufnahme entstand gelegentlich von Aufführungen in Frankfurt und verwendet einen deutschen Text. Das nimmt dem Werk etwas an Authentizität, doch ist die musikalische Qualität so hoch, dass man das gerne in Kauf nimmt. Dean Dixon dirigiert kraft- und spannungsvoll und erzielt eine optimale Balance zwischen Chor und Orchester.
Die Tenor-Partie des Priesters Eumolpius zeigt Fritz Wunderlich auf der Höhe seiner Kunst: Seine brillante Stimme, perfekt fokussiert, darstellerisch souverän, eignet sich sehr gut für die Rolle. Wunderlich artikuliert hervorragend, singt textverständlich und mit einer perfekten Vokallinie. Die hervorragende Schauspielerin Doris Schade ist sehr überzeugend in der Sprechrolle der Perséphone.
Diese CD ist nicht nur für Wunderlich-Fans ein Must!