Ihr musikalisches Reifezeugnis haben sie längst in der Tasche. Denn seit den l990er Jahren entzücken sie Kenner und Liebhaber mit ihrer singulären Quartett-Kunst. Auszeichnungen für Einspielungen (Preis der Deutschen Schallplattenkritik) und Wettbewerbssiege (ARD, Evian, Premio Paolo Borciani) kassierten sie wie die Weltmeister. Das Mandelring-Quartett führt den musikalischen Diskurs zu Viert mit beispielhafter Homogenität und unbändiger Musizierkraft vor. In den Quartetten von Felix Mendelssohn-Bartholdy spürt man den festen gestalterischen Griff. Allzu voreilig pflegen ja die musikalischen Sittenrichter diese Quartette als epigonal zu ächten. Das Plädoyer der Mandelrings für den oft geschmähten Quartett-Komponisten Mendelssohn dürfte wohl die letzten Zweifler überzeugen, weil das Team um den Primarius Sebastian Schmidt so manche notenreiche Exerzitien aus jeglicher elegant-zuckrigen Geläufigkeit heraushält. Umso mehr spürt man die Huldigung Mendelssohns an den frühen Beethoven, auch den Rückgriff auf Johann Sebastian Bach, nicht zuletzt noch deutliche Einflüsse der in Paris entwickelten Quartettform „Quattuor brillant“. Auffallend sind aber auch alle emanzipatorischen Bemühungen, aus dem Weg von Beethoven auszuscheren und zu traditionellen Pfaden zurückzukehren. Gerade im Quartett op. 12 legt das Team den schöpferischen Akt Mendelssohns offen, sich von der Umklammerung zu lösen. Dabei pflegt das Team eine subtile Klangkulisse von ausgesprochen warmer Grundtönung. Fein wird die Dynamik abgestuft. Dass hier kein Säbeltanz zu Viert vorgeführt, nicht mit pauschalem Einheitston drauflos gepoltert wird, verdeutlicht das romantisch timbrierte glutvolle frühe Meisterwerk op. 13. Welch kantable Schönheiten öffnen sich im Andante espressivo des Quartetts op. 12 und wie nervös pulsierend erscheinen die Presto-Sätze der Werkgruppe op. 44. Dieser federnde Elan lässt aufhorchen. Da werden nicht nur schnell und flüssig Geschichten erzählt, sondern auch überaus pointiert, technisch perfekt interpretiert. All die Brüche, das nicht geradlinige Dahinschreiten, das lückenhaft Fragile werden pointiert und kraftvoll ausgelotet. Mit vorwärtsdrängender Bewegung, bohrend intensiv, wird das späte Streichquartett f-Moll op. 80 zum musikalischen Seelendrama, zur Trauer über den Tod der Schwester Fanny. Das Finale dieses Schwanengesangs wird von einer fiebrigen Atmosphäre durchglüht: wuchtig, expressiv im Ausdruck, voll gespannter Kraft, erwärmend in der Grundtönung. Die musikalische Überzeugungskraft dieses Requiems für Fanny macht betroffen. Der „surround sound“ belichtet mit überzeugender Transparenz den schlüssigen Interpretationsstil des Ensembles, dem aufnahmetechnisch nur Gutes widerfährt. Die Einspielungen entstanden in Klingmünster 2011 und 2012. Michael Struck-Schloen verfasste den fundierten Einführungstext im Booklet.