Ihre Suchergebnisse

BBC Radio 3

Rezension BBC Radio 3 Record Review - Saturday 27th February 2016 | Andrew McGregor | February 27, 2016 BROADCAST

Sendebeleg siehe PDF!
Fono Forum

Rezension Fono Forum April 2016 | Michael Kube | April 1, 2016 Nach fast anderthalb Jahren setzt das Label audite seinen Schumann-Zyklus mit...

Nach fast anderthalb Jahren setzt das Label audite seinen Schumann-Zyklus mit einer Doppelfolge fort. Aufgrund der Besetzung und der Werke fraglos ein Kraftakt für alle Beteiligten – doch mit einer anhaltenden Poesie verbunden, die einem Schumann, seine vielfach als problematisch eingeredete Instrumentation und sein Spätwerk näher als zuvor erscheinen lassen. War dies schon bei den Sinfonien und dem Cellokonzert zu erfahren, die Heinz Holliger ohne die seit über einem Jahrhundert gepflegten aufführungspraktischen Retuschen mühelos zu verblüffender Lebendigkeit erweckt hat, so stellen er und das WDR-Sinfonieorchester sich nun in den Dienst der übrigen konzertanten Werke.

Wie so oft erweist sich alles nur als eine Frage der Interpretation – von der Verständigkeit gegenüber dem Notentext über das aufmerksame Zusammenwirken bis hin zur passgenauen Artikulation und das rechte Tempo. In diesem Sinne gelingt es Holliger und seinen Solisten mit den Konzertstücken für Klavier op. 92 und op. 134 (Alexander Lonquich) sowie der Violin-Fantasie op. 131 tatsächlich zu überzeugen: Man hört einen Komponisten, dem das virtuose Element eigentümlich fremd und doch so nah war, dem am Ende aber der poetische Gedanke mehr zählte als jede leere Phrase. Hier begegnen sich über mehr als 150 Jahre hinweg die Komponisten Schumann und Holliger auf ästhetischer Ebene – der Dirigent Holliger aber weiß, wie auch der rechte Tonfall in einer klanglich agilen, in nahezu jedem Moment die Aufmerksamkeit bannenden Aufnahme festzuhalten ist. Umso mehr muss der stark aufgeraute, bisweilen kantige Zugriff von Patricia Kopatchinskaja im Violinkonzert verstören, der nicht gerade vor wohliger Wärme sprüht; das kühle Solo des langsamen Satzes lehrt einen gar das Frösteln. Daneben vermag Dénes Várjon im delikat angegangenen Klavierkonzert mit seinem eher vorsichtigen, keineswegs griffigen Forte nicht vollständig zu überzeugen.
Fono Forum

Rezension Fono Forum April 2016 | Michael Kube | April 1, 2016 Nach fast anderthalb Jahren setzt das Label audite seinen Schumann-Zyklus mit...

Nach fast anderthalb Jahren setzt das Label audite seinen Schumann-Zyklus mit einer Doppelfolge fort. Aufgrund der Besetzung und der Werke fraglos ein Kraftakt für alle Beteiligten – doch mit einer anhaltenden Poesie verbunden, die einem Schumann, seine vielfach als problematisch eingeredete Instrumentation und sein Spätwerk näher als zuvor erscheinen lassen. War dies schon bei den Sinfonien und dem Cellokonzert zu erfahren, die Heinz Holliger ohne die seit über einem Jahrhundert gepflegten aufführungspraktischen Retuschen mühelos zu verblüffender Lebendigkeit erweckt hat, so stellen er und das WDR-Sinfonieorchester sich nun in den Dienst der übrigen konzertanten Werke.

Wie so oft erweist sich alles nur als eine Frage der Interpretation – von der Verständigkeit gegenüber dem Notentext über das aufmerksame Zusammenwirken bis hin zur passgenauen Artikulation und das rechte Tempo. In diesem Sinne gelingt es Holliger und seinen Solisten mit den Konzertstücken für Klavier op. 92 und op. 134 (Alexander Lonquich) sowie der Violin-Fantasie op. 131 tatsächlich zu überzeugen: Man hört einen Komponisten, dem das virtuose Element eigentümlich fremd und doch so nah war, dem am Ende aber der poetische Gedanke mehr zählte als jede leere Phrase. Hier begegnen sich über mehr als 150 Jahre hinweg die Komponisten Schumann und Holliger auf ästhetischer Ebene – der Dirigent Holliger aber weiß, wie auch der rechte Tonfall in einer klanglich agilen, in nahezu jedem Moment die Aufmerksamkeit bannenden Aufnahme festzuhalten ist. Umso mehr muss der stark aufgeraute, bisweilen kantige Zugriff von Patricia Kopatchinskaja im Violinkonzert verstören, der nicht gerade vor wohliger Wärme sprüht; das kühle Solo des langsamen Satzes lehrt einen gar das Frösteln. Daneben vermag Dénes Várjon im delikat angegangenen Klavierkonzert mit seinem eher vorsichtigen, keineswegs griffigen Forte nicht vollständig zu überzeugen.
Deutschlandfunk

Rezension Deutschlandfunk Musikforum am 24.01.2014, 22.00 Uhr | Marcus Stäbler | January 24, 2014 BROADCAST Musikforum: Beethoven aus italienischer Sicht

Nach dem Ende des Quartetto Italiano im Jahr 1980 gab es lange Zeit kein italienisches Streichquartett von internationalem Rang. Doch das hat sich geändert: Das Quartetto di Cremona, Anfang des Jahrtausends gegründet, sorgt mit seinen Konzerten und Aufnahmen nicht nur in der Heimat für Furore. Beim deutschen CD-Label Audite entsteht derzeit eine Gesamteinspielung aller Beethoven-Quartette, deren erste Folge vom BBC Music Magazine für ihre "phänomenale Energie" gelobt und mit der Maximalpunktzahl von fünf Sternen bewertet wurde. Marcus Stäbler hat das Quartetto di Cremona getroffen und mit den beiden Gründungsmitgliedern Cristiano Gualco und Simone Gramaglia über die Aufnahme gesprochen. Im "Musikforum" denken sie über die zeitlose Größe der Beethoven’schen Quartette nach und erläutern die kulturpolitische Bedeutung des Großprojekts.
Deutschlandfunk

Rezension Deutschlandfunk Die neue Platte vom 15.07.2012 | Rainer Baumgärtner | July 15, 2012 BROADCAST Die neue Platte: Eine Liebeserklärung an die Posaune

Wer eine Liste beliebter Instrumente des Frühbarock erstellt, der wird bei Laute, Cembalo und Violine beginnen. Auf zwei neu erschienenen CDs mit Musik aus dem 17. Jahrhundert darf nun einmal ein deutlich weniger populäres Instrument im Mittelpunkt stehen, die Posaune.

Auf der CD "Mehrchörige Meisterwerke von den vier Emporen der Klosterkirche Muri" sind bis zu sechs Posaunisten im Einsatz. Im Zusammenwirken mit den anderen Instrumentalisten des Ensembles Les Cornets Noirs und mit den Vokalisten von der Cappella Murensis führen sie klangprächtige Kompositionen von Giovanni Gabrieli und Heinrich Schütz auf. Anders ist der Ansatz der vom Ensemble Oltremontano vorgelegten Neuaufnahme mit dem Titel "Trombone grande": Zwar sind auch hier insgesamt drei Posaunisten beteiligt, doch im Kern geht es um ein einzelnes Mitglied der Posaunenfamilie, um die Bassposaune.

Die Anfänge des Instrumentes liegen weitgehend im Dunkeln. Höchstwahrscheinlich wurde seine charakteristische Bauart mit dem U-förmigen Doppelzug in der Mitte des 15. Jahrhunderts in Burgund erfunden. Bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Posaune in ganz Europa verbreitet und wurde an Höfen und in Stadtpfeiferkapellen gespielt.

Zu Beginn existierte sie in nur einer Größe in Tenorlage, doch bald schon wurden auch Alt- und Bassposaunen gebaut, entsprechend der Gepflogenheit in der späten Renaissance, ganze Instrumentenfamilien zu spielen.

Wim Becu, der belgische Leiter des 1993 gegründeten Ensembles Oltremontano, ist einer der weltweit führenden Interpreten auf der Barockposaune. Welch erstaunliche Virtuosität man auf dem Bassinstrument entwickeln kann, das stellt er nun auf der CD "Trombone grande" eindrucksvoll unter Beweis.

"1) Giovanni Martino Cesare, La Hieronyma alla quinta bassa (München/1621)"

Dies war "La Hieronyma" vom Udineser Giovanni Martino Cesare, der 50 Jahre lang als Posaunist und Zinkenist am Münchener Hof diente, mit Wim Becu und der Harfenistin Ellen Schafraet. Das Werk, eine Huldigung an Graf Hieronymus Fugger, ist eine von lediglich zwei bekannten Solokompositionen des 17. Jahrhunderts für Posaune!

Beim Rest der CD "Trombone grande" behalf sich Wim Becu damit, dass er für andere Instrumente vorgesehene Stücke für seine Bassposaune transkribierte; zum Teil begnügte er sich auch mit Werken, in denen er nur eine wichtige Nebenstimme übernahm. Insbesondere der Zink nimmt dabei mehrmals die Hauptrolle ein. Am Ende ist eine Aufnahme herausgekommen, die die diversen Facetten der "großen Pohsaun" mittels abwechslungsreicher Kombinationen von Instrumenten exemplarisch beleuchtet.

Auf ein paar Tracks der CD ist auch die ganze Familie versammelt, Alt-, Tenor- und Bassposaune, beispielsweise bei der folgenden vierstimmigen Motette des Polen Nikołai Zieliński, bei der die Diskantstimme auf einem Zink ausgeführt wird. Die Verzierungen aller Stimmen stammen vom Komponisten selbst, der sie in einer Alternativfassung auch drucken ließ.

"2) Nikołai Zieliński, Viderunt omnes à 4 (Motette, Venedig/1611)"

Dies war eine instrumentale Realisation der Motette "Viderunt omnes" von Nikołai Zieliński mit Mitgliedern des Ensembles Oltremontano unter der Leitung des Bassposaunisten Wim Becu. Ein so renommierter Interpret wie Wim Becu ist natürlich auch als Lehrer gefragt und er unterrichtet in Köln und Bremen. Insgesamt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten bei der Qualität der Nachbauten historischer Posaunen und auch bei deren Spielern ein enormer Sprung vollzogen.

Inzwischen kann man in Europa an einer Reihe von Hochschulen Barockposaune studieren, wobei es im Vergleich zu den meisten anderen Instrumenten bei der Posaune viele Musiker gibt, die sowohl auf barocken wie auf modernen Instrumenten spielen.

Die große Zeit der Posaunen war von etwa 1550 bis 1650. Die Komponisten waren damals dabei, eine autonome Instrumentalmusik für Ensembles zu entwickeln und unter anderem schrieben sie für die vorhandenen höfischen und städtischen Bläsergruppen. In denen gaben Zink und Posaune den Ton an, nachdem sie die klanglich weniger flexiblen Instrumente Schalmei und Dulzian an den Rand gedrängt hatten.

Ein herausragendes Zentrum, in dem die Emanzipation von der Vokalmusik vorangetrieben wurde, war Venedig. Am dortigen Markusdom kam noch ein weiteres, klanglich sehr relevantes Phänomen hinzu, die Mehrchörigkeit. Besonders Giovanni Gabrieli brachte dieses Kompositionsprinzip zur Vollendung, indem er Musikergruppen auf den verschiedenen Emporen von San Marco platzierte und in seinen Werken mit den dabei möglichen Raumeffekten experimentierte. Sein deutscher Schüler Heinrich Schütz baute auf Gabrielis Errungenschaften auf und adaptierte sie zusammen mit dem neuen konzertierenden Stil für seine geistliche Vokalmusik.

Auf ihrer neuen CD haben die Cappella Murensis und das Ensemble Les Cornets Noirs mehrchörige Musik von Gabrieli und Schütz kombiniert. Aufgenommen haben sie die Platte in der Klosterkirche Muri im Schweizer Kanton Aargau, dem Sitz des zehn Jahre alten professionellen Vokalensembles Cappella Murensis. Noch fünf Jahre länger existiert die in Basel beheimatete Formation Les Cornets Noirs, die sich inzwischen einen internationalen Ruf erworben hat. Analog zur Situation in San Marco haben die beiden Ensembles bei ihrer Neuaufnahme die vier Emporen der Kirche in Muri genutzt, um eine Einspielung von enormer Klangpracht zu erzeugen.

"3) Giovanni Gabrieli, Canzon primi toni a 8 (Venedig/1597)"

Les Cornets Noir, hier bestehend aus vier Posaunen sowie je zwei Zinken, Violinen und Orgeln, führten die zweichörige "Canzon primi toni" von Giovanni Gabrieli auf. Auch wenn sie nicht die Melodie vorgaben, waren die Posaunen unerlässlich, um eine imposante Klangwirkung zu erzielen. Es ist keine leichte Aufgabe, in einer Kirche aufzunehmen, in der die Musiker in zwei oder in allen vier Ecken platziert sind. Das Aufnahmeteam des Labels audite entschied sich, für seine Super Audio CD ganz auf Stützmikrofone zu verzichten und nur ein Mikrofon vor jeder Empore einzusetzen.

Ziel war es, das Klangbild möglichst unverfälscht abzubilden. Die im Vergleich etwa zum Markusdom geringeren Dimensionen der Klosterkirche Muri erleichterten dieses Vorgehen. Daraus resultierte ein sehr präsenter Sound, in dem die einzelnen Stimmgruppen gut zu unterscheiden sind.

Auf der von Johannes Strobl, Kirchenmusiker in Muri, geleiteten Aufnahme wechselten sich Instrumentalwerke von Gabrieli mit mehrchörigen Vokalkompositionen von Heinrich Schütz ab. In dessen Werk "Saul, Saul, was verfolgst du mich?" aus dem 1650 veröffentlichten dritten Teil der "Symphoniae Sacrae" ist eine ähnliche Instrumentalbesetzung wie bei der gerade erklungenen Canzon im Einsatz. Hinzu kommen der aus sechs Sängern bestehende Favoritchor sowie je zwei Posaunen, Truhenorgeln und Violonen.

"4) Heinrich Schütz, Saul, Saul, was verfolgst du mich? (SWV 415, Dresden/1650)"

Mit der Cappella Murensis und Les Cornets Noirs unter der Leitung von Johannes Strobl und einem Werk von Heinrich Schütz ging die Sendung "Die Neue Platte" im Deutschlandfunk zu Ende, in der heute der Klang der Barockposaune im Zentrum stand. Die CD mit mehrchörigen Meisterwerken von Schütz und Giovanni Gabrieli ist beim Label audite erschienen, die CD "Trombone grande" mit dem Ensemble Oltremontano hat das von Note 1 vertriebene Label Accent herausgebracht. Am Mikrofon verabschiedet sich Rainer Baumgärtner.
Deutschlandfunk

Rezension Deutschlandfunk Die neue Platte vom 29.04.2012 | Ludwig Rink | April 29, 2012 BROADCAST Die neue Platte: Vorkämpfer einer musikalischen Romantik

Zu Lebzeiten wurde Eduard Franck als Pianist geschätzt. Als Komponist hinterließ er neben einer Vielzahl von Werken für sein Instrument Beiträge zu fast allen Gattungen. Die Württembergische Philharmonie Reutlingen bringt die Werke dieses Romantikers wieder ins Bewusstsein.

Wenn ich Ihnen gleich die Ouvertüre "Der römische Carneval" von einem Komponisten namens Franck ankündige, vermuten Sie vielleicht einen Irrtum, denn den römischen Karneval in einer fulminanten Ouvertüre zu schildern, das war doch, wie wir wissen, die geniale Idee von Hector Berlioz. Und wenn Sie nun, einmal gedanklich in Frankreich unterwegs, an den Komponisten César Franck denken, gehen Sie erneut in die Irre, denn die Rede ist von Eduard Franck, geboren 1817 in Breslau, verstorben 1893 in Berlin. Die Werke dieses heute kaum noch bekannten Romantikers wieder ins Bewusstsein zu bringen – dieser Aufgabe widmet sich schon seit Längerem das Plattenlabel audite, das jetzt mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen weitere Orchesterwerke Eduard Francks produziert hat. Und eben auch dessen Ouvertüre "Der römische Carneval.

Eduard Franck wurde mit 17 Jahren Privatschüler von Felix Mendelssohn Bartholdy, der als Pianist und Komponist sein Vorbild wurde. In seiner Heimatstadt Breslau gehörte Franck zu einem Kreise Gleichgesinnter, die sich als Vorkämpfer einer musikalischen Romantik verstanden. Ab 1846 arbeitete er in Berlin als Lehrer und Virtuose, ab April 1851 lebte er sechs Jahre lang in Köln, wo er zusammen mit Ferdinand Hiller am dortigen Konservatorium als Dozent für Klavier und Theorielehre sowie als Pianist bei den Gürzenich-Konzerten und als Chordirigent wirkte. Dann erfolgte die Berufung an die Schweizer Musikschule in Bern, wo er auch zum Doktor h.c. der Universität ernannt wurde. Mit 50 Jahren folgte er einem Ruf nach Berlin als erster Klavierlehrer am Sternschen Konservatorium. Er wurde zum Professor ernannt und beendete seine Lehrtätigkeit erst im Alter von 75 Jahren.

Zu Lebzeiten wurde Franck als Pianist geschätzt. Bei seinen Interpretationen bewunderte man die klassische Ruhe, ein Schweizer Kritiker sprach gar von einem "Zauberspiel" wie auf einer "Äolsharfe oder Glasharmonika". Als Komponist hinterließ er neben einer Vielzahl von Werken für sein Instrument Beiträge zu fast allen Gattungen mit Ausnahme großformatiger Vokalmusik, also Orchesterwerke, Solokonzerte, Kammermusik von Sonaten für Violine und Klavier über Klaviertrios, Streichquartette, Quintette bis zum Sextett, außerdem Stücke für Cello und Klavier oder Klavierlieder. Gerühmt wurde dabei weniger sein Einfallsreichtum als vielmehr seine Kombinationsgabe, sein großes Geschick und handwerkliches Können bei der Themenverarbeitung. Welchen Platz der Komponist Eduard Franck im Umfeld der um 1850 beginnenden ideologischen Spaltung der deutschen Musikkultur ungefähr einnimmt – dies schildert der sehr lesenswerte Booklet-Text dieser Neuveröffentlichung. Die Musikkritik hatte stark an Bedeutung gewonnen, und in den Fachzeitschriften tobte der Streit zwischen den "Neudeutschen" auf der einen und den "Klassizisten" auf der anderen Seite, zwischen den "fortschrittlichen" Komponisten um Liszt und Wagner und den eher "konservativen" um Schumann und Brahms. Dem Starkult eines Liszt, dem auch noch aus Skandalen Gewinn schlagenden Showtalent eines Wagner stand ein feinfühliger und eher im Stillen wirkender Musiker wie Eduard Franck mit Skepsis gegenüber. Er respektierte bestimmte Erwartungen des bürgerlichen Publikums, warf die klassischen Formen nicht einfach über Bord, sondern versuchte ihnen immer wieder neue Ausgestaltungen und Varianten abzugewinnen. So entstanden gehaltvolle, handwerklich gediegene Kompositionen, die uns heute einen guten Einblick in das musikalische Denken und Können einer Epoche vermitteln, in der – ähnlich wie nach dem Zweiten Weltkrieg – Avantgarde und Konservative in heftigem Streit um die "richtige" Richtung liegen.

Einmal mehr ist es nicht eins der großen, berühmten Orchester, das sich hier der Aufgabe widmet, vergessenes Repertoire wieder auszugraben. Das Wagnis unternimmt die Württembergische Philharmonie Reutlingen unter Ola Rudner, einem schwedischen Dirigenten, der hier seit vier Jahren die künstlerische Leiter innehat. Dieses Orchester wurde 1945 aus der Mitte der Reutlinger Bürgerschaft gegründet in dem Bewusstsein, dass Kultur und Musik den Menschen so wichtig sind wie Nahrung und ein Dach über dem Kopf. Von diesem Impuls weiter getragen, wandelte es sich vom Schwäbischen Symphonieorchester zur Württembergischen Philharmonie Reutlingen. Der Wille zur künstlerischen Weiterentwicklung und die fortdauernde bürgerschaftliche Unterstützung ermöglichten 1998 die Umwandlung in eine Stiftung. Das Orchester fühlt sich den Menschen in Reutlingen und Baden-Württemberg verbunden und versteht sich bei seinen Gastspielen in den Philharmonien von Berlin, Köln, München, Salzburg oder Amsterdam oder auf seinen diversen Tourneen bis hin nach Japan auch als deren Botschafter. Ola Rudner und seine Musikerinnen und Musiker hauchen den nicht zum üblichen Repertoire gehörenden Werken von Eduard Franck neues Leben ein – mit viel Einfühlungsvermögen, solidem instrumentalen Können und großer Musikalität. Nur wenn die interpretatorische Qualität so wie hier stimmt, kann es übrigens gelingen, bisher stiefmütterlich vernachlässigtes Repertoire wieder nachhaltig im Bewusstsein der Musikliebhaber zu verankern.
Deutschlandfunk

Rezension Deutschlandfunk Die neue Platte vom 17.10.2010 | Norbert Hornig | October 17, 2010 BROADCAST Die neue Platte: Historische Schätzchen

[...] In Deutschland sind es vor allem die Label Orfeo und Audite, seit einigen Jahren auch Profil Edition Günter Hänssler und Hänssler Classic, die in Koproduktion mit den Rundfunkanstalten deren Archive auswerten und künstlerisch besonders wertvolle Interpretationen auf CD veröffentlichen. Zusammen mit dem Österreichischen Rundfunk hat Orfeo in der Reihe "Festspieldokumente" seit den 80er-Jahren annähernd 200 CDs mit Live-Mitschnitten von den Salzburger Festspielen veröffentlicht. Fast alle Künstler mit Rang und Namen in der Welt der klassischen Musik sind hier vertreten. Mit einem ganzen Stapel von Neuveröffentlichungen weckt Orfeo in diesem Herbst die Neugier von Sammlern, die das Besondere suchen, die vielleicht sogar das ein oder andere hier dokumentierte Konzert in Salzburg selbst miterlebt haben - etwa eines der Orchesterkonzerte mit Bruno Walter, Leonard Bernstein, Raffael Kubelik oder Lorin Maazel, einen der Liederabende mit Nicolai Gedda oder Elisabeth Schwarzkopf, vielleicht auch einen der bejubelten Auftritte der Pianisten Edwin Fischer oder Géza Anda.

Anda eröffnete das Konzertprogramm der Salzburger Festspiele 1965 mit einem außergewöhnlichen Chopinabend. Er spielte alle Préludes op. 28 sowie die Etüden op. 10 und op. 25. In den Salzburger Nachrichten war danach unter anderem zu lesen:

"Dieser Chopin-Abend brachte es insgesamt - mit den stümrisch erklatschten Encores - auf über fünfzig Kompositionen des Meisters. So bleibt zu guter Letzt nur noch einmal den Hut zu ziehen vor seinem Interpreten. Géza Anda ist einer der großen Chopin-Spieler und die Geschichte wird ihn nach Cortot als solchen annehmen."

Die Etüden op. 10 hat Géza Anda übrigens nie in einer Studioaufnahme vorgelegt. Dieser Mitschnitt aus Salzburg von 1965 ist seine einzige Aufnahme des Zyklus', die hier erstmals auf CD erscheint:

"Frédéric Chopin
Etüde op. 10 Nr. 5 Ges-Dur
Géza Anda (Klavier)
LC 08175 Orfeo CD C 824 102 B"

In seiner historischen Reihe "Legendary Recordings" hat das Label Audite in den vergangenen Monaten erneut eine ganze Reihe von künstlerisch wertvollen Aufnahmen aus Archiven des ehemaligen RIAS auf CD herausgebracht, unter anderem Orchesterlieder von Richard Wagner und Richard Strauss mit Kirsten Flagstadt sowie rare Klavieraufnahmen mit den Pianisten Solomon Cutner und Wilhelm Backhaus. Von besonderem Interesse ist ein diskografisches Großprojekt, das dem Dirigenten Hans Knappertsbusch gewidmet ist. Auf fünf CDs liegen bei Audite jetzt sämtliche Aufnahmen vor, die der Dirigent Anfang der 50er-Jahre mit den Berliner Philharmonikern für den RIAS einspielte. Einige dieser Aufnahmen kursieren bereits als nicht autorisierte Raubpressungen. Für die Veröffentlichungen von Audite wurden ausschließlich die Originalbänder verwendet und mit größter Sorgfalt digitalisiert. So sind diese Aufnahmen in einer nie dagewesenen Klangqualität zu hören. Anfang der 50er-Jahre, vor der Ära Karajan, arbeitete Knappertsbusch noch einmal intensiver mit den Berliner Philharmonikern zusammen. Die RIAS-Aufnahmen zeigen ihn als souveränen Sachwalter der großen Sinfonik von Haydn, Beethoven, Schubert und Bruckner, aber auch als einen genussvollen Dirigenten von leichterer Musik, etwa von Johann Strauss. Die Edition erlaubt außerdem einen interessanten Interpretationsvergleich der 9. Sinfonie von Anton Bruckner, die in einer Studio- und in einer Live-Einspielung dokumentiert ist:

"Anton Bruckner
Aus: Sinfonie Nr. 9
2. Satz: Scherzo (Bewegt, lebhaft)
Berliner Philharmoniker
Leitung Hans Knappertsbusch
CD 1 Track 002
LC 04480 Audite CD 21405"

Die Neue Platte im Deutschlandfunk - Es wurden Veröffentlichungen aus dem Bereich "Historische Aufnahmen" vorgestellt, die bei EMI Classics, Sony Music, West Hill Radio Archives, Orfeo und Audite erschienen sind. Die Sendung ging zu Ende mit einem Ausschnitt aus dem Scherzo der Sinfonie Nr. 9 von Anton Bruckner in einer Einspielung mit den Berliner Philharmonikern unter Hans Knappertsbusch. Die Sinfonie ist bei Audite in einer Editon sämtlicher Aufnahmen erschienen, die Orchester und Dirigent Anfang der 50er-Jahre für den RIAS einspielten.
Deutschlandfunk

Rezension Deutschlandfunk Die neue Platte vom 27.12.2009 | Norbert Hornig | December 27, 2009 BROADCAST Die neue Platte: Zurück in die Vergangenheit

[…] Haben große Schallplattenfirmen wie EMI, Sony oder Deutsche Grammophon bereits einen großen Teil ihrer diskografischen Schätze gehoben und auf CD zugänglich gemacht, schlummern in den Archiven der Deutschen Rundfunkanstalten weiterhin historische Aufnahmen in ungeahntem Umfang. Vor allem kleinere Labels wie Orfeo, Hänssler Classic oder Audite haben es sich zur Aufgabe gemacht, künstlerisch besonders wertvolle Einspielungen in Kooperation mit den Rundfunkanstalten wieder zugänglich zu machen.
Audite hat seinen Katalog mit historischen Aufnahmen aus Rundfunkarchiven auch in diesem Jahr mit vielen Highlights bereichert und etwa die Editionen mit den Dirigenten Karl Böhm, Ferenc Ficsay und Igor Markewitsch weiter ausgebaut. Für besonderes Aufsehen sorgten aber die Veröffentlichungen sämtlicher RIAS-Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler und die Aufnahmen, die der junge Friedrich Gulda zwischen 1950 und 1959 für den RIAS Berlin machte. In einem vielgestaltigem Programm begeistert Gulda dabei nicht nur mit Werken von Beethoven, Debussy, Ravel und Prokofieff, sondern auch als raffinierter Chopin-Interpret:

"05. MUSIK: Frédéric Chopin
Prélude Nr. 3 G-Dur (Vivace)
Friedrich Gulda (Klavier)
LC 04480 Audite 21.404"

Während es sich bei den frühen RIAS-Aufnahmen Friedrich Guldas um Erstveröffentlichungen handelt, sind Wilhelm Furtwänglers RIAS-Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern, die zwischen 1947 und 1954 entstanden, in Sammlerkreisen weitgehend bekannt, u.a. von nicht autorisierten Raubpressungen. Wie bei allen historischen Veröffentlichungen von Audite wurden für die Digitalisierung nur die Originalbänder verwendet, wobei auch problematische Tonhöhenschwankungen korrigiert wurden. Auf 12 CDs ist hier Furtwänglers Spätstil dokumentiert, wobei die Symphonik von Beethoven, Brahms und Bruckner im Zentrum steht. Aber auch als Dirigent neuerer Werke ist Furtwängler zu erleben, mit einem Repertoire, dass man mit seinem Namen nicht unmittelbar in Verbindung bringt, etwa die "Concertante Musik für Orchester" von Boris Blacher:

"06. MUSIK: Boris Blacher
Concertante Musik für Orchester op. 10 (Ausschnitt)
Berliner Philharmoniker
Leitung: Wilhelm Furtwängler
LC 04480 Audite 21.403 "
Deutschlandfunk

Rezension Deutschlandfunk Die neue Platte vom 27.12.2009 | Norbert Hornig | December 27, 2009 BROADCAST Die neue Platte: Zurück in die Vergangenheit

[…] Haben große Schallplattenfirmen wie EMI, Sony oder Deutsche Grammophon bereits einen großen Teil ihrer diskografischen Schätze gehoben und auf CD zugänglich gemacht, schlummern in den Archiven der Deutschen Rundfunkanstalten weiterhin historische Aufnahmen in ungeahntem Umfang. Vor allem kleinere Labels wie Orfeo, Hänssler Classic oder Audite haben es sich zur Aufgabe gemacht, künstlerisch besonders wertvolle Einspielungen in Kooperation mit den Rundfunkanstalten wieder zugänglich zu machen.
Audite hat seinen Katalog mit historischen Aufnahmen aus Rundfunkarchiven auch in diesem Jahr mit vielen Highlights bereichert und etwa die Editionen mit den Dirigenten Karl Böhm, Ferenc Ficsay und Igor Markewitsch weiter ausgebaut. Für besonderes Aufsehen sorgten aber die Veröffentlichungen sämtlicher RIAS-Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler und die Aufnahmen, die der junge Friedrich Gulda zwischen 1950 und 1959 für den RIAS Berlin machte. In einem vielgestaltigem Programm begeistert Gulda dabei nicht nur mit Werken von Beethoven, Debussy, Ravel und Prokofieff, sondern auch als raffinierter Chopin-Interpret:

"05. MUSIK: Frédéric Chopin
Prélude Nr. 3 G-Dur (Vivace)
Friedrich Gulda (Klavier)
LC 04480 Audite 21.404"

Während es sich bei den frühen RIAS-Aufnahmen Friedrich Guldas um Erstveröffentlichungen handelt, sind Wilhelm Furtwänglers RIAS-Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern, die zwischen 1947 und 1954 entstanden, in Sammlerkreisen weitgehend bekannt, u.a. von nicht autorisierten Raubpressungen. Wie bei allen historischen Veröffentlichungen von Audite wurden für die Digitalisierung nur die Originalbänder verwendet, wobei auch problematische Tonhöhenschwankungen korrigiert wurden. Auf 12 CDs ist hier Furtwänglers Spätstil dokumentiert, wobei die Symphonik von Beethoven, Brahms und Bruckner im Zentrum steht. Aber auch als Dirigent neuerer Werke ist Furtwängler zu erleben, mit einem Repertoire, dass man mit seinem Namen nicht unmittelbar in Verbindung bringt, etwa die "Concertante Musik für Orchester" von Boris Blacher:

"06. MUSIK: Boris Blacher
Concertante Musik für Orchester op. 10 (Ausschnitt)
Berliner Philharmoniker
Leitung: Wilhelm Furtwängler
LC 04480 Audite 21.403 "

Suche in...

...