Und wieder wagt sich ein Streichquartett an das abenteuerliche Unternehmen einer Gesamtaufnahme aller Beethoven-Quartette. Nachdem das Tokyo String Quartet, das Artemis Quartett und zuletzt das Belcea Quartet ihre Beethoven-Zyklen gerade abgeschlossen haben, veröffentlicht nun das aus Italien stammende Quartetto di Cremona den ersten Teil seiner Komplettaufnahme. Seit dem Jahre 2002 spielen die vier aus Genua stammenden Musiker in dieser Besetzung zusammen. Inzwischen unterrichten sie selbst am Ort ihrer Ausbildung, in Cremona, und engagieren sich damit für die weitere Förderung des Streichquartetts in Italien.
Gratwanderung
Für die erste CD ihres Beethoven-Zyklus wählten die italienischen Musiker ein frühes Quartett aus der Sammlung op. 18 (1801), das eigenwillig zerklüftete Quartett op. 95 (1810) sowie Beethovens letztes Streichquartett op. 135 (1826) aus. In allen drei Werken unternimmt das Quartett eine Gradwanderung zwischen zupackendem italienischem Temperament und der Einbeziehung von Erkenntnissen der historisch informierten Aufführungspraxis. So kommt etwa der Eingangssatz zu op. 18 Nr. 6 überaus fröhlich, jugendlich kraftvoll und unbeschwert daher, wie man es selten gehört hat. Der Unisono-Beginn von op. 95 dagegen erklingt mit fast beängstigend wirkender Gewalt. Auf der anderen Seite halten sich die vier Streicher mit übertriebendem Vibrato zurück und bemühen sich um einen klaren, transparenten Ton.
Diese Gratwanderung ist sehr hörenswert, könnte aber zuweilen noch ein wenig mehr Differenzierungen vertragen. Eine zu starke Betonung der Wildheit von op. 95 oder des 3. Satzes von op. 135 übertüncht zuweilen die große Komplexität der Beethovenschen Partituren. Zusammenspiel und technische Fähigkeiten des Ensembles sind allerdings tatsächlich hervorragend, so dass man auf die weiteren Folgen des Beethoven-Zyklus gespannt sein darf.