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Rezension Deutschlandfunk 08.07.2018, 9.00-9.30 Uhr "Die neue Platte" | Uwe Friedrich | July 8, 2018 Der Weimarer Strauss

Bach und ganz besonders Liszt – das sind die Komponisten, die man in erster Linie mit Weimar verbindet. Aber auch Richard Strauss hatte seine "Weimarer Zeit". Diese Schaffensphase beleuchten die Staatskapelle Weimar und ihr Generalmusikdirektor Kirill Karabits auf einer sehr gelungenen neuen CD.

Gerade mal 25 Jahre alt war Richard Strauss, als er im Jahr 1889 Kapellmeister des Großherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach wurde. Nach einer eher unglücklichen Zeit am Münchner Nationaltheater kam er nun an die Wirkungsstätte von Franz Liszt. Mit der Weimarer Hofkapelle, heute Staatskapelle, konnte er seine ersten, noch in München entstandenen Tondichtungen "Macbeth" und "Don Juan" uraufführen sowie das in Weimar vollendete Werk "Tod und Verklärung". Der aktuelle Nachfolger von Franz Liszt und Richard Strauss, der ukrainische Dirigent Kirill Karabits, hat nun mit demselben Orchester diese drei frühen Tondichtungen eingespielt und beim Label audite veröffentlicht.

Musik: Richard Strauss, Don Juan

Der Beginn von "Don Juan" lässt auch heute noch Orchestermusiker schwitzen. Das kraftvoll aufstrebende erste Thema ist Zeichen der Männlichkeit, der Vitalität, der Potenz des ewigen Verführers – und sehr schwer präzise zu spielen. Simon Rattle gab jungen Dirigenten einmal den Rat, das Podium möglichst schnell zu stürmen und noch im Auftrittsapplaus loszulegen, damit niemand mitbekommt, wenn der schwierige Einsatz verwackelt. Das hat Kirill Karabits gar nicht nötig, denn die Weimarer Staatskapelle spielt extrem präzise und schwungvoll. Die dahintersteckende Arbeit ist den Musikern nicht anzuhören, dabei gilt noch immer, was Richard Strauss nach einer Weimarer "Don Juan"-Probe an seinen Vater schrieb:

"Das Orchester pustete und keuchte, machte aber seine Sache famos. Ein großartiger Witz! Nach dem "Don Juan" saß ein Hornist schweißtriefend, ganz außer Atem da und seufzte: "Du lieber Gott! Was haben wir denn verbrochen, dass du uns diese Rute (das bin ich) geschickt hast? Die werden wir so bald nicht wieder los!" Wir haben Tränen gelacht. Dabei haben gerade die Hornisten mit Todesverachtung geblasen."

Musik: Richard Strauss, Don Juan

Mit großer Lust am luxuriösen Klang spielen nicht nur die Hörner, sondern auch die Streicher der Weimarer Staatskapelle die lebensfrohen Aufschwünge, mit denen Richard Strauss seinen Don Juan charakterisiert. Er orientierte sich an einem Gedicht von Nikolaus Lenau, der den unermüdlichen Verführer schließlich an Verdruss, Lebens- und Selbstekel sterben lässt. Das ist Richard Strauss’ Sache eher nicht. Zwar endet seine Tondichtung verhalten, bis dahin schildert der Mittzwanziger seinen Helden aber vor allem kraftvoll hochfahrend und genießerisch. In dieser Komposition findet Strauss seinen eigenen Ton, seinen wiedererkennbaren Orchesterklang und einen musikdramaturgischen Aufbau, den zu beschreiben noch Generationen von Musikwissenschaftlern Probleme bereiten würde. Ist es ein Rondo? Ein verkappter Sonatenhauptsatz? Irgendwas dazwischen oder doch etwas ganz Neues? Dem Dirigenten Kirill Karabits scheint das ziemlich egal zu sein, er nimmt sich die nötige Zeit, die Themen auszubreiten und zieht an den dramatischen Stellen fast unmerklich das Tempo an, ohne den rastlosen Liebhaber zu sehr zu hetzen.

Musik: Richard Strauss, Don Juan
Komponist auf der Suche

Die drei Tondichtungen "Macbeth", "Don Juan" und "Tod und Verklärung" entstanden in einer wichtigen Phase in der Karriere von Richard Strauss. Der legendäre Dirigent Hans von Bülow, Wagnerianer der ersten Stunde, hatte Strauss nach Meiningen geholt, wo er das Dirigieren lernte und Johannes Brahms traf. Von dort kehrte Strauss in seine Heimatstadt München zurück, wo der ambitionierte Jungkomponist mit ersten Tondichtungen die abgenutzt erscheinende Form der Sinfonie überwinden wollte. Mit seinem "Don Juan" sollte ihm das gelingen, im kurz zuvor entstandenen "Macbeth" war er hingegen noch auf der Suche.

Musik: Richard Strauss, Macbeth

Kaum ein anderes Werk hat Richard Strauss so oft und so gründlich überarbeitet wie "Macbeth". Die erste der drei Fassungen schickte er im Januar 1888 an seinen Mentor Bülow, der ihm mitteilte, er könne eine Tondichtung über den schottischen Königsmörder unmöglich mit dem Triumphmarsch seines Widersachers Macduff abschließen. Strauss schrieb das Finale um, und nun endet das Werk düster mit dem Tod des Titelhelden. Später änderte er noch einige Details dieses finsteren Nachtstücks, das allerdings nicht sklavisch den Handlungsablauf bei Shakespeare wiedergibt, sondern vielmehr atmosphärisch dicht die Stimmung der Tragödie einfängt.

Musik: Richard Strauss, Macbeth

"Macbeth" erreichte nie die Popularität der anderen Tondichtungen von Richard Strauss, umso willkommener ist diese ernsthafte, gründliche und bei aller Düsternis doch farbenreiche Interpretation der Staatskapelle Weimar unter ihrem Generalmusikdirektor Kirill Karabits. Gerade im Vergleich mit den anderen beiden Tondichtungen auf dieser CD wird aber auch deutlich, dass Strauss mit seinem "Macbeth" noch auf der Suche nach einer neuen Form war und seine Gestaltungsmittel noch nicht völlig im Griff hatte. Das änderte sich bereits im "Don Juan". Zur Meisterschaft gelangte er spätestens 1889 mit der in Weimar vollendeten Komposition "Tod und Verklärung".

Musik: Richard Strauss, Tod und Verklärung

Zwischen Abonnementskonzerten und Opernaufführungen, die er als Kapellmeister zu dirigieren hatte, gestaltete Strauss nach eigenem Bekunden "die Todesstunde eines Menschen, der nach den höchsten Zielen gestrebt hat". Darin dürfen wir in der typischen Künstlerpose des 19. Jahrhunderts durchaus auch ein fiktives und nicht besonders bescheidenes Selbstporträt des Komponisten in hoffentlich ferner Zukunft sehen. Bei einem 25-Jährigen, dessen Leben bis dahin von Schicksalsschlägen oder schweren Krankheiten verschont blieb, mag das etwas prätentiös klingen, aber ein mehr oder weniger ausgeprägter Narzissmus lässt sich bei Richard Strauss schließlich in allen Lebensaltern beobachten. Anders als in "Macbeth" ist in "Tod und Verklärung" ein genaues Programm überliefert. Vom stockenden Atem des Sterbenden über den Moment des Todes bis hin zum Blick ins Jenseits, wo der Künstler das erschaut, was er auf Erden nicht schaffen konnte. Dieser Moment klingt bereits wie eine Vorahnung seiner "vier letzten Lieder".

Musik: Richard Strauss, Tod und Verklärung

Traditionsorchester mit Luxusklang

Auch den ätherischen Tonfall der Verklärung treffen die Musiker der Weimarer Staatskapelle unter ihrem aktuellen Generalmusikdirektor Kirill Karabits genau, ohne dass die wilhelminische Heilsgewissheit in süßlichen Kitsch abgleitet. Der gefürchtete Wiener Kritiker Eduard Hanslick spottete über "Tod und Verklärung", die Musik sei so plastisch, dass dazu auch eine Pantomime des sterbenden Künstlers auf der Bühne aufgeführt werden könnte und hat damit die Kritik an den trappelnden Pferden in der "Elektra" oder den Orgasmustrillern im "Rosenkavalier" vorweggenommen. Schon zu diesem Zeitpunkt, 1889, steht der fertige Strauss vor uns mit all seinen Stärken, auch mit seinen vermeintlichen Schwächen.

Als Bonus und Rarität hat Kirill Karabits zu den drei Tondichtungen noch ein heiteres Nachspiel angefügt, nämlich jenen "Festmarsch in C-Dur", den Richard für seinen Vater Franz zum 25-jährigen Bestehen von dessen Privatorchester "Die wilde Gungl" schrieb. Eine Gelegenheitskomposition, nichts wirklich Wichtiges. Mit dem großen Orchesteraufwand der Tondichtungen hat diese Kleinigkeit nichts zu tun, aber sie macht den Weimarer Musikern hörbar Spaß.

Musik: Richard Strauss, Festmarsch in C

Die Tonmeister des Labels audite haben das Orchester auch im abschließenden Festmarsch plastisch gestaffelt eingefangen. Die Orchestergruppen mischen sich vor allem in den Tondichtungen zu einem warmen, aber nie erdrückenden Luxusklang, der den Rang eines der ältesten deutschen Orchester unmittelbar beglaubigt. Dass die 1491 gegründete Staatskapelle Weimar eines der wendigsten und reaktionsschnellsten Opernorchester Deutschlands ist, wissen nicht nur Fachleute. Ebenso überzeugend ist sie auf dieser neuen Platte unter ihrem Generalmusikdirektor Kirill Karabits mit Tondichtungen von Richard Strauss als Konzertorchester zu hören. Einziger Wermutstropfen ist, dass diese Zusammenarbeit bereits in der kommenden Spielzeit endet, weil Karabits seinen Vertrag in Weimar nicht verlängert.
Fono Forum

Rezension Fono Forum August 2018 | Andreas Friesenhagen | August 1, 2018 Von Oktober 1889 an amtierte Richard Strauss für fünf Jahre als zweiter...

Von Oktober 1889 an amtierte Richard Strauss für fünf Jahre als zweiter Kapellmeister am Hoftheater in Weimar, eine Zeit, in der auch die drei Tondichtungen dieser CD uraufgeführt bzw. komponiert wurden. Wenn Kirill Karabits mit der Staatskapelle Weimar nun die Musik seines Quasi-Amtsvorgängers in der Stadt an der Ilm einspielt, darf er wohl auf die tätige Mithilfe des Genius loci hoffen. Und der lässt ihn nicht im Stich.

Um davon überzeugt zu sein, reicht es schon zu hören, wie mitreißend plastisch der Todeskampf des Protagonisten in "Tod und Verklärung" geschildert ist, wie greifbar etwa die sich nach oben reckenden Figuren der tiefen Streicher zu Beginn des Allegro-Teils das Aufbäumen des Sterbenden nachzeichnen. Karabits belässt es nicht beim Schönklang, er schöpft das erhebliche Konfliktpotenzial der Musik aus, lässt wilde Schmerzattacken in die Erinnerungen des Helden an schönere Tage hineinfahren. Umso erfüllter wirkt die finale Verklärung. Das ist zugegebenermaßen kein Strauss für Anhänger sublimierter Gefühle – die dem Komponisten hier aber wohl auch nicht vorschwebten.

Den etwas älteren, immer noch zu selten gespielten "Macbeth" inszeniert Karabits düster brodelnd, eruptiv, als Drama mit wenigen Lichtblicken. Was Wunder, wenn auch im "Don Juan" nicht der strahlende Verführer im Mittelpunkt steht. Karabits scheint dem Nimbus dieser Figur zu misstrauen, die Farben wirken gedeckt, die Kantilenen müssen sich gegen die Nebenstimmen behaupten. Der Ukrainer akzentuiert auch hier die dunklen Untertöne, ohne dem indes die Leidenschaft zu opfern. Sein Bekenntnis zur Heterogenität dieser Musik lässt ein komplexeres Bild des Don Juan entstehen, als man es vielleicht gewohnt ist.

Der harmlose Festmarsch in C – zwischen "Don Juan" und "Tod und Verklärung" entstanden – ist eine verzichtbare Zugabe.
A Tempo - Das Lebensmagazin

Rezension A Tempo - Das Lebensmagazin Juli 2018 | Sebastian Hoch | July 1, 2018 Alles ist hier anders

Der französische Cellist Marc Coppey, technisch glänzender Könner an seinem Instrument, ist nun gemeinsam mit seinem nicht minder virtuosen russischen Klavierpartner Peter Laul das Risiko eingegangen, das Gesamtwerk Beethovens für Violoncello und Klavier [...] als Livekonzert aufzunehmen. [...] Und dieses Risiko lohnte: Selten ist das ungewöhnliche und sonderbare, das befreiende und schöne der Cellowerke Ludwig van Beethovens überzeugender nachhörbar geworden [...].
Musik & Theater

Rezension Musik & Theater 07/08 Juli/August 2018 | Walter Labhart | July 1, 2018 US-Kongress

Selbst der sperrigen und spröden «Three-Page Sonata» von Charles Ives und den ebenfalls schwer zugänglichen Souvenirs «From my Diary» von Roger Sessions vermag Murtfeld viel von ihrem herben Klangreiz abzugewinnen.
Musik & Theater

Rezension Musik & Theater 07/08 Juli/August 2018 | Werner Pfister | July 1, 2018 Gentleman am Flügel

Die vorliegenden RIAS-Einspielungen indes stammen noch aus einer Zeit, als Jorge Bolet nur Insidern ein Begriff war, aus den Jahren 1962 bis 1966. Das macht diese Dokumente besonders wertvoll. Sein Spiel wirkt in jedem Takt ehrlich, eloquent und sozusagen sprechend – gleichsam «modern». Ein ernster, zuweilen auch ein strenger Sachwalter am Flügel, dem es vor allem um Verdeutlichung der kompositorischen Strukturen zu tun war.
Audio

Rezension Audio 8/2018 | Otto Paul Burkhardt | August 1, 2018 Sinfonik: Richard Strauss

Zum Klangzauber eines Richard Strauss ging er auf Distanz: Nur fünf von dessen Werken hat Ferenc Fricsay je eingespielt. Die gibt's jetzt wieder – in einem exzellenten Remastering. Zum Beispiel die selten zu hörende Burleske für Klavier und Orchester, die der Widmungsträger Hans von Bülow einst partout nicht einüben wollte. Hier spielt die von Fricsay entdeckte Schweizer Pianistin Margrit Weber. Und sie glänzt in diesem schräg-humorigen Werk mit Brillanz, dunklen Farben und mitreißendem Elan. Die Intensität, mit der Fricsays RIAS-Symphonie-Orchester musiziert, wirkt schlichtweg packend, der Klang ist straff und elastisch. Ein Wunderwerk geistreicher Ironie!
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Rezension www.amazon.de 18. April 2017 | Ancestor53 | April 18, 2017 Himmlisch!

Wenn es einen Himmel gäbe, dann wäre dies die Musik, die man dort hören würde! Die Bläsersätze sind einfach überirdisch. Aber auch auf der Erde tut diese Musik einfach nur gut. Das fängt mit Monteverdi an und hört mit einer Art spirituellem Jazz auf!

Wahnsinn! von diesen Leuten will ich noch viel hören!
Ipf- und Jagst-Zeitung

Rezension Ipf- und Jagst-Zeitung 1. Juli 2018 | July 11, 2018 Sieben klingende Fragmente

Soloposaune und die größte deutsch-romantische Orgel der Welt (die CD wurde in der Marienbasilika Kevelaer aufgenommen) eröffnen so zusammen eine einzigartige Musikwelt.
Neue Ruhrzeitung

Rezension Neue Ruhrzeitung Samstag, 30. Juni 2018 | Heike Waldor-Schäfer | June 30, 2018 Sieben klingende Fragmente

Was für ein Brausen und Tosen – es rabautzt in den Ohren, Töne pochen durch Raum und Geist – du meine Güte, war das der Anfang?

Was war, als nichts war?
War nichts?
War alles schon?
Da war die Idee.
Da war die Materie.
Da war das Vorhaben.
Da war: ANFANG!

Kaum zu glauben, wie erhaben laut so eine Orgel sein kann, so andächtig gewaltig. Und dann fällt die Posaune ein – was ist das jetzt? Kirchenmusik? Jazz? Hallo?

Und es wird leise und zart, am Ende gar, ganz zum Schluss – als fast alles fertig ist – da umschlingen Orgel und Posaune den Zuhörer, legen ein weiches, ein kuscheliges Mäntelchen um die erschöpfte Seele. Und wieder ist da die Stimme, der Text von einem, der auszog, Theologie zu studieren und bei all dem Spirituellen das Jetzt, das Sein, nicht vergaß, Dr. Bastian Rütten:

In so viel Lärm und Unruhe
In so viel Verwirrung und Betriebsamkeit
Ruhe!
Dann vielleicht wieder:
Eine zaghafte Bitte,
ein Versuch,
Ein Wagnis.
Ein Anfang.
Aber vorher:
Ruhe!

Und dann ist es aus – also diese Musik ist verklungen, die Stille kommt in die Ruhe und doch dröhnt es noch in den Köpfen und gewiss auch in den Herzen ganz vieler Zuhörer. Posaune und Orgel und Texte – und alle erzählen zusammen die Schöpfungsgeschichte neu und mutig und verblüffend – und jeder erlebt sie wohl für sich, anders, individuell, ergriffen, verwirrt.
Ein starkes Stück.
Seit zehn Jahren arbeiten sie zusammen, Elmar Lehnen, Basilikaorganist an St. Marien Kevelaer, und Hansjörg Fink, Hochschullehrer im Fach Jazzposaune, unter anderem. Und sie wollten etwas schaffen, was neu ist, was FinkLehnen ist, was zwei Blasinstrumente vereint – und dabei haben sie eine Stilrichtung geschaffen – für die es irgendwie noch gar keinen Namen gibt. Kirchenmusik, Jazz, Lehnen, Fink, zart-weich, hart und unerbittlich, dröhnend und zuckersüßsanft. Nun also mit „Seven“ (Sieben), eine CD und passend dazu die Konzertpremiere in Kevelaer (siehe Box).

Die Posaune wird ein Register der Orgel, eingebettet, nicht als Begleitung sondern gleichberechtigt. Das geht, tatsächlich, und manchmal verschmelzen beide, so dass man gar nicht mehr zu hörten weiß, ist es Fink? Ist es Lehnen?

So wie auch die beiden Komponisten irgendwie gar nicht mehr so genau wissen, wer denn welche Notenfolge geschrieben hat. Alles fließt ineinander. Das Thema ist ein urchristliches, die Schöpfungsgeschichte – erzählt in sieben literarischen und musikalischen Fragmenten. „Der Jazz“, so Texter Rütten, „ist ein ideales Ausdrucksmittel um alte Motive und neue Formen zu verbinden.“– „Wir wollten nicht wieder die Geschichte vom weißbärtigen Mann erzählen“ so Lehnen.

„Wir sind im 21. Jahrhundert“, so Fink. Mit den Fragen von heute, mit dem Zweifeln und dem Staunen von heute. Mit dem Suchen nach Antworten von heute. Jeder soll seine eigenen Bilder sehen, spüren, hören, fühlen. „In einem aufgeklärten Zeitalter wollen Menschen meist greifbare Erklärungen, Zusammenhänge erkennen, Ursachen benennen, Wirkungen kalkulieren können“, sagt Rütten. Doch die erste aller Fragen bleibt in ihren letzten Ursachen ein Mysterium: die Frage nach dem Ursprung, nach den Anfängen, nach der ersten Idee.

Musik, Texte – alles ist neu komponiert und geschrieben. Lehnen, Fink und Rütten wollen keine Antworten geben. Sie wollen Mut zum wieder Schöpfungsstaunen machen. Und sie wollen eins: „die Liebe zum Fragen“ neu erwecken.

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