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Rezension www.pizzicato.lu 25/05/2019 | Uwe Krusch | May 25, 2019 Im Archiv gestöbert: Die RIAS-Aufnahmen vom Quartetto Italiano

Das Quartetto Italiano war der Begründer einer Kammermusiktradition in Italien, nachdem es bereits im Barock eine Hochphase, man denke etwa an Corelli, gegeben hatte. Dann übernahm die Oper das Zepter, eben bis 1945 das Quartetto Italiano kam. Es wurde 1980 aufgelöst. Heute hat es mit dem Quartetto di Cremona einen würdigen Nachfolger gefunden.

Bei zahlreichen Auftritten auch in Deutschland wurden im Kontext der Konzerte auch Studioeinspielungen vorgenommen. Diese vom RIAS gesicherten Erinnerungen legt Audite nunmehr gesammelt auf drei Scheiben vor. Dabei zeigt die Palette von Cherubini über Ravel bis Schumann die Breite des Repertoires. Neben regionalen Vorlieben wie den Werken der Landsleute, haben sie ihr Augenmerk auf alte und neue Musik sowie die Wiener Klassiker gerichtet. Alle diese Aspekte werden hier vorgestellt. Verdeckt wird dadurch, dass sie von manchen Komponisten wie Haydn oder Shostakovich nur sehr ausgewählte Werke gespielt haben. Einige der vorgelegten Aufnahmen wie auf der ersten CD sind die einzigen Einspielungen dieser Werke vom Ensemble.

Das Spiel des Quartetts zeichnet sich durch eine noble Gestaltung aus. Ihre Darbietungen werden von einer stupenden Einvernehmlichkeit geprägt, bei der der Primarius als solcher erfahrbar ist, aber weniger herausragt als bei manchem anderen Quartett. Insgesamt gewinnt man den Eindruck, dass ihre Deutungen mehr von charaktervoller Ausformulierung als von kräftiger Ausdruckszuspitzung geprägt sind. So entsteht der Eindruck, dass sie die Musik nach ihrem eigenen Geschmack und nicht nach wirkungsvollem Schein ausgerichtet haben.

The Quartetto Italiano established a new chamber music tradition in Italy. Their repertoire was broad with a strong focus on the Viennese Classicism. The RIAS recordings from Berlin give a marvellous overview of the whole spectrum. The playing of the quartet is characterized by a noble elegance and a stupendous consensus.
RBB Kulturradio

Rezension RBB Kulturradio 21.05.2019 | Kai Luehrs-Kaiser | May 21, 2019 Das Quartetto Italiano, bestehend von 1945 bis 1985, war eine der legendärsten...

Das Quartetto Italiano, bestehend von 1945 bis 1985, war eine der legendärsten Adressen der Streichquartettszene in der Nachkriegszeit. Man favorisierte einen dunklen, gleichsam mysteriös umflorten und umloderten Klang, wie es ihn heute wohl überhaupt nicht mehr gibt.

Die Impulse gingen weniger von dem vornehm zurückhaltenden Primgeiger aus (Paolo Borciani, bei dessen Tod sich das familiär aufeinander eingeschworene Ensemble gleichwohl auflöste). Sondern von der Dame an der 2. Geige, Elisa Pegreffi; sowie von dem Bratscher Piero Farulli. Ruf und Nimbus dieses Ursprungs aller italienischen Streichquartette war immerhin mythisch genug, dass sogar ein Moderner wie Maurizio Pollini in den 70er Jahren noch Schallplatten mit ihnen aufnahm (für die DG).

Den großen Mozart- und Beethoven-Zyklen bei der Firma Philips (später Decca), mit denen das Quartet berühmt wurde, ging von 1951 bis 1963 eine kleine Serie von RIAS-Aufnahmen voraus, die hier gesammelt vorgelegt wird. Wann immer nämlich das Quartetto Italiano in Berlin für Konzertauftritte vorbeischaute, wurden die Musiker am Tag drauf von der berühmten Produzentin Elsa Schiller in den RIAS gebeten. Dabei gelangten auch so ungewohnte Werke wie das 7. Streichquartett von Donizetti und das 5. von Cherubini aufs Notenpult. Diese Werke (ähnlich wie das 4. Streichquartett von Gian Francesco Malipiero) wurden nie wieder so prominent eingespielt als hier.

Frappant nicht zuletzt ist der vergleichsweise 'unsaubere' Zugriff. Die 1. Geige quietscht gelegentlich. Auf technischer Ebene liefern die 3 CDs übliche Argumente dafür, dass Aufnahmen aus jener Zeit von heutigen Streichquartett-Formationen fast überhaupt nicht mehr ernst genommen werden – ja nicht einmal mehr gehört werden können, ohne das die Beteiligten die Augen verdrehen. Dabei wird gern überhört, welch beherzte Stillagen, welcher Ernst und welch herbe Eleganz auch bei Werken Haydns (op. 77/1), Schuberts (D. 112) und Schumanns (op. 41/2 f.) erzielt werden. Das Quartetto Italiano erlag noch nicht dem heute üblichen Putzfimmel und Hygienewahn in der Kammermusik. Sondern erinnert uns in schönster und höchst aufschlussreicher Weise daran, dass Kammermusik-Werke nicht einmal für Profis, sondern für den allgemeinen Hausgebrauch komponiert wurden. Mithin unsauber klingen dürfen! Das italienisch unverputzte Quartetto Italiano erreicht Ausdruckswerte, von denen heutige Ensembles nur träumen können.
BBC Music Magazine

Rezension BBC Music Magazine July 2019 | RF | July 1, 2019 Schubert Chamber Works

An unexpected emphasis here, an unusual moment of phrasing there: the Cremona Quartet are unpredictable, but never mannered in these Schubert chamber masterpieces. They capture the profound beauty of both works.
Fono Forum

Rezension Fono Forum Juli 2019 | Marcus Stäbler | July 1, 2019 In Anbetracht der überwältigenden Schönheit und emotionalen Tiefe im ersten...

In Anbetracht der überwältigenden Schönheit und emotionalen Tiefe im ersten und zweiten Satz rücken die anderen Teile des Schubert-Streichquintetts mitunter etwas in den Hintergrund. Ein Fehler, wie die neue Aufnahme mit dem Quartetto di Cremona und Eckart Runge am zweiten Cello demonstriert. Auch im Scherzo konfrontiert uns Schubert mit jenem aufrührenden, geradezu erschütternden Kontrastreichtum, der das ganze Werk prägt und der dem Hörer durch Mark und Bein geht, wenn er so eindringlich musiziert ist wie hier.

Im Hauptteil – vom Komponisten zu beinahe orchestraler Fülle angedickt – schärfen die Interpreten den Klang durch markante Akzente und den schneidenden Sound leerer Saiten, dadurch bekommt der Tanzgestus eine wilde Intensität. Dagegen schaut das Trio in eine ganz andere Dimension. Weltentrückt scheint sich die Musik dort in eine Art instrumentales Gebet zu versenken. Die fünf Streicher finden einen Ton zwischen jenseitiger Ruhe und hymnischer Glut, der einen unmöglich kalt lassen kann. Dass die Oktavunisoni, mit einer leuchtenden Bratschenstimme, nicht immer in vollkommener Reinheit übereinander liegen, ist kein Makel, sondern Symptom einer vibrierenden Ausdruckskraft, die den expressiven Gesang, aber auch unglaublich leise Momente kennt – wie am Ende des Trios, an dem die Vision eines ewigen Lebens ganz allmählich verbleicht, von den Streichern in ein nebliges Pianissimo getaucht.

Ein magischer Moment der Aufnahme, die auch in den anderen, bekannteren Sätzen mit ihrer Intensität, ihrer Wärme und einem edlen, auf vier Stradivari- und einem Amati-Cello geformten Klang berührt. Auf der zweiten CD spielt das Quartetto di Cremona Schuberts "Tod und das Mädchen" mit derselben Bandbreite und Intensität wie im Quintett.
Fono Forum

Rezension Fono Forum Juli 2019 | Ingo Harden | July 1, 2019 Drei von drüben

[…] Auch die Berliner Rundfunk-Aufnahmen von Jorge Bolet (1914-90), denen Audite eine dreiteilige Serie gewidmet hat, sind in dieser Hinsicht nicht ganz "schwankungsfrei". Im dritten Band, der Bolets Einspielungen für den SFB aus den Jahren 1961 bis 1971 (plus einem Pariser Mitschnitt des Es-Dur-Konzerts von Beethoven unter Moshe Atzmon von 1974) erstmals zugänglich macht, kommt es so zu einigen Diskrepanzen zwischen Kompositions- und Personalstil. So spielt Bolet Chopins Etüden op. 25 zwar mit eindrucksvollem Ernst und schwerer Wucht, doch kommen Romantik, leuchtende Brillanz und melodische Geschmeidigkeit darüber ein wenig zu kurz. Umgekehrt begegnet man hier einer Darstellung von Cesar Francks leider ein bisschen aus dem Blick geratenem Triptychon "Prelude, Aria et Final", wie sie vielleicht "wagnerisch" wühlerischer, aber kaum schöner im Ton und klarer in den Konturen vorstellbar ist. Und allein schon Bolets 1964er-Einspielung von Schumanns f-Moll-Sonate, die ja bis heute im Schatten ihrer fis-Moll-Vorgängerin steht, lohnt es, sein Augenmerk auf dieses 3-CD-Album zu richten: So eindrucksvoll, drängend intensiv, ja manchmal fast explosiv und prägnant gezeichnet bekommt man das "Concert sans Orchestre" kaum je zu hören. […]
Fono Forum

Rezension Fono Forum Juli 2019 | Ingo Harden | July 1, 2019 Drei von drüben

[…] Auch die Berliner Rundfunk-Aufnahmen von Jorge Bolet (1914-90), denen Audite eine dreiteilige Serie gewidmet hat, sind in dieser Hinsicht nicht ganz "schwankungsfrei". Im dritten Band, der Bolets Einspielungen für den SFB aus den Jahren 1961 bis 1971 (plus einem Pariser Mitschnitt des Es-Dur-Konzerts von Beethoven unter Moshe Atzmon von 1974) erstmals zugänglich macht, kommt es so zu einigen Diskrepanzen zwischen Kompositions- und Personalstil. So spielt Bolet Chopins Etüden op. 25 zwar mit eindrucksvollem Ernst und schwerer Wucht, doch kommen Romantik, leuchtende Brillanz und melodische Geschmeidigkeit darüber ein wenig zu kurz. Umgekehrt begegnet man hier einer Darstellung von Cesar Francks leider ein bisschen aus dem Blick geratenem Triptychon "Prelude, Aria et Final", wie sie vielleicht "wagnerisch" wühlerischer, aber kaum schöner im Ton und klarer in den Konturen vorstellbar ist. Und allein schon Bolets 1964er-Einspielung von Schumanns f-Moll-Sonate, die ja bis heute im Schatten ihrer fis-Moll-Vorgängerin steht, lohnt es, sein Augenmerk auf dieses 3-CD-Album zu richten: So eindrucksvoll, drängend intensiv, ja manchmal fast explosiv und prägnant gezeichnet bekommt man das "Concert sans Orchestre" kaum je zu hören. […]
Fono Forum

Rezension Fono Forum Juli 2019 | Ingo Harden | July 1, 2019 Drei von drüben

[…] Auch die Berliner Rundfunk-Aufnahmen von Jorge Bolet (1914-90), denen Audite eine dreiteilige Serie gewidmet hat, sind in dieser Hinsicht nicht ganz "schwankungsfrei". Im dritten Band, der Bolets Einspielungen für den SFB aus den Jahren 1961 bis 1971 (plus einem Pariser Mitschnitt des Es-Dur-Konzerts von Beethoven unter Moshe Atzmon von 1974) erstmals zugänglich macht, kommt es so zu einigen Diskrepanzen zwischen Kompositions- und Personalstil. So spielt Bolet Chopins Etüden op. 25 zwar mit eindrucksvollem Ernst und schwerer Wucht, doch kommen Romantik, leuchtende Brillanz und melodische Geschmeidigkeit darüber ein wenig zu kurz. Umgekehrt begegnet man hier einer Darstellung von Cesar Francks leider ein bisschen aus dem Blick geratenem Triptychon "Prelude, Aria et Final", wie sie vielleicht "wagnerisch" wühlerischer, aber kaum schöner im Ton und klarer in den Konturen vorstellbar ist. Und allein schon Bolets 1964er-Einspielung von Schumanns f-Moll-Sonate, die ja bis heute im Schatten ihrer fis-Moll-Vorgängerin steht, lohnt es, sein Augenmerk auf dieses 3-CD-Album zu richten: So eindrucksvoll, drängend intensiv, ja manchmal fast explosiv und prägnant gezeichnet bekommt man das "Concert sans Orchestre" kaum je zu hören. […]
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Rezension www.pizzicato.lu 07/06/2019 | Remy Franck | June 7, 2019 Lucchesinis kraftvoll drängender Schubert

An Andrea Lucchesinis Schubert-Interpretationen scheiden sich die Geister. Die beiden Sonaten D. 959 und D. 537 sowie das Allegretto D. 915 spielt er aus einem Geist heraus, musikalisch sehr überlegt, souverän in der Gestik, mit viel Kraft und Lebendigkeit. In den schnellen Sätzen gibt es viel leidenschaftliches Drängen, starke Kontraste und eine große dynamische Spannweite.

In der Sonate D. 959, die Schubert im Todesjahr 1828 komponierte, werden viel Melancholie und auch Abgründe überspielt, und selbst das Trio im Andantino bleibt daher weniger verstörend als in anderen Interpretationen, die generell das Lyrische mehr betonen als Lucchesini, der Schubert insgesamt drastischer gestaltet als viele seiner Kollegen. Sieht der Italiener in dieser Musik vielleicht eher die Revolte eines Todgeweihten?

Aber ist Schuberts Musik nicht eigentlich doch das Gegenstück von Beethoven? Verträgt Schubert einen derart drängenden Vortrag, ein so straffes Musizieren, wie es Lucchesini uns hier hören lässt? Diese Fragen zeigen, dass es sehr wohl interessant ist, sich mit diesem Schubert auseinanderzusetzen.

Andrea Lucchesini’s Schubert interpretations will divide the spirits. The two sonatas D. 959 and D. 537 as well as the Allegretto D. 915 are played in a very thoughtful, manner, with a lot of strength and liveliness. In the fast movements there is a lot of passionate urge, strong contrasts and a large dynamic range. In the Sonata D. 959, which Schubert composed in 1828, the year of his death, much melancholy and chasms are overplayed, and even the Trio in the Andantino remains less disturbing than in other interpretations, which generally emphasize the lyrical elements more than Lucchesini, who gives the music a more radical character. Does the Italian perhaps emphasize in this music the revolt of a man who is expecting to die? But isn’t Schubert’s music actually the counterpart of Beethoven? Does Schubert tolerate such an urgent performance, such a strict music-making as Lucchesini’s? These questions show that it is anyway interesting to deal with this Schubert.

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