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Tibia

Rezension Tibia 18.09.2024 | September 18, 2024 Eine Bearbeitung und 3 Originalwerke stellt das junge ARUNDOSquintett in ihrer...

Eine Bearbeitung und 3 Originalwerke stellt das junge ARUNDOSquintett in ihrer zweiten CD mit Bläserquintetten vor. Das schon mehrfach in Wettbewerben ausgezeichnete international besetzte Quintett in der Besetzung Anna Saha (Flöte und Piccolo), Yoshihiko Shimo (Oboe und Englischhorn), Christine Stemmler (Klarinette), Lisa Rogers (Horn) und Yuka Maehrle (Fagott) zündet mit seinem außergewöhnlich virtuosen und schönen Spiel und durch die Auswahl der Werke ein wahres Feuerwerk. Sie beginnen mit einer sehr überzeugenden Bearbeitung von Gordon Davies der „Petite Suite“ von Claude Debussy, einem vierhändigen Klavierwerk, dass bereits Debussy selbst für Orchester bearbeitet hatte.

Ein Werk, in dem sich Debussy nicht nur mit einem „alten“ Menuett von der damals noch stark dominierenden spätromantischen Musik abhob. Im 4. Satz „Ballet“ sticht die Hornstimme durch ihre Brillanz besonders heraus. Danach folgt ein Auftragswerk des Quintetts: Kevin Beavers geistreiches dreisätziges Quintett. Das Werk könnte in seiner Art in vieler Hinsicht schon in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts geschrieben worden sein, aber erstens hatte der Komponist das Glück, erst 1971 geboren worden zu sein und zweitens kein Deutscher zu sein. Denn bekanntlich waren die Jahre ab circa 1950–1970 extrem – vor allem in Deutschland und auch durch Adornos Einfluss – von der „Wiener Schule“ und deren Weiterentwicklung geprägt, alles andere war mehr oder weniger „dumme“ Musik, überflüssig und „affirmativ“. Spätestens ab den 80er Jahren weitete sich der Blick wieder. Und das ist gut so und bei diesem Werk ist zu konstatieren, dass es trotzdem sehr eigen und dabei außerordentlich schlüssig komponiert ist. So setzt der 2. Satz z.B. mit einem wunderschön gespielten Flötensolo ein und endet mehr oder weniger mit einem fagottdominierten Teil. Der 3. Satz Presto euforico macht seinem Titel mit jazzoiden Anleihen alle Ehre. Im folgenden Werk der CD wird das Jazz-Element kunstvoll in „La Nouvelle Orléans“ von dem sehr bekannten Filmkomponisten Lalo Schifrin weitergeführt, das Szenario einer traditionellen Beerdigung aufnehmend: auf den Weg zum Friedhof erklingt eine Klagemusik, auf dem Rückweg kippt sie in eine geradezu ausgelassene Stimmung um.

Die krönende Schlussnummer: das „Quintett op. 43“ von Carl Nielsen, beginnend mit einem Fagottsolo in einem sehr aufgelockertem durchsichtigen Allegro ben marcato. Ihm folgt ein Menuett (!), tänzerisch und locker, mit Grazie gespielt. Der Schlusssatz beginnt mit einem dunklen ernsten Klang, dem Variationen über ein Liedchoral folgen. Diese Variationen sind wahre Kleinodien, jedes der Instrumente charakteristisch und oft solistisch sich vorstellend, so das wundervolle Horngeschnatter in der Variation IV oder die rein solistisch unglaublich schön geblasene Hornmelodie in Variation IX. Nach einer Stretta endet das Werk mit der Wiederaufnahme des Themas mit einem Andante festivo in vollem Klang, ein sehr origineller Schluss für ein Bläserquintett. Die krönende Schlussnummer? Großartige Schlussnummer ja, aber es fällt mir sehr schwer, mich hier für eine Rangordnung zu entscheiden. Das liegt natürlich auch an dem überall wahrhaft exzellenten Spiel des Quintetts. Eine CD, die man immer wieder hören kann!
RBB Kulturradio

Rezension RBB Kulturradio Radio 3 "Album der Woche" | 28.10. - 03.11.2024 mit Verlosung | October 28, 2024 BROADCAST: ALBUM DER WOCHE

Wer an skurriler Programmmusik aus dem 18. Jahrhundert interessiert ist, dem dürfte der "Neue und sehr kurios-musikalische Instrumental-Kalender" Werners bekannt sein. Ansonsten sind seine 350 Werke in Vergessenheit geraten – womöglich auch, weil sie nicht als Partituren erhalten sind, sondern nur in Einzelstimmen. Dabei hat der Musiker doch über 35 Jahre lang den prestigereichen Posten des Hofkapellmeisters der Fürsten Esterházy in Eisenstadt bekleidet.

Ansehen
Joseph Haydn, sein Nachfolger auf dieser Position, hat noch kurz vor seinem eigenen Tod "aus besonderer Achtung gegen diesen berühmten Meister" einen Zyklus instrumentaler Fugen aus Werners Nachlass veröffentlicht. Das illustriert die Wertschätzung, die der Komponist in seiner Zeit genoss. Lajos Rovatkay teilt diese und bedauert, dass das Wirken Haydns einen großen Schatten auf die Werke seines niederösterreichischen Landsmannes geworfen hat.

Langes Interesse
Lajos Rovatkay, der 1956 aus Ungarn emigrierte, hat sich als Vermittler der Historischen Aufführungspraxis und als Ensembleleiter einen großen Namen gemacht. Viele erfolgreiche Musikerinnen und Musiker sind aus seiner Hochschulklasse hervorgegangen. Sein Forschungsinteresse gilt seit langem der Wiener Musik des 18. Jahrhunderts und dem Einfluss, den venezianische Komponisten auf diese ausgeübt haben. Dabei geriet auch das Schaffen Gregor Joseph Werners in seinen Fokus.

Impulsgeber
Rovatkay nennt Werner einen Impulsgeber für Haydn und andere Nachfolger und bewundert ihn als Kontrapunktiker, der großartige Fugen schrieb. Zugleich ist er aber auch von seinem fortschrittlichen harmonischen Denken begeistert. "Er ist ein sehr eigenwilliger, origineller Kopf gewesen", urteilt Werner-Fan Rovatkay. Aber auch der Esterházy-Kapellmeister setzte Traditionslinien fort. Und ein besonders wichtiger Einfluss scheint von Antonio Caldara ausgegangen zu sein.

Hommage
Caldara, Vizekapellmeister am Wiener Kaiserhof, war ein Vierteljahrhundert älter als Werner. Wie Rovatkay erforschte, hat der jungen Musiker mit größer Wahrscheinlichkeit bei dem Venezianer gelernt. Ein beredtes Zeugnis dafür liefert das zentrale Werk auf dem neuen Album, Werners Requiem in g-Moll. Jeder zweite Satz darin basiert auf Kompositionen Caldaras, die Werner mit neuem Text versah – eine bewegende Würdigung des Älteren, denn Werner hat seine eigene Expertise als Fugenkomponist hintangestellt und alle Fugen in der Totenmesse von Caldara übernommen.

Vielfalt
Die Stücke, derer sich Werner bedient hat, hat Lajos Rovatkay ebenfalls aufgenommen. Es handelt sich dabei um moralisierende Madrigale im "stile antico" – der Klang dieser Kompositionen erinnert eher an die Musik der Renaissance denn an die der Wiener Klassik. Ihr archaischer Sound verleiht dem Album eine besondere, abwechslungsreiche Vielfalt und lässt das Hören des Ganzen zu einem reizvollen Erlebnis werden.

Herzensangelegenheit
Für den 91 Jahre alten Rovatkay könnte der Werner-CD-Zyklus das letzte große Projekt sein. Es liegt ihm viel an dessen Entstehen, so dass er sogar dauernd und "reflexartig" finanzielle Löcher stopft, die bei den Produktionen auftauchen. Sein großes Engagement wird ihm von den Musikerinnen und Musikern der beiden beteiligten Ensembles mit eigener Begeisterung entlohnt – die jungen Leute wunderten sich über seine jugendliche Energie, stellt er fest. Und er erwähnt das Lob, das er erhielt, weil er sich den Tücken einer Krankheitswelle im Voktett bei der Aufnahme des Albums "mit guter Laune dagegengestemmt" habe.

Rarität
Das Voktett Hannover und das Instrumentalensemble la festa musicale meistern ihre Aufgaben souverän. Sie präsentieren ein Programm, das selten in Konzerten und auf Einspielungen zu hören ist. Und welches ganz andere Qualitäten aufweist als viele Produktionen, gerade in seinem eher dunklen Gesamtklang. Für Lajos Rovatkay ist gerade der aber ein Gütesiegel, wenn er sagt: "Wir haben hier ganz andere Energien als in hellen tänzerischen Stücken. Ich habe in meinem Unterricht auch immer darauf hingewiesen, dass man das Dunkle entdecken und liebevoll behandeln soll und nicht immer einfach das Lustige sucht.“
Neue Musikzeitung

Rezension Neue Musikzeitung 25. Oktober 2024 | October 25, 2024 «Fauré authentique» steht als Motto auf dem Cover. Doch was kann an einem...

der profunden Einspielung [gelingt] der Spagat zwischen den sensiblen kleineren, für den Salon bestimmten Charakterstücken und den beiden großen Sonaten aus späterer Zeit, mit denen Fauré während und noch einmal nach dem Ersten Weltkrieg ganz eigene Akzente setzte. Dass Marc Coppey (Violoncello) und François Dumont (Klavier) hier ein großer Wurf gelungen ist, wird schon nach wenigen Takten deutlich.
www.artalinna.com

Rezension www.artalinna.com 29 octobre 2024 | October 29, 2024 Retour à Beethoven

À vrai dire on n’a plus entendu un Beethoven aussi intense, aussi formé, depuis l’âge d’or des Arrau, Kempff, Backhaus [...] Alfredo Perl insistant pour faire partout de la grande musique, refusant l’anecdotique, traquant le génie, et le dévoilant avec cet alliage d’élégance et de gravité qui tourne le dos à tant de lectures extraverties.
BBC Music Magazine

Rezension BBC Music Magazine December 2024 | December 1, 2024 From the archives

December round-up Václav Neumann was chief conductor of the Czech Phil for 22 years, and in 1969 this was the first orchestra from behind the Iron Curtain to visit the Lucerne Festival. Neumann brought them back in zhe 1980s, and these Swiss Radio recordings are released for the first time. In Dvorák’s Eights Symphony in 1988, Neumann is direct and unfussy, coaxing a lovely string sound, while the Czech Phil’s characterful winds are wonderful, the horn sound warmed with vibrato. From their 1984 visit, the darkness of Dvorák’s The Wild Dove is fully realized, and the Prelude to Smetana’s Libuse glows with national pride.
Piano News

Rezension Piano News 6/2024 November/Dezember | November 1, 2024 Alfredo Perls Ausblick auf ein Mammut-Vorhaben mit den Diabelli-Variationen

Alfredo Perl zeigt mit diesem Auftakt seiner Gesamteinspielung, dass er ein Beethoven-Kenner im besten Sinne ist und die Musik so zu gestalten versteht, dass sie den Intentionen des Komponisten entspricht, dass er aber ebenso das Drama, die Charaktere, das Freudige und das Melancholische oder Verhaltene dazustellen versteht. Insgesamt eine brillante Einspielung
Fono Forum

Rezension Fono Forum November 2024 | November 1, 2024 In der vierten Folge seiner Gregor-Joseph-Werner-Reihe richtet der Musikforscher...

In der vierten Folge seiner Gregor-Joseph-Werner-Reihe richtet der Musikforscher und Dirigent Lajos Rovatkay sein Augenmerk auf dessen Verbindung zu Antonio Caldara. Besonders deutlich wird sie im Requiem g-Moll, das nach Rovatkays eigener Forschung Musik beider vereint. Es ist ein Highlight der Aufnahme, das das Voktett Hannover, wie auch die Madrigale Caldaras und weitere geistliche Werke Werners, mit guter Textverständlichkeit und Textausdeutung singt. In dem oft intim klingenden Requiem hat Werner (1693-1766), der Vorgänger Haydns in Eisenstadt, eine ganz persönliche, von der liturgischen Norm abweichende Aussage formuliert – ohne „Dies irae“, stattdessen mit dem Buch Hiob und dem 24. Psalm. Weitere Höhepunkte der Aufnahme sind zwei Sinfonien Antonio Caldaras zu Oratorien, in denen la festa musicale das Außergewöhnliche herausstellt, ohne zu übertreiben – genau das kann Interpretation leisten. Sehr schön eingefangen ist in exzellenter Klangbalance die etwas zu hallige Akustik des Aufnahmeorts.
Radio Bremen

Rezension Radio Bremen Bremen Zwei "Klassikwelt", 03.11.2024, 19:00 Uhr | November 3, 2024 BROADCAST

Die aus Südkorea stammende Pianistin Jimin Oh-Havenith ist eine Spezialistin für die Klaviermusik von Robert Schumann. [...] Die dritte [...] Folge dieser hochkarätigen Einspielung ist gerade erschienen. Jimin Oh-Havenith spielt auf ihrem neuen Album den berühmten „Carnaval“ op. 9 und die weniger bekannten „Davidsbündlertänze“ op. 6. Schöner Titel dieser CD: Wild – Mild. Das passt zu Schumanns Doppelnatur, zu seiner Musik, die hin- und hergerissen ist zwischen Überschwang und Abgründigkeit. Jimin Oh-Havenith ist in dieser Klangwelt zu Hause wie nur wenige andere. Sie kennt Schumanns Licht- und Schattenseiten, folgt seiner emotional doppelbödigen Persönlichkeit.
Obwohl die „Davidsbündlertänze“ nicht so populär sind wie der Carnaval oder die C-Dur-Fantasie, sind auch sie ein waschechter Schumann. Es sind kurze Psychogramme einer schon früh zerrissenen Seele – mal ganz intim und nach innen gerichtet, dann wieder euphorisch und strahlend virtuos. Für die Interpretin ein schwieriger Grenzgang, den Jimin Oh-Havenith mit sicherem Gespür und brillanter Pianistik geht.
Robert Schumanns „Davidsbündlertänze“ op. 6 – prototypische Klaviermusik der Romantik zwischen feurigem Temperament und poetischer Innigkeit. [...] Zu hören auf der dritten [...] Folge von Jimin-Oh-Haveniths wunderbarer Schumann-Reihe. [...] Jimin Oh-Havenith, eine Künstlerin weit abseits vom Mainstream. Sie konzentriert sich ganz auf ihre Kunst und veranstaltet keinen Medien-Klimbim – ganz tolle Pianistin!"
Preis der Deutschen Schallplattenkritik

Rezension Preis der Deutschen Schallplattenkritik Bestenliste 4/2024 | November 15, 2024 Diese 18 Triosonaten-Sätze zählen unangefochten zum Schönsten, was je für...

Diese 18 Triosonaten-Sätze zählen unangefochten zum Schönsten, was je für die Orgel geschrieben wurde – und zum Schwierigsten. Auf diesem Album kommt alles zusammen, was Bachs Orgel zum ungetrübten Hörgenuss macht: eine Orgel, an deren lebendiger Farbigkeit man sich nicht satthören kann; eine Aufnahme, die diese Klänge warm, räumlich, ja greifbar weitergibt; und vor allem ein Organist, der diese Wunderwerke kantabel schwingend und mit entspannter Präzision spielt, als sei es ihm ein reines Vergnügen.

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