Rezension DeutschlandRadio 25.07.2004 | Norbert Ely | 25. Juli 2004 Entdeckungen aus dem Bereich der Kammermusik
Am Mikrofon begrüßt Sie Norbert Ely. Herzlich willkommen zu zwanzig Minuten mit Entdeckungen aus dem Bereich der Kammermusik.
Die Geigerin Christiane Edinger hat sich in den letzten Jahren immer wieder um das Werk des Brahms-Zeitgenossen Eduard Franck verdient gemacht. So spielte sie vor einiger Zeit das schöne D-dur-Violinkonzert ein, und ihr eigenes Quartett nahm im Sendesaal des Deutschlandfunks Kammermusik von Franck auf. Nun hat das Edinger-Quartett, entsprechend erweitert, bei dem Label audite zwei staunenswerte Streichsextette des späten Romantikers herausgebracht. In beiden Fällen handelt es sich um Ersteinspielungen. Dafür sind der Bratschist Leo Klepper und der Cellist Mathias Donderer zum Ensemble gestoßen; beide gehören dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin an.
Sowohl das Sextett Es-dur op. 41 aus dem Jahr 1882 als auch das D-dur-Werk mit der Nummer 50, dessen Entstehungsjahr unbekannt ist, stehen auf rätselhafte Weise außerhalb ihrer Zeit. Eduard Franck gehörte zu jenen Komponisten, bei denen die Zeitgenossen den Eindruck hatten, sie hätten sich eben doch schon zu Lebzeiten überlebt. Er stand fest auf dem Boden der Mendelssohn-Tradition. Aber - und das ist gerade bei den Sextetten das Aufregende - er entwickelte die immanenten formbildenden Tendenzen des Mendelssohn-Stils sehr konsequent weiter und fand so zu einer konservativen Alternative zur Linie Schumann-Brahms. Natürlich war das altmodisch. Doch heute erkennt man rückblickend, wie sehr dies durch einen eminent geistvollen Umgang mit der Form legitimiert wird. Und zugleich übertrifft die Musik Francks die der meisten akademischen Konkurrenten eben doch auch an Tiefe der Empfindung. Das hört man vor allem auch einem Satz wie dem Andante aus dem Sextett D-dur op. 50 an.
• Musikbeispiel: Eduard Franck - 2. Satz 'Andante' aus dem Streichsextett D-dur op. 50
Das war der zweite Satz aus dem Streichsextett D-dur op. 50 von Eduard Franck in der Ersteinspielung durch das verstärkte Edinger Quartett. Nicht zu überhören ist, dass sich die Primaria Christiane Edinger eben doch schon seit längerer Zeit mit dem Oeuvre Francks auseinandergesetzt hat. Die spezifische Tonsprache des gebürtigen Breslauers, der etliche Jahr im Rheinischen verbrachte, ist ihr wirklich geläufig; jene Leichtigkeit, die auch im Ernst gewahrt sein muss, geht ihr ebenso sensibel von der Hand wie der Ernst im Leichten - die Scherzi Francks sind von schwererem Blut als die Mendelssohns und längst nicht so wild wie die Brahms'schen. Aber in den manchmal nur angedeuteten Portamenti zum Beispiel spürt man die erfahrene Virtuosin, die vom ersten Pult aus den präzisen und zugleich federnden Sextett-Klang steuert. Erschienen sind die beiden Sextette von Eduard Franck, wie gesagt, bei dem Label audite.
Die Geigerin Christiane Edinger hat sich in den letzten Jahren immer wieder um das Werk des Brahms-Zeitgenossen Eduard Franck verdient gemacht. So spielte sie vor einiger Zeit das schöne D-dur-Violinkonzert ein, und ihr eigenes Quartett nahm im Sendesaal des Deutschlandfunks Kammermusik von Franck auf. Nun hat das Edinger-Quartett, entsprechend erweitert, bei dem Label audite zwei staunenswerte Streichsextette des späten Romantikers herausgebracht. In beiden Fällen handelt es sich um Ersteinspielungen. Dafür sind der Bratschist Leo Klepper und der Cellist Mathias Donderer zum Ensemble gestoßen; beide gehören dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin an.
Sowohl das Sextett Es-dur op. 41 aus dem Jahr 1882 als auch das D-dur-Werk mit der Nummer 50, dessen Entstehungsjahr unbekannt ist, stehen auf rätselhafte Weise außerhalb ihrer Zeit. Eduard Franck gehörte zu jenen Komponisten, bei denen die Zeitgenossen den Eindruck hatten, sie hätten sich eben doch schon zu Lebzeiten überlebt. Er stand fest auf dem Boden der Mendelssohn-Tradition. Aber - und das ist gerade bei den Sextetten das Aufregende - er entwickelte die immanenten formbildenden Tendenzen des Mendelssohn-Stils sehr konsequent weiter und fand so zu einer konservativen Alternative zur Linie Schumann-Brahms. Natürlich war das altmodisch. Doch heute erkennt man rückblickend, wie sehr dies durch einen eminent geistvollen Umgang mit der Form legitimiert wird. Und zugleich übertrifft die Musik Francks die der meisten akademischen Konkurrenten eben doch auch an Tiefe der Empfindung. Das hört man vor allem auch einem Satz wie dem Andante aus dem Sextett D-dur op. 50 an.
• Musikbeispiel: Eduard Franck - 2. Satz 'Andante' aus dem Streichsextett D-dur op. 50
Das war der zweite Satz aus dem Streichsextett D-dur op. 50 von Eduard Franck in der Ersteinspielung durch das verstärkte Edinger Quartett. Nicht zu überhören ist, dass sich die Primaria Christiane Edinger eben doch schon seit längerer Zeit mit dem Oeuvre Francks auseinandergesetzt hat. Die spezifische Tonsprache des gebürtigen Breslauers, der etliche Jahr im Rheinischen verbrachte, ist ihr wirklich geläufig; jene Leichtigkeit, die auch im Ernst gewahrt sein muss, geht ihr ebenso sensibel von der Hand wie der Ernst im Leichten - die Scherzi Francks sind von schwererem Blut als die Mendelssohns und längst nicht so wild wie die Brahms'schen. Aber in den manchmal nur angedeuteten Portamenti zum Beispiel spürt man die erfahrene Virtuosin, die vom ersten Pult aus den präzisen und zugleich federnden Sextett-Klang steuert. Erschienen sind die beiden Sextette von Eduard Franck, wie gesagt, bei dem Label audite.