Rezension
Fono Forum 10/1999 | Matthias Norquet | 1. Oktober 1999
Möglicherweise rehabilitiert
Er lebte und komponierte für die lateinische Sprache. Jan Noväk (nicht zu verwechseln mit seinem ein halbes Jahrhundert früher geborenen Namensvetter Vitezlav Noväk) war damit allerdings weniger erfolgreich als Orff oder Strawinsky, wird bei Audite auch nicht mit Neueinspielungen geehrt, sondern mit Archivaufnahmen des Bayerischen Rundfunks. Dazu keine Novität, sondern eine Wiederauflage, willkommen allerdings bei diesem Komponisten, der mit hochentflammter Emotionssprache einigermaßen quer steht zu zeitgenössischer Laboratoriumsarbeit.
Bei seiner Kantate "Dido" (1967) hat Noväk eine Singstimme von imperialer Couleur vor Ohren, wie sie Marilyn Schmiege in wahrhaft überragender und glückhafter Weise zu Gebote steht. Rafael Kubelik ließ sich während seiner Münchner Chef-Jahre die "own country"-Musik besonders angelegen sein. Auch bei diesem entlegenen Werk spürt man Kompetenz und Hingabe; Orff-Vertrautheit intensiviert antikisches Flair.
Entschieden karger, von einer quasi inneren Unruhe immer wieder ins Presto getrieben, gibt sich die Musik des "Mimus magicus", unmittelbar nach "Dido" wie das Satyrspiel nach einer Tragödie wirkend. Der musikalische Faltenwurf wird hier gegen einen nervös vibrierenden Gestus eingetauscht, welcher die Zauberpraktiken einer eifersüchtig liebenden Frau sinnfällig spiegelt. Eindrucksvoll die Sopranistin Makiko Kurokouchi.