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Rezension http://operalounge.de 01.10.2016 | Marcus Budwitius | 2. Dezember -1 Hochbarocke Überwältigung

Das von Kirchenmusiker Johannes Strobl im aargauischen Muri 2002 gegründete Vokalensemble Cappella Murensis konzentriert sich auf Werke, die den architektonischen Besonderheiten der benediktinischen Klosterkirche in Muri entgegenkommen: der oktogonale Grundriß mit fünf Orgeln und vier Musikemporen ist prädestiniert für polychorale Großwerke. Die Missa in labore requies, eine 24-stimmige und fünfchörige Messe von Georg Muffat (1653-1704), der neben Heinrich Ignaz Franz Biber Domorganist in Salzburg und später Kapellmeister in Passau war, ist so ein großdimensioniertes Werk, das neben Basso Continuo auch Trompeten, Posaunen und Pauke erfordert. Es spielen das Trompetenconsort Innsbruck mit sechs Musikern und das aus Basel stammende, 1997 gegründete Orchester Les Cornets Noirs mit 20 Musikern, zu deren Stamminstrumenten auch das seltene gespielte Zink (italienisch Cornetto) gehört. Ort und Anlaß der Uraufführung sind nicht überliefert, vielleicht eine feierliche Bischofsweihe in Passau 1690.

Die Messe umfasst die üblichen Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei, wobei Gloria und Credo jeweils einen Umfang haben wie die übrigen vier Bestandteile zusammen. Die Messe hält die Balance zwischen Jubel und Besinnung und endet in triumphierender Verherrlichung. Die besondere Aufnahmesituation in der Klosterkirche wird von den Tontechnikern Ludger und Simon Böckenhoff in einem beeindruckenden Hörerlebnis wiedergegeben. Der satte Klang ist klar und fokussiert und wird nie breiig unbestimmt, die Raumwirkung wird eingefangen – die Prachtentfaltung erfährt instrumental und vokal durch einen Nachhall Tiefe, Solo-Sänger und Einzelinstrumente in den ernsten bzw. intimen Momenten sind hingegen im Vordergrund deutlich zu hören. Das Flehen von unten, der Jubel von oben aus den Ecken des Kirchenraums – man kann es hier heraushören (oder meint es zumindest die Raumwirkung wahrzunehmen – auf der Internetseite von audite kann man sogar eine Surround-Version käuflich erwerben), ohne daß die räumliche Distanz zu Verzögerungen oder Inkongruenzen führen. Das Anhören bereitet Freude, das Zusammenspiel ist harmonisch abgestimmt, alle Beteiligten singen und musizieren auf hohem Niveau, Einzel- und Chorsänger ergänzen sich ideal, keine Stimme fällt ab oder stört. Wer bspw. Messen von Lully oder Charpentier schätzt, wird hier fündig. Ergänzt wird die Messe von fünf Kirchensonaten. Instrumentalmusik war seit dem 17. Jahrhundert ein Bestandteil bei feierlichen Gottesdiensten, Mozart hat ein Jahrhundert später noch mehr als ein Dutzend Werke für den liturgischen Gebrauch komponiert. Das auf deutschen und italienischen Frühbarock spezialisierte Instrumentalensemble Les Cornets Noirs haben sich eine Sonate von Johann Heinrich Schmelzer und jeweils zwei von Heinrich Ignaz Franz Biber und Antonio Bertali ausgesucht und musizieren sie mit Elan und Ausdruck. Eine in jeder Hinsicht ausgesprochen gelungene Einspielung. (Muffat – Missa in labore requies und Kirchensonaten von Bertali, Schmelzer und Biber, audite 97.539)


Wem nach der im Jubel endenden Missa in labore requies nach etwas Ernstem der Sinn steht, kann mit einer anderen bemerkenswerten Einspielung der Cappella Murensis Abhilfe schaffen (die direkt im Anschluß an obige Aufnahme entstand – beide im August 2015) und eine Überraschung erleben. Paradisi Gloria heißt eine CD mit sakraler Musik des Kaiser Leopold I. (1640-1705). Er hat über 200 Werke selbständig komponiert, 69 haben den Lauf der Zeiten überstanden, darunter zehn Oratorien und Sepolcri, ein Requiem, eine italienische Oper, zwei Serenaden, Schauspielmusik und viele kleinere Kirchenmusikwerke. Der katholisch verwurzelte Leopold konnte vor allem eines gut komponieren: getragene und traurige Melodien. Die Auswahl der vier Werke auf dieser CD entspricht diesem Können, ein Stabat Mater, eine Motette für das Fest der sieben Schmerzen der Mutter Gottes, ein Requiem sowie Lektionen zur ersten Nokturn für das Totenoffizium. Die Grundhaltung ist weltabgeschieden, die musikalischen Mittel hingegen variieren. Das Stabat Mater in h-moll umfasst bspw. zwanzig dreizeilige Halbstrophen, für jede wechselt die Besetzung, weitere Muster und Symmetrien werden verwendet, um Abwechslung zu erreichen. Die Motette “De septum doloribus Beatae Mariae Virginis” wird von fünf Sängern vorgetragen, die hintereinander ein Rezitativ anstimmen und gemeinsam ein fugiertes Klage-Ensemble singen. Die Missa pro Defunctis ist für drei fünfstimmige Chöre konzipiert und weist wechselnde Kombinationen aus Solisten, Chor und Musikern vor. Die abschließenden „Tres Lectiones I. Nocturni pro Defunctis Piae Claudiae Felici ligens maestusque Leopoldus posuit et musicis legibus distinxit“ entstanden nach dem Tod von Leopolds zweiter Frau und wurden auch nach seinem Tod und an dessen Jahrestagen aufgeführt. Sie bieten gedämpfte Klänge zu Texten, die vor allem aus dem Buch Hiob stammen. Als Zuhörer erlebt man auf dieser CD ernste Musik in aufrichtiger Haltung, tief religiös, schlicht und wirksam. Les Cornets Noirs setzen sich zusammen aus bis zu vier Violas da Gamba, Violone, Laute und Orgel sowie Zink und drei Posaunen. Das Ensemble erweist sich auch hier als passender Partner, das die intime Stimmung dieser spirituellen Musik geschmackvoll und intensiv musiziert ohne dabei rührselig oder sentimental zu klingen. Auch Sänger und Chor werden dieser Aufgabe umfänglich gerecht. Der Klang ist erneut ausgewogen und von den Tontechnikern optimal eingefangen. Das interessante Beiheft erläutert, wie es der begabte Kaiser und Musikliebhaber schafft, Abwechslung und Bedeutung seiner Musik mit Könnerschaft zu erreichen. (Paradisi Gloria, audite 97540).
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Rezension http://operalounge.de 01.10.2016 | Marcus Budwitius | 1. Oktober 2016 Hochbarocke Überwältigung

Das von Kirchenmusiker Johannes Strobl im aargauischen Muri 2002 gegründete Vokalensemble Cappella Murensis konzentriert sich auf Werke, die den architektonischen Besonderheiten der benediktinischen Klosterkirche in Muri entgegenkommen: der oktogonale Grundriß mit fünf Orgeln und vier Musikemporen ist prädestiniert für polychorale Großwerke. Die Missa in labore requies, eine 24-stimmige und fünfchörige Messe von Georg Muffat (1653-1704), der neben Heinrich Ignaz Franz Biber Domorganist in Salzburg und später Kapellmeister in Passau war, ist so ein großdimensioniertes Werk, das neben Basso Continuo auch Trompeten, Posaunen und Pauke erfordert. Es spielen das Trompetenconsort Innsbruck mit sechs Musikern und das aus Basel stammende, 1997 gegründete Orchester Les Cornets Noirs mit 20 Musikern, zu deren Stamminstrumenten auch das seltene gespielte Zink (italienisch Cornetto) gehört. Ort und Anlaß der Uraufführung sind nicht überliefert, vielleicht eine feierliche Bischofsweihe in Passau 1690.

Die Messe umfasst die üblichen Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei, wobei Gloria und Credo jeweils einen Umfang haben wie die übrigen vier Bestandteile zusammen. Die Messe hält die Balance zwischen Jubel und Besinnung und endet in triumphierender Verherrlichung. Die besondere Aufnahmesituation in der Klosterkirche wird von den Tontechnikern Ludger und Simon Böckenhoff in einem beeindruckenden Hörerlebnis wiedergegeben. Der satte Klang ist klar und fokussiert und wird nie breiig unbestimmt, die Raumwirkung wird eingefangen – die Prachtentfaltung erfährt instrumental und vokal durch einen Nachhall Tiefe, Solo-Sänger und Einzelinstrumente in den ernsten bzw. intimen Momenten sind hingegen im Vordergrund deutlich zu hören. Das Flehen von unten, der Jubel von oben aus den Ecken des Kirchenraums – man kann es hier heraushören (oder meint es zumindest die Raumwirkung wahrzunehmen – auf der Internetseite von audite kann man sogar eine Surround-Version käuflich erwerben), ohne daß die räumliche Distanz zu Verzögerungen oder Inkongruenzen führen. Das Anhören bereitet Freude, das Zusammenspiel ist harmonisch abgestimmt, alle Beteiligten singen und musizieren auf hohem Niveau, Einzel- und Chorsänger ergänzen sich ideal, keine Stimme fällt ab oder stört. Wer bspw. Messen von Lully oder Charpentier schätzt, wird hier fündig. Ergänzt wird die Messe von fünf Kirchensonaten. Instrumentalmusik war seit dem 17. Jahrhundert ein Bestandteil bei feierlichen Gottesdiensten, Mozart hat ein Jahrhundert später noch mehr als ein Dutzend Werke für den liturgischen Gebrauch komponiert. Das auf deutschen und italienischen Frühbarock spezialisierte Instrumentalensemble Les Cornets Noirs haben sich eine Sonate von Johann Heinrich Schmelzer und jeweils zwei von Heinrich Ignaz Franz Biber und Antonio Bertali ausgesucht und musizieren sie mit Elan und Ausdruck. Eine in jeder Hinsicht ausgesprochen gelungene Einspielung. (Muffat – Missa in labore requies und Kirchensonaten von Bertali, Schmelzer und Biber, audite 97.539)


Wem nach der im Jubel endenden Missa in labore requies nach etwas Ernstem der Sinn steht, kann mit einer anderen bemerkenswerten Einspielung der Cappella Murensis Abhilfe schaffen (die direkt im Anschluß an obige Aufnahme entstand – beide im August 2015) und eine Überraschung erleben. Paradisi Gloria heißt eine CD mit sakraler Musik des Kaiser Leopold I. (1640-1705). Er hat über 200 Werke selbständig komponiert, 69 haben den Lauf der Zeiten überstanden, darunter zehn Oratorien und Sepolcri, ein Requiem, eine italienische Oper, zwei Serenaden, Schauspielmusik und viele kleinere Kirchenmusikwerke. Der katholisch verwurzelte Leopold konnte vor allem eines gut komponieren: getragene und traurige Melodien. Die Auswahl der vier Werke auf dieser CD entspricht diesem Können, ein Stabat Mater, eine Motette für das Fest der sieben Schmerzen der Mutter Gottes, ein Requiem sowie Lektionen zur ersten Nokturn für das Totenoffizium. Die Grundhaltung ist weltabgeschieden, die musikalischen Mittel hingegen variieren. Das Stabat Mater in h-moll umfasst bspw. zwanzig dreizeilige Halbstrophen, für jede wechselt die Besetzung, weitere Muster und Symmetrien werden verwendet, um Abwechslung zu erreichen. Die Motette “De septum doloribus Beatae Mariae Virginis” wird von fünf Sängern vorgetragen, die hintereinander ein Rezitativ anstimmen und gemeinsam ein fugiertes Klage-Ensemble singen. Die Missa pro Defunctis ist für drei fünfstimmige Chöre konzipiert und weist wechselnde Kombinationen aus Solisten, Chor und Musikern vor. Die abschließenden „Tres Lectiones I. Nocturni pro Defunctis Piae Claudiae Felici ligens maestusque Leopoldus posuit et musicis legibus distinxit“ entstanden nach dem Tod von Leopolds zweiter Frau und wurden auch nach seinem Tod und an dessen Jahrestagen aufgeführt. Sie bieten gedämpfte Klänge zu Texten, die vor allem aus dem Buch Hiob stammen. Als Zuhörer erlebt man auf dieser CD ernste Musik in aufrichtiger Haltung, tief religiös, schlicht und wirksam. Les Cornets Noirs setzen sich zusammen aus bis zu vier Violas da Gamba, Violone, Laute und Orgel sowie Zink und drei Posaunen. Das Ensemble erweist sich auch hier als passender Partner, das die intime Stimmung dieser spirituellen Musik geschmackvoll und intensiv musiziert ohne dabei rührselig oder sentimental zu klingen. Auch Sänger und Chor werden dieser Aufgabe umfänglich gerecht. Der Klang ist erneut ausgewogen und von den Tontechnikern optimal eingefangen. Das interessante Beiheft erläutert, wie es der begabte Kaiser und Musikliebhaber schafft, Abwechslung und Bedeutung seiner Musik mit Könnerschaft zu erreichen. (Paradisi Gloria, audite 97540).
Die Zeit

Rezension Die Zeit Nr. 43 vom 13. Oktober 2016 | Volker Hagedorn | 13. Oktober 2016 Roberts Rächerinnen

Wie gewohnt gibt die Moldawierin ein bisschen das bad girl.
Fono Forum

Rezension Fono Forum November 2016 | Marcus Stäbler | 1. November 2016 Mit seinen Schnörkeln und Trillerfiguren gibt sich Beethovens frühes Quartett...

Mit seinen Schnörkeln und Trillerfiguren gibt sich Beethovens frühes Quartett op. 18 Nr. 5 noch etwas neckischer, etwas rokokohafter als die Schwesterwerke aus demselben Zyklus. Das Quartetto di Cremona spielt diese Momente mit spitzer Artikulation – und mischt so eine Prise Ironie in seine Interpretation.

Auch das Menuett beginnt noch ganz leicht und unschuldig; die Bögen scheinen zunächst über die Saiten zu schweben. Doch dann bricht der leichtfüßige Tanz mit einer rabiaten Geste ab. Wie ruppig die italienischen Streicher diese Passage in die Saiten bürsten, ist eines von vielen Beispielen für die Prägnanz, mit der sie die musikalischen Charaktere ausformen. Auch im abschließenden Finale des A-Dur-Quartetts, das in Beethovens original aberwitzigem Tempo wie aufgeschreckt wirkt, als würden die Motive hektisch durcheinanderwirbeln.

Hier deutet sich bereits Beethovens Neigung an, die Interpreten an die Grenzen des Machbaren zu treiben: wie auch und gerade im B-Dur-Quartett op. 130. Der Presto-Satz etwa ist ein echter Fingerbrecher für den ersten Geiger. Manche Ensembles schalten deshalb einen Gang zurück. Das Quartetto di Cremona spielt das Presto dagegen mit extra durchgedrücktem Gaspedal. Die drei unteren Stimmen scheinen die erste Geige im Mittelteil unerbittlich voranzuhetzen – dadurch entsteht eine mitreißende Energie, der man sich kaum entziehen kann.

Das Tempo wird zum Ausdruck einer Rastlosigkeit, die die Musik immer weitertreibt. Dieser Tanz auf dem Vulkan ist jedoch nur eine von vielen Facetten des Stücks. Einen denkbar starken Kontrast bildet die Cavatina, sicher einer der schönsten und deshalb auch berühmtesten Sätze aus Beethovens Quartettschaffen. Der erste Geiger Cristiano Gualco und seine Kollegen spielen diesen Satz sehr anrührend und ausdrucksvoll, mit einem wunderbar gedeckten Klang, bevor das Stück mit dem nachkomponierten Finale temperamentvoll endet. Auch mit der sechsten Folge hält das Quartetto di Cremona das Spitzenniveau seiner Gesamtaufnahme.
Fono Forum

Rezension Fono Forum November 2016 | Norbert Hornig | 1. November 2016 Klangliches Raffinement, lyrische Empfindsamkeit, der markante Zugriff und...

Klangliches Raffinement, lyrische Empfindsamkeit, der markante Zugriff und effektvoll ausgespielte Kontraste: Die Geigerin Franziska Pietsch verfügt über die Kreativität und alle Ausdrucksfacetten, um die Sprengkraft und kompositorische Vielschichtigkeit von Prokofjews Violinsonaten freizulegen. Mit ihrem Klavierpartner Detlev Eisinger gelingen ihr emotional hoch gespannte Interpretationen. Man spürt, dass es in dieser Musik um etwas Existenzielles geht. Nur ein Musizieren, das an Grenzen geht, kann ihr gerecht werden. Das geschieht hier mit packender Deutlichkeit.
Rhein-Main Magazin

Rezension Rhein-Main Magazin 11/16 | Sebastian Laux | 1. November 2016 Nach der erfolgreichen Veröffentlichung aller Streichquartette von Mendelssohn...

Nach der erfolgreichen Veröffentlichung aller Streichquartette von Mendelssohn wendet sich das Mandelring Quartett nun allen Streichquintetten und -sextetten von Brahms zu. In seinen Werken konzentrierte Brahms Gegensätze, die sein musikalisches Denken prägten: Aus dem Rückblick auf die Musikgeschichte und auf das eigene Schaffen gewann er die Perspektive des Neuen, überzeitlich Gültigen. Die größere Besetzung gegenüber dem Streichquartett nutzte er zur Suggestion von Weite, band sie aber in eine knappe, gedrängte Form der Aussage.
WDR 3

Rezension WDR 3 WDR 3 TonArt | 20.10.2016 | Birgit Nockenberg | 20. Oktober 2016 BROADCAST

Es gibt heute nur noch wenige renommierte italienische Streichquartett. Das Quartetto di Cremona ist seit 16 Jahren eines davon. Das Quartett wird für seinen besonders italienischen Klang gerühmt. Birgit Nockenberg hat die Musiker getroffen.

Sendebeleg siehe PDF!
Opera Nederland

Rezension Opera Nederland 23.10.2016 | Dr. Mark Duijnstee | 23. Oktober 2016 Nieuwe CD uitgaven: oktober 2016

De volle, warme, fluwelen en bronzen klank, de homogene alt en het fraai gedoseerde vibrato van Maureen Forrester zijn buitengewoon en maken haar tot één van de belangrijkste alten van de tweede helft van de 20e eeuw. De uitgave bevat een CD-boekje met een grondig en kundig essay van Heribert Henrich [...]

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