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Fono Forum

Rezension Fono Forum Dezember 2016 | Reinmar Emans | 1. Dezember 2016 Dass der Wiener Hof im 17. Jahrhundert zum musikalisch führenden Ort in Europa...

Dass der Wiener Hof im 17. Jahrhundert zum musikalisch führenden Ort in Europa wurde, verdankt sich Kaiser Ferdinand III. und seinem Sohn Leopold I. Beide liebten nicht nur die Musik, sondern traten auch als Komponisten in Erscheinung. Dass die Regierungsgeschäfte unter der so starken Bevorzugung der schönen Künste mitunter gelitten haben, dürfte vor allem für die Regentschaft Leopolds gelten. Der mit mindestens 69, darunter auch zahlreichen großformatigen Werken, recht umfangreiche Werkkatalog dürfte einige Zeit absorbiert haben; ebenso freilich das Musizieren selbst.

Uns Heutigen kann dies freilich egal sein, denn wir dürfen uns nun an diesen qualitativ durchaus ansprechenden Kompositionen erfreuen, die kaum gegenüber denen der echten Profis wie etwa Johann Caspar Kerll oder Johann Joseph Fux zurückstehen. Die Fokussierung auf Werke, in denen das Thema Tod die tragende Rolle spielt, erklärt sich zumindest auch durch die besondere Begabung des Herrschers für leicht depressives Moll, auf die bereits einige Zeitgenossen hinwiesen.

Der umtriebige Johannes Strobl spornt seine Cappella Murensis mit ihren formidablen Sängern und Les Cornets Noirs zu emotionalen Höchstleistungen an. Eines seiner Markenzeichen ist die große Natürlichkeit, mit der der emotionale Gehalt der Kompositionen transportiert wird. Hierzu gehören adäquate Tempi und eine feinsinnige Artikulation, die den großen Bogen nie aus den Augen verliert. Die prächtigen kontrapunktisch dichten Chorsätze, in denen die Posaunen für zusätzliche ernste Feierlichkeit sorgen, lassen vielleicht am besten erkennen, dass Leopold I. als Komponist wirklich ernst zu nehmen ist. Man wusste dies bereits seit der Aufnahme von Martin Haselböck (cpo). Doch eingebettet in das sehr warme Klangbild der vorliegenden Aufnahme kommen die Qualitäten vielleicht noch etwas besser zur Geltung.
Fono Forum

Rezension Fono Forum Dezember 2016 | Christoph Vratz | 1. Dezember 2016 Groß ist die Auswahl an Einspielungen des Klavierquintetts von Camille...

Groß ist die Auswahl an Einspielungen des Klavierquintetts von Camille Saint-Saëns nicht. Neuere Aufnahmen stammen von Cristina Ortiz und dem Fine Arts Quartet (Naxos) sowie dem Nash Ensemble (Hyperion). Nun präsentieren Andrea Lucchesini und das Quartetto di Cremona dieses Werk in einer staunenswert homogenen Aufnahme. Vieles an dieser Einspielung trägt schumanneske Züge, gemischt mit französischer Finesse. Gerade der langsame Satz wird nicht zum Pfuhl des Seichten, sondern zu einem intimen, gesanglichen Bekenntnis, dem ein fulminantes Scherzo folgt, prall, hungrig und entschlossen vorwärts drängend, ohne Tempobeschränkung, mit geisterhaft spukenden Momenten in den leisen Passagen. Das ist fesselnd gespielt, beredt, plastisch.

Gerundet wird das halbstündige Werk von den beiden längsten Sätzen: einer "maestoso" gedeuteten Eröffnung und einem langsam sich findenden Finale mit der ungewöhnlichen Bezeichnung "Allegro assai, ma tranquillo". Dessen Beginn erscheint wie eine Erholung nach dem berauschenden Presto. Langsam entwickeln die fünf Solisten diesen Satz, um das erste Thema betont liedhaft und schlicht anzustimmen, bevor der Satz sich mehr und mehr dramatisch auflädt: Lucchesini wuchtet die Akkorde nicht plump in die Tasten, er stimmt sich genau mit den Streichern ab, die kurz darauf das Kommando übernehmen, während sich Lucchesini auf zierlich leuchtende Begleitfigurationen zurückzieht. Eine farbige, erzählfreudige Einspielung. Das zweite Werk auf dieser CD ist das Streichquartett op. 112, geschrieben auf Wunsch von Eugène Ysaÿe. Auch hier bestätigt sich über weite Strecken der positive Eindruck: Die Musiker wollen von Verhüllung nichts wissen und präsentieren Saint-Saëns mit einer sehr unmittelbaren, klaren, abwechslungsreichen Sprache. Dass man geheimnisvoll spielen kann ohne zusätzliche Effekte und Ausrufezeichen, beweist die Aufnahme vor allem im zweiten Satz. Ein Plädoyer für den Kammermusiker Saint-Saëns.
Gramophone

Rezension Gramophone October 2016 | David Vickers | 1. Oktober 2016 Emperor Leopold I (1640–1705) was one of the most musically minded of the...

Emperor Leopold I (1640–1705) was one of the most musically minded of the Habsburg Holy Roman Emperors. His cultivation of Italianate musical culture in Vienna included the employment of Cesti, Draghi, Bononcini and Conti; he also advanced the careers of native composers Schmelzer, Kerll and Fux. The emperor was also an able composer, and a recent gramophone.co.uk recording of Il lutto dell’universo (Fra Bernardo) represented his interest in the sacred dramatic sepolcri, whereas the combined forces of Les Cornets Noirs, Cappella Murensis and Johannes Strobl explore some of Leopold’s liturgical music.

A four-part Stabat mater in B minor (1678) is an episodic setting that offers plangent contrapuntal gestures, performed with consummate skill by the fine company of soloists (forming a coro favorito), with the doleful texture swollen by two extra ripieno singers on each part from time to time. The assorted instrumentalists and the choir demonstrate their collective sense of musical shapeliness in the Missa pro defunctis (1673), composed by Leopold for the funerary exequies of his first wife (and niece) Margarita Teresa of Spain (the occasion also featured Requiems by Bertali and Schmelzer). The Nocturni pro defunctis (1676) is one of three substantial lections Leopold wrote for the burial service of his second wife, the Tyrolean princess Claudia Felicitas—and it was also performed at his own funeral in 1705.

Broadly speaking, these larger works emulate the Venetian style of polychoral textures, solo monodic passages and concertato instrumental sections (played excellently by cornettos, trombones, violas da gamba, violone, archlute and organ). The widower’s personal grief in the final movement of the lection is shared compassionately by Lisandro Abadie accompanied by a consort of viols, who are responded to by chromatically rising choral lamentations until they resolve eloquently.
www.new-classics.co.uk

Rezension www.new-classics.co.uk 04.10.2016 | 4. Oktober 2016 Celebrated for their performances of the Viennese Classics, the Amadeus Quartet...

Celebrated for their performances of the Viennese Classics, the Amadeus Quartet dominated the British chamber music scene for over 40 years and was one of the most respected ensembles of the twentieth century. The Quartet championed the music of their contemporaries, and for the radio they recorded string quartets written by the major English composers of their time, Benjamin Britten and Michael Tippett. The Hungarian composer Mátyás Seiber introduced the Amadeus Quartet to the works of his fellow countryman Béla Bartók. By recording Henry Purcell’s string fantasias, they followed references between Britten and the cradle of English chamber music. For volume IV in the RIAS Amadeus Quartet Recordings series the ensemble plays twentieth century Hungarian andd English works. The Baroque composer Henry Purcell is also represented - as a reference point for Benjamin Britten’s Second String Quartet. This edition substantially broadens the view of the Amadeus Quartet and demonstrates the inquisitiveness and assuredness with which Norbert Brainin and his three colleagues explored the music of their contemporaries. Under the direction of Michael Tippett, a group of young composers, including Mátyás Seiber and Peter Racine Fricker, wrote new string quartets for the Amadeus Quartet. Apart from Michael Tippett, it was first and foremost Benjamin Britten who, around 1950, established his reputation as Britain’s most renowned composer. His Second String Quartet was conceived as a reminiscence of Henry Purcell, a progenitor of English music, for the 250th anniversary of his death. Two of Purcell’s string fantasias and a chaconne, on which Britten had based his work, have therefore been included in this edition, and are released for the first time in the Amadeus Quartet’s interpretation. The Hungarian composer Mátyás Seiber - who, like the members of the Amadeus Quartet, had to emigrate to Britain after the Nazis had seized power in Germany - wrote his Quartetto lirico in the spirit of the Viennese School, particularly that of Alban Berg. He also championed the string quartets of Béla Bartók, whose Fourth and Sixth Quartets are also available for the first time as performances by the Amadeus Quartet. Audite’s excellent series of RIAS Amadeus Quartet Recordings is scheduled to include six volumes, exclusively presenting performances released for the first time on CD. As always, the ensemble’s performances on this two-disc set of recordings from 1950-1956 demonstrate superb musicianship as well as the Amadeus Quartet’s customary warmth and exuberance.
RBB Kulturradio

Rezension RBB Kulturradio 18.11.2016 | Hans Ackermann | 18. November 2016 Fünf Freunde – Das Mandelring Quartett und der Bratscher Roland Glassl spielen die Streichquintette op. 88 und op. 111 von Johannes Brahms

In den Streichquintetten von Johannes Brahms ist – wie bei Mozart, aber anders als bei Schubert – die Bratsche verdoppelt. Die mittlere Stimmlage wird dadurch fülliger, der Gesamtklang des Ensembles wunderbar wohlig.

Zufriedener Rückblick

In den ersten Sätzen beider Quintette dominieren jeweils die Geigen, aber die Mittelsätze gehören den Bratschen und dem Cello. Wunderbar, wie das Mandelring-Ensemble hier den Klang zur erhabenen Melancholie hin abdunkelt. Insgesamt ist die Stimmung dieser Spätwerke von guter Laune geprägt, nur ist der Himmel eben schon ein wenig bedeckt. Brahms war im November 1890, als das Quintett op. 111 uraufgeführt wurde, im Herbst seines Lebens angekommen. Zeit für einen zufriedenen Rückblick auf Leben und Werk.

Gelungene Synthese

Brahms besinnt sich in seinen Quintetten äußerst gekonnt auf die Vergangenheit, blickt gleichzeitig aber auch nach vorn. Er lässt barocke Tänze und kontrapunktische Stimmen wieder auferstehen, allerdings formal verwandelt und in moderner harmonischer Gestalt. Das Mandelring Quartett lässt diese eindrucksvolle Synthese aus Barock und Hochromantik in allen Nuancen hörbar werden: eine Sarabande, die zum Adagio wird, eine Gavotte, die sich in ein romantisches Scherzo verwandelt, eine Fuge, die ein dramatisches Finale einleitet. Brahms zeigt sich als Altmeister, der mit alten Meistern umzugehen weiß.

Erweiterte Familie

Im Mandelring Quartett spielen die drei Geschwister Sebastian, Nanette und Bernhard Schmidt zusammen mit dem Bratscher Andreas Willwohl. Der frühere Solobratscher des Rundfunk Sinfonieorchesters Berlin ersetzt seit 2015 Roland Glassl, der dem Ensemble zuvor mehr als 15 Jahre angehört hat und für diese höchst gelungene Aufnahme zu fünft noch einmal mit von der Partie ist. In dieser speziellen Konstellation aus Familienmitgliedern und Freunden verwirklicht sich erneut ein über mehr als drei Jahrzehnte entwickeltes Klangideal, das seinesgleichen sucht.

Davon konnte man sich in den letzten Jahren auch immer wieder in der Berliner Philharmonie oder im Radialsystem überzeugen. Regelmäßig tritt das Ensemble dort mit intelligenter Schwerpunktsetzung auf. Am 1. Mai 2017 dann auch mit diesen beiden formvollendeten Streichquintetten von Johannes Brahms.
www.pizzicato.lu

Rezension www.pizzicato.lu 15/11/2016 | Uwe Krusch | 15. November 2016 Italienisches Temperament für den Klassizisten

Camille Saint-Saëns hat die Kammermusik ohne Klavier, also die beiden Streichquartette, erst zu einer Zeit komponiert, in der andere an Pensionierung denken oder bereits in Rente sind. Das Klavierquintett zählt dagegen zu den frühen Werken. Bei seiner Komposition war Saint-Saëns gerade einmal zwanzig Jahre alt, das Quartett schrieb er mit 64 Jahren. Sie stehen also für verschiedene Epochen seines Schaffens.

In beiden Stücken wie auch im Gesamtwerk ist die klassische Ausrichtung erfahrbar. Form, Struktur und Proportionen in den einzelnen Werken sind an den großen Vorbildern orientiert. Anders als viele seiner Landsleute hat Saint-Saëns das Schwergewicht seiner Kompositionen nicht auf die Oper gelegt. Denn auch im Gesamtwerk zeigt sich dieser Klassizismus daran, dass Saint-Saëns alle Gattungen bedacht hat. So gehört ein Viertel seiner Arbeiten zur Kammermusik.

Das ‘Quartetto di Cremona’ hat in erster Linie bei Piero Farulli vom ‘Quartetto Italiano’ und bei Hatto Beyerle vom ‘Alban Berg Quartett’ Ideen gesammelt. Das bedeutet auch, dass es sowohl einen leidenschaftlichen Ansatz mit emotionaler romantischer Komponente als auch den eher klaren und klassischen Stil kennengelernt hat und verbindet sozusagen italienische Spielfreude mit einem deutsch-österreichischen, gepflegten Stil.

Im Pizzicato wurden die Aufnahmen des Quartetts mit den Werken Beethovens in höchsten Tönen gelobt, was man nachvollziehen kann. Bei Saint-Saëns kann diese Einschätzung nicht ganz aufrechterhalten werden. Beim Quintett, also dem Jugendwerk, ist aus dem Werk heraus die eher italienische vitale Spielweise durchaus begründbar. Beim Quartett werden Akzente und Dynamik aber unnötig forciert. Dadurch entsteht ein gewollter Eindruck, der die natürliche Entwicklung eher stört und übertrieben wirkt. Der zweite Satz des Quartetts, Molto allegro quasi presto, wird auch wirklich presto genommen. Aber dadurch wird er auch sehr burschikos und rabiat.

Two chamber works of Camille Saint-Saëns, the Piano quintet and the First String Quartet are vividly performed by the Quartetto di Cremona. The musicians’s Italian temperament is certainly profitable to the Quintet, but pushes a little the more classical character of the Quartet.
RBB Kulturradio

Rezension RBB Kulturradio Freitag, 18. November 2016, 13.10 Uhr | Hans Ackermann | 18. November 2016 BROADCAST

Sendebeleg siehe PDF!
Hessischer Rundfunk

Rezension Hessischer Rundfunk hr2-kultur, Freitag, 18. November 2016 | 18. November 2016 BROADCAST

Sendebeleg siehe PDF!

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