Rezension ensuite Kulturmagazin März 2025 | 1. März 2025 Alfredo Perl – ein idealer Beethoven-Interpret
Es gibt zwei Arten Pianistinnen und Pianisten, die ich nicht ausstehen kann: die «Hämmerer» und die «Manierierten»; beide sind auch heutzutage sehr verbreitet. Der 1965 in Chile geborene Alfredo Perl gehört zum Glück zu keiner dieser zwei Kategorien. Im Gegenteil: Sein Spiel ist von unglaublicher Sensibilität und Delikatesse – was jedoch nicht Kraftlosigkeit bedeutet; er kann seinen Anschlag schier grenzenlos variieren, und seine Interpretation ist von Werktreue geprägt und gleichzeitig sehr persönlich.
Die Firma audite hat unter der Nummer 21.461 (5 CDs) die erste Sammlung einer auf drei Teile angelegten Gesamtausgabe der Beethoven'schen Werke für Soloklavier herausgegeben. Sie enthält Musik, die im letzten Jahrzehnt des XVIII. Jahrhunderts entstanden ist.
Es ist beeindruckend, wie sehr Beethoven schon in seinen ersten Klavierwerken die Sonatenform beherrscht, sich aber zugleich Freiheiten damit erlaubt, so z. B. im Scherzo der Sonate op. 2 Nr. 2; wie er die Satzfolge immer wieder variiert oder wie er mit Tonartenverhältnissen spielt wie im Mittelsatz der Sonate op. 14 Nr. 1 mit ihrem Hin und Her zwischen e-Moll und C-Dur. Und der Reichtum an Fantasie in den zahlreichen Variationswerken verblüfft umso mehr, als die gewählten Themen oft recht simpel sind.
Viele der hier vertretenen Werke sind als WoO (Werk ohne Opus) bezeichnet. Und die Opus-Zahlen 49 Nr. 1 und 2 sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch diese «Sonates faciles» Jugendwerke sind. Beethoven wollte die zwei Stücke, die wohl keiner Klavierschülerin und keinem Klavierschüler unbekannt sind, ursprünglich nicht veröffentlichen. Erst 1805 gab der Komponist dem Drängen seines Bruders Kaspar nach.
Als Beispiel für Alfredo Perls Meisterschaft möchte ich das Adagio cantabile aus der Sonate op. 13 («Pathetique») anführen. Dieser Satz, der zum Schönsten gehört, was in der Geschichte der Klaviermusik geschrieben wurde, leidet bei vielen unter «romantisierenden» Manieren, die dieses Stück auf schlimme Weise verfälschen. Nicht so Perl: Seine schlichte, tief empfundene Interpretation lässt von Neuem erfühlen, wie grossartig diese Musik ist.
Alfredo Perl ist Professor an der Hochschule für Musik Detmold; man kann nur hoffen, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler seiner musikalischen Einstellung folgen werden!
Die Firma audite hat unter der Nummer 21.461 (5 CDs) die erste Sammlung einer auf drei Teile angelegten Gesamtausgabe der Beethoven'schen Werke für Soloklavier herausgegeben. Sie enthält Musik, die im letzten Jahrzehnt des XVIII. Jahrhunderts entstanden ist.
Es ist beeindruckend, wie sehr Beethoven schon in seinen ersten Klavierwerken die Sonatenform beherrscht, sich aber zugleich Freiheiten damit erlaubt, so z. B. im Scherzo der Sonate op. 2 Nr. 2; wie er die Satzfolge immer wieder variiert oder wie er mit Tonartenverhältnissen spielt wie im Mittelsatz der Sonate op. 14 Nr. 1 mit ihrem Hin und Her zwischen e-Moll und C-Dur. Und der Reichtum an Fantasie in den zahlreichen Variationswerken verblüfft umso mehr, als die gewählten Themen oft recht simpel sind.
Viele der hier vertretenen Werke sind als WoO (Werk ohne Opus) bezeichnet. Und die Opus-Zahlen 49 Nr. 1 und 2 sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch diese «Sonates faciles» Jugendwerke sind. Beethoven wollte die zwei Stücke, die wohl keiner Klavierschülerin und keinem Klavierschüler unbekannt sind, ursprünglich nicht veröffentlichen. Erst 1805 gab der Komponist dem Drängen seines Bruders Kaspar nach.
Als Beispiel für Alfredo Perls Meisterschaft möchte ich das Adagio cantabile aus der Sonate op. 13 («Pathetique») anführen. Dieser Satz, der zum Schönsten gehört, was in der Geschichte der Klaviermusik geschrieben wurde, leidet bei vielen unter «romantisierenden» Manieren, die dieses Stück auf schlimme Weise verfälschen. Nicht so Perl: Seine schlichte, tief empfundene Interpretation lässt von Neuem erfühlen, wie grossartig diese Musik ist.
Alfredo Perl ist Professor an der Hochschule für Musik Detmold; man kann nur hoffen, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler seiner musikalischen Einstellung folgen werden!