Rezension Pizzicato 4/2006 | Guy Wagner | April 1, 2006 Annäherungsversuche
Annäherungsversuche an die gewaltige Musikwelt des Dmitri Shostakovich, dessen 100. Geburtstag ins Haus steht, kann es nicht genug geben, und somit auch nicht genug Aufnahmen seiner Streichquartette. Diese stellen unbestreitbar eine der größten musikalischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts dar und sind ein Selbstzeugnis, das zu den erschütterndsten überhaupt gezählt werden muss: Zeugnis des Kampfes und Leidens eines Komponisten innerhalb eines Unterdrückungssystems, dem der Einzelne wehrlos ausgeliefert war. Shostakovich aber hat durch seine Musik verdeutlicht, was dieses System darstellte und wie man sich durch das Kreative zur Wehr setzen konnte.
[...]
In dieser Hinsicht spielt die geplante Neueinspielung durch das Mandelring Quartett (Sebastian und Nanette Schmidt, Violinen, Roland Glassl, Viola, und Bernhard Schmidt, Cello) auf einer ganz anderen Ebene. Selten hat man eine so ausgewogene und durchsichtige Tonaufnahme gehört wie auf dieser SACD.
Gleiches gilt für die Qualität der Interpretationen. Dies sind nun in der Tat Deutungen, die weit über Annäherungsversuche an den Komponisten hinausgehen und sehr persönliche und überzeugende Lösungen darstellen. Wenn das 1. Quartett noch etwas von Unbeschwertheit hat, das ihm gut steht als Herausforderung sozusagen an die bitterböse Zeit von 1938. Danach versinkt das 2. Quartett von 1944 in jener Tragik, die so viel über ihren Schöpfer aussagt: Wie das Mandelring Quartett das unglaubliche Rezitativ und Romanze gestaltet, oder das Einleitungs-Allegretto zum 4. Quartett, die federnde Präzision des 3. und die jiddische Atmosphäre des 4. Satzes (ebenfalls Allegrettos, aber jedes so anders als das erste), - das erreicht Dimensionen von solcher Eindringlichkeit und spielerischer Perfektion, dass man nur sagen kann: Wenn die kommenden Einspielungen auf diesem Niveau verbleiben, mit noch etwas zusätzlichem Biss, bekämen wir vom Mandelring Quartett die Integrale schlechthin der Shostakovich-Quartette für das 21. Jahrhundert.
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In dieser Hinsicht spielt die geplante Neueinspielung durch das Mandelring Quartett (Sebastian und Nanette Schmidt, Violinen, Roland Glassl, Viola, und Bernhard Schmidt, Cello) auf einer ganz anderen Ebene. Selten hat man eine so ausgewogene und durchsichtige Tonaufnahme gehört wie auf dieser SACD.
Gleiches gilt für die Qualität der Interpretationen. Dies sind nun in der Tat Deutungen, die weit über Annäherungsversuche an den Komponisten hinausgehen und sehr persönliche und überzeugende Lösungen darstellen. Wenn das 1. Quartett noch etwas von Unbeschwertheit hat, das ihm gut steht als Herausforderung sozusagen an die bitterböse Zeit von 1938. Danach versinkt das 2. Quartett von 1944 in jener Tragik, die so viel über ihren Schöpfer aussagt: Wie das Mandelring Quartett das unglaubliche Rezitativ und Romanze gestaltet, oder das Einleitungs-Allegretto zum 4. Quartett, die federnde Präzision des 3. und die jiddische Atmosphäre des 4. Satzes (ebenfalls Allegrettos, aber jedes so anders als das erste), - das erreicht Dimensionen von solcher Eindringlichkeit und spielerischer Perfektion, dass man nur sagen kann: Wenn die kommenden Einspielungen auf diesem Niveau verbleiben, mit noch etwas zusätzlichem Biss, bekämen wir vom Mandelring Quartett die Integrale schlechthin der Shostakovich-Quartette für das 21. Jahrhundert.