Wer braucht, ehrlich gesagt, diese Aufnahme? Natürlich alle Fischer-Dieskau-Fans, die mit der WDR-Produktion vom Dezember 1952 endlich die letzte Lücke in der zehnteiligen Winterreise-Diskografie des Sängers füllen können. Es war seine zweite Studio-Aufnahme des Zyklus - und beileibe nicht die schlechteste! Schon hier frappieren die intuitive Stilsicherheit des erst 27-Jährigen, seine Beherrschung der Stimme und nicht zuletzt die unverstellte Schönheit seines Baritons. Im Vergleich zur berühmten EMI-Produktion von 1955 fällt auf, wie sehr Fischer-Dieskau noch dem Augenblick zugewandt ist, wie er mit ehrlichem Pathos schöne Stellen „malt“. Erst Gerald Moores geradlinige, rhythmisch viel prägnantere Begleitung zwang den Sänger, die 24 schaurigen Lieder zu einem wirklichen Zyklus zu formen.