„Frei und eigenverantwortlich musizieren und dabei die aufregendsten Entdeckungen machen, jedes Jahr das Repertoire erweitern, mit Partnern auch in größerer Formation auf der Bühne stehen, vor allem aber: spüren, wie die Spielfreude und das intensive Erleben der Musik das Publikum mitreißen können, das ist es, was Quartett spielen zum Traumberuf macht“ sagen die vier Musiker des Mandelring Quartetts aus Karlsruhe, die seit vielen Jahren zu den führenden Streichquartetten Deutschlands gehören. Der Gewinn großer Wettbewerbe – München (ARD), Evian und Reggio Emilia (Premio Paolo Borciani) – ebnete dem Mandelring Quartett schnell den Weg in die großen Konzertsäle.
Sie begeistern ihr Publikum aber nicht nur in ihren Konzerten, sondern viele ihrer CDs wurden prämiert: Schuberts Streichquartette erhielten etwa den Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Auch die neue Serie, die Gesamtaufnahme sämtlicher Quartette von Dmitri Schostakowitsch ist preisverdächtig. Vol. 2 ist gerade fertig geworden. Elisabeth Richter hat es für uns gehört.
[Musik 1, Quartett 6, 1. Satz]
Man hört es vom ersten Ton an. Hier spielen Musiker, die tief in die Materie eingedrungen sind, und die Freude daran haben, dem Hörer davon zu erzählen, nicht akademisch, sondern mit Lust und Laune und mit Ernsthaftigkeit.
[Musik 1, Quartett 6, 1. Satz]
Volume 1 der Aufnahmen sämtlicher Schostakowitsch-Quartett war schon vielversprechend, und auch die Quartette Nr. 3, 6 und 8 von Volume 2 beweisen das außerordentliche Niveau der vier „Mandelring-Musiker“. Dass der Klang so genau ausbalanciert ist, Kraft in den wild-rasenden Passagen des achten Quartettes etwa hat, oder ganz geheimnisvoll entrückt und sphärisch wirkt wie im Moderato des dritten Quartetts, das kommt vielleicht daher, dass im Mandelring Quartett drei Geschwister spielen.
[Musik 2, Quartett 3, 2. Satz]
Zusätzlich zur CD gibt es eine DVD, wo das Mandelring Quartett portraitiert wird. Da erlebt man die Musiker bei der Probe, im Konzert, beim gemeinsamen Essen und unterwegs. Und man erfährt, wie sich Bratschist Roland Glassl als Nicht-Familienmitglied im Quartett fühlt.
[Musik 2, Quartett 3, 3. Satz]
Schostakowitsch’ Quartette jedenfalls zeigt das Mandelring Quartett wie unter einem Brennglas, sehr klar werden die kompositorischen Strukturen vermittelt, man balanciert das stets Groteske und Bedrohliche bei Schostakowitsch, das neben vermeintlich Banal-Heiterem steht, mit Verstand und Feingefühl aus. Man weiß um die Abgründe und Schönheiten dieser Musik, verliert sich aber nicht in ihnen.