Rezension Pizzicato 12/2008 | Alain Steffen | December 1, 2008 Früher moderner Beethoven II
Die Veröffentlichung alter Archiv-Aufnahmen kann oft sehr interessant sein, zumal sie so manche Interpretationsfrage in ein ganz neues Licht stellt. Wer in diesem Falle glaubt, Harnoncourt und Konsorten seien die ersten gewesen, die die Musik von Ludwig van Beethoven entstaubt und sie in ein modernes resp. Historisch anmutendes Klanggewand gehüllt hätten (oft läuft das Resultat auf das Gleiche heraus), der wird hier eines Besseren belehrt, vor allem, in der 7. Symphonie. Bereits Anfang der Fünfzigerjahre entpuppte sich der junge Ferenc Fricsay als ein wirklicher Antipode zu Furtwängler.
Fricsays Beethoven ist scharf, kantig und voller Akzente, da gibt es keine überschäumenden Gefühle, wenig Sinn für romantisches Getue und kaum Verständnis für verblümten Ausdruck, dafür aber ein enormes rhythmisches Drive. Dieser Beethoven klingt sehr transparent, präzise, manchmal sogar fast maschinell. Die Eindeutigkeit dieser Einspielung der Siebten findet man in beschränktem Maße auch bei der Symphonie Nr. 8, die allerdings weitaus versöhnlicher und mozartnah daherkommt. Stringent, schnörkellos, aber ungemein dynamisch dann wieder die Leonore III-Ouvertüre. Herrliches Spiel vom RIAS-Symphonie-Orchester Berlin und eine relativ gute Aufnahmequalität sind weitere Merkmale der Produktion, wenn auch ein blechern klingendes Gesamtbild Fricsays objektive Konzepte etwas verzerrt.
Fricsays Beethoven ist scharf, kantig und voller Akzente, da gibt es keine überschäumenden Gefühle, wenig Sinn für romantisches Getue und kaum Verständnis für verblümten Ausdruck, dafür aber ein enormes rhythmisches Drive. Dieser Beethoven klingt sehr transparent, präzise, manchmal sogar fast maschinell. Die Eindeutigkeit dieser Einspielung der Siebten findet man in beschränktem Maße auch bei der Symphonie Nr. 8, die allerdings weitaus versöhnlicher und mozartnah daherkommt. Stringent, schnörkellos, aber ungemein dynamisch dann wieder die Leonore III-Ouvertüre. Herrliches Spiel vom RIAS-Symphonie-Orchester Berlin und eine relativ gute Aufnahmequalität sind weitere Merkmale der Produktion, wenn auch ein blechern klingendes Gesamtbild Fricsays objektive Konzepte etwas verzerrt.