Rezension
Bayern 4 Klassik - CD-Tipp Juni 2009 | Matthias Keller | June 22, 2009
Orgelmusik aus Transsylvanien
Transsylvanien, hierzulande vor allem bekannt als Heimat eines gewissen Grafen Dracula, wurde mit seiner wechselvollen Geschichte zu einer Region faszinierender multiethnischer Einflüsse. Denkt man jedoch an die Musik, so kommen einem zunächst vor allem volksmusikalische Klänge zu Bewusstsein in Gestalt der rumänischen Folklore mit ihrer mündlichen Tradition der Überlieferung.
Umso exotischer mag das Programm der vorliegenden CD anmuten: Orgelmusik aus Transsylvanien. Während die rumänisch-orthodoxe Kirche nur die menschliche Stimme als liturgisches Instrument kennt, verdankt sich die Existenz der Orgel in dieser Region wohl vor allem den Einflüssen der Siebenbürger Sachsen, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen.
Uralte Melodien
So hat die Übertragung sogenannter rumänischer „Colinde“ durch Sigismund Toduţă (1908-1991) durchaus etwas Kurioses an sich, handelt es sich doch hier um ursprünglichste Volksmelodien, die mitunter gar auf heidnische Vorzeiten zurück gehen. Toduţă aber vermag es, diese Melodien durch die Orgel und seine unter anderem an französischer Symphonik geschulte Klangsprache zu echten Choralbearbeitungen zu veredeln. Schön ist hierbei auch, dass jeweils die Urmelodie in gesungener Form der Bearbeitung voran gestellt ist.
Eine Entdeckung
Auch das gewählte Instrument, die 3-manualige romantische Walcker-Orgel der Stadtkirche Winterthur, könnte passender nicht sein. Und Nicoleta Paraschivescu, ehemalige Schülerin unter anderem von Ursula Philippi, Jean-Claude Zehnder und Jon Laukvik, erscheint als Interpretin geradezu prädestiniert für diese Einspielung. Eine Entdeckung nicht nur für Orgelfans.