Von weitem sehe er zwar aus wie ein Schulmeister, aber eigentlich sei er ein kleiner, selbstgefälliger Dandy – so beschrieb Erik Satie einmal Maurice Ravel. Als dieser 1927 zu seiner Amerika-Tournee startete, hatte er 60 Hemden, 20 Paar Schuhe, 75 Krawatten und 25 Seidenpyjamas im Gepäck. Genauso anspruchsvoll wie mit seinem Aussehen war der als Griesgram verschriene Ravel auch mit seiner Musik. Seine Klavierwerke beispielsweise gelten als überaus anspruchsvoll und virtuos. An diese hat sich jetzt ein junger französischer Pianist gewagt:
Romain Descharmes,
Jahrgang 1980, hat in Paris Klavier, Kammermusik und Klavierbegleitung studiert und ist neben seiner erfolgreichen Pianistentätigkeit ein aktiver Kammermusiker. Diese Einspielung ist Descharmes dritte Solo-CD, auf seiner ersten hat er Werke von Debussy, Skrjabin, Schönberg und Boulez aufgenommen, auf seinem zweiten Album gibt es ausschließlich Brahms-Werke zu hören, jetzt also Ravel.
Die Werke
Descharmes Auswahl trifft quasi den Kern von Ravels Klavierwerken: Als "Einleitung" des Albums dienen die kleinen, raffinierten Walzer aus der Sammlung Valses nobles et sentimentales, es folgt der sehr fantastisch anmutende Dreiteiler Gaspard de la Nuit, auch die eher klassizistische Sonatine ist dabei, den Höhepunkt bildet aber zweifelsfrei die Klavierbearbeitung von La Valse.
Die Interpretation
Romain Descharmes spielt sehr klar und überhaupt nicht emotional aufgeladen, an einigen Stellen für manche Geschmäcker vielleicht sogar ein wenig zu unprätentiös. Er überschlägt sich nicht in den Tempi, was eine schöne Transparenz zur Folge hat. Nicht nur die schnellen Läufe bleiben so vom Verschwimmen verschont, auch die oft donnernden Akkordfolgen kommen sehr präsent zum Ausdruck, ohne einen Störfaktor zu bilden.
Alles in allem eine überaus gelungene Einspielung von höchster Virtuosität.