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Deutschlandfunk

Rezension Deutschlandfunk Dienstag, 02. August 2011 | Norbert Hornig | August 2, 2011 Kein Freund der Schallplatte

Im Mittelpunkt unserer Sendung mit Historischen Aufnahmen stehen frühe Rundfunkproduktionen mit dem Dirigenten Sergiu Celibidache, die jüngst in neuen CD-Editionen wieder veröffentlicht wurden. Am Mikrofon begrüßt Sie dazu Norbert Hornig.

Celibidache galt als notorischer Verweigerer von Schallplattenaufnahmen. Er strafte das Medium mit Verachtung, spöttisch sprach er von „tönenden Pfannkuchen“ und „Schwindel“. Er lehne es ab, "solchen Dreck zu verkaufen", sagte er sogar einmal. In einem Interview mit der Journalistin Ursula Hübner im Jahre 1986 beklagte Celibidache u.a., wie wenig etwa die Aufnahmen Furtwänglers der wirklichen künstlerischen Intention des großen Dirigenten entsprachen:

O-Ton Celibidache
Sein Tempo ist berechtigt von einer Vielfalt...
... alles, was drum herum war, weg war

Celibidache spielte in jungen Jahren nur ganz wenige kommerzielle Schallplatten ein. Die letzte, das Violinkonzert von Brahms mit der Geigerin Ida Haendel, erschien 1953. Danach lehnte er jede Zusammenarbeit mit der Schallplattenindustrie kategorisch ab. Gerade seine Verweigerungshaltung dem Medium Schallplatte gegenüber war es, die Sammler geradezu anstachelte, wenigstens einen Mitschnitt seiner zahlreichen Rundfunkaufnahmen zu ergattern. Und der Markt für Raubkopien blühte. Die Situation änderte sich schlagartig als EMI und Deutsche Grammophon nach dem Tod des Dirigenten 1996 umfangreiche Editionen mit Rundfunkaufnahmen veröffentlichten. Es handelte sich um Aufnahmen mit den Münchner Philharmonikern, dem schwedischen Rundfunk-Sinfonieorchester Stockholm sowie dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart. Celibidache selbst hatte dies möglich gemacht, indem er die Verwertungsrechte an den Aufnahmen kurz vor seinem Tod seinem einzigen Sohn Serge übertrug. So wurde Celibidache "posthum" doch noch zum Schallplattenstar - Ironie der Geschichte...

Jetzt sind überraschend weitere Schätze aus Rundfunkarchiven gehoben worden. Das Label Audite veröffentlichte sämtliche Aufnahmen, die Celibidache in den Jahren wischen 1948 und 1957 für den RIAS einspielte, Orfeo hat in einer Edition sämtliche Orchesterkonzerte zusammengefasst, die der WDR 1957 und 1958 mit Celibidache und dem Kölner-Rundfunk-Sinfonie-Orchester aufgezeichnet hat. Sammler und Celibidache-Enthusiasten haben jetzt die Möglichkeit, diese Tondokumente offiziell lizensiert und in sehr guter Klangqualität zu erwerben, denn die Originalbänder wurden sorgfältig restauriert und digitalisiert.

Für den RIAS machte Celidache sowohl Live- als auch Studio-Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern und dem Radio-Symphonie-Orchester Berlin. Hier zum Beginn der Sendung der vierte Satz aus der "Rhapsodie espagnole" von Maurice Ravel - eine der frühen Aufnahmen mit den
Berliner Philharmonikern von 1948.

Maurice Ravel
aus: Rhapsodie espagnole
IV. Feria. Assez animé
Berliner Philharmoniker
Leitung: Sergiu Celibidache
CD 1 Track 05
Dauer: 6:34
LC 04480 Audite 21.406

In einer Aufnahme von 1948 hörten Sie die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Sergiu Celibidache mit dem vierten Satz aus der "Rhapsodie Espagnole" von Maurice Ravel.

Sergiu Celibidache kam 1936 über Bukarest und Paris nach Berlin. Bis dahin hatte der musikalisch Hochbegabte keine systematische Ausbildung genossen, diese holte er jetzt nach. An der Berliner Musikhochschule studierte er Komposition bei Heinz Thiessen und Dirigieren bei Walter Gmeindl. Außerdem belegte er an der Universität die Fächer Philosophie und Musikwissenschaft. Daneben leitete Celibidache das Kammerorchester der Musikhochschule und das Amateurorchester der Berliner Musikfreunde. So sammelte er erste praktische Erfahrungen als Dirigent.
Zu den prägenden Eindrücken des jungen Celibidache gehörten in den Kriegsjahren die Konzerte der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler, den er über alle Maßen verehrte. Noch konnte Celibidache nicht ahnen, dass er, zumindest eine zeitlang, Furtwänglers Nachfolger als Dirigent der Philharmoniker werden würde. Doch die Ereignisse überschlugen sich.
Als Furtwängler nach Kriegsende von den Alliierten Auftrittsverbot erhielt und sich einem Entnazifizierungsverfahren unterziehen musste, erhielt Celibidache eine unverhoffte Chance. Er hatte gerade einen von den russischen Besatzungsmächten ausgeschriebenen Dirigierwettbewerb gewonnen und wurde daraufhin von den Berliner Philharmonikern zum Probedirigieren eingeladen. Celibidache überzeugte auf Anhieb und das Orchester engagierte ihn auf der Stelle als Interimsdirigenten bis zur Rückkehr Furtwänglers, die bis 1952 auf sich warten ließ.
Celibidache leistete zunächst unter schwierigsten Bedingungen konsequente Aufbauarbeit und schon bald erreichte das Orchester sein früheres Spielniveau.
Celibidache setzte immer wieder auch zeitgenössische und von den Nationalsozialisten verfemte Komponisten auf seine Programme, wie zum Beispiel Paul Hindemith. 1949 dirigierte er die deutsche Erstaufführung seines Klavierkonzertes, die vom RIAS "live" mitgeschnitten wurde. Hier daraus der erste Satz. Der Solist ist Gerhard Puchelt:

Paul Hindemith
aus: Konzert für Klavier und Orchester
1. Satz (Moderately fast)
Berliner Philharmoniker
Leitung: Sergiu Celibidache
CD 2 Track 01
Dauer: 9:14
LC 04480 Audite 21.406

In einem Live-Mitschnitt von 1949 hörten sie den ersten Satz aus dem Konzert für Klavier und Orchester von Paul Hindemith. Solist dieser deutschen Erstaufführung des Werkes mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Sergiu Celibidache war Gerhard Puchelt.
1952 kehrte Wilhelm Furtwängler aus dem Schweizer Exil nach Berlin zurück. Bis zu seinem Tod 1954 teilte er sich die Leitung der Berliner Philharmoniker mit Celibidache. Noch im gleichen Jahr wählte das Orchester aber nicht ihn, sondern Herbert von Karajan zum neuen Chefdirigenten auf Lebenszeit. Von Karajan erhoffte man sich eine bessere Vermarktung, was sich in den folgenden Jahrzehnten bewahrheiten sollte. Während sich Celibidache strikt gegen die Kommerzialisierung von Musik durch die Schallplatte wandte, wurde Karajan ihr größter Förderer.
Nach über 400 Konzerten mit den Berliner Philharmonikern verließ Celibidache den Ort seiner frühen Triumphe im Unfrieden und ließ ein Publikum zurück, das er mit seinem exstatischen Dirigierstil im Sturm erobert hatte und das ihm zu Füßen lag.
Nach Berlin zurück kam Celibidache erst wieder 1957. Anlass war der 70. Geburtstag seines hochgeschätzten Lehrers Heinz Thiessen, dem er nach eigenen Worten viel verdankt:

O-Ton (Celibidache)
Ich habe in meinem Leben 28 Professoren gehabt, gelernt habe ich nur von dreien...

Das Geburtstagskonzert für seinen Lehrer Heinz Thiessen gestaltete Celibidache nicht mit den Berliner Philharmonikern sondern mit dem Radio-Symphonie-Orchester Berlin. Der RIAS hat dieses Konzert mitgeschnitten. Auf dem Programm standen drei Kompositionen von Thiessen, u.a. seine Sinfonie Nr. 2, die jetzt in der Edition von Audite wieder veröffentlicht wurde. Hier ein Ausschnitt aus dem zweiten Satz.

Heinz Thiessen
aus: Sinfonie Nr. 2 op. 17
2. Satz (Lebhaft bewegt) (Ausschnitt)
Radio-Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Sergiu Celibidache
CD 3 Track 07
Dauer: 6:37
LC 04480 Audite 21.406

Sie hörten einen Ausschnitt aus dem zweiten Satz der Sinfonie Nr. 2 op. 17 von Heinz Thiessen. Sergiu Celibidache leitete das Radio-Symphonie-Orchester Berlin in einer Live-Aufnahme von 1957.

Nach seinem Weggang von Berlin begannen Celibidaches Wanderjahre. Er dirigierte regelmäßig an der Mailänder Skala und leitete das Orchester der Academia di Santa Cecilia sowie die Rundfunkorchester von Rom, von Mailand, Neapel, Bologna und Turin. Auch am Pult der Königlichen Kapelle in Kopenhagen und beim Sinfonieorchester des Schwedischen Rundfunks in Stockholm war er ein gern gesehener Gast. In den siebziger Jahren ging Celibidache eine enge Verbindung mit dem Sinfonieorchester des Süddeutschen Rundfunks in Stuttgart ein und dirigierte auch das Orchestre National de l´ÓRTF in Paris.
1979 schließlich band sich Celibidache dann für 17 Jahre an München: Als Nachfolger von Rudolf Kempe wurde er Chefdirigent der Münchner Philharmoniker und Generalmusikdirektor. Noch einmal dann, nach 38 Jahren, trat Celibidache auch an das Pult der Berliner Philharmoniker. Auf Einladung von Bundespräsident Richard von Weizäcker dirigierte er Bruckners 7. Sinfonie. Man hatte sich inzwischen versöhnt.
Wie ein kurzes Zwischenspiel erscheinen die Jahre 1957 und 1958, in denen Celibidache häufiger das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester dirigierte, eine Zusammenarbeit, die gut dokumentiert ist. Orfeo hat in Koproduktion mit dem WDR vier Konzertprogramme veröffentlicht, die Celibidache in Köln und Essen dirigierte, u.a. Ravels Suite "Ma mère l’oye" und die 2. Suite aus "Daphnis et Cloé", Hindemiths "Sinfonische Metamorphosen über Themen von Carl Maria von Weber" und die erste Sinfonie sowie das Requiem von Johannes Brahms. Von besonderem Interesse sind Werke, die Celibidache später nicht mehr dirigierte, wie etwa die Paganini-Variationen von Boris Blacher oder die zweite Sinfonie von Franz Schubert. Hier erklingt daraus der zweite Satz:

Franz Schubert
aus: Sinfonie Nr. 2 B-Dur D 125
2. Satz (Andante)
Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester
Leitung: Sergiu Celibidache

In einer Live-Aufnahme von 1958 hörten Sie das Kölner-Rundfunk-Sinfonie-Orchester unter der Leitung von Sergiu Celibidache mit dem zweiten Satz aus der Sinfonie Nr. 2 B-dur D 125 von Franz Schubert.
Auf dem Podium war der junge Celibidache eine imposante Erscheinung, ein Heißsporn, der auf das Orchester wie auf das Publikum eine gleichermaßen suggestive Wirkung ausübte. Nichts war da zu erkennen von gediegenen Kapellmeistertugenden. Celibidache war eine Größe für sich und in seiner Exzentrik manchem Kritiker auch suspekt. Doch sein phänomenales Gestaltungsvermögen, das stets verbunden war mit einer völligen geistigen Durchdringung der Materie, konnte ihm letztlich niemand absprechen. Mit zunehmendem Alter veränderte sich Celibidache jedoch, aus dem feurigen Pultmagier wurde zunehmend ein abgeklärter, in seinen Gesten milder und weniger impulsiv agierender Dirigent. Später sorgten dann seine teilweise extrem langsamen Tempi für Verwirrung und Widerspruch.
Die Aufnahmen mit dem Köln-Rundfunk-Sinfonie-Orchester Ende der fünfziger Jahre portraitieren noch einmal den jungen, kraftstrotzenden Dirigenten. Die Rezension eines dieser Konzerte im Bonner Generalanzeiger beschreibt die Physiognomie und Bühnenpräsenz des jungen Dirigenten mit sehr treffenden Worten:
„Die elastische Gestalt, die leidenschaftlichen Züge, die dunkel glutenden Augen, die gewaltige Mähne, machen den vergleichsweise noch jungen Dirigenten zu einer faszinierenden Erscheinung. man spürt die weltweite Aura eines bewegten Künstlerlebens, aber auch die dämonischen Kräfte, die in ihm glühen. An seinem Dirigieren nimmt der ganze Körper teil. Hände, Arme, Beine, Füße sind in ständiger rhythmischer Bewegung, wollen Ausdruck der Musik werden: von den zarten traumhaften Zuständen der Märchenbilder von Ravel bis zu der orgiastischen Wildheit bei Tschaikowsky. Bald bietet er den Anblick eines Somnambulen, bald den eines Ballett-Tänzers, bald den vom mänadischem Rausch Ergriffenen.“

Hier zum Abschluss der Sendung der dritte Satz aus der Sinfonie Nr. 6, der "Pathétique" von Peter Tschaikowsky. Sergiu Celibidache leitet das Kölner-Rundfunk-Sinfonie-Orchester in einer Aufnahme von 1957:

Peter Tschaikowsky
aus: Sinfonie Nr. 6 "Pathétique"
3. Satz (Allegro molto vivace)
Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester
Leitung: Sergiu Celibidache

Historische Aufnahmen im Nachtkonzert vom Deutschlandfunk. In unserer heutigen Sendung erklangen frühe Rundfunkaufnahmen mit dem Dirigenten Sergiu Celibidache, die in neuen CD-Editionen bei Audite und Orfeo erschienen sind. Zum Schluss hörten Sie den dritten Satz aus der Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 74, der "Pathétique", von Peter Tschaikowsky. Sergiu Celibidache leitete das Köln-Rundfunk-Sinfonie-Orchester in einer Aufnahme von 1957.
Mit Dank fürs Zuhören verabschiedet sich damit am Mikrofon: Norbert Hornig.
Zeitzeichen

Rezension Zeitzeichen August 2011 | Ralf Neite | August 1, 2011 Audiophiles

In einem Fernsehportrait, das wenige Jahre vor Sergiu Celibidaches Tod entstanden ist, durfte man den Maestro in seinem Element erleben: Er arbeitet gerade mit einem Nachwuchsorchester, als ihn der Reporter nach seiner Einstellung zu zeitgenössischer Musik fragt. Celibidache antwortet nicht, sondern wendet sich an das Orchester. Er bittet die jungen Musiker, Töne zu spielen, die ihnen gerade in den Kopf kommen. Celibidache gibt den Einsatz. Nachdem der letzte Ton verklungen ist, dreht sich Celibidache zum Reporter um und sagt etwas in der Art wie: "Sehen Sie, da würde nun ein Kritiker schreiben, dass jemand eine sehr kluge Komposition geschrieben hat."

Celibidache (1912-1996) war ein eigenwilliger Künstler, nicht erst in seinen späten Jahren. Manche Überzeugungen hat er sein ganzes Leben lang vertreten – wie zum Beispiel die, dass Musik nur dem Augenblick gehöre. Reproduktionen dieses einzigartigen Moments, also Schallplatten- oder CD-Veröffentlichungen, lehnte er rundheraus ab.

Nun ist er tot und kann sich nicht mehr wehren. Für die Musikfans ist es allemal eine Lust, Nicht-Erlebtes zumindest in Konservenform nachholen zu dürfen. Wie mit dieser neuen Dreier-CD-Box, die die vollständigen Aufnahmen aus der Zeit versammelt, in der Celibidache dem RIAS-Orchester vorstand – als Statthalter für den mit einem Dirigierverbot belegten Furtwängler.

Und siehe da: In jenen frühen Berliner Jahren, von 1948 bis 1957, hatte "Celi" durchaus nicht nur ein Herz für Klassiker und Romantiker, namentlich die großen B's – Beethoven, Brahms, Bruckner –, die seine Spätphase in München prägten, sondern er war auch an zeitgenössischer Musik interessiert, sehr sogar: Deutsche Komponisten des 20. Jahrhunderts – Paul Hindemith, Heinz Thiessen, Harald Genzmer, Reinhard Schwarz-Schilling – dominieren auf der Kompilation. Dazu gesellen sich George Gershwin, Aaron Copland, Ferruccio Busoni und Maurice Ravel: Allesamt Künstler, deren Schaffen mindestens ins 20. Jahrhundert hineinreicht. Der einzige echte "Oldie" in der Auswahl ist Luigi Cherubini.

Das kleine audiophile Label audite hat die Originalbänder verwendet und Störgeräusche digital herausgefiltert. Herausgekommen ist eine erstaunliche Klangqualität, ein wirkliches Hörvergnügen. Mitunter ist allerdings ein tiefes Brummen zu vernehmen, das durchaus kein Bandfehler ist, sondern von Flugzeugen stammt. Der Flugverkehr war – zumal während der Zeit der Luftbrücke von Juni 1948 bis Mai 1949 – extrem hoch. Man hätte auch dieses Brummen entfernen können, doch Produzent Ludger Böckenhoff hat sich aus dokumentarischen Gründen entschieden, es dabei zu belassen.
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In keinem europäischen Land hielt sich das ventillose Naturhorn so hartnäckig wie in Frankreich, erst 1903 verschwand das Instrument aus dem Lehrangebot des Pariser Konservatoriums. Den Übergang vom Natur- zum Ventilhorn dokumentiert die "Villanelle" von Paul Dukas in reizvoller Weise. In dem 1906 für den Wettbewerb des Pariser Konservatoriums geschriebenen Stück schreibt Dukas vor, in der Einleitung und vor der Schluss-Stretta ohne Ventile zu spielen, also die zwischen den Naturtönen liegenden Töne mittels der Stopftechnik zu realisieren. Alles in allem ist es ein hochvirtuoses Stück mit pointierter Rhythmik und allen Finessen bis hin zu einem abschließenden hohen C als Krönung. Ein ganz anderer Geist spricht aus den beiden Romanzen von Camille Saint-Saëns. Diese Stücke stehen ganz in der Tradition des "Gesangs ohne Worte" und bieten dem Interpreten die Möglichkeit, die Klangschönheit seines Instrumentes vorzuführen.

In seiner Elegie brachte Francis Poulenc die Erschütterung über den Unfalltod des englischen Hornisten Dennis Brain zum Ausdruck. Das 1958 uraufgeführte Stück ist ein düsteres, tragisches Werk, das gleich zu Beginn mit einer Reihe von Zwölftonklängen irritiert.

Neben diesen Standardwerken enthält die CD mit der Sonate von Jean-Michel Damase (geb. I928) und "Alpha" von Jean-Michel Defaye (geb. 1932) zwei im spätromantischen Geist stehende, nicht minder attraktive Raritäten. Der italienische Hornist Guglielmo Pellarin zelebriert das anspruchsvolle Programm mit delikater, schlanker Tongebung, feinem musikalischen Gespür und brillanter Technik, wirkungsvoll unterstützt von seinem Landsmann Federico Lovato.
RBB Kulturradio

Rezension RBB Kulturradio CD der Woche 08.08. - 14.08.2011 | Inga Langhans | August 8, 2011 Edvard Grieg: "Die sinfonischen Werke Vol. II"

Unter Leitung von Eivind Aadland spielt das WDR Sinfonieorchester Köln Griegs komplettes symphonisches Schaffen ein. Auf dieser CD sind die Werke für Streichorchester zusammengefasst.

In der Mitte seines Lebens vertonte Grieg Gedichte des Volksschullehrers Aasmund Olafsson Vinje. Die zwölf Vinje-Lieder für Singstimme und Klavier wurden in Norwegen sehr populär und sind in dieser Form bekanntes Repertoire. Die Vinje-Lieder Herzwunden, und Letzter Frühling instrumentierte er für das Bergener Symphonieorchester, das er 1880 als Dirigent übernommen hatte. Im Jahr 1881 erschienen sie als Zwei elegische Melodien op. 34. Diese bekannten Melodien bilden in der neuen Einspielung des WDR Sinfonieorchesters den berührenden Beginn.

Eine norwegisch-deutsches Zusammenfinden
Griegs Bearbeitungen für Streichorchester waren ein Versuch mehr Verständnis seiner Musik, insbesondere im Ausland, zu gewinnen. Der Komponist stand Zeit seines Lebens im persönlichen Konflikt zwischen dem Nationalen und dem Individuellen. Gerade die Verwendung von Material aus der Volksmusik Norwegens war für das Ausland interessant. In seiner Heimat wurde ihm jedoch zur Last gelegt, das Norwegische zu übertreiben. Diese Einspielung zeigt den inneren Konflikt Edvard Griegs. Der Dirigent Eivind Aadland fühlt sich in Griegs Musik zu Hause und liefert mit dieser Produktion einen geglückten Versuch einer deutsch-norwegischen Synthese, die sowohl Elemente aus der norwegischen Volksmusik, als auch der Kunstmusik enthält.

Eine einfühlsame Produktion
Die typische Klangwelt Edvard Griegs ist beim Kölner WDR Symphonieorchester bestens aufgehoben. Während der Dirigent Aadland das Orchester leitet und dabei viel Wert auf eine volksmusikalisch anklingende und ungewohnt unsentimentale Spielweise legt, erledigen die Musiker ihre Aufgabe in gewohnt bester Studioqualität. Die Bearbeitungen der Vinje-Lieder zeigen dies besonders, auch ohne Text, und dazu hat der Norweger Aadland einiges beigetragen. Der Volksmusikcharakter kommt in der Detail-Arbeit des Dirigenten zum Ausdruck - beispielsweise, indem auf Vibrato verzichtet wird.

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