Rezension Bayern 4 Klassik - CD-Tipp 21.01.2013 | Matthias Keller | January 21, 2013 Carsten Wiebusch spielt "Best's Bach"
William Thomas Best, geboren 1826 im englischen Carlisle, gestorben 1897 in Liverpool, war der erste englische Organist, der sich mit dem Werk Johann Sebastian Bachs umfassend auseinandersetzte. Das Resultat war eine 20-bändige Gesamtausgabe der Bachschen Orgelwerke, von denen zwei Bände erst posthum erschienen.
Best ist damit vor Karl Straube der wohl wichtigste Bach-Exeget der Romantik. In seiner Bach-Ausgabe, der die erste Bach-Gesamtausgabe Wilhelm Rusts zugrunde liegt, ist keine einzige Note der ursprünglichen Vorlage geändert, wohl aber deren Lesart. Eben hierin liegt der Hauptaspekt dieser Neueinspielung: Sie ist ein Blick in die Interpretationsgeschichte des Bach'schen Orgelwerkes. Das mag zunächst befremden – in einer Zeit, die sich dem Urtext und Erforschen sogenannter historischer Aufführungspraxis verschrieben hat.
Orgel als Farbmalkasten
Andererseits liegen inzwischen auch vergleichbare Einspielungen vor etwa von Mendelssohns Fassung der "Matthäuspassion" oder Mozarts Version des Händel'schen "Messias". Best hat, darin ganz Kind seiner Zeit, das Interpretentum als ein mitschöpferisches betrachtet und sich wie selbstverständlich das Recht heraus genommen, Bachs Musik seinen persönlichen dynamischen und agogischen Vorstellungen zu unterwerfen und die Orgel hierbei als orchestralen "Farbmalkasten" zu benutzen. Deshalb beginnt bei ihm die d-Moll Toccata auffallend zart, wechselt in der großen c-Moll-Passacaglia die Registrierung mitunter taktweise, wie auch das Crescendo-Pedal vielerorts zum Einsatz kommt.
Echter Bach alla Best
Eine Bach-Inszenierung also, vergleichbar dem modernen Regietheater, welches sich ja ebenfalls das Recht heraus nimmt, konkret Überliefertes neu zu deuten. Interpret Carsten Wiebusch vollzieht diese Anweisungen aufs Genaueste und zeigt dabei, dass auch auf einer vergleichsweise "modernen" Klais-Orgel (Christuskirche Karlsruhe) "echter" Bach alla Best möglich ist.
Best ist damit vor Karl Straube der wohl wichtigste Bach-Exeget der Romantik. In seiner Bach-Ausgabe, der die erste Bach-Gesamtausgabe Wilhelm Rusts zugrunde liegt, ist keine einzige Note der ursprünglichen Vorlage geändert, wohl aber deren Lesart. Eben hierin liegt der Hauptaspekt dieser Neueinspielung: Sie ist ein Blick in die Interpretationsgeschichte des Bach'schen Orgelwerkes. Das mag zunächst befremden – in einer Zeit, die sich dem Urtext und Erforschen sogenannter historischer Aufführungspraxis verschrieben hat.
Orgel als Farbmalkasten
Andererseits liegen inzwischen auch vergleichbare Einspielungen vor etwa von Mendelssohns Fassung der "Matthäuspassion" oder Mozarts Version des Händel'schen "Messias". Best hat, darin ganz Kind seiner Zeit, das Interpretentum als ein mitschöpferisches betrachtet und sich wie selbstverständlich das Recht heraus genommen, Bachs Musik seinen persönlichen dynamischen und agogischen Vorstellungen zu unterwerfen und die Orgel hierbei als orchestralen "Farbmalkasten" zu benutzen. Deshalb beginnt bei ihm die d-Moll Toccata auffallend zart, wechselt in der großen c-Moll-Passacaglia die Registrierung mitunter taktweise, wie auch das Crescendo-Pedal vielerorts zum Einsatz kommt.
Echter Bach alla Best
Eine Bach-Inszenierung also, vergleichbar dem modernen Regietheater, welches sich ja ebenfalls das Recht heraus nimmt, konkret Überliefertes neu zu deuten. Interpret Carsten Wiebusch vollzieht diese Anweisungen aufs Genaueste und zeigt dabei, dass auch auf einer vergleichsweise "modernen" Klais-Orgel (Christuskirche Karlsruhe) "echter" Bach alla Best möglich ist.