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Das Orchester

Rezension Das Orchester 02/2015 | Susanne Rudolph | February 1, 2015 Fehlurteile sind in der Rezeptionsgeschichte eines Werks nichts Ungewöhnliches....

Da der norwegische Dirigent Eivind Aadland mit dem WDR Sinfonieorchester all diese Attribute mit liebevoller Detailgenauigkeit und sprühendem Elan ausspielt und weder kernige Klangwucht noch Empfindungstiefe scheut, dürfte es dem Zuhörer ähnlich gehen wie einst Rubinstein und Bernstein: Je öfter er die Sinfonie anhört, desto lieber wird sie ihm… Kurz: Diese bemerkenswerte Talentprobe des jungen Edvard Grieg, in der sein typisch nordisches Idiom schon aufscheint, ist eine bereichernde Entdeckung.
RBB Kulturradio

Rezension RBB Kulturradio 11.05.2017 | Hans Ackermann | May 11, 2017 BROADCAST

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Rezension eurowinds 3/2017 (Mai/Juni) | Helmut Peters | May 1, 2017 Singender Trompeter trifft schillerndes Blech-Ensemble

Der belgische Trompeter Jeroen Berwaerts war 1999 als Erster SoloTrompeter des NDR Sinfonieorchesters nach Hamburg gekommen. Damals trug das Rundfunkorchester noch diesen Namen. Heute heißt es wegen seiner Dauer-Residency an Hamburgs neuem Prachtbau, der Elbphilharmonie, NDR Elbphilharmonie Orchester. Obwohl sich schon zu Berwaerts Zeiten die starke Bindung an die Elbphilharmonie und damit ein weltweites Renommee dieses Orchesters abzeichnete, beschloss der einstige Schüler von Reinhold Friedrich an der Karlsruher Musikhochschule doch abzuspringen. Berwaerts war schon immer ein Tausendsassa, der alles machen und realisieren wollte und sich selbst keine Grenzen setzte. Heute nun ist er Professor an der Musikhochschule in Hannover und genießt den neu gewonnenen Freiraum. »Ich fühle mich als Professor in Hannover als ein freier Mensch. Für mich war es damals an der Zeit, die OrchestersteIle beim NDR aufzukündigen, um mich meinen eigenen Sachen besser widmen zu können. Einerseits macht mir das Unterrichten wahnsinnigen Spaß, denn es ist eine riesige Freude, das eigene Können weiterzugeben. Andererseits habe ich jetzt viel mehr Zeit für eigene Projekte.«

Ein solches Projekt ist etwa die neue CD »Signals from Heaven«, die Berwaerts mit dem fantastischen Ensemble »Salaputia Brass« erarbeitet und im Rahmen eines Release-Konzertes beim Elbphilharmonie-Festival »Lux Aeterna« in Hamburg vorgestellt hat. Die Arbeit an den aufgenommenen Stücken von Claudio Monteverdi über George Gershwin bis hin zum japanischen Neutöner Toru Takemitsu reicht für Berwaerts aber schon viele Jahre zurück. »Das erste Mal habe ich einige dieser Stücke beim Schleswig Holstein Musik Festival vor rund zehn Jahren vorgestellt«, berichtet der Trompeter. »Die Idee zu Signals from Heaven ist davon inspiriert, dass Giovanni Gabrieli seine Canzoni seinerzeit in einem Buch mit dem Titel Sacrae Symphoniae, den sakralen Symphonien also, gebündelt hatte. Ich bin über Duke Ellingtons sogenannte Sacred Concerts, die einmal in einer New Yorker Kirche uraufgeführt worden waren, auf die Idee gekommen, Jazz mit der Musik Gabrielis zu verbinden. Dazu passten auch die Spirituals der schwarzen Sklaven in Amerika.«

Die Idee, viele Musikstile zusammenzubringen, um Grenzen aus dem Weg zu räumen, ist für Jeroen Berwaerts immer aktuell und – wie er sagt – heute aktueller denn je. Er folgt dabei aber nicht blind einem Crossover nur um der Sache willen. Berwaerts‘ Crossover ist durchdacht und hat eine Vielzahl von Zielen im Blick. »Viele Musikliebhaber stecken sich selbst in Schubladen – wahrscheinlich wegen einer Art von Identifikation, die die Menschen einfach brauchen«, meint Berwaerts. »Da wird dann nach Klassik- oder Jazzliebhabern streng getrennt und vor allem eine Grenze zum Pop gezogen. Das ist ein riesiger Quatsch und muss nicht sein. Es war immer mein Ziel, Menschen zusammenzubringen, die nur Musik ohne Grenzen spielen.

Auf der neuen CD vereint Jeroen Berwaerts nun wunderbar geblasene Canzoni von Gabrieli und eine Toccata aus der Oper »Orfeo« von Claudio Monteverdi mit dem amerikanischen Jazz in großartigen Arrangements von Boris Netsvetaev. Außerdem hat er mit »Salaputia Brass«, dieser schillernden Formation, die sich einst aus Musikern des Bundesjugendorchesters zusammengefunden hat und heute aus Ensemblemitgliedern in Solo-Positionen führender deutscher Orchester besteht, die Takemitsu-Komposition »Signals from Heaven« eingespielt. Die beiden Takemitsu-Stücke »Day Signal und Night Signal« sind wie die Gabrieli-Canzonen doppelchörig angelegt. »Es ist bei Takemitsu auch ein stark gesanglicher Stil«, erklärt Berwaerts, »es sind Canzonen mit einer zeitgenössischen Note. Man kann trotzdem viele Cluster, viele Akkorde bei Takemitsu finden, die eine Beziehung zur Jazzharmonik haben. Takemitsu hat ja auch selber sehr oft unter Pseudonym Operetten geschrieben oder Beatles-Songs bearbeitet.«
Das Ensemble »Salaputia Brass« und Berwaerts spielen die Sonata »Pian e Forte« und die Canzon primi aus Gabrielis »Sacrae Symphoniae« übrigens aus Faksimiles der originalen Vorlagen. »Es sind zwar schlechte Notenvorlagen«, so Berwaerts, »aber wir wollen einfach mehr Originalgefühl dadurch entwickeln.« Die »Orfeo«-Toccata von Monteverdi fängt mit Trommeln an, dann kommen zwei Posaunen und drei Trompeten hinzu. Ursprünglich wurde das Stück von den Trompeten von einem Balkon aus geblasen und dann kam ein Orchester hinzu. Anstelle des Orchesters werden auf der CD nun Posaunen und Alt-Posaunen eingesetzt.
Niemanden, der Jeroen Berwaerts bereits kennt, dürfte es überraschen, dass er auf der neuen CD »Signals from Heaven« nun auch wieder die Trompete beiseite legt und als Sänger in Erscheinung tritt. »Ich habe schon oft in Konzerten gesungen«, erzählt er. »Auch mit dem Ensemble Resonanz in Hamburg schon sehr oft. Bei jedem zweiten oder dritten Solo-Projekt, das ich mache, singe ich entweder Jazz-Standards oder Spirituals oder aber Chansons meines belgischen Landsmanns Jacques Brel.« Von Brel singt Jeroen Berwaerts viele Chansons, die er im Rahmen eines anderen Projekt mit Tänzen des französischen Barockkomponisten Jean-Philippe Rameau kombiniert. »Ich wollte früher einmal Pop- oder Jazzmusiker werden. Damals, als ich 16 war, hatte ich sogar mal eine Band. ln Belgien habe ich auch Jazzgesang studiert. Als ich dann nach Deutschland gegangen bin, habe ich mich danach ausschließlich auf die Trompete konzentriert. Später dann ist die Liebe zum Gesang zurückgekehrt.« Für Jeroen Berwaerts ist der Gesang die Quelle und der Ursprung eines jeden Instruments, egal ob es sich um ein Streich- oder ein Blasinstrument handelt. Im Gesang spürt man seiner Ansicht nach die Seele eines Menschen am unmittelbarsten. Davon ausgehend müsse man ein Konzept finden, die singende Seele auch auf das Instrument zu übertragen. »Meine Trompetenstudenten an der Hannoveraner Musikhochschule singen sehr viel, ob sie wollen oder nicht«, erzählt der beliebte Professor der niedersächsischen Metropole. »Wie das imaginäre Singen letztendlich auf der Trompete klingt, hat zu 90 Prozent damit zu tun, wie man sich hineinfühlt. Deshalb ist das Singen als Basis ein so schöner Ausgangspunkt. Bei uns Bläsern kommt dann ja auch noch die Luft und das Atmen hinzu.«
»Salaputia Brass« tritt bei diesem Projekt in einer höchst flexiblen Besetzung auf. Die Werke des Renaissancekomponisten Giovanni Gabrieli werden ausschließlich mit Posaunen und Trompeten gespielt. Hörner spielen hier nicht mit, um näher am Originalklang zu bleiben. Bei den Spirituals wie »Sometimes I feel Iike a motherless child« oder »Nobody Knows the Trouble I've Seen« tritt noch eine Tuba hinzu.
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Rezension eurowinds 3/2017 (Mai/Juni) | Ingo Samp | May 1, 2017 Ganz schön schräg diese CD und ganz schön gewagt noch dazu! Und hier sind...

Ganz schön schräg diese CD und ganz schön gewagt noch dazu! Und hier sind beide Aussagen absolut positiv gemeint, denn das Ensemble Salaputia Brass präsentiert eine innovative und interessante CD – eine Einspielung, die gleich modern und somit »ganz schön schräg« beginnt! So macht die »Brass Symphony« von Daniel Schnyder vom ersten Ton an Lust auf viele neue tolle Blechbläserwerke in einer exzellenten Aufnahme dieses noch recht jungen Ensembles. Mit »Sounds of Evolution« bringen die zwölf Musiker ihre erste CD in großer Besetzung heraus. Gegründet wurde Salaputia Brass vor zehn Jahren in der klassischen Quintettbesetzung mit zwei Trompeten, Horn, Posaune und Tuba von fünf Musikern, die sich im Bundesjugendorchester kennengelernt hatten. 2011 wurde die Besetzung erweitert, sodass Salaputia Brass heute mal als Quintett, mal in großer Besetzung mit je vier Trompeten und Posaunen, Horn, Tuba und (bei vielen Stücken mit) Schlagzeug auftritt. Das Dutzend macht ein Wechseltrompeter komplett. Nach einer ersten CD mit beiden Besetzungen 2011 ist diese Einspielung nun das eigentliche Debüt-Album der großen Besetzung von Salaputia Brass.

Mittlerweile können die einzelnen Musiker wie auch das Ensemble auf zahlreiche Erfolge zurückblicken. Die meisten spielen in Orchestern wie dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Philharmonischen Orchester Hamburg, dem Gürzenichorchester Köln, dem Konzerthausorchester Berlin, dem hessischen Staatsorchester Wiesbaden oder den Augsburger Philharmonikern. Das Ensemble gibt regelmäßig landesweit begeisternde Konzerte, war zu Gast beim Schleswig-Holstein-Musik-Festival und konnte auf dem Mozartfest Würzburg das Publikum in seinen Bann ziehen. Das Repertoire kennt wie bei fast allen Blechbläserformationen kaum Grenzen und umfasst Werke von der Renaissance bis zur Moderne. Das Besondere am Repertoire dieser CD ist jedoch, dass das einzige »alte« Werk hierbei nur drei Jahre zählt und nicht speziell für Salaputia Brass komponiert wurde. »Sounds of Evolution« beinhaltet demnach acht moderne Werke, davon sieben Auftragskompositionen für das Ensemble, zudem sind alle Werke zugleich Welt-Ersteinspielungen – interessant, gut gemacht und innovativ! Zugleich ist der Tonträger auch unterhaltsam, gespickt mit vielen virtuosen Passagen und einem beeindruckenden Zusammenspiel der Musiker. Die Tuba groovt hervorragend und sorgt – häufig mit den Drums – für den nötigen Drive. Neben den renommierten Komponisten Daniel Schnyder und Derek Bourgeois ist auch Peter Dörpinghaus, Gründungsmitglied des Ensembles, zu erwähnen, der sich selbst und seinen Kollegen vier Bagatellen auf den Leib geschrieben hat, die nicht nur aufgrund der interessanten Satzbezeichnungen aufhorchen lassen: vier originelle kleine Stücke für ein Ensemble, das zunächst mit einem sehr homogenen Klang aufwarten kann und im Finale sehr filigran und virtuos zu Werke geht! Stets wird hörbar, dass sich die Musiker bestens verstehen – musikalisch und offensichtlich auch persönlich. Mal klingt es sehr homogen, bei fast barock anmutenden Passagen, die im nächsten Augenblick mit interessanteren modernen Harmonien ergänzt werden; mal brillieren sie im Stil einer klassischen Bigband, beim nächsten Werk meistern sie locker afrikanische Rhythmen, spielen Funk a la James Brown, oder überzeugen mit lateinamerikanischem Drive.

Den Abschluss bildet »I got Rhythm«, einer von Gershwins ganz großen Erfolgen. Hier ist es kein x-beliebiges Arrangement des Klassikers, sondern eine originelle, perfekt gespielte Fantasie aus der Feder von Ingo Luis, der sich bereits mit vielen Arrangements einen hervorragenden Namen erarbeitet hat. Die nächste Produktion von Salaputia Brass ist bereits auf dem Markt. Hier wird das Ensemble unterstützt vom Trompetensolisten und Jazzsänger Jeroen Berwaerts – eine ebenso vielversprechende wie spannende Kombination!
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Rezension Audio 6/2017 | Andreas Fritz | June 1, 2017 In dieser Musik sind Energie und Bewegung: Das Scherzo des ersten...

In dieser Musik sind Energie und Bewegung: Das Scherzo des ersten Brahms-Streichsextetts kann man als kunstvolle Aufforderung zum Tanz verstehen. Genauso spielt das Mandelring Quartett, verstärkt durch Roland Glassl an der zweiten Viola und Wolfgang Emanuel Schmidt am zweiten Cello, den mitreißenden Satz. Die Aufnahme belegt das traumwandlerisch sichere Zusammenspiel der Kernbesetzung, der Glassl lange angehörte. In seiner rund 34-jährigen Geschichte hat das Mandelring Quartett für CD-Aufnahmen Preise der Deutschen Schallplattenkritik und International Classical Music Awards-Nominierungen erhalten – diese Aufnahme zeigt, warum: Nur wenige Kammermusiker verbinden Präzision und Expressivität derartig gekonnt.
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Rezension Audio 6/2017 | Andreas Fritz | June 1, 2017 Klassik-CD des Monats

"Lieben Sie Brahms?" war der Titel eines 1959 erschienenen Romans von Francoise Sagan und eines darauf basierenden Filmklassikers von 1961 mit Ingrid Bergman, Anthony Perkins und Yves Montand. Die Frage beantwortet das um die erstklassigen Mitstreiter Roland Glassl undWolfgang Emanuel Schmidt erweiterte Mandelring Quartett eindeutig, indem es seine Einspielung von Brahms' Kammermusik für Streicher bei Audite mit einer überragenden Deutung der beiden Streichsextette abschließt. In den Mittelpunkt rücken die sechs Musiker dabei nicht die fast orchestrale Klangfülle und dunkle Färbung dieser Werke, sondern die Durchsichtigkeit der Sätze und die Balance der Stimmen. Dadurch kommen zahlreiche schöne lyrische Einzelheiten zum Vorschein, die für den jungen Brahms – seine beiden Streichsextette schrieb er als 27- beziehungsweise 31-Jähriger – charakteristisch sind. Mit dem zweiten Streichsextett habe er sich von seiner "letzten Liebe losgemacht", vertraute Brahms einem Freund an. Sensibel aufeinander hörend und miteinander agierend, beweisen die Musiker ihr tiefes Verständnis für diese Meisterwerke der romantischen Kammermusik. Ihr Spiel zeichnet sich durch Natürlichkeit und Expressivität aus: Tempi, Dynamik und Spannungsbögen passen wie maßgeschneidert. Das räumliche und transparente Klangbild der Produktion entspricht dem besonders hohen interpretatorischen Niveau. Für Brahms-Liebhaber und solche, die es werden wollen.
Musik & Theater

Rezension Musik & Theater 05/06 Mai/Juni 2017 | Walter Labhart | May 1, 2017 Die Entdeckung

Mit feurigem Eifer setzt sich das in Hochform musizierende Quartetto di Cremona für dieses verkannte Meisterwerk ein. Trotz des rekordverdächtigen Tempos im Scherzo herrscht absolute Transparenz, erst recht im fugierten Mittelteil. Mit seinem dominierenden Klavierpart, den Andrea Lucchesini emotional stark auflädt, gleicht das stellenweise orchestral klingende Quintett einem Klavierkonzert mit zahlreichen Streichersoli. Auch da fesseln das fein ausgewogene Zusammenspiel und die klangliche Brillanz.

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