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Das Berliner Jacques Thibaud Streichtrio hat sich mit seinem Namen der französischen Tradition verpflichtet. Auf seiner neuen CD interpretiert es Werke, die einen deutlich französischen Einschlag haben.

Viel verbindet die beiden Komponisten Darius Milhaud und Bohuslav Martinů: Beide sind um 1890 geboren, beide haben in Paris studiert und beide sind im zweiten Weltkrieg in die USA emigriert. In ihrer Haltung sind sie jedoch vollkommen unterschiedlich. Der erfahrungsfreudige Südfranzose Milhaud nahm multikulturelle Einflüsse auf wo immer er konnte und komponierte munter ein Stück nach dem anderen. Martinů trug dagegen schwer an der tschechischen Tradition und fand wenig Anerkennung für seine Musik. Zum Glück für das Jacques Thibaud Streichtrio haben beide je zwei Trios geschrieben, die zusammen genau auf eine CD passen.

Internationales Trio, eng aufeinander eingeschworen

Das 1994 an der Berliner Universität der Künste gegründete Jacques Thibaud Streichtrio hat inzwischen eine internationale Besetzung. Die Mitglieder kommen aus Düsseldorf, Bukarest und Amsterdam und sind so eng aufeinander eingeschworen, wie es selten zu hören ist. Über einem vom Cello sonor grundierten Fundament entfalten sich die anderen beiden Instrumente in großer Freiheit, aber nie so weit, dass eines heraussticht. Wärme und Festigkeit prägen den Gesamtklang.

So lassen die drei Musiker in den leichtfüßigen Serenaden-artigen Trios von Milhaud durchaus auch ernstere Töne aufscheinen, was besonders den kontrapunktischen Fugen- und Kanon-Sätzen zu Gute kommt. Bei Martinù betont die saftige Interpretation durchaus die Verwandtschaft zu Dvořák, führt aber auch die aufgeladene Atmosphäre der Pariser Zwanzigerjahre vor Ohren. Insgesamt eine äußerst kurzweilige CD, die eine Moderne jenseits von Schönberg aufleben lässt und die das schmale Repertoire für Streichtrio wesentlich bereichert.
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Der Komponist Darius Milhaud liebte es von Trubel und Lärm umgeben zu sein, während er seine Stücke schrieb. Ein lautes Café? Ein dröhnender Dampfer? Für Milhaud willkommene Geräuschkulisse. Immer unterwegs, ein passionierter Reisender. Zum Reisen war auch Bohuslav Martinu verdammt, ebenso wie Milhaud Exilant. Beide sind um 1890 geboren. Beide liebten Paris. Und beide Komponisten begeisterten sich für verschiedenste Musikrichtungen – Jazz, südamerikanische Folklore oder Barockmusik. Außerdem haben beide für Streichtrio komponiert.

Milhaud oder Martinu? Martinu oder Milhaud? Der Unterschied ist beim ersten Hören gar nicht so leicht festzustellen. Beide Komponisten verbindet nicht nur biografisch, sondern auch musiksprachlich viel. Dennoch – Darius Milhaud und Bohuslav Martinu haben ihren Kompositionen für Streichtrio durchaus eine jeweils eigene Handschrift verpasst: die eine, nämlich die von Milhaud, durchzogen von fein geflochtenen Melodielinien, luftig und wirrschnell. Martinus Tonsprache hingegen präsentiert sich voll satter Klangfülle, Dvorák nicht unähnlich, sanft wiegend, orientalisch blühend, dabei nie sentimental.

Wie aus einem Guss

Diesen Feinheiten widmet sich das international besetzte Jacques Thibaud Streichtrio aus Berlin auf seiner neuen CD. Seit fast 25 Jahren fokussieren sich die drei Musiker auf eine Gattung, die von Komponisten eher stiefmütterlich behandelt wird. Und für die es kaum Ensembles gibt, weil sich meist einfach drei Solisten dafür zusammen tun. Dass es sich lohnt, als eingespieltes Ensemble an die Streichtrios heranzugehen, zeigt sich auf dieser CD. Der Gesamtklang des Jacques Thibaud Streichtrios ist wie aus einem Guss.

Anspruchsvoller Hörgenuss

Manchmal kehrt das Ensemble vielleicht das Spröde an den Stücken von Martinu und Milhaud etwas zu stark heraus. Da splittern die Klänge, werden Töne rissig und rau. Doch auch wenn die eine oder andere Melodie noch mehr blühen könnte: Insgesamt ist diese CD ein Hörgenuss. Und sie hebt einen Schatz selten zu hörender Streichtrios.

Kurzweilig und modern

Es ist das erste Mal, dass Bohuslav Martinus und Darius Milhauds Gesamtwerk für Streichtrio auf einer CD erscheint. Da fragt man sich: Warum erst jetzt? Nicht nur wegen der sich aufdrängenden Gemeinsamkeiten zwischen Martinu und Milhaud – zum Beispiel ihrer Liebe zu Paris, diesem Brennpunkt der Avantgarde, in dem beide nach dem Ersten Weltkrieg lebten, bis sie 1940 vor den Deutschen in Richtung USA fliehen mussten. Die Frage, warum erst jetzt, stellt sich vor allem deshalb, weil das hier einfach gute Musik ist. Kurzweilig, modern, dabei so gar nicht zwölftönig wie beim Zeitgenossen Schönberg. Und vom Jacques Thibaud Streichtrio agil und farbig gespielt – mit viel Gespür für Ecken und Kanten.
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