Rezension Fono Forum August 2019 | Ingo Harden | August 1, 2019 Vorbei die Zeiten, in denen nach Schnabel und Erdmann auch ein junger Alfred...
Vorbei die Zeiten, in denen nach Schnabel und Erdmann auch ein junger Alfred Brendel noch eine Lanze für Schuberts Klaviersonaten brechen musste: Sie, und allen voran die drei "späten" Sonaten aus dem Todesjahr 1828, haben heute einen Repertoire-Status erreicht, der sie Beethovens Sonaten an die Seite rückt.
Zu den vielen Pianisten, die sich inzwischen mit ihnen auf CD auseinandergesetzt haben, tritt jetzt Andrea Lucchesini. Für den Italiener, der früh durch seine Gesamteinspielung der Beethoven-Sonaten bekannt wurde, ist Schubert nach eigener Aussage "die große Liebe der letzten Jahre" und audite bot ihm jetzt die Gelegenheit, diese Liebe in einer dreibändigen Folge zu dokumentieren. "Volume 1" dieser "Late Piano Works" kombiniert die festlich-konzertante A-Dur-Sonate sehr sinnvoll mit dem elf Jahre älteren Vorläuferwerk in a-Moll, von dem Schubert ja das graziöse Thema des Mittelsatzes im Finalrondo aufgegriffen hat – in romantischerer Einkleidung.
Herausgekommen ist eine Produktion von geradezu beispielhafter Klarheit und Perfektion, auch klanglich. Gewiss, Lucchesini ist kein Spieler, der die schlanke Schlüssigkeit der Musik unterstreicht, wie sie einst Kempff seiner Interpretation mitgab. Und noch weniger ist er der Mann, der drängende untergründige Strömungen des Komponierten zur Geltung bringt; da sind ihm Brendel, Arrau oder Uchida voraus. Aber die Aufnahme lässt keinen Wunsch offen, was die Sorgfalt angeht, mit der er jeden Ton, jede Phrase geformt, Anschlag und Dynamik subtil differenziert und das (hier ähnlich wie beim Schwesterwerk in B-Dur fast unvermeidliche) Rubato "organisch" eingesetzt hat: Für alle, die sich von einer Aufnahme mehr pure Notentreue als interpretatorische Ausdeutung wünschen.
Zu den vielen Pianisten, die sich inzwischen mit ihnen auf CD auseinandergesetzt haben, tritt jetzt Andrea Lucchesini. Für den Italiener, der früh durch seine Gesamteinspielung der Beethoven-Sonaten bekannt wurde, ist Schubert nach eigener Aussage "die große Liebe der letzten Jahre" und audite bot ihm jetzt die Gelegenheit, diese Liebe in einer dreibändigen Folge zu dokumentieren. "Volume 1" dieser "Late Piano Works" kombiniert die festlich-konzertante A-Dur-Sonate sehr sinnvoll mit dem elf Jahre älteren Vorläuferwerk in a-Moll, von dem Schubert ja das graziöse Thema des Mittelsatzes im Finalrondo aufgegriffen hat – in romantischerer Einkleidung.
Herausgekommen ist eine Produktion von geradezu beispielhafter Klarheit und Perfektion, auch klanglich. Gewiss, Lucchesini ist kein Spieler, der die schlanke Schlüssigkeit der Musik unterstreicht, wie sie einst Kempff seiner Interpretation mitgab. Und noch weniger ist er der Mann, der drängende untergründige Strömungen des Komponierten zur Geltung bringt; da sind ihm Brendel, Arrau oder Uchida voraus. Aber die Aufnahme lässt keinen Wunsch offen, was die Sorgfalt angeht, mit der er jeden Ton, jede Phrase geformt, Anschlag und Dynamik subtil differenziert und das (hier ähnlich wie beim Schwesterwerk in B-Dur fast unvermeidliche) Rubato "organisch" eingesetzt hat: Für alle, die sich von einer Aufnahme mehr pure Notentreue als interpretatorische Ausdeutung wünschen.