Ihre Suchergebnisse (9970 gefunden)

Bayern 4 Klassik - CD-Tipp

Rezension Bayern 4 Klassik - CD-Tipp JUN 23, 2019 | Thorsten Preuß | 23. Juni 2019 BROADCAST

Wäre er nicht schon mit 18 gestorben, hätte er Musikgeschichte schreiben können: Prinz Johann Ernst von Sachsen-Weimar wurde von Telemann bewundert und von Bach nachgeahmt. Das Thüringer Bach Collegium legt nun ein heißblütiges Plädoyer für diesen blaublütigen Komponisten vor.

Thorsten Preuß stellt eine CD vor, bei der das einzige Verbrechen darin besteht, dass man den Komponisten bislang kaum beachtet hat. Mit seinem CD-Tipp entführt uns Thorsten Preuß heute nach Weimar

Das kenn ich doch, denkt man gleich im ersten Moment. Wo hab ich dieses Stück bloß schon mal gehört? Und: klingt da nicht irgendetwas anders, als ich es im Ohr habe?
Stimmt – man kennt dieses Violinkonzert eigentlich als Orgelstück. Als eines der fünf so beliebten wie virtuosen Orgel-Concerti von Bach. Allerdings hat Johann Sebastian Bach diese Concerti gar nicht selbst komponiert, sondern nur arrangiert für die Orgel. Die Originale dagegen stammen von Antonio Vivaldi – oder, in diesem Fall, vom Weimarer Prinzen Johann Ernst dem IV.

Prinz Johann Ernst von Sachsen-Weimar war nicht einfach bloß ein gekrönter Hobbykomponist wie Friedrich der Große oder Kaiser Leopold. Er hätte wirklich das Zeug dazu gehabt, in die Musikgeschichte einzugehen. Schon früh spielt er Violine und Cembalo, nimmt Kompositionsunterricht bei Johann Gottfried Walther, und vom Studium in Utrecht bringt er hauptsächlich Partituren mit nach Hause. Bach kennt er schon seit Kindertagen, weil der immer die Cembali bei ihnen im Roten Schloss gewartet hat. Gemeinsam begeistern sie sich für die neuesten Noten aus Italien, und bald beugt sich Bach auch über die ersten Kompositionen des Prinzen. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit dem begabten jungen Mann: mit gerade mal 18 Jahren stirbt Johann Ernst von Sachsen-Weimar an einem bösartigen Tumor.

19 Stücke im italienischen Stil hat der Prinz komponiert in dem knappen Schaffensjahr, das ihm vergönnt war, nur die Hälfte davon ist überliefert – aber keine Sekunde ist langweilig. Aparte Farbwirkungen sind ihm eingefallen, mitreißende Rhythmen – und Melodien, die einem nicht mehr so leicht aus dem Kopf gehen. Alles atmet Frische und Jugend – kein Wunder, dass auch ein Großer wie Telemann von diesen Violinkonzerten schwärmte und dem toten Prinzen mit einer prachtvollen Druckausgabe ein Denkmal setzte.

Mit Power und Leidenschaft erweckt das frisch gegründete Thüringer Bach-Collegium die Concerti wieder zum Leben. Die Musiker kommen nicht aus der Alte-Musik-Szene, sondern aus modernen Orchestern wie der Staatskapelle Weimar oder dem Gewandhaus, aber sie sind nichtsdestotrotz Überzeugungstäter. Da die originalen Noten 2004 beim Brand der Anna-Amalia-Bibliothek zerstört wurden, mussten die Partituren zunächst einmal mühsam rekonstruiert werden; in einem Fall hat Ensembleleiter Gernot Süßmuth sogar die Bachsche Transkription geschickt neu instrumentiert.

Von diesen Anstrengungen ahnt man beim Hören nichts, so souverän und lustvoll wird hier gespielt. Und auch wenn man sich in den langsamen Sätzen gelegentlich einen flexibleren Streicherklang vorstellen könnte, ist diese Debüt-CD doch eine glänzende Visitenkarte für das Thüringer Bach-Collegium: ein heißblütiges Plädoyer für einen blaublütigen Komponisten.
Süddeutsche Zeitung

Rezension Süddeutsche Zeitung 24. Juni 2019 | Wolfgang Schreiber | 24. Juni 2019 Die Klassik-Kolumne

Mit den Aufnahmen beim Sender RIAS Berlin, 1951 bis 1963, konnte [das Quartetto Italiano] der Musikwelt zeigen, [...] dass sie kraftvoll, feinnervig und elegant die Quartettkunst zu steigern wussten.
Gramophone

Rezension Gramophone July 2019 | David Gutman | 1. Juli 2019 Prokofiev concerto couplings are two a penny these days yet Franziska Pietsch...

Prokofiev concerto couplings are two a penny these days yet Franziska Pietsch caused something of a stir with her recent contender (2/18), following it up with an equally impressive disc of solo violin works by Bartok, Prokofiev and Ysaye (12/18).

Here she is back on familiar turf, having made her recent career as a chamber music specialist with such ensembles as the Trio Testore and Trio Lirico. Her new recital colleague, Josu de Solaun, has already undertaken a survey of the complete Enescu piano music for Naxos. A Spanish-born American resident and a multiple prize-winner in his own right, his playing has strength without steeliness and a distinctive warmth and finesse which may or may not be associated with his Shigeru Kawai instrument. Very much an equal partner, he also contributes the booklet notes. Pietsch seems an edgier kind of artist, with the frank emotionalism and potential resort to wide vibrato you might associate with Russian players.

Immaculately pitched in every sense, their Strauss is worth sampling even for those normally resistant to this kind of Romantic fare. Marginally less sympathetic than the sweet and subtle reading from Kyung Wha Chung and Krystian Zimerman, their music-making lacks nothing in intensity or fine detailing and is captured in very lifelike sound in the famous acoustic of the Jesus-Christus-Kirche of Berlin-Dahlem. Some may detect a lack of intimacy, sonic or otherwise; I'd say the score can take it.

In the more ubiquitous Shostakovich the pair are, at least initially, less stoical than David Oistrakh or Oleg Kagan, both with Sviatoslav Richter, injecting light as well as shade without sounding remotely facile. The extremely virtuoso second movement finds Pietsch positively assaulting her strings. The finale is again heartfelt but never too far over the top.

All in all an intriguing offering, even if the startlingly disparate programme won't file easily on the shelves of those of us still in thrall to physical format.
Süddeutsche Zeitung

Rezension Süddeutsche Zeitung Magazin Heft 26/2019 27. Juni 2019 | Carolin Pirich | 27. Juni 2019 GEGEN DEN STRICH

Sie fragt: Vielleicht möchten Sie mich in Aktion sehen? Man hätte dann schon...
Süddeutsche Zeitung

Rezension Süddeutsche Zeitung Magazin Heft 26/2019 27. Juni 2019 | Carolin Pirich | 27. Juni 2019 GEGEN DEN STRICH

Sie fragt: Vielleicht möchten Sie mich in Aktion sehen? Man hätte dann schon...
www.pizzicato.lu

Rezension www.pizzicato.lu 25/06/2019 | Uwe Krusch | 25. Juni 2019 Das kanadische Cheng Duo fasziniert mit russischer Cello-Kammermusik

Nach einem französischen und einem spanischen Programm hat sich das Cheng Duo bei seiner dritten Aufnahme der russischen Kammermusik für Cello und Klavier gewidmet. Neben den drei großen Sonaten von Prokofiev, Rachmaninov und Shostakovich sind dies Genrestücke von diesen sowie Arensky, Glazunov, Scriabin und Tchaikovsky.

Erfreulicherweise kann man sich auch bei dieser dritten Aufnahme nur wiederholen und auf die große künstlerische Leistung verweisen. Die Geschwister aus Kanada zeichnen sich durch eine großartige Beherrschung ihrer Instrumente aus und alle Anforderungen technischer Natur fallen bei Ihnen nicht ins Gewicht. Aber das ist ja immer nur der Anfang.

Doch auch die Interpretationen faszinieren mit einer Ausdruckspalette und Tiefe der Darstellung, die wirklich zum Feinsten gehört. Bryan und Silvie Cheng agieren sehr stimmungsvoll. Das wird beispielsweise bei der Sonate von Shostakovich deutlich, die in den Abgründen menschlich aushaltbarer Zustände wühlt, was die beiden Musiker auch mit überbordender Intensität darstellen. Dabei loten sie die Dynamik in allen Richtungen aus. Aber sie lassen keinen Moment ein immer kantables Spiel mit feinfühlig gereifter Intonation außer Acht.

Sie können also poetisch, feurig, elegant und introvertiert, was immer nötig ist. Damit erwecken sie die große russische Seele, die sich erst Ende des 19. Jahrhunderts auf Basis eigener Musikausbildung in Russland entwickelte, mit großer Intensität, aber ohne süßliches Pathos. So werden sie jedem Charakter, den diese Werke verlangen, gerecht. Wenn etwas anzumerken ist, dann wirkt das Cello so intensiv, dass das Klavier in den Hintergrund gedrängt wird oder sich selbst dort einnistet. Das ist schade, denn gerade bei Rachmaninov, aber auch bei Prokofiev und Shostakovich kommt dem Tasteninstrument eine gleichberechtigte und sehr fordernde Rolle zu.

Wie beim Label audite üblich, wurde das Spiel mit sorgfältig abgestimmter und aushörender Technik eingefangen.

After a French and a Spanish program, the Cheng Duo dedicated their third recording to Russian chamber music for cello and piano. Both musicians prove a great mastery of their instruments. But also, the interpretations fascinate with a palette of expression and depth of presentation that really belongs to the finest. So, they can be poetic, fiery, elegant and introverted, whatever is necessary. Thus, they awaken the great Russian soul, which only developed in Russia at the end of the 19th century, with great intensity, but without sweet pathos.
www.pizzicato.lu

Rezension www.pizzicato.lu 05/07/2019 | Remy Franck | 5. Juli 2019 Musik eines jungen Prinzen

A priori kann man die Violinkonzerte von Prinz Johann Ernst von Sachsen-Weimar für italienische Concerti, vielleicht sogar für solche von Vivaldi halten. Johann Ernst IV. war ein passionierter Musiker und Komponist, allerdings hatte er nicht besonders viel Zeit zum Komponieren. 1696 geboren, starb er schon 1715, nach einer fast zweijährigen Krankheit im Alter von 18 Jahren.

In seinen Violinkonzerten wechseln sich schnelle und langsame Sätze, Adagios, Pastorellas und Largos ab. Die Einfachheit der Sprache und des Ausdrucks ist der gemeinsame Nenner aller Interpretationen, die man hier hört und die sich ebenfalls durch ein sehr energisches, entfesseltes und streckenweise recht keckes oder gar ironisches Spiel auszeichnen. Ein weiteres Charakteristikum im Spiel des Thüringer Bach Collegiums ist die Ernsthaftigkeit des interpretatorischen Anliegens. Es geht diesem Ensemble nicht ums Abbeizen, nicht ums Fetzen, sondern um das immerwährende ‘An die Musik’, eine auf ihre Weise ansteckende Huldigung an die Klangkunst, in der Vitalität Feinfühligkeit nicht ausschließt.

Johann Ernst IV von Sachsen-Weimar was a passionate musician and composer, but he did not have much time to compose. Born in 1696, he died in 1715 at the age of 18, after an illness of almost two years. His music, of an Italian style, is lovely. The performances are immediately charming, energetic, unleashed and at times quite bold or even ironic. The Thuringian Bach Collegium plays with the everlasting motto ‘To the music’, and in its infectious homage to the art of sound, vitality does not rule out sensitivity.

Suche in...

...