Rezension
SWR SWR2 Treffpunkt Klassik – 8.8.2021, 12:30 Uhr | August 8, 2021
BROADCAST
Ich bin Bettina Winkler und Sie sind bei SWR2 Treffpunkt Klassik mit neuen CDs. Die letzte Neuerscheinung, die ich Ihnen heute vorstellen möchte, vereint Musik von Angelo Notari und Giovanni Battista Fontana, zwei Komponisten aus Mantua, die in der Tradition ihres Zeitgenossen Claudio Monteverdi komponieren. Es musizieren die Flötistin Julia Fritz, die Sopranistin Magdalene Harer, die Harfenistin Reinhild Waldek und der Organist Johannes Hämmerle. Bei der folgenden Ciaccona von Angelo Notari sind sie alle gemeinsam zu erleben.
Musik aus Mantua von Angelo Notari: eine Ciaccona. Aufgenommen wurde sie an ihrem Herkunftsort, in der Kirche Santa Barbara des herzoglichen Palasts in Mantua. Die dortige Orgel stammt aus dem 16. Jahrhundert und bietet sich dank spezieller Register und mitteltöniger Stimmung nicht nur für Solostücke, sondern auch als Begleitung im Ensemblespiel an – wie hier bei der Sonata seconda von Giovanni Battista Fontana, die eigentlich für Violine komponiert wurde. Julia Fritz hat sie für ihr Instrument, die Blockflöte, transkribiert.
Julia Fritz und Johannes Hämmerle mit der Sonata seconda von Giovanni Battista Fontana, Musik aus Mantua, in der Tradition von Claudio Monteverdi entstanden. Schön, wie Julia Fritz hier diese Violinsonate auf ihr Instrument übertragen hat. Ihr entspanntes Spiel wird harmonisch durch die mitteltönige Orgel der Kirche Santa Barbara im Palast von Mantua ergänzt. Insgesamt sechs Violinsonaten von Fontana hat Julia Fritz für ihre neue CD aufgenommen, entstanden sind sie zwischen 1630 und 1640. Glücklicherweise hat sie auch die passende Flöte, die zur Stimmung der Orgel in Mantua passt.
Giovanni Battista Fontana ist vor allem für seine Violinmusik bekannt, Angelo Notari dagegen eher für seine Lieder. Über diesen Komponisten weiß man nicht allzu viel – auf jeden Fall ging er nach England, diente dort zwei Kronprinzen und war Hofmusiker bei König Charles I. Immer wieder hat er Musik von Monteverdi für neue Besetzungen bearbeitet und so die unterschiedlichsten italienischen Musikstile miteinander verbunden. Vor allem in Oxford liebte man damals während der Zeit des Bürgerkrieges die Italienmode – ein kurzer Lichtblick vor der dunklen und strengen Zeit des Interregnums und des Commonwealth, so der amerikanische Musikforscher Stanley Matthew Henson.
Hier noch ein weiteres Stück von Angelo Notari, bei dem Sopranstimme und Flöte in einen virtuosen Dialog treten: eine Bearbeitung des bekannten Madrigals „Ancor che col partire“ von Cipriano de Rore:
„Obwohl ich beim Scheiden spüren sollte, daß ich sterbe,
Möchte ich jederzeit, jeden Augenblick scheiden,
So groß ist die Freude, die ich fühle am neuen Leben,
die ich in der Wiederkehr erhalte.
Und so möchte ich tausende Male am Tag von Euch scheiden,
denn so süß ist mein Wiederkehren.“
“Ancor che col partire” – ein Madrigal, das ursprünglich von Cipriano de Rore stammt, hier in einer Bearbeitung von Angelo Notari mit Magdalene Harer, Sopran, Julia Fritz, Flöte, und Johannes Hämmerle, Orgel. Musik aus Mantua, aufgenommen in Mantua, ein besonderes Hörerlebnis, denn die Orgel steht in der Kirche Santa Barbara des dortigen Palastes. Giovanni Battista Fontana und Angelo Notari, deren Werke Sie auf der neuen CD von Julia Fritz finden, stehen beide in der direkten musikalischen Tradition ihres Zeitgenossen Claudio Monteverdi, ein verantwortungsvolles Erbe! Und eine Herausforderung für die Interpretinnen und den Interpreten, die sie mit Bravour meistern. Wenn Sie sich davon noch einmal ausführlich überzeugen möchten, empfehle ich Ihnen diese CD, die beim Label Audite erschienen ist.
Das war SWR2 Treffpunkt Klassik mit neuen CDs, wir immer können Sie diese Sendung auf unseren Internetseiten und mit Hilfe der SWR2 App anhören, dort gibt es auch die CD-Liste und das Manuskript. Ich wünsche Ihnen noch einen geruhsamen Sonntag, mit oder ohne Musik. Mein Name ist Bettina Winkler und ich sage für heute „Auf Wiederhören“.