Das Mandelring Quartett hat seine neue Produktion bei dem Label "audite" vorgelegt. Eingespielt haben die vier, die nun schon seit geraumer Zeit erfolgreich im Familienverbund streichen, Schuberts Es-dur-Quartett D 87 und das d-moll-Werk D 810, "Der Tod und das Mädchen". Das letztere ist natürlich das Hauptwerk auf dieser Scheibe; die beiden ersten Sätze benötigen zusammen bereits eine halbe Stunde.
Der erste Eindruck: einfach imponierend! Da begegnen einem musikalisches Denken und musikalische Rede par excellence. Die beiden Hauptsätze des d-moll-Quartetts legen die vier an, als gelte es eine Bruckner-Sinfonie - mit ganz weitem, schier unerschöpflichem Atem. Nirgends die gefühligen Ritardandi, mit denen sich sonst auch gute Ensembles mal einen Moment des Verschnaufens gönnen. Das geht zwingend fort und fort, und dennoch klingt es nie gezwungen. Zumal im Kopfsatz, der über eine Viertelstunde in Anspruch nimmt, herrscht ein rascher, leichter, stets zu den fahlen Farben neigender Bogenstrich, der am Anfang des Tons immer einen deutlichen Akzent setzt - man spielt sozusagen Fortepiano. Das bekommt zum einen der Struktur des Satzes, baut zum andern eine unerhörte Spannung auf und bringt ein Moment des Konsonantischen ins Spiel, das wiederum der musikalischen Rede aufhilft.
• Musikbeispiel: Franz Schubert - 1. Satz (Ausschnitt) aus: Streichquartett d-moll D 810 ("Der Tod und das Mädchen")
Soweit das Mandelring Quartett mit einem Ausschnitt aus dem ersten Satz des Streichquartetts "Der Tod und das Mädchen” von Franz Schubert. Grandios ist der Variationensatz aufgebaut, der dem Werk den Namen gab. Dunkelste, wenngleich eher verhaltene und diskrete Trauer liegt über dieser Musik, bis sich kurz vor Ende die Spannung in einem wirklich ergreifend desperaten Ausbruch löst. Hier herrscht ein freier, zurückgenommen-singender Bogenstrich.
• Musikbeispiel: Franz Schubert - 2. Satz (Ausschnitt) aus: Streichquartett d-moll D 810 ("Der Tod und das Mädchen")
Diese Schubert-Interpretation des Mandelring Quartetts ist unerhört modern, groß in den Emotionen, wobei diese nie vordergründig zur Schau getragen werden. Man wird an jenen englischen Schauspieler erinnert, der das verzweifelte "Blow, winds, blow" des Lear niemals schrie, sondern fast flüsternd hervorstieß und gerade damit sein Publikum bis in die Tiefen rührte. Erschienen ist die Schubert-CD der Mandelrings bei dem Label "audite".
translation:
The Mandelring Quartet has presented its latest recording on the Audite label. The four, who have been successfully playing together for a long while, have recorded Schubert's quartet D 87 in E flat major and the D minor composition 'Death and the Maiden'. The latter is of course the main work on the disc; with the first two movements lasting half an hour in total.
The first impression is quite simply impressive. We encounter musical thinking and musical discourse par excellence. The two main movements of the D minor quartet are performed as if one were playing a Bruckner Symphony – with a very long, almost inexhaustible breath. There is no emotionally charged rallentando, with which even good ensembles allow themselves a breather. It goes on and on compellingly without, however, sounding strained. Especially in the first movement, which takes a quarter of an hour, fast, light bowing prevails, inclining to pale colours with the beginning of each tone marked with a clear accent – it is being played forte piano, so to speak..
On the one hand this suits the structure of the movement, on the other, it builds up an enormous tension, bringing a consonantal element into play, which in turn improves the musical discourse.
The variation movement, which gave the composition its name, is built up grandiosely. The depths of sorrow, albeit restrained and discrete, lie within this music until, shortly before the end, the tension dissolves in a moving, desperate eruption. A free, yet heldback songlike bowing dominates here .
This Schubert interpretation by the Mandelring Quartet is extremely modern and highly emotional, although these elements are not pushed into the foreground. One is reminded of the English actor who never raised his voice for King Lear's despairing words "Blow, winds, blow", but uttered them in a whisper and thereby moved the audience to the depths of their being.
This Mandelring Schubert CD has been released on the Audite label.