Rezension
Fono Forum 2/2004 | Svenja Klaucke | February 1, 2004
Rehabilitation?
Im Jazz hat es längst die unterschiedlichsten Belastungsproben bestanden, von den romantischen Gedankengängen eines Stan Getz bis zu den bruitistischen Zerlegungen von Peter Brötzmann. In der Klassik hingegen spielt das Saxophon eine merkwürdig traurige Rolle. Denn wenn nicht gerade Blues, Rag und Foxtrott unter den Orchestersatz gemischt wurden, war das Saxophon so ziemlich verloren. Auf Dauer reichten da weder die Klangfarben-Veredelungen noch eine lyrische Geschmeidigkeit aus, die besonders in Frankreich dem Saxophon von einer durchaus prominenten Komponistenschar anvertraut worden war.
Fünf Werke aus dem 20. Jahrhundert hat jetzt Altsaxophonist Dominque Tassot ausgewählt, um für ein wenig Wiedergutmachung zu sorgen. Wobei Tassot bis auf Debussys Rhapsodie gleich vier Weltersteinspielungen bietet. Doch so weit gespannt diese Chronologie des Saxophon-Spiels ist, so ist der Ausdrucksradius eindimensional und auf Dauer kaum aufregend. Denn was André Caplets „Légende“ von 1903 und die jüngste Komposition von Jean Absil („Fantaisie-Caprice“ von 1971) zusammenhält, trifft nahezu auf alle anderen Stücke zu. Arabeske Nobelesse, rhythmische Gebilde aus Varieté und Jazz, poetische Schmiegsamkeit und diese für das Saxophon typische Pierrot-Haltung sind in unterschiedlichen Portionen und Proportionen verteilt. Allein Debussys schwül-orientalische Rhapsodie sorgt hier für einen künstlerischen Eigenwert des Saxophons, das bei Dominique Tassot mit vollem, runden Ton glänzen und überaus charmant sein kann.