Musik am Hof der Margarete von Österreich (1480 – 1530) in Mechelen bringt das Bremer Blockflötenconsort auf seiner neuen CD.
1507 hatte ihr Vater Kaiser Maximilian I. ihr die Regentschaft der habsburgischen Niederlande übertragen, die sie in der Zeit von 1507 bis Januar 1515 und von 1517 bis 1530 innehatte. Außerdem war sie Vormund und Erzieherin u.a. ihres Neffen Karl, dem späteren Kaiser Karl V. Gegenüber ihrem Herzogshof ließ sie ein Palais erbauen, wohin sie viele Künstler und Gelehrte einlud und so den Hof von Mechelen zu einem Zentrum des Humanismus machte. So verkehrten dort Persönlichkeiten wie Erasmus von Rotterdam, Pierre de la Rue und Josquin Desprez. Als gewichtige Musikmäzenin ihrer Zeit gewann Margarete eine große Bedeutung.
Hier entstand in der Schreibwerkstatt des Petrus Alamire (c 1470 – 1536), der auch als Sänger am Hof wirkte, der Basevi Codex, der seinen Namen von einem Besitzer im 19. Jahrhundert erhielt. Der Codex versammelt 87 Kompositionen von u.a. Pierre de la Rue (1460-1518), Jakob Obrecht (1457-1505), Antoine Brumel (1460-1520), Johannes Ockeghem (1430-1497), Alexander Agricola (1446-1506) und Heinrich Isaac (1450-1517). Es handelt sich um Chansons und Chanson-Motetten meist in französischer Sprache, aber auch in niederländischer, lateinischer und italienischer. Er diente wohl zum geselligen Musizieren einer adligen Dame.
Die vier Damen des Boreas (in der griechischen Mythologie die Personifikation des winterlichen Nordwinds) Quartetts Jin-Ju Baek, Elisabeth Champollion, Julia Fritz und Luise Manske fanden sich an der Bremer Musikhochschule zusammen, es ist nach ihrer CD mit Werken von Christopher Tye ihre zweite Einspielung. Was die vier Bläserinnen hier abliefern, ist große Ensemble-Kunst, gepaart mit großer Spielfreude aber vor allem auch großem Stilbewusstsein, in die sich Dorothee Mields problemlos einfügt. So werden etwa Loyset Compères (c 1445 – 1518) „Scaramella“-Variationen und Isaacs „La mi la sol“ zu virtuosen Höhepunkten, während Obrechts Sätze aus der „Missa Fortuna desperata“ zu tiefsinnigen Ausdeutungen werden. Der Booklettext von Sibylle Schwantag sucht diese Musik des frühen 16. Jahrhunderts dem heutigen Hörer nahezubringen, was ja nach 500 Jahren nicht so ganz einfach ist.
Dem Boreas Quartett und Dorothee Mields sei gratuliert zu dieser tollen Ensemblearbeit!