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Rohrblatt

Rezension Rohrblatt 2/1998 | Martin Rümmler | June 1, 1998 Ob sie nun „Fantasistykker“ oder Phantasiestücke“ betitelt sind –...

Ob sie nun „Fantasistykker“ oder Phantasiestücke“ betitelt sind – Schumanns Fantasiestücke op. 73 für Klarinette und Klavier haben in den gleichnamigen Werken der Folgezeit als anregendes Vorbild in vielfältiger Weise ihre Spuren hinterlassen. Die Werke der Komponistenkollegen zeigen indessen durchaus auch eigenes und individuelles Gepräge. In der chronologischen Folge ihrer Entstehung oder ihres Erscheinens – eine im Grunde naheliegende und programmatisch plausible Idee – wurden sie von zwei laut Booklet-Information offensichtlich vorwiegend im süddeutschen Raum wirkenden Künstlern eingespielt, vom Klarinettisten Rudolf Mauz und dem Pianisten Lambert Bumiller.

Als am bekanntesten dürfen sicherlich Schumanns Fantasiestücke bezeichnet werden, auch Niels W. Gades Komposition ist häufiger zu hören. Lohnend auch für den nicht nur aus musikhistorischen Gründen an derartigen Kompilationen Interessierten ist diese Einspielung vor allem durch die Begegnung mit zwei als kaum bekannt einzustufenden Werken. Bei Carl Reineckes Fantasiestücken op. 22 gefallen aufgrund ihrer Originalität besonders die Stücke zwei bis vier. Einem dahinhuschenden Presto mit kurzen lyrischen Zwischenpassagen folgt ein Deutscher Walzer, dessen zwischen Klarinette und Klavier weitgehend parallel geführter Mittelteil dem Bläser unüberhörbar Stakkatoqualitäten abverlangt. Musikalisch gefällig angelegt ist auch der abschließende knapp dreiminütige Canon.

Als kaum bekannt ist gewiß August Winding anzusehen, der das Kopenhagener Konservatorium von 1891 bis 1899 leitete. Obwohl von Reinecke und Gade ausgebildet, stehen seine drei Phantasiestücke op. 19 häufig in größerer musikalischer Nähe zu Schumann. Den offenkundig gut miteinander eingespielten und aufeinander reagierenden Musikern gelingt eine weitgehend überzeugende Darstellung der von den Komponisten durchweg mit sehr differenzierten Ausführungsvorgaben versehenen Stücke. Der Klavierpart – hinsichtlich der technischen Ansprüche dem der Klarinette wohl eher überlegen – ist in Bumillers Händen gut aufgehoben.

Ein gewisses Manko der Interpretation liegt nach meinem Eindruck im dynamischen Bereich. Es mag mit dem auf ständige klangliche Intensität bedachten Spiel des Klarinettisten und mit einer Art Kompaktheit seines Tones zusammenhängen, daß sich die Dynamik insgesamt auf einem hohen Niveau hält. In Richtung p un pp ist ein größeres Maß an Differenziertheit vorstellbar, und ein p dolce verträgt gewiß mehr Entspanntheit.

Rudolf Mauz hat auch den Booklet-Text verfaßt. In einem kurzen Vorwort skizziert er den geistesgeschichtliche Rahmen der Werke, indem er auf einige Grundaspekte der Romantik eingeht. Es folgen solide Informationen zu den Fantasiestücken und ihren Komponisten. Der Leser wüßte allerdings schon gerne genauer, inwiefern es „bemerkenswert“ ist, daß bei Reinecke „die ersten beiden Sätze für die A-Klarinette und die beiden anderen für die B-Klarinette komponiert wurden.
Musik in Bayern

Rezension Musik in Bayern Heft 52/1996 | Raimund W. Sterl | January 1, 1996 Die Vielzahl der im Musikhandel erhältlichen CDs mit barocker Orgelmusik...

Die Vielzahl der im Musikhandel erhältlichen CDs mit barocker Orgelmusik erfährt mit den hier eingespielten Stücken eine angenehme Bereicherung. Die gut getroffene Auswahl demonstriert zugleich ein Kapitel süddeutscher Orgelmusikgeschichte, die Johann Kaspar Kerll (1627-1693), Organist in Wien und München, und der in Stuttgart tätig gewesene Johann Jakob Froberger (1616-1667), der Schöpfer der Klaviersuite, mitgeprägt haben. Entscheidender Anteil an dieser Stilrichtung kommt auch Johann Pachelbel (1653-1706) zu, der die süddeutsche Orgelkunst Frobergers nach Mitteldeutschland gebracht und mit seinen Werken sowohl die in ihrem Pedalumfang zumeist recht beengte süddeutsche Orgel wie auch die mit der größeren Baßklaviatur ausgerüsteten Instrumente Mittel- und Norddeutschlands bedacht hat. Der Weltpriester Theodor Grünberger (1756-1820), in München nach der Säkularisation am Schullehrerseminar als Orgel- und Singkunstprofessor tätig, präsentiert sich mit seiner kurz vor der Jahrhundertwende geschriebenen zweiten Orgelmesse (ein Vergleich mit Max Regers Opus 59 ist nicht angebracht, obwohl er sich der Aktualität der Stücke wegen geradezu aufdrängt) als Vertreter der Wiener Klassik; er hat mit Mozart nicht nur das Geburtsjahr gemeinsam, sondern im „Cantabile“ („Unter der Wandlung“) besagter Orgelmesse auch die „Flötenuhrstimmung“ des großen Vorbildes getroffen.

Von Johann Sebastian Bach (1685-1750) werden zwei Frühwerke vorgestellt, die Praeludien und Fugen d-Moll und C-Dur (BWV 549a und 545a), sowie drei manualiter gespielte Choralfughetten aus der Kirnberger-Sammlung, die wieder eine geistige Klammer zu Pachelbel bilden.

Klemens Schnorr, vormals an der Musikhochschule München, jetzt in Freiburg/Br. Orgellehrer, weiß, daß bei der Orgel fast alles an der Registrierung und ihrem Wechsel liegt. An der zungenarmen Benediktbeuerner Barock-Orgel gelingt ihm eine sehr vitale Darstellung; die durch Terzchöre geprägte Klanggestalt des Instruments dient ihm dazu, die notwendigen, dem Charakter der jeweiligen Kompositionen entsprechenden Klangfarben einzusetzen. Die Klangqualität der Aufnahme läßt keine Wünsche offen.
Fono Forum

Rezension Fono Forum 11/1995 | D.W. | November 1, 1995 Auch diese Orgel hat eine bewegte Baugeschichte hinter sich; immerhin gehen 13...

Auch diese Orgel hat eine bewegte Baugeschichte hinter sich; immerhin gehen 13 Register (von 34) auf den Erbauer J. Chr. Egedacher (1686) zurück. Toccaten von Kerll, Froberger und Pachelbel erfahren eine farbige und transparente Darstellung. Da J.S. Bach diese Meister „geliebt und studiert“ hat, folgen drei seiner Weihnachtfughetten sowie die Frühfassungen von Praeludium und Fuge d-Moll BWV 549a (später in c-Moll) und C-Dur BWV 545a in überzeugender Wiedergabe. Von Theodor Grüneberger (1756-1820) ist die zweite Orgelmesse D-Dur hier zum ersten Male eingespielt, die Schnorr in sparsamster Registrierung zum reinen Hörvergnügen macht.

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