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Rezension klassik.com April 2007 | Stefan Frenzel | April 21, 2007 Dieskau reloaded

Ein wenig schmucklos kommt sie daher, die CD, auf der die frühen Tonzeugnisse...
RBB Kulturradio

Rezension RBB Kulturradio April 2007 | Astrid Belschner | April 16, 2007 Moderator: Dietrich Fischer-Dieskau hat so viele Platten aufgenommen, wie wohl...

Moderator:
Dietrich Fischer-Dieskau hat so viele Platten aufgenommen, wie wohl kein anderer Sänger. Nach dem Krieg hat er mit Liedern Konzerte gegeben, bald kam das Engagement an das Deutsche Opernhaus in Berlin, die heutige „Deutsche Oper“.
Nun wächst seine Discografie weiter, neue CDs sind mit ihm erschienen – sind das Wiederauflagen?

Belschner:
- ja und nein
- es sind Aufnahmen, die er in den 50-iger Jahren beim WDR gemacht hat, die dort im Rundfunkarchiv liegen, die nun auf CD erschienen sind
- Schumann, Schubert und Brahms, um den es jetzt hier bei uns geht
- und diese Brahms-CD enthält „Die schöne Magelone“ und noch 3 Lieder als Zugabe: Nachtwandler, Von ewiger Liebe und Waldeseinsamkeit

Moderator:
Die schöne Magelone ist ein altes Märchen, wurde von Ludwig Tieck niedergeschrieben und von Brahms vertont als Liederzyklus - warum wird der so selten aufgeführt?

Belschner:
- weil er eine schwere Form hat
- 1797 kleidete Ludwig Tieck den mittelalterlichen Stoff von der schönen Magelone und ihrem jugendlichen Grafen Peter, die nach einer Odyssee von Gefahren und Abenteuer endlich zueinander finden, in ein neues, romantisch-märchenhaftes Gewand.
- Und er hat 18 Romanzen, also Gedichte, in diese Erzählung eingewoben
- Johannes Brahms machte sich mehr als 60 Jahre später daran, 15 von diesen in Romanzen zu vertonen
- Brahms selbst war der Überzeugung, dass die Lieder für sich selbst sprächen, dass weder Sänger noch Publikum zu wissen brauchten, an welcher Stelle Tieck sie in sein Märchen eingestreut hat
- Wenige Jahre später änderte er seine Ansicht
- so wird der Zyklus nun sowohl mit als auch ohne gesprochenen Text aufgeführt
- hier liegt eine Fassung ohne Text vor, obwohl DFD oft den Text selber gelesen hat
- schade, dass ein so frühes Zeugnis seiner Rezitationskunst nicht als Mitschnitt oder Produktion vorliegt

[Hörbeispiel: audite, LC 04480, Track 1, Johannes Brahms: Keinen hat es noch gereut aus dem Zyklus „Die schöne Magelone“ nach Gedichten von Ludwig Tieck; Dietrich Fischer-Dieskau, Bariton, Hermann Reutter, Klavier, 3.37]

Moderator:
Hier war ja DFD noch jung - 1925 geboren, also Mitte 20.
War denn da alles schon so ausgereift und fertig, dass man diese frühen Aufnahmen überhaupt veröffentlichen muß?

Belschner:
- Natürlich hat auch so ein Ausnahmekünstler wie DFD eine Entwicklung durchgemacht.
- er war auf dem Weg zu dem Sänger, der er später wurde
- als reifer Sänger war er eine Autorität, an die sich kaum einer herantraute, weil bei ihm nichts Zufälliges war, alles hat er durchdacht gestaltet
- bei den frühen Aufnahmen probierte er noch aus, ging seine Grenzen, suchte aber schon damals die ideale Balance von Text und Musik
- suchte Perfektion, aber nicht um ihrer selbst willen
- seine frühen Aufnahmen besitzen auch jugendliche Spontanität, die es später natürlich nicht gibt
- und ich finde, man spürt sein Einfühlungsvermögen in die Gedankenwelt des jeweiligen Komponisten
- sind gültige Interpretationen, die einer Veröffentlichung durchaus wert sind

Moderator:
Er hat ja auch Bücher über verschiedene Komponisten herausgegeben, so auch zu Brahms
Ist das Buch eine Ergänzung zur Brahms-CD?

Belschner:
- hierfür natürlich eine tolle Ergänzung
- auch mit einer CD übrigens, mit anderen Liedern als hier auf unserer CD
- DFD beschreibt das Leben des Komponisten und sein Schaffen aus der Nähe, die ein Interpret zum Komponisten findet
- nicht jede Musikwissenschaftliche Kleinigkeit ist ausgeleuchtet, ich denke, es gibt auch ein paar offene Fragen
- aber man spürt, die Liebe zu dem Komponisten, das ihn verstehen-Wollen
- bringt uns so den Menschen Brahms nahe
- wunderbares Deutsch, zunächst kam es mir etwas antiquiert vor, aber ich finde es doch toll, dass es noch Künstler gibt, die die Schönheit unserer Sprache pflegen und ihre Vielfältigkeit benutzen

Moderator:
Das Besondere ist ja bei seinem Gesang der Umgang mit dem Text. Und es gibt ja auch Hörer, die seine Art zu singen nicht mögen. Wie sehen Sie das?

Belschner:
- Ich finde es immer wichtig, dass ein Sänger mit dem Text arbeitet, dass man merkt, dass er weiß, was er singt,
- dass er eine Haltung zu seinem Text, zu dem Lied oder der Rolle, die er verkörpert hat,
- was voraussetzt, dass der Sänger mit seiner Stimme spielen kann wie auf einem Instrument.

- die Balance zwischen Text und dem Gesang/ Wohlklang muß stimmig sein.
- Und das muß man von Fall zu Fall beurteilen, da gibt es keine Pauschalen.

- DFD hat sich bei den späten Aufnahmen und Konzerten der Text vielleicht etwas verselbständigt, aber es hat zu ihm und zu seiner Art Musik zu empfinden und wiederzugeben, gepasst. Jeder muß selber entscheiden, ob er da mitgehen kann.

- Hier steht er am Beginn dieses Weges.
- Man hört, dass er den Text für die Interpretation sehr wichtig nimmt und sehr zentral behandelt.
- man hört aber auch, dass er bereits eine so tolle Gesangstechnik besitzt, so dass er es sich leisten kann, sich so intensiv um den Text zu kümmern

- Brahms schrieb ja einmal an Clara Schumann, die Texte müssen nicht nur gesungen, sondern auch "durchlebt" werden - das schient eine Maxime von DFD zu sein

Moderator:
Ist er nun mehr ein Mann der Oper oder ein Liedsänger?

Belschner:
- idealerweise ist jeder große Sänger beides, so auch er
- er hat sicherlich sehr klug zwischen Oper und Lied gewechselt
- Lieder produzieren sich nur besser auf CD bzw. auf Platte

- wer viel Oper singt, beschäftigt sich gern zwischendurch mit Liedern, gibt Liederabende etc.
- Stimmhygiene, um mit der großen Form die Stimme nicht zu überfordern und mal runterzukommen
- dazwischen steht dann noch die Chorsinfonik

[Hörbeispiel: audite, LC 04480, Track 13+14, Johannes Brahms: Wie froh und frisch mein Sinn sich hebt und Treue Liebe dauert lange aus dem Zyklus „Die schöne Magelone“ nach Gedichten von Ludwig Tieck; Dietrich Fischer-Dieskau, Bariton, Hermann Reutter, Klavier, 2.18 und 4.30]

Moderator:
Ist es eine gelungene CD?

Belschner:
In jedem Fall, es gibt sicherlich viele Fans, die begeistert sind, eine neue CD mit DFD zu bekommen und Brahms Liederzykus hat es auch verdient, wieder so stimmig aufgelegt zu werden

- es ist nicht die Musik eines Anfängers, sondern er ist hier schon ein gestandener Sänger
- Furtwängler hat, als er ihn mit Mitte 20 hat singen hören, gesagt, wie es wohl komme, dass so ein junger Mann schon weiß, wie man das singt
- er war also ein Ausnahmetalent und es ist schön, ein Zeugnis davon in der Hand zu haben
- und die Vergleiche zwischen den frühen Aufnahmen und den späten sind schon für die Gesangsfans sehr interessant

es gibt - wie gesagt - auf der CD noch 3 Zugaben zur schönen Magelone: Nachtwandler, Von ewiger Liebe und Waldeseinsamkeit

[Hörbeispiel: audite, LC 04480, Track 17, Johannes Brahms: Waldeseinsamkeit, op. 85 Nr. 6; Dietrich Fischer-Dieskau, Bariton, Hermann Reutter, Klavier, 2.44]
Pizzicato

Rezension Pizzicato 5/2007 | Guy Wagner | May 1, 2007 Wie viele Einspielungen der 'Winterreise' mit Dietrich Fischer-Dieskau es gibt,...

Wie viele Einspielungen der 'Winterreise' mit Dietrich Fischer-Dieskau es gibt, hätte ich nicht zu sagen gewusst, aber das Beiheft einer Neuveröffentlichung bei Audite hat mich aufgeklärt. Allein zehn entstanden mit ihm zwischen 1948 und 1990, und zwei Dutzend weitere Aufzeichnungen ruhen noch unveröffentlicht in den Archiven.

Nun kam eine weitere hinzu. Sie ist eine der frühesten und stammt von 1952, hat demnach 55 Jahre auf dem Buckel, wirkt aber erstaunlich frisch, auch von der Aufnahmequalität her: Es handelt sich um eine Rundfunkproduktion des WDR.

Fischer-Dieskau hatte gerade einmal 27 Jahre, als er diese 'Winterreise' sang, und war bereits ein reifer Künstler. Mit brillanter Intelligenz setzte er sich mit dieser Reise ans Ende der Nacht auseinander. Seine Stimme ist warm, abgerundet, ausgewogen und versteht es prachtvoll, durch feinste Modulationen alle Stimmungsschwankungen zu verdeutlichen. Er kann ebenso zurückhaltend und introvertiert singen wie zu eindringlichen Ausbrüchen kommen, ohne dass diese je übertrieben oder manieriert wären. Seine Stimme wirkt auch nie gequetscht oder gepresst, wie das in späteren Aufnahmen manchmal der Fall ist. Vor allem aber beeindruckt die Intelligenz, mit der Fischer-Dieskau die Höhen und Tiefen dieser Seelenwanderung auslotet, und seine phänomenale bereits voll ausgereifte Kunst, Melodien mit Sinn zu füllen.

Überzeugend ist auch sein Partner, Hermann Reutter, selbst ein ausgezeichneter Liedkomponist. Er macht, im Wechselspiel mit der Gestaltung des Sängers, aus der Klavierbegleitung ein eigenständiges Psychodrama. Reutter erinnert mich an einen anderen Komponisten, Aribert Reimann, der ein exemplarischer Begleiter für Brigitte Fassbaender in der 'Winterreise' wurde.

Dies ist demnach eine überaus wichtige Veröffentlichung, nicht nur als Glied in der einzigartigen Karriere von Fischer-Dieskau, sondern als eine Gestaltung des größten Liedzyklus der Musikgeschichte, die nichts an Frische und Aktualität eingebüßt hat.
Pizzicato

Rezension Pizzicato 5/2007 | Guy Wagner | May 1, 2007 Wunderbar frisch

Kurz nach Veröffentlichung der WDR-Winterreise, stellt Audite drei weitere Liedeinspielungen aus den 50er Jahren mit Dietrich Fischer-Dieskau vor, die vom Westdeutschen Rundfunk aufgenommen wurden und wunderbar frisch (monaural) klingen.

Wunderbar frisch ist auch die Stimme des großen Pioniers des Liedes. Mein Gott, jeder der sich an diese so schwierige und gefahrvolle Domäne heranwagt, müsste sich vorher als Pflichtübung diese Aufnahmen des jungen Meister sozusagen als Lehrstücke anhören.

In den ausgewählten Liedern aus dem so genannten Zyklus 'Schwanengesang' hat DFD die dramatischsten und sensibelsten ausgewählt: 'Liebesbotschaft' nach Rellstab, und 'Der Atlas', 'Ihr Bild', 'Die Stadt', 'Am Meer' von Heine. Nur 'Der Doppelgänger' fehlt in dieser Reihe. Dafür hat der Sänger 'Die Taubenpost' ausgewählt und daraus ein Kabinettstück gemacht. Eine besondere Kostbarkeit ist auch 'Der Erlkönig', in dem er mit einer Intelligenz und zugleich eine außerordentlichen, aber gebändigten Intensität bis an die Grenzen der eigenen Möglichkeiten geht. Und wie schön ist die Spontaneität von 'Prometheus', wo er Hertha Klust zur Partnerin hat! Im übrigen ist es der getreue Günther Weißenborn, der behutsam, aufmerksam und zuverlässig begleitet, ohne allerdings immer der Genialität des Gesangs gerecht zu werden. Das ist besonders in der 'Taubenpost' bemerkbar.

Eine Pioniertat vollbrachte Fischer-Dieskau mit der Aufnahme von 'Die Schöne Magelone' von Johannes Brahms. Er war, so weit uns bekannt ist, der erste, der die Romanzen überhaupt einspielte, und er tat es mit einem solchen Feuer, einer so frischen Männlichkeit und einer so farbenreichen Darstellung, dass diese leuchtende Interpretation zu Ehrenrettung Brahms' als Liedkomponist wird. Wie in der 'Winterreise', wird Fischer-Dieskau hier von Hermann Reutter begleitet, der nicht zögert, mit dem Sänger das Wagnis einer expressiven, klanglich und gesanglich aufs Äußerste hinzielenden Deutung einzugehen. Drei weitere Brahms-Lieder, diesmal von Günther Weißenborn begleitet, runden die bemerkenswerte CD ab. Es fehlen aber in dieser Aufnahme die begleitenden Prosatexte, die heute immer zu Recht auch aufgenommen werden, um den Zusammenhang der 'Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence' von Ludwig Tieck besser verständlich zu machen. Klugerweise sind sie aber im Booklet abgedruckt.

Das ist leider nicht der Fall für die Liedtexte, die Schubert benutzte, und auch nicht für die der vierten CD, die zwei Schumann-Zyklen vorbehalten ist: den 'Kerner-Liedern' op. 35 und dem 'Liederkreis' op. 39 von Eichendorff. Wie viel Poesie doch diese Aufnahme des 'Liederkreises' von 1955 hat! Unglaublich erscheint das Spektrum der Möglichkeiten des Sängers. Hier gelingt ihm eine einschmeichelnde Zurückhaltung und Verinnerlichung, die der Intimität der Gedichte sehr zugute kommt. Dabei unterstützt ihn Günther Weißenborn sehr sensibel. Etwas von dieser Sensibilität fehlt allerdings Hertha Klust in der Begleitung der 'Kerner-Liedern', die denn auch nicht ganz die emotionale Spannung der anderen Aufnahmen haben.

Es gibt für diese CDs von Audite sehr gute Kommentare von Kurt Malisch, sowohl zu den Werken selbst als zu Fischer-Dieskau riesigem Aufnahme-Angebot. Umso bedauerlicher ist daher, dass die andern Liedtexte fehlen und bei der Schubert Collection nicht einmal die verschiedenen Dichter angegeben werden, was angebracht gewesen wäre, denn bestimmt weiß nicht jeder, dass etwa der Text zu 'An die Musik' von Schuberts engstem Freund Franz von Schober (1798-1882) stammt.
Pizzicato

Rezension Pizzicato 5/2007 | Guy Wagner | May 1, 2007 Wunderbar frisch

Kurz nach Veröffentlichung der WDR-Winterreise, stellt Audite drei weitere Liedeinspielungen aus den 50er Jahren mit Dietrich Fischer-Dieskau vor, die vom Westdeutschen Rundfunk aufgenommen wurden und wunderbar frisch (monaural) klingen.

Wunderbar frisch ist auch die Stimme des großen Pioniers des Liedes. Mein Gott, jeder der sich an diese so schwierige und gefahrvolle Domäne heranwagt, müsste sich vorher als Pflichtübung diese Aufnahmen des jungen Meister sozusagen als Lehrstücke anhören.

In den ausgewählten Liedern aus dem so genannten Zyklus 'Schwanengesang' hat DFD die dramatischsten und sensibelsten ausgewählt: 'Liebesbotschaft' nach Rellstab, und 'Der Atlas', 'Ihr Bild', 'Die Stadt', 'Am Meer' von Heine. Nur 'Der Doppelgänger' fehlt in dieser Reihe. Dafür hat der Sänger 'Die Taubenpost' ausgewählt und daraus ein Kabinettstück gemacht. Eine besondere Kostbarkeit ist auch 'Der Erlkönig', in dem er mit einer Intelligenz und zugleich eine außerordentlichen, aber gebändigten Intensität bis an die Grenzen der eigenen Möglichkeiten geht. Und wie schön ist die Spontaneität von 'Prometheus', wo er Hertha Klust zur Partnerin hat! Im übrigen ist es der getreue Günther Weißenborn, der behutsam, aufmerksam und zuverlässig begleitet, ohne allerdings immer der Genialität des Gesangs gerecht zu werden. Das ist besonders in der 'Taubenpost' bemerkbar.

Eine Pioniertat vollbrachte Fischer-Dieskau mit der Aufnahme von 'Die Schöne Magelone' von Johannes Brahms. Er war, so weit uns bekannt ist, der erste, der die Romanzen überhaupt einspielte, und er tat es mit einem solchen Feuer, einer so frischen Männlichkeit und einer so farbenreichen Darstellung, dass diese leuchtende Interpretation zu Ehrenrettung Brahms' als Liedkomponist wird. Wie in der 'Winterreise', wird Fischer-Dieskau hier von Hermann Reutter begleitet, der nicht zögert, mit dem Sänger das Wagnis einer expressiven, klanglich und gesanglich aufs Äußerste hinzielenden Deutung einzugehen. Drei weitere Brahms-Lieder, diesmal von Günther Weißenborn begleitet, runden die bemerkenswerte CD ab. Es fehlen aber in dieser Aufnahme die begleitenden Prosatexte, die heute immer zu Recht auch aufgenommen werden, um den Zusammenhang der 'Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence' von Ludwig Tieck besser verständlich zu machen. Klugerweise sind sie aber im Booklet abgedruckt.

Das ist leider nicht der Fall für die Liedtexte, die Schubert benutzte, und auch nicht für die der vierten CD, die zwei Schumann-Zyklen vorbehalten ist: den 'Kerner-Liedern' op. 35 und dem 'Liederkreis' op. 39 von Eichendorff. Wie viel Poesie doch diese Aufnahme des 'Liederkreises' von 1955 hat! Unglaublich erscheint das Spektrum der Möglichkeiten des Sängers. Hier gelingt ihm eine einschmeichelnde Zurückhaltung und Verinnerlichung, die der Intimität der Gedichte sehr zugute kommt. Dabei unterstützt ihn Günther Weißenborn sehr sensibel. Etwas von dieser Sensibilität fehlt allerdings Hertha Klust in der Begleitung der 'Kerner-Liedern', die denn auch nicht ganz die emotionale Spannung der anderen Aufnahmen haben.

Es gibt für diese CDs von Audite sehr gute Kommentare von Kurt Malisch, sowohl zu den Werken selbst als zu Fischer-Dieskau riesigem Aufnahme-Angebot. Umso bedauerlicher ist daher, dass die andern Liedtexte fehlen und bei der Schubert Collection nicht einmal die verschiedenen Dichter angegeben werden, was angebracht gewesen wäre, denn bestimmt weiß nicht jeder, dass etwa der Text zu 'An die Musik' von Schuberts engstem Freund Franz von Schober (1798-1882) stammt.
Pizzicato

Rezension Pizzicato 5/2007 | Guy Wagner | May 1, 2007 Wunderbar frisch

Kurz nach Veröffentlichung der WDR-Winterreise, stellt Audite drei weitere Liedeinspielungen aus den 50er Jahren mit Dietrich Fischer-Dieskau vor, die vom Westdeutschen Rundfunk aufgenommen wurden und wunderbar frisch (monaural) klingen.

Wunderbar frisch ist auch die Stimme des großen Pioniers des Liedes. Mein Gott, jeder der sich an diese so schwierige und gefahrvolle Domäne heranwagt, müsste sich vorher als Pflichtübung diese Aufnahmen des jungen Meister sozusagen als Lehrstücke anhören.

In den ausgewählten Liedern aus dem so genannten Zyklus 'Schwanengesang' hat DFD die dramatischsten und sensibelsten ausgewählt: 'Liebesbotschaft' nach Rellstab, und 'Der Atlas', 'Ihr Bild', 'Die Stadt', 'Am Meer' von Heine. Nur 'Der Doppelgänger' fehlt in dieser Reihe. Dafür hat der Sänger 'Die Taubenpost' ausgewählt und daraus ein Kabinettstück gemacht. Eine besondere Kostbarkeit ist auch 'Der Erlkönig', in dem er mit einer Intelligenz und zugleich eine außerordentlichen, aber gebändigten Intensität bis an die Grenzen der eigenen Möglichkeiten geht. Und wie schön ist die Spontaneität von 'Prometheus', wo er Hertha Klust zur Partnerin hat! Im übrigen ist es der getreue Günther Weißenborn, der behutsam, aufmerksam und zuverlässig begleitet, ohne allerdings immer der Genialität des Gesangs gerecht zu werden. Das ist besonders in der 'Taubenpost' bemerkbar.

Eine Pioniertat vollbrachte Fischer-Dieskau mit der Aufnahme von 'Die Schöne Magelone' von Johannes Brahms. Er war, so weit uns bekannt ist, der erste, der die Romanzen überhaupt einspielte, und er tat es mit einem solchen Feuer, einer so frischen Männlichkeit und einer so farbenreichen Darstellung, dass diese leuchtende Interpretation zu Ehrenrettung Brahms' als Liedkomponist wird. Wie in der 'Winterreise', wird Fischer-Dieskau hier von Hermann Reutter begleitet, der nicht zögert, mit dem Sänger das Wagnis einer expressiven, klanglich und gesanglich aufs Äußerste hinzielenden Deutung einzugehen. Drei weitere Brahms-Lieder, diesmal von Günther Weißenborn begleitet, runden die bemerkenswerte CD ab. Es fehlen aber in dieser Aufnahme die begleitenden Prosatexte, die heute immer zu Recht auch aufgenommen werden, um den Zusammenhang der 'Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence' von Ludwig Tieck besser verständlich zu machen. Klugerweise sind sie aber im Booklet abgedruckt.

Das ist leider nicht der Fall für die Liedtexte, die Schubert benutzte, und auch nicht für die der vierten CD, die zwei Schumann-Zyklen vorbehalten ist: den 'Kerner-Liedern' op. 35 und dem 'Liederkreis' op. 39 von Eichendorff. Wie viel Poesie doch diese Aufnahme des 'Liederkreises' von 1955 hat! Unglaublich erscheint das Spektrum der Möglichkeiten des Sängers. Hier gelingt ihm eine einschmeichelnde Zurückhaltung und Verinnerlichung, die der Intimität der Gedichte sehr zugute kommt. Dabei unterstützt ihn Günther Weißenborn sehr sensibel. Etwas von dieser Sensibilität fehlt allerdings Hertha Klust in der Begleitung der 'Kerner-Liedern', die denn auch nicht ganz die emotionale Spannung der anderen Aufnahmen haben.

Es gibt für diese CDs von Audite sehr gute Kommentare von Kurt Malisch, sowohl zu den Werken selbst als zu Fischer-Dieskau riesigem Aufnahme-Angebot. Umso bedauerlicher ist daher, dass die andern Liedtexte fehlen und bei der Schubert Collection nicht einmal die verschiedenen Dichter angegeben werden, was angebracht gewesen wäre, denn bestimmt weiß nicht jeder, dass etwa der Text zu 'An die Musik' von Schuberts engstem Freund Franz von Schober (1798-1882) stammt.
Pforzheimer Zeitung

Rezension Pforzheimer Zeitung | Thomas Weiss | August 24, 2006 Brahms und Gernsheim

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