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Fono Forum

Rezension Fono Forum Juli 2007 | Gerhard Persché | July 1, 2007 Fidi vor der Priesterweihe

Dietrich Fischer-Dieskau war schon früh zur Ikone geworden – vor allem im Bereich des deutschsprachigen Lieds. Dass er im Unterschied zu den auch als Liedinterpreten reüssierenden Fachkollegen früherer Generationen wie Heinrich Schlusnus oder Gerhard Hüsch, die den Ausdruck schlicht und direkt aus der Musik entwickelten, eher zur emphatischen Wortakzentuierung und zur didaktischen Textinterpretation neigte, sah man durchaus als Errungenschaft an. Fischer-Dieskaus Interpretationsstil wurde, wie Ulrich Schreiber es ironisch beschrieb, „zur priesterlichen Verbindlichkeit hochgespielt“, an ihm wurde gemessen, mit ihm wurde verglichen – auch er selbst. Gerade aus solcher Perspektive ist die 1952 beim WDR in Köln eingespielte und nun erstmals auf CD veröffentlichte Aufnahme des damals 27-Jährigen von „Die schöne Magelone“ – mit dem heute vor allem als Komponist in Erinnerung gebliebenen Hermann Reutter am Klavier – interessant.

Durch Fischer-Dieskaus Einsatz wurde das Werk, in das Johannes Brahms zwischen 1861 und 1868 fünfzehn Romanzen aus Ludwig Tiecks Roman „Die wundersame Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter aus der Provence“ umgegossen hatte, wohl dem Repertoire wiedergegeben. Oft ist der Sänger zu diesem frühromantischen Traum vom Mittelalter zurückgekehrt, mit den Begleitern Jörg Demus (1957), Gerald Moore (1964), Svjatoslav Richter (1970), Daniel Barenboim (1978-82), wobei auch ein interpretatorischer Paradigmenwechsel deutlich wurde. Die hier beschriebene frühe Einspielung dokumentiert, um Ulrich Schreiber zu paraphrasieren, quasi einen Dieskau-Stil vor der Priesterweihe. Denn die typische Detaildeklamation, das zum Ausdrucksprinzip erhobene Non-legato, das Kritiker an den späteren Interpretationen des Baritons monierten, ist hier noch keineswegs ausgeprägt. Vielmehr scheint der Text zumeist in die musikalische Linie eingeschmolzen; Dieskau singt mit kernigem, virilem Ton und großer Natürlichkeit, verbindet das Expressiv-Eindringliche mit den zartesten Nuancen. Die Manierismen der 1960er, 1970er Jahre fehlen fast vollständig. Dass der Zyklus auch als „Ersatzoper“ des der Theaterbühne nicht zugeneigten Komponisten gilt, kommt der Auffassung Fischer-Dieskaus entgegen – waren für den Sänger nach eigenem Bekenntnis die Lied- und die Opernkunst doch untrennbar miteinander verbunden. Dass die Einspielung auf einen die erklärenden Prosatexte rezitierenden Sprecher verzichtet (sie sind in gekürzter Form im Booklet nachzulesen) und dass der Sänger die Nummer 13, das Lied der Türkin Sulima ausspart – im Duktus des Werks ohnehin als Fremdkörper gemeint und dramaturgisch stimmiger von einer Frauenstimme vorzutragen –, fällt nicht wirklich ins Gewicht.

Was über Dietrich Fischer-Dieskaus Interpretation der „Schönen Magelone“ gesagt wurde, gilt durchaus auch für die weiteren hier behandelten Veröffentlichungen aus dem WDR-Archiv, CDs mit ausgewählten Liedern Schuberts sowie den Schumannschen Kerner-Liedern op. 35 und dem Liederkreis op. 39. Eingespielt 1954/55 mit Hertha Klust bzw. Günther Weißenborn, fasziniert die intime Intensität der Interpretationen, in den Schumann-Zyklen wie bei den Schubert-Liedern. Fischer-Dieskau beeindruckt mit Legato-Kunst, flüssiger Phrasenbildung (pars pro toto in Schuberts „Liebesbotschaft“) und treibt andererseits das Dramatische (wie in „Der Atlas“) nicht ins Krasse, sondern gestaltet im Vergleich zu späteren Interpretationen insgesamt mit wohltuender Schlichtheit. Vorzüglich auch die Booklet-Beiträge, in denen Kurt Malisch die WDR-Aufnahmen in Fischer-Dieskaus Lebenswerk sowie vergleichend in den Katalog aller vorliegenden Einspielungen einzuordnen sucht.
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Rezension Fono Forum Juli 2007 | Gerhard Persché | July 1, 2007 Fidi vor der Priesterweihe

Dietrich Fischer-Dieskau war schon früh zur Ikone geworden – vor allem im Bereich des deutschsprachigen Lieds. Dass er im Unterschied zu den auch als Liedinterpreten reüssierenden Fachkollegen früherer Generationen wie Heinrich Schlusnus oder Gerhard Hüsch, die den Ausdruck schlicht und direkt aus der Musik entwickelten, eher zur emphatischen Wortakzentuierung und zur didaktischen Textinterpretation neigte, sah man durchaus als Errungenschaft an. Fischer-Dieskaus Interpretationsstil wurde, wie Ulrich Schreiber es ironisch beschrieb, „zur priesterlichen Verbindlichkeit hochgespielt“, an ihm wurde gemessen, mit ihm wurde verglichen – auch er selbst. Gerade aus solcher Perspektive ist die 1952 beim WDR in Köln eingespielte und nun erstmals auf CD veröffentlichte Aufnahme des damals 27-Jährigen von „Die schöne Magelone“ – mit dem heute vor allem als Komponist in Erinnerung gebliebenen Hermann Reutter am Klavier – interessant.

Durch Fischer-Dieskaus Einsatz wurde das Werk, in das Johannes Brahms zwischen 1861 und 1868 fünfzehn Romanzen aus Ludwig Tiecks Roman „Die wundersame Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter aus der Provence“ umgegossen hatte, wohl dem Repertoire wiedergegeben. Oft ist der Sänger zu diesem frühromantischen Traum vom Mittelalter zurückgekehrt, mit den Begleitern Jörg Demus (1957), Gerald Moore (1964), Svjatoslav Richter (1970), Daniel Barenboim (1978-82), wobei auch ein interpretatorischer Paradigmenwechsel deutlich wurde. Die hier beschriebene frühe Einspielung dokumentiert, um Ulrich Schreiber zu paraphrasieren, quasi einen Dieskau-Stil vor der Priesterweihe. Denn die typische Detaildeklamation, das zum Ausdrucksprinzip erhobene Non-legato, das Kritiker an den späteren Interpretationen des Baritons monierten, ist hier noch keineswegs ausgeprägt. Vielmehr scheint der Text zumeist in die musikalische Linie eingeschmolzen; Dieskau singt mit kernigem, virilem Ton und großer Natürlichkeit, verbindet das Expressiv-Eindringliche mit den zartesten Nuancen. Die Manierismen der 1960er, 1970er Jahre fehlen fast vollständig. Dass der Zyklus auch als „Ersatzoper“ des der Theaterbühne nicht zugeneigten Komponisten gilt, kommt der Auffassung Fischer-Dieskaus entgegen – waren für den Sänger nach eigenem Bekenntnis die Lied- und die Opernkunst doch untrennbar miteinander verbunden. Dass die Einspielung auf einen die erklärenden Prosatexte rezitierenden Sprecher verzichtet (sie sind in gekürzter Form im Booklet nachzulesen) und dass der Sänger die Nummer 13, das Lied der Türkin Sulima ausspart – im Duktus des Werks ohnehin als Fremdkörper gemeint und dramaturgisch stimmiger von einer Frauenstimme vorzutragen –, fällt nicht wirklich ins Gewicht.

Was über Dietrich Fischer-Dieskaus Interpretation der „Schönen Magelone“ gesagt wurde, gilt durchaus auch für die weiteren hier behandelten Veröffentlichungen aus dem WDR-Archiv, CDs mit ausgewählten Liedern Schuberts sowie den Schumannschen Kerner-Liedern op. 35 und dem Liederkreis op. 39. Eingespielt 1954/55 mit Hertha Klust bzw. Günther Weißenborn, fasziniert die intime Intensität der Interpretationen, in den Schumann-Zyklen wie bei den Schubert-Liedern. Fischer-Dieskau beeindruckt mit Legato-Kunst, flüssiger Phrasenbildung (pars pro toto in Schuberts „Liebesbotschaft“) und treibt andererseits das Dramatische (wie in „Der Atlas“) nicht ins Krasse, sondern gestaltet im Vergleich zu späteren Interpretationen insgesamt mit wohltuender Schlichtheit. Vorzüglich auch die Booklet-Beiträge, in denen Kurt Malisch die WDR-Aufnahmen in Fischer-Dieskaus Lebenswerk sowie vergleichend in den Katalog aller vorliegenden Einspielungen einzuordnen sucht.
Fono Forum

Rezension Fono Forum Juli 2007 | Gerhard Persché | July 1, 2007 Fidi vor der Priesterweihe

Dietrich Fischer-Dieskau war schon früh zur Ikone geworden – vor allem im Bereich des deutschsprachigen Lieds. Dass er im Unterschied zu den auch als Liedinterpreten reüssierenden Fachkollegen früherer Generationen wie Heinrich Schlusnus oder Gerhard Hüsch, die den Ausdruck schlicht und direkt aus der Musik entwickelten, eher zur emphatischen Wortakzentuierung und zur didaktischen Textinterpretation neigte, sah man durchaus als Errungenschaft an. Fischer-Dieskaus Interpretationsstil wurde, wie Ulrich Schreiber es ironisch beschrieb, „zur priesterlichen Verbindlichkeit hochgespielt“, an ihm wurde gemessen, mit ihm wurde verglichen – auch er selbst. Gerade aus solcher Perspektive ist die 1952 beim WDR in Köln eingespielte und nun erstmals auf CD veröffentlichte Aufnahme des damals 27-Jährigen von „Die schöne Magelone“ – mit dem heute vor allem als Komponist in Erinnerung gebliebenen Hermann Reutter am Klavier – interessant.

Durch Fischer-Dieskaus Einsatz wurde das Werk, in das Johannes Brahms zwischen 1861 und 1868 fünfzehn Romanzen aus Ludwig Tiecks Roman „Die wundersame Liebesgeschichte der schönen Magelone und des Grafen Peter aus der Provence“ umgegossen hatte, wohl dem Repertoire wiedergegeben. Oft ist der Sänger zu diesem frühromantischen Traum vom Mittelalter zurückgekehrt, mit den Begleitern Jörg Demus (1957), Gerald Moore (1964), Svjatoslav Richter (1970), Daniel Barenboim (1978-82), wobei auch ein interpretatorischer Paradigmenwechsel deutlich wurde. Die hier beschriebene frühe Einspielung dokumentiert, um Ulrich Schreiber zu paraphrasieren, quasi einen Dieskau-Stil vor der Priesterweihe. Denn die typische Detaildeklamation, das zum Ausdrucksprinzip erhobene Non-legato, das Kritiker an den späteren Interpretationen des Baritons monierten, ist hier noch keineswegs ausgeprägt. Vielmehr scheint der Text zumeist in die musikalische Linie eingeschmolzen; Dieskau singt mit kernigem, virilem Ton und großer Natürlichkeit, verbindet das Expressiv-Eindringliche mit den zartesten Nuancen. Die Manierismen der 1960er, 1970er Jahre fehlen fast vollständig. Dass der Zyklus auch als „Ersatzoper“ des der Theaterbühne nicht zugeneigten Komponisten gilt, kommt der Auffassung Fischer-Dieskaus entgegen – waren für den Sänger nach eigenem Bekenntnis die Lied- und die Opernkunst doch untrennbar miteinander verbunden. Dass die Einspielung auf einen die erklärenden Prosatexte rezitierenden Sprecher verzichtet (sie sind in gekürzter Form im Booklet nachzulesen) und dass der Sänger die Nummer 13, das Lied der Türkin Sulima ausspart – im Duktus des Werks ohnehin als Fremdkörper gemeint und dramaturgisch stimmiger von einer Frauenstimme vorzutragen –, fällt nicht wirklich ins Gewicht.

Was über Dietrich Fischer-Dieskaus Interpretation der „Schönen Magelone“ gesagt wurde, gilt durchaus auch für die weiteren hier behandelten Veröffentlichungen aus dem WDR-Archiv, CDs mit ausgewählten Liedern Schuberts sowie den Schumannschen Kerner-Liedern op. 35 und dem Liederkreis op. 39. Eingespielt 1954/55 mit Hertha Klust bzw. Günther Weißenborn, fasziniert die intime Intensität der Interpretationen, in den Schumann-Zyklen wie bei den Schubert-Liedern. Fischer-Dieskau beeindruckt mit Legato-Kunst, flüssiger Phrasenbildung (pars pro toto in Schuberts „Liebesbotschaft“) und treibt andererseits das Dramatische (wie in „Der Atlas“) nicht ins Krasse, sondern gestaltet im Vergleich zu späteren Interpretationen insgesamt mit wohltuender Schlichtheit. Vorzüglich auch die Booklet-Beiträge, in denen Kurt Malisch die WDR-Aufnahmen in Fischer-Dieskaus Lebenswerk sowie vergleichend in den Katalog aller vorliegenden Einspielungen einzuordnen sucht.
Kölner Stadtanzeiger

Rezension Kölner Stadtanzeiger April 2007 | Olaf Weiden | April 24, 2007 Perlen aus dem Klassik-Archiv

„WDR: The Cologne Broadcasts“ nennt sich ein neues Label, das die Aufnahmen...
Kölner Stadtanzeiger

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Pizzicato

Rezension Pizzicato 6/2007 | Rémy Franck | June 1, 2007 Lebensfrohe Kammermusik

Seit Jahren betätigt sich Audite als Promotor der Kammermusikwerke von Eduard Franck und dessen Sohn Richard. Auf der vorliegenden CD geht es vorrangig um Klavierquartette von Richard Franck, deren entzückend melodiöse Musik wohl jedem Kammermusikfreund gefallen muss. Das unmittelbar Frohsinn zum Ausdruck bringende Klavierquartett op. 33 garantiert eine gute halbe Stunde graziöser, unbeschwerter Kammermusik, die mit einem ungestümen und von Lebenslust überschäumenden Finale beendet wird. Das Quartett op. 41 'In einem Satz' sei «voll poetischen Zaubers, blühender Farbpracht und sprühenden Lebens», schrieb die Kritik. Das kann der Hörer dieser SACD voll und ganz nachvollziehen. Hier wie auch im Opus 33 sowie in den 3 Fantasien für Klavier zeigen sich die Interpreten als engagierte Musiker, welche die Musik von Richard Franck stimmungs- und temperamentvoll wiedergeben. Wer diese Musik erlebt, darf sich glücklich schätzen!
Pizzicato

Rezension Pizzicato 6/2007 | Isabelle Trüb | June 1, 2007 Nicolas Bringuier campe un Schumann poétique et délicat au fil de ces pages...

Nicolas Bringuier campe un Schumann poétique et délicat au fil de ces pages pour piano seul. La mélodie privilégie souvent les aigus au dépend des basses, donnant une interprétation lumineuse mais sans beaucoup de relief. L'excellente prise de son et les sonorités cristallines, mises en valeur par un emploi économe de la pédale, charmeront sans aucun doute. Il faut toutefois attendre la Fantaisie op. 17 pour se laisser emporter par un flux de passion. Une lecture lyrique, transparente et sans ombre qui rend hommage à ces partitions romantiques tout en gommant les aspects inquiétants du génie schumannien.
Pizzicato

Rezension Pizzicato 6/2007 | Rémy Franck | June 1, 2007 Karl Böhm war ein guter und zuverlässiger Kapellmeister. So präsentiert er...

Karl Böhm war ein guter und zuverlässiger Kapellmeister. So präsentiert er sich auch auf dieser Platte, mit einem hervorragenden, nuancen- und farbenreichen Don Juan, einer für damalige Verhältnisse rundum geglückten Mozart-Sinfonie und einer klanglich detailreichen, aber etwas spannungsarmen Feuervogel-Suite. Für Böhm-Verehrer ist dies aber sicher ein gutes Souvenir an den Maestro.

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