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NDR Kultur

Rezension NDR Kultur 1. August 2007, 15.30 Uhr | Elisabeth Richter | August 1, 2007 Hohe Qualität abseits der "big names"

Das Mandelring Quartett ist seit dem Gewinn des ARD-Wettbewerbs in München und weiterer bedeutender Kammermusik-Wettbewerbe eines der herausragenden Quartette in Deutschland und weltweit. Zahlreiche Konzerte und CD-Produktionen belegen dies. In einer auf drei Volumes angelegten Serie kombiniert das Mandelring Quartett Streichquartette von Johannes Brahms und seinen Zeitgenossen. Gerade ist Volume 2 mit einem Quartett von Heinrich von Herzogenberg erschienen.

Man spürt es von der ersten Note an: Heinrich von Herzogenberg war ein unruhiger Geist, der aber auszudrücken wusste, was er sagen wollte. Dabei kommt auch ein zarter und verinnerlichter Ton nicht zu kurz, wie im Quartett g-moll op. 42. Herzogenberg verstand sein Handwerk, und vermutlich hätte er es nicht nötig gehabt, den zehn Jahre älteren Freund und Kollegen Johannes Brahms über alle Maßen zu bewundern: "Der Gedanke an ihn", schrieb Herzogenberg, "und sein Urtheil hat aus mir gemacht soviel eben wurde; er war mein Fleiß, mein Ehrgeiz, mein Muth".

Brahms B-Dur Quartett op. 67 spielt das Mandelring Quartett ebenso transparent, und klar konturiert, mit warmem, homogenem Klang und spannungsreicher Dynamik wie das Herzogenberg-Quartett. Es ist eine lohnende und verdienstvolle Idee des Mandelrings Quartetts, Brahms und seine komponierenden Zeitgenossen einander gegenüberzustellen: Wie schon der in Volume 1 präsentierte Friedrich Gernsheim, so schneidet auch Herzogenberg ziemlich gut ab. Der wild düstere Kopfsatz steht Brahms in nichts nach. Allenfalls in der Gesamt-Architektur, in der großen Form ist Brahms vielleicht überlegen. Herzogenbergs Quartett steckt voller charmanter Einfälle, rhythmischer Vertracktheiten oder Reminiszenzen an alte Formen.

Diese CD ist für Kammermusik-Freunde und -Fans auf jeden Fall ein Muss, zum einen, weil es Herzogenberg als kompetenten Komponisten zu entdecken und zu würdigen gilt, und es eben jenseits der "big-names" viel Qualität gibt, und zum anderen, weil es eine pure Freude ist, die ebenso analytisch-genau gearbeiteten wie liebe- und lustvoll und musikantisch präsentierten Interpretationen des Mandelring Quartetts zu hören.
Fono Forum

Rezension Fono Forum 9/2007 | Thomas Schulz | September 1, 2007 Gefährdet

Wie schon in der ersten Folge ihrer Gesamteinspielung der Schostakowitsch-Quartette legt das Mandelring-Quartett packende Interpretationen vor. Es versteckt die zahlreichen Ecken und Kanten nicht, ohne indes die Musik auf ihren Aggressionsgehalt zu reduzieren. Besonders eindrucksvoll gerät die Lesart des sechsten Quartetts, in dem das bei Schostakowitsch essentielle Gefährdungspotential unter einer scheinbar friedlichen Oberfläche verborgen liegt. Vorbildlich realisieren die Geschwister Sebastian, Nanette und Bernhard Schmidt sowie der Bratschist Roland Glassl hier das Schwanken zwischen heiterer Terzenseligkeit und latentem Sarkasmus. So interpretiert, erfährt das stets etwas vernachlässigte Opus seine verdiente Ehrenrettung.

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