Das Divertimento für Violine und Klavier von Igor Strawinsky, entstanden 1932 als Bearbeitung seines Balletts Der Kuss der Fee, und die Sonate für Violine und Klavier von Dimitri Schostakowitsch, komponiert 1968 anlässlich des 60. Geburtstags von David Oistrach, könnten kaum entgegengesetzter sein:
Bei Strawinskys Werk handelt es sich um eine geistvolle Hommage von Salonliedern und Klavierstücken Tschaikowskys, bei Schostakowitsch dagegen um einen tiefsinnigen und rätselhaften Beitrag zur Gattung der Violinsonate. Beiden Werken ist jedoch die Vorliebe für eine allegorische bzw. tief verrätselte Klangsprache und -symbolik gemeinsam, die im Falle Strawinskys zu einer glanzvollen, aber auch kühlen „Musik über Musik“ führt, bei Schostakowitsch dagegen zu einer Art innerer Biografie. Die Herausforderung und der Reiz für Interpreten, diese beiden Stücke auf einer SACD oder im selben Konzert miteinander zu konfrontieren, besteht nicht zuletzt darin, gemeinsamen kulturellen, musikalischen und politischen Erfahrungen und Werten beider Komponisten nachzuspüren, wie es Judith Ingolfsson und Vladimir Stoupel in der vorliegenden Einspielung meisterhaft gelungen ist.