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Radio Canada international

Rezension Radio Canada international samedi 3 décembre, 2016 | Raymond Desmarteau | December 3, 2016 BROADCAST

Le duo formé de Silvie et de Bryan Cheng nous propose son tout premier disque où l’on retrouve des œuvres majeures du répertoire français écrites entre 1860 et 1916.

Violoncelle français, sur étiquette Audite est un florilège de jeunesse et de passion, de pur bonheur de faire de la grande musique.

« J’ai commencé à jouer le piano par pur hasard. En voyage dans les Maritimes avec nos parents. J’avais 4 ans et demi. Parmi les jouets et les jeux qu’il y avait dans l’auto, il y avait un petit clavier bleu en plastique J’y revenais tout le temps. Et, à la fin du voyage, je voulais commencer à prendre des leçons de piano. »
Silvie Cheng

« De mon côté, les parents avaient acheté un grand piano pour qu’on joue tous les deux. Je voulais quelque chose à moi tout seul. À 3 ans, ma mère m’a amené à l’école Suzuki à Ottawa. Je trouvais le son du violon trop aigu. C’est quand j’ai entendu le son du violoncelle que je suis tombé en amour avec cet instrument, et je le suis toujours. »
Bryan Cheng

En anglais, ce duo sœur-frère s’appelle « Cheng Square », ce qui se traduit par Cheng au carré. Eux l’écrivent tout simplement Cheng2 Duo.

Le choix est judicieux en ce sens qu’il ne s’agit pas d’une simple addition de talents mais d’une multiplication. Le disque Violoncelle français nous propose des œuvres de Debussy, de Fauré, de César Franck et de Camille Saint-Saëns. Des œuvres puissantes et tendres, magiques et envoûtantes où les complicités, piano-violoncelle et Silvie-Bryan sont tout simplement savoureuses.

« Nos parents travaillent tous les deux dans le monde des sciences. D’avoir des enfants artistes, ils nous appellent des mutations génétiques. »
Silvie Cheng

Silvie et Bryan Cheng parlent de leur parcours musical et de leur disque intitulé Violoncelle français au micro de Raymond Desmarteau.
Stereo

Rezension Stereo 1/2017 Januar | Arnt Cobbers | January 1, 2017 Kritiker-Umfrage: Die zehn besten CDs 2016

Arndt Cobbers: 2. Schumann, Sämtliche Sinfonische Werke Vol. 5; Kopatchinskaja, Lonquich, WDR Sinfonieorchester, Holliger (Audite): Das als problematisch geltende Spätwerk in fesselnden Interpretationen.
Schumann-Journal

Rezension Schumann-Journal Nr. 4 / Frühjahr 2015 | Jan Ritterstaedt | April 1, 2015 Im Herbst des Jahres 2013 startete das Label audite eine neue Serie mit...

Die Folgen 2 und 3 der neuen Gesamteinspielung sämtlicher sinfonischer Werke Robert Schumanns setzt die mit der ersten CD begonnene Interpretationslinie konsequent fort. Hier entsteht eine Reihe von Aufnahmen, die einen sicherlich sehr individuellen, in gewisser Weise auch modernen, vor allem aber künstlerisch sehr wertvollen Beitrag zur Schumann- Diskografie leistet. Man darf jetzt schon auf das nächste Produkt dieser Serie gespannt sein!
Schumann-Journal

Rezension Schumann-Journal Nr. 4 / Frühjahr 2015 | Jan Ritterstaedt | April 1, 2015 Im Herbst des Jahres 2013 startete das Label audite eine neue Serie mit...

Die Folgen 2 und 3 der neuen Gesamteinspielung sämtlicher sinfonischer Werke Robert Schumanns setzt die mit der ersten CD begonnene Interpretationslinie konsequent fort. Hier entsteht eine Reihe von Aufnahmen, die einen sicherlich sehr individuellen, in gewisser Weise auch modernen, vor allem aber künstlerisch sehr wertvollen Beitrag zur Schumann- Diskografie leistet. Man darf jetzt schon auf das nächste Produkt dieser Serie gespannt sein!
ensuite Kulturmagazin

Rezension ensuite Kulturmagazin Dezember 2016 | Francois Lilienfeld | December 1, 2016 Die «Zweite» Schumann: Klaviere oder Orchester?

[…] Die Gegenüberstellung von Klavier und Orchester können wir nun direkt «am Objekt» vornehmen, nämlich an ob genannter Zweiter Symphonie in C-dur, op. 61. Die soeben bei audite erschienene CD «Originals and Beyond» (audite 97.706) enthält, unter anderem, die vom Komponisten verfertigte Transkription für zwei Klaviere, interpretiert vom Duo Norie Takahashi l Björn Lehmann.

Hier wird man mit einem verblüffenden Hörerlebnis konfrontiert: Man glaubt, eine originale Sonate für zwei Pianos zu hören! Ich musste erst einmal nachschlagen, ob nicht etwa diese Fassung das Original sei! Sie ist es nicht, und ein Blick auf das ausgezeichnete Beiheft von Habakuk Traber bestätigt dies. Und da wird einem die Genialität von Schumann so richtig bewusst – er schafft ein Meisterwerk in einer ihm «fremden» Gestalt und rekonstruiert es sozusagen im Rückwärtsgang auf dem ihm gewohnten Medium. Und beide Versionen sind großartig.

Dies liegt jedoch auch an den Interpreten – siehe oben! Takashi l Lehmann versuchen nicht, mit möglichst massiven Klängen ein Orchester vorzutäuschen. Sie arbeiten mit pianistischen Mitteln, entwickeln dabei aber eine ausgedehnte Palette an Klangfarben. Die Tempi sind richtig gewählt, der Aufbau des Werkes wird klar vermittelt. Das Leitmotiv – ein Zitat der Einleitung zu Haydns 104. Symphonie – kommt bei jedem Auftauchen zur Geltung, die ungeheure Virtuosität des Scherzos (ein Alptraum für die Orchestergeiger!) schwirrt nur so daher, der ergreifende langsame Satz lässt zwar die Orchesterfassung nicht vergessen, bietet aber eine mehr als befriedigende Alternative, und die explosiven Höhepunkte im Finale begeistern. Ich zögere nicht, diese Aufnahme als eine der wichtigsten Neuerscheinungen der letzten Jahre zu bezeichnen.

Neben der Schumannschen Symphonie enthält die CD noch Beethovens Grosse Fuge und Schönbergs Kammersymphonie Nr. 1; in beide Fällen stammen auch hier die Transkriptionen vom jeweiligen Komponisten.

Ebenfalls bei audite ist eine weitere Sammlung von Radio-Aufnahme des Amadeus Quartetts erschienen. Nach Werken von Beethoven, Schubert, Mozart und neuerer Musik gibt es jetzt eine fünfte Box, den Romantikern gewidmet (audite 21.425). Eine Haydn-Sammlung ist in Vorbereitung.

Ganze vierzig Jahre bestand dieses Quartett, und von 1947 bis 1987, dem Jahr als der Bratschist Peter Schidlof starb, eilte das Ensemble von Erfolg zu Erfolg, überzeugte durch seine Klangschönheit, aber besonders durch die große Lebendigkeit seines Spiels, vom temperamentvollen Primgeiger Norbert Brainin angeführt.

Die Neuerscheinung enthält Aufnahmen von 1950 bis 1969, was dem Hörer ermöglicht, zumindest einen Teil der Entwicklung der vier Streicher mitzuerleben – neben Brainin und Schidlof spielten Siegmund NisseI 2. Geige und Martin Lovett Cello.

So steht einer 1950 eingespielten, eher klassischen, schlichten aber dynamisch sehr vielseitigen Aufführung des Schumann-Klavierquintetts – mit dem Pianisten Conrad Hansen – eine «romantischere», vibratoreichere Interpretation des Es-dur-Quartetts op. 12 von Mendelssohn aus dem Jahre 1969 gegenüber, die einzige Stereo-Aufnahme der Sammlung.

Die Originalbänder – die ausnahmslos für die Überspielungen verwendet wurden – entstanden in den Studios des RIAS Berlin, und es stand jeweils viel weniger Zeit zur Verfügung als in den Schallplattenstudios. So wurden z.B. am 1. November 1950 die Streichquintette von Brahms und Dvorák aufgenommen, am 29. Nov. 1957 das Quartett op. 67 von Brahms und das Bruckner-Quintett! Man ist also der Situation eines Konzertmitschnitts näher. Obgleich die meisten der hier eingespielten Werke auch im Studio aufgenommen wurden (Westminster und vor Allem Deutsche Grammophon), lohnt sich die Anschaffung der audite-Sammlung als interessante Vergleichsbasis. Und die Schumann-Werke (ausser dem Quintett noch das Streichquartett A-dur op. 41 Nr. 3) sind sonst auf keinem Tonträger dokumentiert.

Wir können auch wieder den zweiten «Hausbratschisten» des Quartetts, Cecil Aronowitz hören; er nimmt an den Streichquintetten von Brahms und Bruckner teil. Conrad Hansen spielt noch in den Klavierquintetten von Brahms und Dvorák mit, Heinrich Geuser in Brahmsens Klarinettenquintett.

Eine echte Rarität ist das Streichquartett von Verdi, 1962 aufgenommen. Die Interpreten verstehen es, der Fülle verschiedener Stimmungen dieses Werkes gerecht zu werden: Leidenschaft im Hauptthema, Cantabilität im Seitenthema des ersten Satzes, ballszenenartige, tänzerische Klänge im zweiten. Der dritte ist eigentlich ein Scherzo mit einem wunderschönen Trio, einer vom Cello vorgetragenen Serenade. Doch den Ausdruck Scherzo behält Verdi merkwürdigerweise dem Finale vor, einer wirbligen Fuge.

Einiges später, im November 2015, entstand eine weitere Streichquartett-CD für audite (92.685), mit dem Quartetto di Cremona. Es handelt sich um die sechste CD einer projektierten Gesamtaufnahme der Beethoven-Quartette. Neben dem A-durWerk op. 18 Nr. 5 enthält das Programm das äußerst komplexe Stück in B-dur, op. 130, mit seinen zahlreichen Tempo- und Stimmungswechseln, seinen Stimmverflechtungen und kontrapunktischen Finessen sowie der ungewöhnlichen Satz- und Tonartenfolge – die Sätze 3 und 4 stehen sogar im Tritonus-Abstand! Das Werk enthält auch «Quasi-Zitate»: So bringt der rasante zweite Satz (hier hinreißend gespielt) Anklänge an das Finale des Vierten Klavierkonzertes (Takte 9-12), die ergreifende Cavatina erinnert sich zweimal (T. 29-31, 63/63) an den langsamen Satz aus der «Neunten».

Auf der Aufnahme erklingt das von Beethoven nachkomponierte Finale, sein letztes abgeschlossenes Werk. Ursprünglich hatte er die «Große Fuge» als letzten Satz vorgesehen, doch empfanden das Publikum und wohl auch die damaligen Spieler dieses monumentale Stück nach fünf z.T. langen und komplizierten Sätzen als zu anstrengend. Beethoven publizierte die Fuge separat als op. 133. Aber auch der hier zu hörende, tänzerisch beschwingte sechste Satz ist alles andere als ein Ruhekissen!

Emotionaler Höhepunkt im op. 130 ist wohl die mit «beklemmt» bezeichnete Stelle in der Cavatina (ab Takt 42). Bewundernswert, wie der Primgeiger Cristiano Gualco diese unglaublich schwere Aufgabe klanglich realisiert. Überhaupt, der Klang dieses Quartetts: sehr homogen und auch in den wildesten und Sforzato-reichsten Stellen nie brutal. Die Musiker spielen auf vier wunderbaren italienischen Instrumenten aus dem 17./18. Jahrhundert, die jedoch nicht aus Cremona, sondern aus Torino, Milano und Bologna stammen.

Das Ensemble – außer Gualco noch Paolo Andreoli, Simone Gramaglia und Giovanni Scaglione – zeichnet sich auch durch genaue Beachtung der Angaben Beethovens aus und spielt alle Wiederholungen. Diese Gesamtausgabe wird wohl eine Referenzaufnahme werden.
ensuite Kulturmagazin

Rezension ensuite Kulturmagazin Dezember 2016 | Francois Lilienfeld | December 1, 2016 Die «Zweite» Schumann: Klaviere oder Orchester?

[…] Die Gegenüberstellung von Klavier und Orchester können wir nun direkt «am Objekt» vornehmen, nämlich an ob genannter Zweiter Symphonie in C-dur, op. 61. Die soeben bei audite erschienene CD «Originals and Beyond» (audite 97.706) enthält, unter anderem, die vom Komponisten verfertigte Transkription für zwei Klaviere, interpretiert vom Duo Norie Takahashi l Björn Lehmann.

Hier wird man mit einem verblüffenden Hörerlebnis konfrontiert: Man glaubt, eine originale Sonate für zwei Pianos zu hören! Ich musste erst einmal nachschlagen, ob nicht etwa diese Fassung das Original sei! Sie ist es nicht, und ein Blick auf das ausgezeichnete Beiheft von Habakuk Traber bestätigt dies. Und da wird einem die Genialität von Schumann so richtig bewusst – er schafft ein Meisterwerk in einer ihm «fremden» Gestalt und rekonstruiert es sozusagen im Rückwärtsgang auf dem ihm gewohnten Medium. Und beide Versionen sind großartig.

Dies liegt jedoch auch an den Interpreten – siehe oben! Takashi l Lehmann versuchen nicht, mit möglichst massiven Klängen ein Orchester vorzutäuschen. Sie arbeiten mit pianistischen Mitteln, entwickeln dabei aber eine ausgedehnte Palette an Klangfarben. Die Tempi sind richtig gewählt, der Aufbau des Werkes wird klar vermittelt. Das Leitmotiv – ein Zitat der Einleitung zu Haydns 104. Symphonie – kommt bei jedem Auftauchen zur Geltung, die ungeheure Virtuosität des Scherzos (ein Alptraum für die Orchestergeiger!) schwirrt nur so daher, der ergreifende langsame Satz lässt zwar die Orchesterfassung nicht vergessen, bietet aber eine mehr als befriedigende Alternative, und die explosiven Höhepunkte im Finale begeistern. Ich zögere nicht, diese Aufnahme als eine der wichtigsten Neuerscheinungen der letzten Jahre zu bezeichnen.

Neben der Schumannschen Symphonie enthält die CD noch Beethovens Grosse Fuge und Schönbergs Kammersymphonie Nr. 1; in beide Fällen stammen auch hier die Transkriptionen vom jeweiligen Komponisten.

Ebenfalls bei audite ist eine weitere Sammlung von Radio-Aufnahme des Amadeus Quartetts erschienen. Nach Werken von Beethoven, Schubert, Mozart und neuerer Musik gibt es jetzt eine fünfte Box, den Romantikern gewidmet (audite 21.425). Eine Haydn-Sammlung ist in Vorbereitung.

Ganze vierzig Jahre bestand dieses Quartett, und von 1947 bis 1987, dem Jahr als der Bratschist Peter Schidlof starb, eilte das Ensemble von Erfolg zu Erfolg, überzeugte durch seine Klangschönheit, aber besonders durch die große Lebendigkeit seines Spiels, vom temperamentvollen Primgeiger Norbert Brainin angeführt.

Die Neuerscheinung enthält Aufnahmen von 1950 bis 1969, was dem Hörer ermöglicht, zumindest einen Teil der Entwicklung der vier Streicher mitzuerleben – neben Brainin und Schidlof spielten Siegmund NisseI 2. Geige und Martin Lovett Cello.

So steht einer 1950 eingespielten, eher klassischen, schlichten aber dynamisch sehr vielseitigen Aufführung des Schumann-Klavierquintetts – mit dem Pianisten Conrad Hansen – eine «romantischere», vibratoreichere Interpretation des Es-dur-Quartetts op. 12 von Mendelssohn aus dem Jahre 1969 gegenüber, die einzige Stereo-Aufnahme der Sammlung.

Die Originalbänder – die ausnahmslos für die Überspielungen verwendet wurden – entstanden in den Studios des RIAS Berlin, und es stand jeweils viel weniger Zeit zur Verfügung als in den Schallplattenstudios. So wurden z.B. am 1. November 1950 die Streichquintette von Brahms und Dvorák aufgenommen, am 29. Nov. 1957 das Quartett op. 67 von Brahms und das Bruckner-Quintett! Man ist also der Situation eines Konzertmitschnitts näher. Obgleich die meisten der hier eingespielten Werke auch im Studio aufgenommen wurden (Westminster und vor Allem Deutsche Grammophon), lohnt sich die Anschaffung der audite-Sammlung als interessante Vergleichsbasis. Und die Schumann-Werke (ausser dem Quintett noch das Streichquartett A-dur op. 41 Nr. 3) sind sonst auf keinem Tonträger dokumentiert.

Wir können auch wieder den zweiten «Hausbratschisten» des Quartetts, Cecil Aronowitz hören; er nimmt an den Streichquintetten von Brahms und Bruckner teil. Conrad Hansen spielt noch in den Klavierquintetten von Brahms und Dvorák mit, Heinrich Geuser in Brahmsens Klarinettenquintett.

Eine echte Rarität ist das Streichquartett von Verdi, 1962 aufgenommen. Die Interpreten verstehen es, der Fülle verschiedener Stimmungen dieses Werkes gerecht zu werden: Leidenschaft im Hauptthema, Cantabilität im Seitenthema des ersten Satzes, ballszenenartige, tänzerische Klänge im zweiten. Der dritte ist eigentlich ein Scherzo mit einem wunderschönen Trio, einer vom Cello vorgetragenen Serenade. Doch den Ausdruck Scherzo behält Verdi merkwürdigerweise dem Finale vor, einer wirbligen Fuge.

Einiges später, im November 2015, entstand eine weitere Streichquartett-CD für audite (92.685), mit dem Quartetto di Cremona. Es handelt sich um die sechste CD einer projektierten Gesamtaufnahme der Beethoven-Quartette. Neben dem A-durWerk op. 18 Nr. 5 enthält das Programm das äußerst komplexe Stück in B-dur, op. 130, mit seinen zahlreichen Tempo- und Stimmungswechseln, seinen Stimmverflechtungen und kontrapunktischen Finessen sowie der ungewöhnlichen Satz- und Tonartenfolge – die Sätze 3 und 4 stehen sogar im Tritonus-Abstand! Das Werk enthält auch «Quasi-Zitate»: So bringt der rasante zweite Satz (hier hinreißend gespielt) Anklänge an das Finale des Vierten Klavierkonzertes (Takte 9-12), die ergreifende Cavatina erinnert sich zweimal (T. 29-31, 63/63) an den langsamen Satz aus der «Neunten».

Auf der Aufnahme erklingt das von Beethoven nachkomponierte Finale, sein letztes abgeschlossenes Werk. Ursprünglich hatte er die «Große Fuge» als letzten Satz vorgesehen, doch empfanden das Publikum und wohl auch die damaligen Spieler dieses monumentale Stück nach fünf z.T. langen und komplizierten Sätzen als zu anstrengend. Beethoven publizierte die Fuge separat als op. 133. Aber auch der hier zu hörende, tänzerisch beschwingte sechste Satz ist alles andere als ein Ruhekissen!

Emotionaler Höhepunkt im op. 130 ist wohl die mit «beklemmt» bezeichnete Stelle in der Cavatina (ab Takt 42). Bewundernswert, wie der Primgeiger Cristiano Gualco diese unglaublich schwere Aufgabe klanglich realisiert. Überhaupt, der Klang dieses Quartetts: sehr homogen und auch in den wildesten und Sforzato-reichsten Stellen nie brutal. Die Musiker spielen auf vier wunderbaren italienischen Instrumenten aus dem 17./18. Jahrhundert, die jedoch nicht aus Cremona, sondern aus Torino, Milano und Bologna stammen.

Das Ensemble – außer Gualco noch Paolo Andreoli, Simone Gramaglia und Giovanni Scaglione – zeichnet sich auch durch genaue Beachtung der Angaben Beethovens aus und spielt alle Wiederholungen. Diese Gesamtausgabe wird wohl eine Referenzaufnahme werden.
ensuite Kulturmagazin

Rezension ensuite Kulturmagazin Dezember 2016 | Francois Lilienfeld | December 1, 2016 Die «Zweite» Schumann: Klaviere oder Orchester?

[…] Die Gegenüberstellung von Klavier und Orchester können wir nun direkt «am Objekt» vornehmen, nämlich an ob genannter Zweiter Symphonie in C-dur, op. 61. Die soeben bei audite erschienene CD «Originals and Beyond» (audite 97.706) enthält, unter anderem, die vom Komponisten verfertigte Transkription für zwei Klaviere, interpretiert vom Duo Norie Takahashi l Björn Lehmann.

Hier wird man mit einem verblüffenden Hörerlebnis konfrontiert: Man glaubt, eine originale Sonate für zwei Pianos zu hören! Ich musste erst einmal nachschlagen, ob nicht etwa diese Fassung das Original sei! Sie ist es nicht, und ein Blick auf das ausgezeichnete Beiheft von Habakuk Traber bestätigt dies. Und da wird einem die Genialität von Schumann so richtig bewusst – er schafft ein Meisterwerk in einer ihm «fremden» Gestalt und rekonstruiert es sozusagen im Rückwärtsgang auf dem ihm gewohnten Medium. Und beide Versionen sind großartig.

Dies liegt jedoch auch an den Interpreten – siehe oben! Takashi l Lehmann versuchen nicht, mit möglichst massiven Klängen ein Orchester vorzutäuschen. Sie arbeiten mit pianistischen Mitteln, entwickeln dabei aber eine ausgedehnte Palette an Klangfarben. Die Tempi sind richtig gewählt, der Aufbau des Werkes wird klar vermittelt. Das Leitmotiv – ein Zitat der Einleitung zu Haydns 104. Symphonie – kommt bei jedem Auftauchen zur Geltung, die ungeheure Virtuosität des Scherzos (ein Alptraum für die Orchestergeiger!) schwirrt nur so daher, der ergreifende langsame Satz lässt zwar die Orchesterfassung nicht vergessen, bietet aber eine mehr als befriedigende Alternative, und die explosiven Höhepunkte im Finale begeistern. Ich zögere nicht, diese Aufnahme als eine der wichtigsten Neuerscheinungen der letzten Jahre zu bezeichnen.

Neben der Schumannschen Symphonie enthält die CD noch Beethovens Grosse Fuge und Schönbergs Kammersymphonie Nr. 1; in beide Fällen stammen auch hier die Transkriptionen vom jeweiligen Komponisten.

Ebenfalls bei audite ist eine weitere Sammlung von Radio-Aufnahme des Amadeus Quartetts erschienen. Nach Werken von Beethoven, Schubert, Mozart und neuerer Musik gibt es jetzt eine fünfte Box, den Romantikern gewidmet (audite 21.425). Eine Haydn-Sammlung ist in Vorbereitung.

Ganze vierzig Jahre bestand dieses Quartett, und von 1947 bis 1987, dem Jahr als der Bratschist Peter Schidlof starb, eilte das Ensemble von Erfolg zu Erfolg, überzeugte durch seine Klangschönheit, aber besonders durch die große Lebendigkeit seines Spiels, vom temperamentvollen Primgeiger Norbert Brainin angeführt.

Die Neuerscheinung enthält Aufnahmen von 1950 bis 1969, was dem Hörer ermöglicht, zumindest einen Teil der Entwicklung der vier Streicher mitzuerleben – neben Brainin und Schidlof spielten Siegmund NisseI 2. Geige und Martin Lovett Cello.

So steht einer 1950 eingespielten, eher klassischen, schlichten aber dynamisch sehr vielseitigen Aufführung des Schumann-Klavierquintetts – mit dem Pianisten Conrad Hansen – eine «romantischere», vibratoreichere Interpretation des Es-dur-Quartetts op. 12 von Mendelssohn aus dem Jahre 1969 gegenüber, die einzige Stereo-Aufnahme der Sammlung.

Die Originalbänder – die ausnahmslos für die Überspielungen verwendet wurden – entstanden in den Studios des RIAS Berlin, und es stand jeweils viel weniger Zeit zur Verfügung als in den Schallplattenstudios. So wurden z.B. am 1. November 1950 die Streichquintette von Brahms und Dvorák aufgenommen, am 29. Nov. 1957 das Quartett op. 67 von Brahms und das Bruckner-Quintett! Man ist also der Situation eines Konzertmitschnitts näher. Obgleich die meisten der hier eingespielten Werke auch im Studio aufgenommen wurden (Westminster und vor Allem Deutsche Grammophon), lohnt sich die Anschaffung der audite-Sammlung als interessante Vergleichsbasis. Und die Schumann-Werke (ausser dem Quintett noch das Streichquartett A-dur op. 41 Nr. 3) sind sonst auf keinem Tonträger dokumentiert.

Wir können auch wieder den zweiten «Hausbratschisten» des Quartetts, Cecil Aronowitz hören; er nimmt an den Streichquintetten von Brahms und Bruckner teil. Conrad Hansen spielt noch in den Klavierquintetten von Brahms und Dvorák mit, Heinrich Geuser in Brahmsens Klarinettenquintett.

Eine echte Rarität ist das Streichquartett von Verdi, 1962 aufgenommen. Die Interpreten verstehen es, der Fülle verschiedener Stimmungen dieses Werkes gerecht zu werden: Leidenschaft im Hauptthema, Cantabilität im Seitenthema des ersten Satzes, ballszenenartige, tänzerische Klänge im zweiten. Der dritte ist eigentlich ein Scherzo mit einem wunderschönen Trio, einer vom Cello vorgetragenen Serenade. Doch den Ausdruck Scherzo behält Verdi merkwürdigerweise dem Finale vor, einer wirbligen Fuge.

Einiges später, im November 2015, entstand eine weitere Streichquartett-CD für audite (92.685), mit dem Quartetto di Cremona. Es handelt sich um die sechste CD einer projektierten Gesamtaufnahme der Beethoven-Quartette. Neben dem A-durWerk op. 18 Nr. 5 enthält das Programm das äußerst komplexe Stück in B-dur, op. 130, mit seinen zahlreichen Tempo- und Stimmungswechseln, seinen Stimmverflechtungen und kontrapunktischen Finessen sowie der ungewöhnlichen Satz- und Tonartenfolge – die Sätze 3 und 4 stehen sogar im Tritonus-Abstand! Das Werk enthält auch «Quasi-Zitate»: So bringt der rasante zweite Satz (hier hinreißend gespielt) Anklänge an das Finale des Vierten Klavierkonzertes (Takte 9-12), die ergreifende Cavatina erinnert sich zweimal (T. 29-31, 63/63) an den langsamen Satz aus der «Neunten».

Auf der Aufnahme erklingt das von Beethoven nachkomponierte Finale, sein letztes abgeschlossenes Werk. Ursprünglich hatte er die «Große Fuge» als letzten Satz vorgesehen, doch empfanden das Publikum und wohl auch die damaligen Spieler dieses monumentale Stück nach fünf z.T. langen und komplizierten Sätzen als zu anstrengend. Beethoven publizierte die Fuge separat als op. 133. Aber auch der hier zu hörende, tänzerisch beschwingte sechste Satz ist alles andere als ein Ruhekissen!

Emotionaler Höhepunkt im op. 130 ist wohl die mit «beklemmt» bezeichnete Stelle in der Cavatina (ab Takt 42). Bewundernswert, wie der Primgeiger Cristiano Gualco diese unglaublich schwere Aufgabe klanglich realisiert. Überhaupt, der Klang dieses Quartetts: sehr homogen und auch in den wildesten und Sforzato-reichsten Stellen nie brutal. Die Musiker spielen auf vier wunderbaren italienischen Instrumenten aus dem 17./18. Jahrhundert, die jedoch nicht aus Cremona, sondern aus Torino, Milano und Bologna stammen.

Das Ensemble – außer Gualco noch Paolo Andreoli, Simone Gramaglia und Giovanni Scaglione – zeichnet sich auch durch genaue Beachtung der Angaben Beethovens aus und spielt alle Wiederholungen. Diese Gesamtausgabe wird wohl eine Referenzaufnahme werden.

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