Rezension
Fono Forum November 2021 | November 1, 2021
STERN DES MONATS
Sehr wenig ist über Antonio Notari bekannt. Geboren in Padua, wirkte er eine Zeit lang in Venedig, bevor er 1610 nach England emigrierte, wo er im Dienst mehrerer Kronprinzen und Könige stand. Neben dem Druck "Prime musiche nuove" (1613) ist noch ein handschriftliches Kompendium überliefert, in dem Notari mit fremden und eigenen Werken einen Überblick über die Bandbreite italienischer Musikstile seiner Zeit gibt. Hieraus hat die Blockflötistin Julia Fritz einige mit "Aria" betitelte Stücke ausgewählt, die zumeist instrumentale Bearbeitungen oder Variationen über populäre Melodien ("La Monica") oder Bässe ("11 Ruggiero") sind; in dreien steuert die Sopranistin Magdalene Harer den vokalen Kern der Musik bei. Es wird deutlich, dass Notari einen durchaus gewichtigen Beitrag zur "seconda prattica" leistet, dabei aber nicht so radikal vorgeht wie sein Zeitgenosse Monteverdi. Aufgelockert wird das Programm mit Giovanni Battista Fontanas sechs Solosonaten, die eigentlich als epochal bedeutend für die Entwicklung der Geigenliteratur gelten, sich allerdings, wie Fritz beweist, auch auf Blockflöten gut darstellen lassen.
Ohnehin überzeugt diese Produktion durch Feingefühl und Genauigkeit der Interpretation. Fritz stellt keine Virtuosität zur Schau, sondern bindet ihre vielfältigen Diminutionen, Triller und Läufe in die Gestaltung kantabler Linien ein und erzählt, gerade in den kontrastreichen Fontana-Sonaten, regelrecht Geschichten ohne Worte. Der zweite Pluspunkt ist die Antegnati-Orgel der Mantuaner Basilica di Santa Barbara, deren Farbenreichtum – man achte nur auf das delikate Fiffaro-Register in Track 10 – die Musik kräftig leuchten lässt. Auch aufnahmetechnisch ist diese Produktion ein Hochgenuss.