Rezension Badische Zeitung Dienstag, 20. Dezember 2005 | Johannes Adam | 20. Dezember 2005 Wer sucht, der findet
Als Begründer des französisch-sinfonischen Orgelstils gilt César Franck. Seine zwölf gleichsam kanonisierten Orgelwerke zählen international zum Standardrepertoire ambitionierter Organisten. Dass über das hehre Dutzend hinaus bei diesem Komponisten aber noch weit mehr zu holen ist, etwa das Kompendium „L’Organiste“, weiß man oft nur vom Hörensagen. Jetzt kann man sich umfassend informieren: Auf insgesamt sechs SACDs (audite 91.518 bis 91.520) hat Hans-Eberhard Roß an der hervorragenden Goll-Orgel von St. Martin in Memmingen das komplette Orgel-Œuvre Francks eingespielt. Da begegnet man sogar Petitessen, die manchmal nur ein paar Sekunden dauern. Ob in dieser lexikalischen Vollständigkeit wirklich alles berücksichtigt werden musste, wäre vorsichtig zu fragen. Aber diese Praxis macht gleichwohl Sinn: Das Bild, das wir von Franck haben, wird klarer, runder. Da gibt es (liturgische Gebrauchs-)Musik, die für einfachere, bescheidenere Verhältnisse gedacht ist. Nicht zuletzt ein Fundus für heutige Orgelleute, die an neuer Literatur für den
Gebrauch in Gottesdienst und Konzert interessiert sind. Motto: Wer sucht, der findet. Zuweilen auch Preziosen.
Das hier genutzte viermanualige 62-Register-Instrument von 1998 steht in der Tradition Aristide Cavaillé-Colls (Silbermann des 19. Jahrhunderts!) und ist für Franck bestens geeignet. Roß, der in Würzburg ausgebildete Kaunzinger-Schüler, bietet exzellente Interpretationen. Sorgfalt bis in den letzten Winkel hinein. Sehr ansprechend auch die Wiedergabe der bekannten Stücke. Erstaunt ist man indes über das ungewöhnlich forsche Tempo an diversen Stellen der für die Orgelsinfonik bedeutenden, im September 1863 vollendeten „Grande Pièce symphonique“: Legitimiert ist das Verfahren durch ein erst unlängst wieder entdecktes Exemplar des Erstdrucks, das Metronomangaben des Komponisten enthält.
Wenn es um die Interpretation der Orgelmusik von César Franck geht, wird die Roß-Initiative künftig sicherlich eine Rolle spielen. Bemerkenswert die Beihefttexte Martin Weyers: Sie sind ein Lesevergnügen.
Gebrauch in Gottesdienst und Konzert interessiert sind. Motto: Wer sucht, der findet. Zuweilen auch Preziosen.
Das hier genutzte viermanualige 62-Register-Instrument von 1998 steht in der Tradition Aristide Cavaillé-Colls (Silbermann des 19. Jahrhunderts!) und ist für Franck bestens geeignet. Roß, der in Würzburg ausgebildete Kaunzinger-Schüler, bietet exzellente Interpretationen. Sorgfalt bis in den letzten Winkel hinein. Sehr ansprechend auch die Wiedergabe der bekannten Stücke. Erstaunt ist man indes über das ungewöhnlich forsche Tempo an diversen Stellen der für die Orgelsinfonik bedeutenden, im September 1863 vollendeten „Grande Pièce symphonique“: Legitimiert ist das Verfahren durch ein erst unlängst wieder entdecktes Exemplar des Erstdrucks, das Metronomangaben des Komponisten enthält.
Wenn es um die Interpretation der Orgelmusik von César Franck geht, wird die Roß-Initiative künftig sicherlich eine Rolle spielen. Bemerkenswert die Beihefttexte Martin Weyers: Sie sind ein Lesevergnügen.