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Orgelportal

Rezension Orgelportal 28. OKTOBER 2022 | 28. Oktober 2022 Review der neuen Doppel-CD | CD des Monats Oktober 2022

Anna-Victoria Baltrusch bietet mit dem vorliegenden Doppel-CD-Album die höchst willkommene Ergänzung ihres Liszt-Kompendiums, das sie mit der Edition „Liszt – The Friend and Paragon“ (Audite CD 97.792) begonnen hat. An der grossen Hoforgel von Kuhn in Sankt Leodegar, mit ihrem unvergleichlichen Raum-Effekt von viermanualiger Emporenorgel, dem grossen Fernwerk unter dem Dach – samt den drei durchschlagenden Zungenstimmen – und dem neuen üppigen Echowerk im Altarbereich, stehen ihr auf fünf Rosenholz-Manualen und Pedal nicht weniger als sieben Manual-Abteilungen und drei Pedal-Abteilungen zur Verfügung. Das Klangspekturm reicht von den historischen barocken Geissler Registern, über die romantische „Herrlichkeit“ von Haas und Goll, zu den modernen Zutaten von Kuhn, samt der glücklichen Ergänzung – ebenfalls durch Kuhn – um das Echowerk. All das grundiert von nicht weniger als drei (bzw. vier) 32′-Registern.

Baltrusch nutzt diesen einzigartigen Klang-Kosmos mit feinsinnigem Gespür für Farben, Dramatik und Virtuosität kongenial aus. Als Repertoire dieser Doppel-CD hat sie sich nicht weniger als Liszts drei Grosswerke – „Präludium und Fuge über B-A-C-H“, die epochale „Fantasie und Fuge über „Ad nos ad salutarem undam“ und das Spätwerk „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ – vorgenommen. Mit stupender Virtuosität und einer grossartigen Klangregie vermag die Interpretin all diesen drei orgelmusikalischen „Achttausendern“ gerecht zu werden, von denen jedes einzelne Werk schon eine tüchtige Herausforderung an Spieler, Hörer und Instrument darstellt.

Besonders hervorzuheben sind die grossen Spannungsbögen, die die Interpretin sowohl im „Ad nos“ wie auch im „B-A-C-H“ zu zeichnen vermag, damit der Gesamtzusammenhang des, sich in zahlreiche Unter-Ideen verästelnden Flusses nicht verloren geht. Interessanterweise nimmt sie beim Ersteren einige Stellen der Klavierfassungen Liszts mit hinein, was dem Ganzen sehr zugute kommt. Berührend etwa der mystische Mittelteil in der Prophetenfantasie; unmittelbar klanglich physisch „angreifend“ dagegen beispielsweise der Dialog der Fanfaren (Tuba mirabilis im Altarwerk gegen die grosse Orgel).

Für mich als „Höhepunkt“ der CD – wenn man dann eine grandiose Leistung überhaupt noch zu steigern vermag, ist ihre eigene Orgelfassung von Liszts „Totentanz“, einer zwölfteiligen Paraphrase über das „Dies irae“, die in ihrer Perfektion nur darauf hoffen lässt, dass die Interpretin ihre Transkription auch als Notenausgabe veröffentlichen wird – eine willkommene Bereicherung des Liszt-Repertoires und in der Wirkung quasi ein vollkommen genuines „Orgelstück“ – als sei es der Hoforgel und der Organistin auf den Leib geschrieben.

Fazit: eine der besten CD-Neuerscheinungen des Jahres 2022!
Piano News

Rezension Piano News 6|2022 November / Dezember | 1. November 2022 Die "Bilder einer Ausstellung" von Modest Mussorgsky sind immer noch so etwas...

Indem Jimin Oh-Havenith sich für ein moderates Tempo entscheidet, gelingt ihr ein entschlossener Gang über hölzernem Promenadenboden. Sogar wenn die Szenen turbulent werden, bleibt sie diszipliniert, sodass sie die Dramaturgie (ohne Schwächen) deutlich konturieren kann. Menschliche Nähe und Empathie zu diesem Klaviermonument bleibt bei ihrer Herangehensweise gewahrt.
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Rezension www.pizzicato.lu 03/11/2022 | 3. November 2022 Sehr gelungene Fortsetzung des Portraits von Gregor Joseph Werner

(Uwe Krusch) – Der Stil von Gregor Joseph Werner war der allgemeine Stil seiner Zeit, wie er auch bei Fux und Caldara zu finden ist. Werner bewertete den musikalischen Ausdruck höher als den äußeren Glanz seiner Werke. Deshalb wurden sie als „schön, aber schwer“ angesehen. Für die Kapelle des Fürsten Esterhazy schrieb er eine große Anzahl von Kirchenmusikwerken. Haydn als sein Nachfolger hielt die Musik seines Vorgängers in Ehren und ließ sogar sechs Fugen für Streichquartett von Werner posthum herausgeben.

Lajos Rovatkay legt nun in einer auf vier Ausgaben angelegten Reihe den zweiten Teil vor. Zum Thema Buße und Reue werden ein Requiem sowie Introduktionen zu Oratorien zur Karwoche bzw. Motetten für diese Zeit des Kirchenjahres vorgestellt. Werner versteht es, in seiner Musik frühere Techniken wie die Polyphonie ebenso wie für seine Zeit progressive Harmonik einzusetzen.

Bereits in der ersten Ausgabe gelang es Lajos Rovatkay und den mit ihm Musizierenden, die Qualität der Werke zu zeigen. Auch in dieser Ausgabe mit den bewährten Kräften zeigen sowohl die kürzeren Ausschnitte wie auch das gut zwanzigminütige Requiem, welche Ausdrucksmöglichkeiten Werner darzustellen wusste.

Rovatkay als Organist und Dirigent kann sein Ensemble la festa musicale zu einem der sakralen Musik angemessen feierlichen Ton anregen, ohne deswegen die Freude an der Musik und ihre emotionale Tiefe zu unterdrücken. Das Ensemble aus Chor und Instrumentalisten haben im wiederholten Umgang mit der Musik dieses Komponisten eine selbstverständliche Sicherheit und Ausdrucksfeinheit entwickelt, die mit elegant zupackendem Spiel überzeugen.

Und ebenso überzeugen wiederum die Gesangsolisten, zu denen sich in dieser Aufstellung die Sopranistin Anna Bierwirth nahtlos hinzu- und einfügt. Obwohl die kurzen Sätze immer nur begrenzten Raum lassen, verstehen es die Solisten, in dieser Zeit ihre Stimmen so zu entfalten, dass eine nuancenreiche Gesangswelt entsteht. Das abschließende Miserere wird bei ihnen zu einem ausgereift verflochtenen Kleinod inniger Vertiefung.


(Guy Engels) – Gregor Joseph Werner war Haydns Vorgänger als Kapellmeister der Fürstenfamilie Esterhazy, ein Etikett, das der gebürtige Niederösterreicher wohl nie ganz abstreifen wird.

Die vorliegende Produktion widmet sich der Gattung, die Werner am meisten gepflegt hat: die Sakralmusik – hier mit dem späten Requiem von 1763 als Hauptwerk sowie einigen A-Cappella-Motetten und Orchestervorspielen. Thematisch verbindet die meisten Werke das Büßerthema, und es ist gerade die musikalische Darstellung dieses Grundmotives, die hier hervorragend gelungen ist.

Sämtliche Akteure vermitteln die Inhalte der Musik mit einer tiefen Intimität, die von innen strahlt. Der Büßer ist hier nicht nur der geknickte Mensch, sondern der ebenso hoffnungsvolle.

Lajos Rovatkay animiert la festa musicale, das Solistenquartett sowie das Voktett Hannover zu einem fein strukturierten, transparenten Musizieren im Sinne der Spiritualität. Hervorzustreichen sei dennoch die Leistung von Voktett Hannover, das mit seinen acht Stimmen die Strahlkraft eines großen Vokalensembles hat, ohne stimmlich und in der Klangbalance die Dinge zu forcieren.


ENGLISH TRANSLATION

(Uwe Krusch) – The style of Gregor Joseph Werner was the general style of his time, as it can also be found in Fux and Caldara. Werner valued musical expression more than the external splendor of his works. Therefore, they were considered « beautiful but heavy. » He wrote a large number of church music works for the chapel of Prince Esterhazy. Haydn, as his successor, honored his predecessor’s music and even had six fugues for string quartet by Werner published posthumously.

Lajos Rovatkay now presents the second part in a series planned for four editions. On the theme of penitence and repentance, a requiem is presented, as well as introductions to oratorios for Holy Week and motets for this time of the church year. Werner knows how to use in his music earlier techniques such as polyphony as well as harmonies that were progressive for his time.

Already in the first edition Lajos Rovatkay and his musicians succeeded in showing the quality of the works. And so again, with the proven forces, both the shorter excerpts and the good twenty-minute Requiem show what expressive possibilities Werner’s music has.

As organist and conductor Rovatkay is able to inspire his ensemble la festa musicale to a solemn tone appropriate to sacred music, without therefore suppressing the joy of the music and its emotional depth. The ensemble of choir and instrumentalists have developed a self-evident certainty and expressive finesse in their repeated dealings with this composer’s music, and their elegantly gripping playing is convincing.

And equally convincing, again, are the vocal soloists, joined in this lineup seamlessly by soprano Anna Bierwirth. Although the short movements always leave only limited space, the soloists know how to unfold their voices during this time in such a way as to create a vocal world rich in nuances. The concluding Miserere becomes with them a maturely interwoven gem of intimate deepening.


(Guy Engels) – Gregor Joseph Werner was Haydn’s predecessor as Kapellmeister to the Esterhazy family, a label the native of Lower Austria will probably never entirely shed.

The present production is devoted to the genre Werner most cultivated: sacred music – here with the late Requiem of 1763 as the main work, as well as several a cappella motets and orchestral preludes. Thematically, most of the works are united by the penitent theme, and it is precisely the musical representation of this basic motif that is superbly accomplished here.

All the players convey the content of the music with a deep intimacy that radiates from within. The penitent here is not only the bent man, but the equally hopeful one.

Lajos Rovatkay animates la festa musicale, the soloist quartet as well as the Voktett Hannover to a finely structured, transparent music making in the sense of spirituality. Nevertheless, the performance of Voktett Hannover should be emphasized, which with its eight voices has the radiance of a large vocal ensemble without forcing things vocally or in the tonal balance.
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Rezension www.pizzicato.lu 12/11/2022 | 12. November 2022 Das Neurologische in der Musik

Der österreichische Arzt Alfred Huber (*1962), auf Rückenleiden spezialisierter Neurochirurg, ist auch Komponist. Oder ist es andersherum? Für den Arztberuf wendet er mehr Zeit auf, dennoch leiden seine Kompositionen nicht darunter. Vielmehr befruchten seine Erkenntnisse aus der Neurologie seine Musik, da er die Wirkung der Musik auf unser Gehirn einbeziehen kann. Er beherrscht es, Dinge zu tun, die unerwartet sind und trotzdem vertraut klingen. Sein Komponieren führt scheinbar oft auf einen klassischen oder romantischen Pfad, biegt dann aber auf seinen Weg ab, der eine wacklig scheinende Balance zwischen Tonalität und Ansätzen der Atonalität schafft. Dabei ist seine Musik sinnlich und analytisch zugleich. Er bleibt stets der Emotion verpflichtet und zielt damit aufs Gemüt.

Neben klassisch besetzten Formen wie dem Trio und der Violinsonate sind hier auch Sonate für Kontrabass und Klavier zu hören sowie ein weiteres als Impossible bezeichnetes Werk, das neben Cello und Klavier noch das Schlagzeug zu einem Trio einbezieht.

Außer Catherine Klipfel, die alle Klavierparts spielt, wechselt sie Besetzung je nach Werk ab. Als einziges festes Ensemble hat sich das Morgenstern Trio dem Klaviertrio gewidmet. Ihnen gelingt es, eher die atonale und raue Seite der Musik hervorzuheben. Dadurch erhält das Werk einen deutlich moderneren Ausdruck. Das Werk Impossible mit der ausgefallenen Besetzung bietet einen erfrischenden Eindruck, der sowohl von der rhythmischen Komponente wie von der lebendigen Gestaltung des Werkes und der diese Umstände nutzenden kongenialen Umsetzung durch die Solisten getragen wird.

Die beiden Sonaten gehen in ihrer Gestaltung eher normale Wege. Die Geigerin Eszter Haffner mag dabei als Huber-Spezialistin sehen, da sie auch schon andere Werke des Komponisten aufgeführt und eingespielt hat. Ihr Spiel zeichnet mit geigerischer Souveränität und Gestaltungsfeinsinn die Violinstimme und bietet zusammen mit der Pianistin eine sichere Interpretation der Violinsonate. Catherine Klipfel am Klavier weiß wie in allen Werken mit ihrem gestalteten Tastenspiel eine profunde und sichere Grundlage für die jeweiligen anderen Beteiligten zu geben, auf der sie mit diesen das gemeinsame Agieren gestaltet.

So hat auch Niek de Groot am Kontrabass eine verlässliche Partnerin, um das größte Streichinstrument zum Schwingen zu bringen.

Austrian physician Alfred Huber, a neurosurgeon specializing in back disorders, is also a composer. Or is it the other way around? He spends more time on his medical profession, yet his compositions do not suffer. Rather, his insights from neurology fertilize his music, as he can incorporate the effect of music on our brains. He has mastered doing things that are unexpected and yet sound familiar. His composing often seems to lead down a classical or romantic path, but then turns down his own path that strikes a shaky-seeming balance between tonality and approaches to atonality. At the same time, his music is sensual and analytical. He always remains committed to emotion and thus aims at the mind.

In addition to classically scored forms such as the Trio and the Violin Sonata, Sonata for Double Bass and Piano can be heard here, as well as another work named Impossible, which, in addition to cello and piano, incorporates percussion to form a trio.

Except for Catherine Klipfel, who plays all the piano parts, they alternate instrumentation depending on the work. The Morgenstern Trio is the only permanent ensemble dedicated to the piano trio. They succeed in bringing out more of the atonal and raw side of the music. This gives the work a much more modern expression. The work Impossible with the unusual instrumentation offers a refreshing impression, which is carried by the rhythmic component as well as the lively design of the work and the congenial realization by the soloists taking advantage of these circumstances.

The two sonatas follow more normal paths. The violinist Eszter Haffner may be seen as a Huber specialist, since she has also performed and recorded other works by the composer. Her playing is well shaped and, together with the pianist, offers a good interpretation of the violin sonata. Catherine Klipfel on the piano, as in all the works, knows how to provide a constructive accompaniment for the other participants. She is also is a reliable partner for Niek de Groot on the double bass who lets the largest string instrument vibrate.
Preis der Deutschen Schallplattenkritik

Rezension Preis der Deutschen Schallplattenkritik 4/2022 | 15. November 2022 Bestenliste 4/2022 PdSK

Diese herausragende Aufnahme widmet sich dem lange vernachlässigten Repertoire im Umkreis von Franz Liszt. Selbiges wird hier in jeder Hinsicht vorbildlich mit Orgelwerken von Töpfer, Sulze, Jadassohn und anderen aus der sonst alles überstrahlenden Aura des Lisztschen Œuvres ans Licht befördert. Anna-Victoria Baltrusch hat sich mit der alten Orgel der Zürcher Tonhalle nicht nur ein zeitlich bestens für dieses Repertoire geeignetes Instrument ausgesucht. Sie nutzt seine klanglichen Facetten mit ihrem hochmusikalischen Spiel auch in jeder Hinsicht exemplarisch aus. Und das gelingt ihr in überragender Weise.
RBB Kulturradio

Rezension RBB Kulturradio 17.11.2022 | 17. November 2022 BROADCAST

Als direkter Amtsvorgänger von Joseph Haydn am Hof der Esterhazy in Eisenstadt hat es Gregor Joseph Werner heute schwer, da er sich immer völlig unverschuldet an seinem weltberühmten Nachfolger messen lassen muss.

Das Ensemble la festa musicale unter Altmeister Lajos Rovatkay ist zur Ehrenrettung Werners angetreten und hat bereits die zweite Einspielung mit geistlichen Werken vorgelegt. Diesmal steht das großartige Requiem c-Moll von Werner im Mittelpunkt, das mit aparter Instrumentalbesetzung (Streicher und Posaunen) und dunklen, expressiven Tönen aufwartet.

Exzellent dargeboten von einem Solistenquartett, dem Voktett Hannover und la festa musicale ist diese Ersteinspielung eine große Entdeckung.
Deutschlandfunk

Rezension Deutschlandfunk "Die neue Platte" | 20.11.2022 | 20. November 2022 BROADCAST

Man kennt ihn, wenn überhaupt, vor allem im Zusammenhang mit Joseph Haydn. Gregor Joseph Werner war Haydns Amtsvorgänger als Kapellmeister der Fürsten Esterházy in Eisenstadt, und das fast vier Jahrzehnte lang. Dass hochwertige geistliche Werke von ihm wieder ins Rampenlicht gestellt werden, das ist dem Alte-Musik-Spezialisten der ersten Generation Lajos Rovatkay zu verdanken, der jetzt schon die zweite Folge einer ganzen Reihe bei audite vorlegte.

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