Und noch eine CD mit den Impromptus, diesmal im SACD-Verfahren: Eine herrliche Aufnahmetechnik liefert eine pianistische und klangliche Präsenz, wie man sie nicht oft erlebt. Dadurch werden die feine Anschlagtechnik und das differenzierte Können der jungen, 1981 geborenen Chiao Ying Chang geradezu greifbar. Der Kawai-Flügel, auf dem sie spielt, hat einen warmen und delikaten Klang; die Interpretin verfügt über ein beachtliches Metier und ihre Technik ist makellos. Man sollte nicht vergessen, dass die taiwanesische Pianistin bereits sehr jung an Meisterklassen der wunderbaren Tatjana Nicolaieva teilgenommen hat.
Die Frage ist aber berechtigt, ob ihre Art an Schuberts Impromptus heranzugehen, diesen acht wunderbaren Stücken ganz gerecht wird. Mag sein, dass die junge Interpretin einfach jeder Emphase aus dem Wege gehen wollte, mag sein, dass sie sich ausschließlich auf eine möglichst fein abgestimmte, natürlich sangbare und selbstverständlich anmutende Wiedergabe festlegen wollte, aber so schön und subtil ihr Spiel auch sein mag, dahinter bleiben Welten an Tiefgründigkeit verborgen.
Die acht Stücke, – genau wie die Drei Klavierstücke D. 946 von Mai 1828 –, stellen eine persönliche Suche Schuberts nach neuen Musik- und Ausdrucksformen dar, und diese Suche ist es denn auch eine konsequente und sich stets vertiefende, von der ersten Reihe der Impromptus, die im Sommer-Herbst 1827 entstanden, hin zur zweiten von Dezember 1827 (Schubert hatte kein Jahr mehr zu leben). Verwunderlich ist daher, dass Chiao Ying Chang, gegen jede Logik einer Integrale, diese zweite Folge zuerst vorstellt.
Zugleich wurden diese kurzen Stücke, das längste dauert keine 12 Minuten, zum Konzentrat von Schuberts Seelenzuständen, doch gerade davon merkt man hier kaum etwas. Das schlichte, fast schon cool anmutende Spiel zwingt zwar durch seine innere Konzentration zum Hinhören, weil es die Einfachheit derart weit treibt, allerdings nur, wenn man – wie Curzon, Zimerman, Perahia, Pires, Buchbinder – den inneren Emotionsreichtum bloßlegt, wird ersichtlich, dass Schubert hier einen der tiefsten Ausdrücke seines Seelenzustand offen legt, und der ist von Trauer und Todesahnung geprägt.