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Westdeutsche Zeitung

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Schwäbische Zeitung

Rezension Schwäbische Zeitung Donnerstag, 4. November | Reinhold Mann | November 4, 2010 Alte Bänder neu aufgearbeitet

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Bayern 4 Klassik - CD-Tipp

Rezension Bayern 4 Klassik - CD-Tipp 6. November 2010 | Julia Schölzel | November 6, 2010 Womit zeigt ein Mann seine Liebe? Mit roten Rosen? Mit kostbarem Schmuck? Der...

Womit zeigt ein Mann seine Liebe? Mit roten Rosen? Mit kostbarem Schmuck? Der Komponist Leos Janácek hatte mehr zu bieten, als er im Alter von über 70 Jahren seiner jungen Angebeteten seine tiefe Leidenschaft bekundete: er schrieb ihr, getarnt als "Intime Briefe", ein Streichquartett.

"Jubel, heißes Bekenntnis der Liebe, wehklagend; unbezähmbare Sehnsucht, unerbittlicher Entschluß, mich mit der Welt um Dich zu schlagen ... Ach das ist ein Werk, als ob man es aus lebendigem Fleisch herausschnitte. Ich glaube, ich schreibe nichts Tieferes und Wahrhaftigeres mehr."

Starke Worte für starke, übermächtige Gefühle gerichtet an Kamila Stösslova, die junge Gattin eines Altwarenhändlers, die Janáček als Freundin, Geliebte und Muse umschwärmte. Als Symbol größter Nähe setzte Janáček statt der Bratsche die "Viola d'amore" ein:
"Das Ganze wird von einem besonderen Instrument zusammengehalten, es heißt Viola d'amour – Liebesviola ... In dieser Arbeit werde ich mit Dir allein sein. Kein Dritter neben uns."

Aufgekratzte Stimmung
Diese intime Begegnung äußert sich in vier Sätzen, weit entfernt von klassischen Satztypen, dabei voller emotionaler Irrationalität. Plötzliche Tempowechsel, kurze leidenschaftliche Melodiefetzen, zärtliche Elegien, so findet Janáček in der ihm typischen Art eigene "Worte" für die vier Streichinstrumente. Das Mandelring Quartett mit Gunter Teuffel an der Viola d'amore meistert souverän diese spieltechnisch anspruchsvolle Janáčeksche Syntax und schafft es, durch die Fülle der Klangfarben vom rauhen Schreien bis zum fahlen Säuseln eine in der Tat aufgekratzte Stimmung zu kreiieren, die dem unsteten Getriebenensein verpflichtet ist.

Rekonstruktion der Urfassung
Eine Besonderheit bezüglich des 2. Streichquartetts konnte das Mandelring Quartett für diese CD initiieren: Den ursprünglich für Viola d'amore konzipierten Part mußte Janáček aus aufführungsspraktischen Gründen für die Bratsche umschreiben. Diesen Weg gehen jetzt die Quartettmusiker gemeinsam mit Gunter Teuffel rückwärts. Aus Skizzen und anderem Recherchematerial rekonstruierten sie die Urfassung des 2. Streichquartetts, beide viersätzigen Versionen befinden sich auf der CD und laden zum aufschlußreichen Vergleichen ein.

Einheit von Wort und Musik
Im ersten Werk dieser CD angeregt und aufgeregt durch Tolstois Erzählung "Die Kreutzersonate" protestierte Janáček gegen die Rachehandlungen des gehörnten Ehemanns in einer Art moralischem Kontrapunkt. Dass er dafür sprechende, ja anklagende Klänge in seinem ersten Streichquartett fand, zeigt in dieser packenden Aufnahme des Mandelring Quartetts einmal mehr die herausragende Gabe Janáčeks, Wort und Musik, Sprache und Melodie als sinnstiftende und sinnliche Einheit zu begreifen.
NDR Kultur

Rezension NDR Kultur 8. November 2010 um 15:20 Uhr | Friederike Westerhaus | November 8, 2010 Seit mehr als 25 Jahren besteht das Mandelring Quartett. Der Erfolg des...

Seit mehr als 25 Jahren besteht das Mandelring Quartett. Der Erfolg des Streichquartetts lässt sich an zahlreichen Auszeichnungen wie dem "Preis der Deutschen Schallplattenkritik" und einer Nominierung für den Midem Classical Award ablesen. Ein Markenzeichen der vier Musiker ist, dass sie sich intensiv mit einem Komponisten auseinandersetzen, wenn sie seine Werke einspielen. Ob Brahms, Schubert oder Schostakowitsch - immer haben sie das gesamte Quartett-Schaffen der Komponisten im Blick. Mit ihrem Schostakowitsch-Zyklus ist ihnen eine neue Referenzaufnahme gelungen.

Auch auf seiner neuen CD hat sich das Mandelring-Quartett wieder einem spannenden Projekt zugewandt: den beiden Streichquartetten von Leoš Janáček, die in seinen letzten Lebensjahren entstanden. Das zweite Streichquartett hat das Mandelring Quartett sogar doppelt eingespielt, in zwei verschiedenen Fassungen: mit Bratsche besetzt - und mit Viola d'amore.

Die "Liebesviola"

Das Streichquartett "Intime Briefe" von Janáček ist eine Liebeserklärung. Nicht etwa an seine Ehefrau, sondern an die ebenfalls verheiratete Kamila Stösslová, seine Geliebte und Muse. In nur drei Wochen brachte es der 73-jährige Janáček zu Papier und schrieb in einem seiner fast tausend Briefe an Kamila: "Das Ganze wird von einem besonderen Instrument zusammengehalten werden. Es heißt Viola d'amore, Liebesviola."

Die Viola d'amore ist ein Instrument in Bratschenlage, meist mit sieben Saiten und zusätzlichen Resonanzsaiten, das seine Blütezeit im Barock erlebte und einen einschmeichelnden Klang hat. Janáček liebte diesen Klang und setzte das Instrument häufiger ein. Doch der Bratschist des Quartetts der Uraufführung konnte die Viola d'amore nicht gut genug spielen. Janáček schrieb das Werk deshalb für Bratsche um, erklärt Bernhard Schmidt vom Mandelring-Quartett: "Es gibt eine Aussage von Janáček: 'Ich musste sie herausschneiden, aber es war entsetzlich.' Sie lag ihm unglaublich am Herzen, die Viola d'amore, in diesem Werk. Und er hat in der ursprünglichen Partitur vor jede Zeile von Hand extra eingetragen: 'Viola d'amour'."

Höchst lebendiges Gespräch

Das Mandelring Quartett hat mithilfe des Janáček-Kenners Milan Skampa die Fassung für Viola d'amore rekonstruiert und mit dem d'amore-Spieler Gunter Teuffel eingespielt. Für das Quartett, das seit vielen Jahren mit der üblichen Fassung vertraut ist, war die Auseinandersetzung mit der Viola d'amore ein spannender Prozess, erzählt die Geigerin Nanette Schmidt: "Es braucht ein bisschen, bis man auch adäquat reagieren kann. Wir mussten das alles klanglich etwas abspecken, sonst hätten wir ihn totgemacht."

Insgesamt bekommt das Quartett mit der d'amore einen deutlich intimeren Charakter. Durch die Des-Dur-Stimmung erklingen andere leere Saiten als bei der Bratsche. Nicht überall sind die Unterschiede so deutlich, aber der Gesamteindruck verändert sich spürbar. Es wird nachvollziehbar, warum Janáček für "Intime Briefe" ursprünglich die Viola d'amore einsetzen wollte.

Wohltuend ist, dass das Mandelring Quartett beide Fassungen gleichermaßen ernst nimmt. Beide Interpretationen zeichnen sich durch eine große Homogenität aus. Und beide lassen die für Janáček so typischen, dem Alltag abgelauschten "Sprechmelodien" plastisch und greifbar werden - man wird Zeuge eines höchst lebendigen Gesprächs.

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