z. Zt. 4/8 ProduktionenMusik aus der Klosterkirche Muri
Die Praxis des mehrchörigen Musizierens hatte an den Emporen von San Marco in Venedig mit Giovanni Gabrieli gegen Ende des 16. Jahrhunderts einen Höhepunkt erreicht und gewann von dort aus weit über Italien hinaus stilbildenden Einfluss. Auch der oktogonale Kirchenraum der Klosterkirche Muri mit seinen vier Emporen wurde von den Äbten und Baumeistern speziell für das mehrchörige Musizieren gestaltet. Die vier Emporen der Klosterkirche Muri bieten ideale Bedingungen für die Aufführung mehrchöriger Werke.
Eingeleitet mit der Wiederentdeckung der „Messe von Muri", die 2005 eindeutig Johann Valentin Rathgeber zugeschrieben werden konnte, startete audite im Jahr 2007 eine bislang achtteilige Serie, die sich ganz der Symbiose aus der hervorragenden Raumakustik der Kirche und den Klängen historischer Instrumente widmet, wann immer möglich unter Einbeziehung der vier Emporen der Klosterkirche Muri. Darüber hinaus handelt es sich auch um eine klangliche Dokumentation der zwei historischen Bossart-Orgeln aus dem frühen 17. Jahrhundert, die als bedeutendes Klangdenkmal über die Grenzen der Schweiz hinaus großes Ansehen genießen und Jahr für Jahr von Fachleuten und Liebhabern aus aller Welt besucht werden.
Die Produktion „Christ lag in Todesbanden", bei der Vertonungen dieses Osterchorals von vier Komponisten der Barockzeit einander gegenübergestellt werden, ist zugleich die erste Klangaufzeichnung der Großen Orgel der Klosterkirche Muri nach ihrer umfassenden Restaurierung. Auch „Music for two organs" mit Kompositionen des Wiener Habsburger Hofes aus dem 17. Jahrhundert - aufgenommen im von den Vorfahren der Habsburger gegründeten Kloster Muri - ist primär dem klanglichen Zusammenspiel der beiden Bossart-Orgeln gewidmet.
Die Einspielung „Echo & Risposta" wendet sich der Musizierpraxis des Frühbarocks in Nachfolge Giovanni Gabrielis zu. Die in Dialog tretenden Chöre wurden auf bis zu vier Emporen verteilt, so dass die Architektur der Kirche bestens für die klangliche Gestaltung genutzt werden konnte.
Einen Höhepunkt dieser beeindruckenden Klang- und Raumwirkung stellt die Aufnahme „Polychoral Splendour" mit Werken von Heinrich Schütz und Giovanni Gabrieli dar, die 2012 mit einem International Classical Music Award (ICMA) ausgezeichnet wurde. Dem historischen Vorbild folgend nutzen die Cappella Murensis und das Ensemble Les Cornets Noirs die Situation der vier Musikemporen: In den zwei-, drei- und vierchörigen Werken verschmelzen Stimmen und Instrumente mit den vier Continuo-Orgeln zu einem einzigartigen Klang. Zum Einsatz kommen u.a. auch die zwei historischen Bossart-Orgeln („Epistel"- und „Evangelienorgel"). Die Verwendung dieser beiden großen Orgeln sorgt für zusätzliche dynamische Bandbreite.
Johannes Strobl - seit 2001 Organist der katholischen Kirchengemeinde Muri im Kanton Aargau und bei allen Aufnahmeprojekten federführend - erweist sich zusammen mit der Cappella Murensis, Les Cornets Noirs und dem Ensemble Arcimboldo als hervorragender Spezialist für die Aufführungspraxis Alter Musik. Gemeinsam mit den Ensembles pflegt er regelmäßig das Musizieren in mehreren Chören auf beträchtliche Distanz.
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